Ein Tag wie in Taizé
Jugendarbeiter Jan Bucher in der Stadtkirche Baden. An Pfingsten werden die Kirche und ihre Umgebung für einen Tag zu einem Ort wie Taizé – mit Gesang, Stille, Begegnung und Gebet.
© Roger Wehrli

Ein Tag wie in Taizé

Das besondere Erlebnis an Pfingsten in Baden

Junge und auch ältere Erwachsene aus der ganzen Schweiz können sich jetzt anmelden für einen «Tag wie in Taizé».

Seit Jahrzehn­ten übt die Gemein­schaft von Taizé grosse Anziehungskraft aus. Die öku­menis­che Brüderge­mein­schaft im franzö­sis­chen Bur­gund empfängt jedes Jahr 50’000 Men­schen aus aller Welt und lebt das Miteinan­der viel­er Kon­fes­sio­nen. Bekan­nt ist die Gemein­schaft vor allem durch die öku­menis­chen Jugendtr­e­f­fen. Auch viele Schweiz­er Jugendliche und Erwach­sene weilen regelmäs­sig in Taizé, um in Gemein­schaft zu sin­gen, zu schweigen und miteinan­der über Gott und die Welt zu disku­tieren.

Priorin Irene und Abt Urban

«Ich war noch nie in Taizé», sagt hinge­gen Jan Buch­er, kirch­lich­er Jugen­dar­beit­er in der Pfar­rei Baden-Ennet­baden. Buch­er ist reformiert aufgewach­sen, hat sich als junger Erwach­sen­er für den katholis­chen Glauben entsch­ieden und sich dann fir­men lassen. Ein Aufen­thalt in Taizé habe sich bis jet­zt noch nicht ergeben, bedauert er. Umso mehr freut sich Jan Buch­er darüber, dass Taizé in weniger als zwei Monat­en zu ihm nach Baden kommt. Am Pfin­gst­son­ntag und Pfin­gst­mon­ta, 24. und 25.  Mai, weilen mehrere Brüder der Gemein­schaft von Taizé in Baden. Sie wirken mit am Tre­f­fen «Ein Tag wie in Taizé». Dieser beson­dere Anlass für junge und ältere Erwach­sene find­et im Rah­men des 500-Jahr-Jubiläums der Baden­er Dis­pu­ta­tion statt.

Das Tre­f­fen wird von den reformierten und katholis­chen Kirchge­mein­den Baden zusam­men mit der Jugend­seel­sorge Zürich und der Fach­stelle Jugend der katholis­chen Lan­deskirche Aar­gau organ­isiert. Zwei Frères aus Taizé wer­den an Pfin­g­sten in Baden die Bibe­limpulse in der Stadtkirche hal­ten. Am Tre­f­fen eben­falls dabei sind Pri­or­in Irene Gassmann vom Kloster Fahr und Urban Fed­er­er, Abt des Klosters Ein­siedeln. Bei­de leit­en je einen Work­shop zu den The­men «Frieden» und «Hoff­nung».

«Wir geben alles!»

Jan Buch­er ist im achtköp­fi­gen OK für den Emp­fang der Teil­nehmenden, den «Accueil» ver­ant­wortlich. Er wird mit seinem Team am Pfin­gst­son­ntag die Teil­nehmenden auf dem Kirch­platz in Baden begrüssen und ihnen den Ablauf des Tre­f­fens erk­lären. Falls nötig, kön­nte Buch­er das auch auf Spanisch oder Englisch tun, die anderen Mit­glieder des OK deck­en weit­ere Sprachen ab und sind damit gerüstet für ander­ssprachige Gäste.

Zum Tre­f­fen ein­ge­laden sind junge, aber auch ältere Erwach­sene aus der ganzen Schweiz und darüber hin­aus. Jugen­dar­beit­er und Gast­ge­ber Jan Buch­er sagt: «Baden ist eine weltof­fene und gast­fre­undliche Stadt. Und die Teil­nehmenden kön­nen darauf zählen, dass das Vor­bere­itung­steam alles gibt, um ein bleiben­des Erleb­nis zu schaf­fen.»

