
Bild: © Antoine Mekary, Kindermissionswerk
Unter einem guten Stern gemeinsam unterwegs
Die Sternsingerinnen und Sternsinger sammeln Spenden für Kinder in Bangladesch
Die Sternsinger-Kinder ziehen wieder durch die Strassen und Altersheime, um Geld für Kinder in Not zu sammeln. In diesem Jahr für Kinder in Bangladesch. Mit den Spenden unterstützen sie ein Projekt gegen Kinderarbeit. Änna und Dave sind Sternsingerkinder aus der Kirche St Anton in Basel und haben sich mit dem Thema Kinderarbeit auseinandergesetzt.
Änna: Hallo Dave, ich möchte mich heute mit dir über Kinderarbeit in Bangladesch unterhalten. Bangladesch grenzt an Indien und du hast doch indische Wurzeln, oder?
Dave: Ja, meine Eltern kommen aus Indien, aus dem indischen Bundesstaat Kerala. Ich bin aber hier geboren.

Gibt es in Indien auch Kinderarbeit?
Ja, die gibt es auch in Indien. Ich habe noch nie Kinder dort arbeiten sehen, meine Eltern dagegen vor vielen Jahren in Kerala schon. Jetzt gibt es in Kerala nicht mehr so viel Kinderarbeit, in anderen Gegenden Indiens aber schon, obwohl es verboten ist.
Was sagen die Kinderrechte über Kinderarbeit?
Jedes Land hat eine Altersgrenze, die vorschreibt, ab wann ein Kind arbeiten darf. In den meisten Ländern liegt diese Grenze bei 14 bis 16 Jahren. Kleine Arbeiten sind teilweise auch schon in jüngerem Alter erlaubt. Gefährliche und ausbeuterische Kinderarbeit ist dagegen international verboten.
In vielen Ländern ist trotzdem genau das oft der Fall. Warum arbeiten in Bangladesch dennoch schätzungsweise 1,8 Millionen Kinder unter schlechten Bedingungen?
Oft ist Armut der Grund für Kinderarbeit, welche verschiedene Ursachen haben kann. Arm werden die Menschen zum Beispiel, wenn die Eltern alleinerziehend sind, oder als Folge von Verletzungen oder Krankheiten.
Welche Arbeiten verrichten die Kinder dort?
Im Film über Kinderarbeit in Bangladesch habe ich mehrere Arten von Kinderarbeit kennengelernt. Die Kinder arbeiten zum Beispiel als Strassenverkäuferinnen und Strassenverkäufer oder in Firmen. Oft sind die Arbeiten auch gefährlich. Die Kinder arbeiten beispielsweise mit giftigen Substanzen, an unsicheren Arbeitsplätzen, oder mit gefährlichen Werkzeugen und Maschinen. Kinderarbeit betrifft rund 54 Millionen Kinder weltweit. In Bangladesch sind 1,1 Millionen Kinder davon betroffen.
Abgesehen davon, dass die Arbeiten gefährlich sind. Was ist an Kinderarbeit auch noch schlimm?
Kinderarbeit ist oft der Beginn oder die Fortsetzung eines Armutskreislaufs. Die Kinder können häufig nicht zur Schule gehen. Zusätzlich werden sie schlecht bezahlt und können auf Grund ihrer versäumten Schulzeit später keinen gut bezahlten Beruf ausüben. Womöglich werden ihre eigenen Kinder dann auch arbeiten müssen, da die Familie zu wenig Geld besitzt. Das Schlimmste: Manche Kinder werden von ihren Eltern getrennt und sind dann auf sich allein gestellt.

Wie helfen wir Sternsinger gegen Kinderarbeit?
Indem wir Geld sammeln. Im letzten Jahr haben wir Sternsinger der Kirche St. Anton über 4000 Franken eingesungen. Es war allerdings ein besonderes Jahr, denn neben den Altersheimen in Basel durften wir auch Rom besuchen und dort haben wir natürlich auch Geld gesammelt – für Kinder in Kenia und Kolumbien. Dieses Jahr geht das Geld an Organisationen, die gegen Kinderarbeit in Bangladesch kämpfen.
Spielt das «Geldsammeln» beim Sternsingen eine wichtige Rolle für dich?
Ich finde es sehr schön, dass wir Geld sammeln, aber ich würde es auch sonst machen. Die alten Menschen freuen sich nämlich sehr, wenn wir kommen, und es ist auch immer toll, mit den anderen Kindern zu spielen.
Denkst du denn, den Spenderinnen und Spendern ist bewusst, dass das Geld, welches sie spenden, an Kinder in Bangladesch geht?
Wir sagen den Spruch auf: «Mr sammle aber hütt au Gäld, für Kinder uff dr ganze Wält. Do mr em Jesus jo nüt könne schängge, wämmer drfür an armi Kinder dängge.» Zusätzlich informiert unsere Leiterin, Pia Dongiovanni, über den diesjährigen Verwendungszweck. Und er steht auch auf den Segensstreifen, die wir verteilen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das alle Menschen mitkriegen, da sie teilweise schon ziemlich alt sind. Einige spenden wahrscheinlich einfach Geld, weil sie finden, dass wir schön gesungen haben. In gewissen Altersheimen bekommen wir einen Umschlag mit Geld, ohne dass die betagten Menschen uns persönlich etwas aus ihrem Portemonnaie spenden.
Nach allem, was wir jetzt besprochen haben: Kannst du dich in die Kinder hineinversetzen? Wie stellst du es dir vor, Kinderarbeit verrichten zu müssen?
Ganz schlimm einfach! Ich kann es mir aber nur schwer vorstellen, wir haben es hier so gut.
Was denken deiner Meinung nach denn die Kinder, die arbeiten müssen, über Kinderarbeit?
Ich weiss nicht, ob es ihnen so bewusst ist, dass man mit ihnen nicht so umgehen darf. Aber sehr wahrscheinlich sind sie einfach ganz froh, wenn sie einmal nicht mehr arbeiten müssen. Ein Junge, der in einem Informationsfilm von Missio interviewt wird und selbst zu diesem Zeitpunkt noch arbeitet, sagt, dass er es sich so schön vorstellt, in die Schule gehen zu dürfen und dass er dann auch ganz fleissig sein wird. Er nimmt sich für später vor, eine Schule bauen zu lassen, die für alle kostenlos ist.
Vielen Dank für deine Gedanken zu diesem Thema, Dave! Ich wünsche den Sternsingern in diesem Jahr und auch in den kommenden Jahren ganz viel Unterstützung, damit diese tolle Tradition weiterleben kann!