«Seine Herzlichkeit und sein Hinhören bleiben unvergessen»
Im Neujahrsgottesdienst im Petersdom enpfing Papst Franziskus Sternsingergruppen aus mehreren Ländern, darunter auch die Sternsingerkinder aus der Pfarrei St. Anton in Basel.
Bild: © Antoine Mekary, Kindermissionswerk

«Seine Herzlichkeit und sein Hinhören bleiben unvergessen»

Erinnerungen an Papst Franziskus

Wer Papst Franziskus einmal persönlich gegenüberstand, erinnert sich ein Leben lang an diesen Augenblick. Menschen aus unseren Pfarreien erzählen von ihrer Begegnung mit dem Papst.

«Es ist schon ein komis­ches Gefühl zu wis­sen, dass der Men­sch für den man sein Leben gegeben hätte, jet­zt tot ist», sagte der ehe­ma­lige Schweiz­er­gardist Simon Bussinger zu seinem Vater, nach­dem er am Oster­mon­tag vom Tod des Pap­stes erfahren hat­te. Der Wall­bach­er hat­te von 2017 bis 2019 in der Schweiz­er­garde gedi­ent. Bei seinem Dienst erlebte er den Papst so nahe wie wenige andere Men­schen. Bevor der Papst sich am Abend jew­eils in sein Schlafz­im­mer zurück­ge­zo­gen habe, sei er immer zum dien­sthaben­den Gardis­ten gegan­gen und habe ihm eine gute Nacht gewün­scht, sagt Bussinger, der einige Nächte vor dem Zim­mer des Pap­stes durchwacht hat. «Der Papst hat sich immer nach dem Wohlbefind­en der Gardis­ten und der Ange­höri­gen erkundigt. Er hat­te für die Gardis­ten immer ein offenes Ohr.»

Auch kurze Begeg­nun­gen mit dem Papst haben bleiben­den Ein­druck gemacht. Men­schen aus dem «Lichtblick»-Gebiet teilen ihre per­sön­lichen Erin­nerun­gen an Papst Franziskus.

«Die Offen­heit, mit der er uns ansah»

Änna, Sternsin­gerin in der Pfar­rei St. Anton, Basel-Stadt, feierte die Neu­jahrsmesse 2025 mit anderen Sternsingerkindern im Peters­dom

«Beson­ders an Papst Franziskus war die Offen­heit, mit der er uns ansah und die auch, glaube ich, eine grosse Rolle in sein­er Amt­szeit spielte.

Er war ein­fach voll in diesem Moment und betra­chtete uns als ähn­lich ‘wichtige’ Men­schen wie er. Ich habe sel­ten Men­schen gese­hen, die so viel Freude und Glück ausstrahlen wie er. Man hat auch gemerkt, dass er keine Angst und über­haupt keinen Stress hat­te.

Es hat ihm, denke ich, sehr viel Spass gemacht, zu sehen, wie sich die Men­schen freuen, dass er da ist. Ich glaube, eines der wichtig­sten Dinge für ihn in seinem Leben war die Freude am Moment und die Liebe zueinan­der.»

«Seine Herzlichkeit und sein Hinhören bleiben unvergessen» - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz 3
Änna (im weis­sen Kleid) am 1. Jan­u­ar 2025 bei ihrer Begeg­nung mit Franziskus. | Bild: Antoine Mekary, Kin­der­mis­sion­swerk

«Eine tiefe Begeg­nung»

Markus Dieth, Regierungsrat des Kan­tons Aar­gau

«Es gibt Momente im Leben, die bleiben immer im Herzen. So ein Moment in meinem Leben war die Begeg­nung mit Papst Franziskus anlässlich des Besuchs des Kan­tons Aar­gau im Jahre 2023. Es war eine tiefe Begeg­nung, als er mir bei der per­sön­lichen Begrüs­sung mit einem herzhaften Händ­e­druck in meine Augen schaute. Es war etwas sehr Beson­deres – er war eine bedeu­tende Per­sön­lichkeit, die Güte und Her­zlichkeit in Per­son.»

Grusswort von Markus Dieth
Markus Dieth. | Bild: Basler Aarau

«Er über­raschte ohne Getöse und Pomp»

Irene Gassmann, Pri­or­in Kloster Fahr

«Die Nachricht des Todes von Papst Franziskus war ein­mal mehr eine Über­raschung. Sein stilles Hinüberge­hen in die Ewigkeit war beze­ich­nend für sein Wirken. Er set­zte Zeichen und über­raschte ohne lautes Getöse und Pomp.

Der Beginn meines Engage­ments für eine geschlechterg­erechte Kirche begann mit seinem Pon­tif­ikat. Seine Gesten und Worte haben in mir Hoff­nung und Zuver­sicht für eine Erneuerung der Kirche geweckt. Schritt für Schritt förderte Papst Franziskus Frauen in der katholis­chen Kirche. Er hat den Reform­prozess von innen her angestossen.

Anlässlich der Verei­di­gung der Schweiz­er­garde am 6. Mai 2023 durfte ich Papst Franziskus per­sön­lich begeg­nen. Auch wenn er damals schon von Alter und Krankheit geze­ich­net war, so berührte mich seine Präsenz und Aufmerk­samkeit.

In gross­er Dankbarkeit werde ich sein­er gedenken.»