Aktuelle Themen

OK-Mit­glied Cécile Mor­gen­thaler wirkt in ­Zürich an monatlich stat­tfind­en­den Taizé-­Feiern mit. Sie war schon mehrmals in Taizé und an den jährlich stat­tfind­en­den Europäis­chen Tre­f­fen. Am Ascher­mittwoch war sie zulet­zt in Taizé, unter anderem, um mit eini­gen Brüdern Videos zum The­ma Frieden, Hoff­nung und Gemein­schaft zu drehen, die die Leute ani­mieren kön­nten, nach Baden zu kom­men. Am meis­ten freut sich Mor­gen­thaler auf die Stim­mung rund um die Stadtkirche: «Es kom­men einige Fre­unde, die ich an den Europäis­chen Jugendtr­e­f­fen ken­nen­gel­ernt habe und die ich nur ein- bis zweimal im Jahr sehe.» Ges­pan­nt ist sie auf die Work­shops, die sehr aktuelle The­men behan­deln: «Davon kann man sich­er etwas mit­nehmen, und die Idee des Friedens weit­er­brin­gen», sagt sie.

Hoffnungsvolles Miteinander

Die Teil­nehmenden dür­fen sich freuen auf Work­shops, gemein­sames Sin­gen, die Stille, das Zusam­men­sein auf dem Kirch­platz und auf das Miteinan­der von katholisch, reformiert, christkatholisch, ortho­dox und weit­eren For­men, den christlichen Glauben zu leben. Ganz wie in Taizé, das als Sinnbild für ein friedlich­es und hoff­nungsvolles Miteinan­der ste­ht.

Wer Taizé ken­nt, wird diesen Geist in Baden wiederfind­en. Und wer Taizé noch nicht ken­nt, hat die Möglichkeit, den Zauber dieser Gemein­schaft hier zu erleben. Buch­er organ­isiert auch die Unter­bringung der Jugendlichen bei Gast­fam­i­lien. Das Konzept des Oks sieht vor, dass die Gäste, die von weit­er weg anreisen, bei Gast­fam­i­lien in Baden und den angren­zen­den Gemein­den über­nacht­en kön­nen. Die Suche nach Gast­fam­i­lien wird dem­nächst lanciert. Die Über­nach­tungs­gäste bleiben eine Nacht und brauchen nicht viel: «Ein Bett oder eine Matratze genü­gen, Taizé-Leute sind meis­tens recht unkom­pliziert», sagt Buch­er. Teil­nehmende kön­nen aber auch selb­st ein Hotelz­im­mer organ­isieren.

Nacht der Lichter

Bis es so weit ist, laufen die Vor­bere­itun­gen auf Hoch­touren. Zusam­men mit Jugendlichen aus der Nach­barge­meinde Wet­tin­gen deko­ri­eren Jan Buch­er und Elis­a­beth Stein­er, kirch­liche Jugen­dar­bei­t­erin in Wet­tin­gen, die Stadtkirche Baden für den grossen Anlass. Buch­er wün­scht sich, dass sich möglichst viele Men­schen für das Tre­f­fen in Baden anmelden. Beson­ders freut er sich auf die «Nacht der Lichter» am Son­ntagabend, 24. Mai. «Wenn viele gemein­sam in der Stadtkirche feiern, ent­fal­tet das Gebet seine ganze Kraft.» Eine Kraft, die wir ger­ade jet­zt beson­ders gut brauchen kön­nen.


Jet­zt anmelden!
Im Rah­men des 500-Jahr-Jubiläums der Baden­er Dis­pu­ta­tion kom­men Brüder von Taizé in die Schweiz und laden alle Inter­essierten nach Baden zu einem«Tag wie in Taizé» ein: Pfin­gst­son­ntag und Pfin­gst­mon­tag, 24.–25. Mai, in und rund um die kath. Stadtkirche Baden. Pro­gramm: 24. Mai, ab 12 Uhr; Ein­tr­e­f­fen und Wel­come; Nach­mit­tag: Work­shops, Sin­gen, Bibele­in­führung, Aus­tausch, Stille, 20.30 Uhr: Nacht der Lichter. 25. Mai: Mor­genge­bet und Work­shops; 12.15 Uhr: Gebet und Schlusspunkt.
Das Tre­f­fen ste­ht in erster Lin­ie jun­gen Erwach­se­nen (18 bis 35 Jahre) aus der ganzen Schweiz und darüber hin­aus offen. Jugendliche zwis­chen 15 und 18 Jahren sind in ein­er Kle­in­gruppe (max. 5) mit ein­er erwach­se­nen Begleit­per­son her­zlich willkom­men. Auch ältere Erwach­sene sind willkom­men. Kosten: 10.– /Person inkl. Über­nach­tung, Essen und Ver­anstal­tun­gen. Anmelde­schluss: 17. Mai.
Anmel­dung: www.taize.ch​
Auskün­fte: / Insta­gram: www.instagram.com/disputnation

Teil­nehmende aus der Region Basel haben die Möglichkeit, gemein­sam mit dem Car nach Baden zu fahren. Der Fach­bere­ich Jugend und Fam­i­lie der römisch-katholis­chen Kirche BL organ­isiert eine gemein­same Hin­fahrt am 24. und Rück­reise am 25. Mai mit dem Car. Ab Basel (Bahn­hofein­gang Gun­deli) geht es los, mit Zwis­chen­halt und Zusteigemöglichkeit in Prat­teln. Für die Fahrt fällt ein Unkosten­beitrag von 10 Franken pro Per­son an.
Sich­ern Sie sich Ihren Platz im Bus: Melden Sie sich bis zum 26. April mit ein­er kurzen Mail und der Teil­nehmenden­zahl bei: . Achtung: Die Plätze sind begren­zt! Weit­ere Infor­ma­tio­nen zum Bus­trans­fer (Abfahrzeit­en usw.) erhal­ten Sie nach Ihrer Anmel­dung von uns.

Wo wir ste­hen dür­fen, wie wir sind

​Ein Erfahrungs­bericht aus Taizé von Isabelle Schreier

Vor­sichtig betrete ich den Vor­raum zur Kirche. Das Licht ist gedämmt, die Stim­men wer­den leis­er. Rasch nehme ich die Lied- und Gebets­blät­ter für das Mor­genge­bet vom Stapel, ein Lieder­büch­lein darf auch nicht fehlen. Eine weit­ere Tür führt mich in den Kirchen­raum. Es ist ruhig, wed­er hell noch dunkel. Es riecht nach Taizé, denke ich, und suche mir zwis­chen den Men­schen, die am Boden sitzen, ein freies Plätzchen.

Ich ziehe meine Schuhe aus. Meine Zehen fühlen den Boden  – einen Boden, der schon viele Sor­gen, Freuden, Trä­nen, Dankbarkeit und unzäh­lige Gebete getra­gen hat. Ich stelle meinen Med­i­­ta­­tions- und Gebet­shock­er ab und ver­suche, eine bequeme Posi­tion darauf zu find­en.

Der Raum ist eine Mis­chung aus Bewe­gung und Sta­tik: Die einen sind schon tief in sich gekehrt an ihrem Ort, die anderen noch auf der Suche nach einem Platz für das Gebet. Meine Gedanken sind ein Durcheinan­der. Habe ich die Zim­mertür abgeschlossen? Ist mein Handy laut­los? Rasch nehme es aus der Tasche zücke ich es aus der Tasche, um es zu kon­trol­lieren  – da begin­nt das Gebet.

Je mehr wir ein­tauchen in eine Sym­biose aus Stille, Gebet, Lesung und Gesang, desto mehr kann ich loslassen: Alltäglich­es, Banales, den Stre­it von let­zter Woche.