Livestream im Kloster Fahr - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz
Pri­or­in Irene Gassmann. | Bild: Felix Wey

«Beten Sie für mich»

Ivo Corvi­ni-Mohn, Präsi­dent des Lan­deskirchen­rats BL

«Ich durfte Papst Franziskus diesen Jan­u­ar nochmals an ein­er Audienz begeg­nen. Beim kurzen per­sön­lichen Aus­tausch sagte er zu mir: «Beten Sie für mich». Dies sagte er damals auch Anderen an der Audienz. Kurze Zeit später musste er dann für lange Zeit ins Spi­tal. Ich frage mich, ob er nicht bere­its ahnte, dass sein irdis­ches Leben nicht mehr lange dauern würde.

Papst Franziskus bleibt mir vor allem als ‘Frieden­sapos­tel’ in Erin­nerung. Ger­ade sein Ein­satz für den Frieden in der Ukraine, als dieser in der Gesellschaft noch als unpop­ulär und unange­bracht ange­se­hen wurde, war vor­bildlich. Ihm ging es im All­ge­meinen nie um das Pop­ulär­sein, wie es oft in der Poli­tik der Fall ist. Sein tiefer Glaube hat diese vor­bildliche Hal­tung gefördert.

Sehr gefall­en hat mir auch die Aus­sage von Franziskus, dass die Kirche keine feste Burg, son­dern ein mobiles «Feld­lazarett» für religiös Suchende sein soll. Statt narzis­stisch um sich selb­st zu kreisen, müsse die Kirche bere­it sein, nach aussen zu gehen und sich mit den Bedürfnis­sen der Men­schen auseinan­derzuset­zen.»

Freiwillige würdigen, Schweizergarde unterstützen - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz
Ivo Corvi­ni-Mohn. | Bild: Julia Salathé

«Er lachte viel und machte gerne Scherze»

Hele­na Jeppe­sen-Spuh­ler, Mitar­bei­t­erin bei Fas­te­nak­tion und Schweiz­er Delegierte an der Welt­syn­ode in Rom

«Papst Franziskus ist am Oster­son­ntag nochmals über den Peter­splatz gefahren und hat die Menge gegrüsst. Dies war seine aller­let­zte Amt­shand­lung und sie war typ­isch für Franziskus. Er wollte als Papst nahe bei den Men­schen sein. In der Syn­oden­ver­samm­lung war er vor den Sitzun­gen immer früh da und sprach spon­tan mit den Teil­nehmenden. Er lachte viel und machte gerne Scherze. Er war wohl für viele Men­schen in- und ausser­halb der Kirche ‘ein­er von uns’.»

«Seine Herzlichkeit und sein Hinhören bleiben unvergessen» - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz 1
Hele­na Jeppe­sen-Spuh­ler. | Bild: Roger Wehrli

«Seine Her­zlichkeit und sein Hin­hören bleiben unvergessen»

Luc Hum­bel, ehe­ma­liger Kirchen­rat­spräsi­dent der Römisch-Katholis­chen Kirche im Aar­gau

«Papst Franziskus war bis zu seinem Tode nicht berechen­bar. So hat er sich oft über Kon­ven­tio­nen hin­weg geset­zt und ist immer für seine Überzeu­gun­gen einge­treten. Sein Engage­ment für die Schwachen wird uns immer Vor­bild sein, seine Refor­men wer­den die Kirche weit­er­hin prä­gen.

Meine per­sön­liche Bege­gung mit ihm berührt mich noch heute, seine Her­zlichkeit und sein Hin­hören bleiben unvergessen.»

Luc Humbel tritt Ende 2024 als Kirchenratspräsident zurück - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz
Luc Hum­bel. | Bild: Felix Wey

«Der Papst hat län­gere Zeit mit mir gesprochen»

Andy Bussinger, Vater von Simon Bussinger, der von 2017 bis 2019 in der Schweiz­er­garde diente

«Ich durfte Papst Franziskus am 4. Mai 2018 anlässlich der Audienz der Eltern von Gardis­ten per­sön­lich gegenübertreten. Schon als er den Saal betreten hat, hat sich die bere­its fes­tliche Stim­mung noch mehr zum Fes­tlichen verän­dert. Per­sön­lich war ich im ersten Moment ent­täuscht, weil mir nur noch die per­sön­liche Begrüs­sung mit Hän­de­schüt­teln in Erin­nerung geblieben ist. Simon hat mich später darauf hingewiesen, dass der Papst län­gere Zeit mit mir gesprochen hat. Dies kann man auch auf den ent­stande­nen Fotos gut sehen. Papst Franziskus hat mich mit sein­er Art so in eine ‘Trance’ ver­set­zt, dass ich dies nicht ein­mal bemerkt habe.»

Familienbande
Andy und Simon Bussinger vor der Verei­di­gung im Jahr 2018 auf dem Peter­splatz.

«Er hat sich nie in ein Pro­tokoll zwän­gen lassen»

Jes­si­ca Krämer, Fotografin der Schweiz­er­garde

«Was ich nicht vergessen werde, sind die Atmo­sphäre und das erste ‘Buonasera’ am Abend sein­er Wahl, das er uns auf dem Peter­splatz zugerufen hat.

Ausser­dem war Franziskus abso­lut ein Mann der Spon­tan­ität. Er hat sich nie in ein Pro­tokoll zwän­gen lassen, so hat er mir ein­mal unge­plant eines mein­er Fotos mit ihm während ein­er Gen­er­alau­dienz sig­niert, welchea ich ihm eigentlich übergeben wollte. Auch seine Offen­heit in Sachen Ökumene und die Wertschätzung der ein­fachen Gläu­bi­gen wer­den mir defin­i­tiv in Erin­nerung bleiben.»

«Seine Herzlichkeit und sein Hinhören bleiben unvergessen» - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz
Jes­si­ca Krämer. | Bild: Oliv­er Sit­tel

Marie-Christine Andres Schürch
mehr zum Autor
nach
soben