Mein Gesang ist hol­prig, ich kenne nicht alle Lieder. Aber es scheint, mein ganz­er Kör­p­er schwinge mit, ob ich die Worte kenne oder nicht. Ruhe kehrt ein  – nicht im Aussen, in mir selb­st. Ich füh­le mich getra­gen. San­ft, leise, zer­brech­lich und doch: getra­gen. Ist es dieser Boden, auf dem vor mir schon so viele Men­schen kni­eten? Ist es dieser Boden, den es nicht ohne Grund gibt?

Verbindend und befreiend

Die Erfahrung, in die Gemein­schaft der Com­mu­nauté de Taizé einzu­tauchen, erlebe ich immer wieder als inten­siv, verbindend und befreiend. Und jedes Mal nehme ich ein Stück Taizé mit nach Hause: ein Lieder­büch­lein, einen Hock­er, eine Erin­nerungskarte, Tee  – und vor allem dieses Gefühl: Taizé wird von einem guten Boden getra­gen. Aber ist Taizé auf anderem Grund nicht auch möglich? In der Schweiz gibt es, je nach Region, eine starke Taizé-Tra­di­­tion: von klas­sis­chen For­men bis hin zu Neuin­ter­pre­ta­tio­nen. Gemein­sam sind die Lieder, die fast mantraar­tig wieder­holt wer­den, die tra­gende Stille und das Gebet  – gemein­sam oder still.

Nicht verkopft

«Für Gottes­di­enst braucht es fast kein gesproch­enes Wort.» – Mar­cel­la Criscione.

Damit spricht meine Arbeit­skol­le­gin etwas an, was auch ich füh­le: Taizé, das ist ein Gottes­di­enst, der nicht verkopft ist, der keine lange Predigt und keine vie­len litur­gis­chen Anweisun­gen braucht. Kein Frontalun­ter­richt, keine Unter­weisung. Son­dern etwas, das ich spüre. Etwas, mit dem mein ganz­er Leib betet, singt, feiert, dankt und manch­mal auch unglaublich trau­rig sein darf. Auf einem Boden, der trägt. Auf beson­derem Boden.

Ein Boden, der Gott gehört

Wie in der Geschichte von Mose und dem bren­nen­den Dorn­busch (Ex  3). Gott weist Mose an, seine Schuhe auszuziehen, denn der Ort, auf dem er ste­ht, ist heiliger Boden. Vielle­icht heilig, weil er dem men­schlichen Macht­bere­ich ent­zo­gen ist? Ein Boden, der Gott gehört. Ein Ort, an dem alle, die ihn betreten, gle­ich und doch ver­schieden sind: gle­ich an Würde, geliebte Kinder Gottes  – und doch so bunt und unter­schiedlich, mit allem, was wir mit­brin­gen: klein oder gross, klug, laut, intro­vertiert, dunkel­haarig, blauäugig, ein­fühlsam, von hier oder von dort.

Wo wir die Schuhe ausziehen

Wir holen Taizé und diesen beson­deren Boden nach Baden  – einen Tag lang, wie in Taizé. Und vielle­icht geschieht genau dort das Entschei­dende. Dass wir merken, der heilige Boden ist kein Ort in Frankre­ich: Er entste­ht dort, wo wir zusam­menkom­men kön­nen, wie wir sind. Wo Men­schen Raum find­en für Stille und Gebet, für Gesang, für Zweifel und Glauben, für das, was sie mit­brin­gen. Wo wir einan­der mit Wertschätzung begeg­nen, und Gemein­schaft wach­sen darf. Wo wir die Schuhe ausziehen – im wörtlichen oder über­tra­ge­nen Sinn – und uns berühren lassen.

Ein Boden, der nichts ver­langt und nichts bew­ertet…​ Der ein­fach trägt.

Ein Tag wie in Taizé - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz 2
Isabelle Schreier ist Mitar­bei­t­erin auf der Fach­stelle Jugend und junge Erwach­sene der Lan­deskirche Aar­gau. Hier berichtet sie von ihren Erfahrun­gen in Taizé.

Marie-Christine Andres Schürch
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