Unter einem guten Stern gemeinsam unterwegs
Im Neujahrsgottesdienst 2025 im Petersdom empfing Papst Franziskus Sternsingergruppen aus mehreren Ländern, darunter auch die Sternsingerkinder aus der Pfarrei St. Anton in Basel. Für Änna (links neben Papst Franziskus) war die Begegnung mit dem Papst eine Sternstunde.
Bild: © Antoine Mekary, Kindermissionswerk

Unter einem guten Stern gemeinsam unterwegs

Die Sternsingerinnen und Sternsinger sammeln Spenden für Kinder in Bangladesch

Die Sternsinger-Kinder ziehen wieder durch die Strassen und Altersheime, um Geld für Kinder in Not zu sammeln. In diesem Jahr für Kinder in Bangladesch. Mit den Spenden unterstützen sie ein Projekt gegen Kinderarbeit. Änna und Dave sind Sternsingerkinder aus der Kirche St Anton in Basel und haben sich mit dem Thema Kinderarbeit auseinandergesetzt.

Änna: Hal­lo Dave, ich möchte mich heute mit dir über Kinder­ar­beit in Banglade­sch unter­hal­ten. Banglade­sch gren­zt an Indi­en und du hast doch indis­che Wurzeln, oder?
Dave: Ja, meine Eltern kom­men aus Indi­en, aus dem indis­chen Bun­desstaat Ker­ala. Ich bin aber hier geboren.

Solidarität unter Kindern - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz
Dave, Sternsinger aus St. Anton in Basel

Gibt es in Indi­en auch Kinder­ar­beit?
Ja, die gibt es auch in Indi­en. Ich habe noch nie Kinder dort arbeit­en sehen, meine Eltern dage­gen vor vie­len Jahren in Ker­ala schon. Jet­zt gibt es in Ker­ala nicht mehr so viel Kinder­ar­beit, in anderen Gegen­den Indi­ens aber schon, obwohl es ver­boten ist.

Was sagen die Kinder­rechte über Kinder­ar­beit?
Jedes Land hat eine Alters­gren­ze, die vorschreibt, ab wann ein Kind arbeit­en darf. In den meis­ten Län­dern liegt diese Gren­ze bei 14 bis 16 Jahren. Kleine Arbeit­en sind teil­weise auch schon in jün­gerem Alter erlaubt. Gefährliche und aus­beu­ter­ische Kinder­ar­beit ist dage­gen inter­na­tion­al ver­boten.

In vie­len Län­dern ist trotz­dem genau das oft der Fall. Warum arbeit­en in Banglade­sch den­noch schätzungsweise 1,8 Mil­lio­nen Kinder unter schlecht­en Bedin­gun­gen?
Oft ist Armut der Grund für Kinder­ar­beit, welche ver­schiedene Ursachen haben kann. Arm wer­den die Men­schen zum Beispiel, wenn die Eltern allein­erziehend sind, oder als Folge von Ver­let­zun­gen oder Krankheit­en.

Welche Arbeit­en ver­richt­en die Kinder dort?
Im Film über Kinder­ar­beit in Banglade­sch habe ich mehrere Arten von Kinder­ar­beit ken­nen­gel­ernt. Die Kinder arbeit­en zum Beispiel als Strassen­verkäuferin­nen und Strassen­verkäufer oder in Fir­men. Oft sind die Arbeit­en auch gefährlich. Die Kinder arbeit­en beispiel­sweise mit gifti­gen Sub­stanzen, an unsicheren Arbeit­splätzen, oder mit gefährlichen Werkzeu­gen und Maschi­nen. Kinder­ar­beit bet­rifft rund 54 Mil­lio­nen Kinder weltweit. In Banglade­sch sind 1,1 Mil­lio­nen Kinder davon betrof­fen.

Abge­se­hen davon, dass die Arbeit­en gefährlich sind. Was ist an Kinder­ar­beit auch noch schlimm?
Kinder­ar­beit ist oft der Beginn oder die Fort­set­zung eines Armut­skreis­laufs. Die Kinder kön­nen häu­fig nicht zur Schule gehen. Zusät­zlich wer­den sie schlecht bezahlt und kön­nen auf Grund ihrer ver­säumten Schulzeit später keinen gut bezahlten Beruf ausüben. Wom­öglich wer­den ihre eige­nen Kinder dann auch arbeit­en müssen, da die Fam­i­lie zu wenig Geld besitzt. Das Schlimm­ste: Manche Kinder wer­den von ihren Eltern getren­nt und sind dann auf sich allein gestellt.

Taz­im kann dank der Unter­stützung der Abdur Rashid Khan Thakur Foun­da­tion (ARKTF) in Jes­sore wieder in die Schule gehen, statt in der Alu­mini­um­fab­rik zu arbeit­en. Die Sternsinger-Aktion unter­stützt die Stiftung mit ihren Spenden.

Wie helfen wir Sternsinger gegen Kinder­ar­beit?
Indem wir Geld sam­meln. Im let­zten Jahr haben wir Sternsinger der Kirche St. Anton über 4000 Franken einge­sun­gen. Es war allerd­ings ein beson­deres Jahr, denn neben den Alter­sheimen in Basel durften wir auch Rom besuchen und dort haben wir natür­lich auch Geld gesam­melt – für Kinder in Kenia und Kolumbi­en. Dieses Jahr geht das Geld an Organ­i­sa­tio­nen, die gegen Kinder­ar­beit in Banglade­sch kämpfen.

Spielt das «Geld­sam­meln» beim Sternsin­gen eine wichtige Rolle für dich?
Ich finde es sehr schön, dass wir Geld sam­meln, aber ich würde es auch son­st machen. Die alten Men­schen freuen sich näm­lich sehr, wenn wir kom­men, und es ist auch immer toll, mit den anderen Kindern zu spie­len.

Denkst du denn, den Spenderin­nen und Spendern ist bewusst, dass das Geld, welch­es sie spenden, an Kinder in Banglade­sch geht?
Wir sagen den Spruch auf: «Mr samm­le aber hütt au Gäld, für Kinder uff dr ganze Wält. Do mr em Jesus jo nüt könne schängge, wäm­mer drfür an armi Kinder dängge.» Zusät­zlich informiert unsere Lei­t­erin, Pia Don­gio­van­ni, über den diesjähri­gen Ver­wen­dungszweck. Und er ste­ht auch auf den Segensstreifen, die wir verteilen. Ich bin mir aber nicht sich­er, ob das alle Men­schen mitkriegen, da sie teil­weise schon ziem­lich alt sind. Einige spenden wahrschein­lich ein­fach Geld, weil sie find­en, dass wir schön gesun­gen haben. In gewis­sen Alter­sheimen bekom­men wir einen Umschlag mit Geld, ohne dass die betagten Men­schen uns per­sön­lich etwas aus ihrem Porte­mon­naie spenden.

Nach allem, was wir jet­zt besprochen haben: Kannst du dich in die Kinder hinein­ver­set­zen? Wie stellst du es dir vor, Kinder­ar­beit ver­richt­en zu müssen?
Ganz schlimm ein­fach! Ich kann es mir aber nur schw­er vorstellen, wir haben es hier so gut.

Was denken dein­er Mei­n­ung nach denn die Kinder, die arbeit­en müssen, über Kinder­ar­beit?
Ich weiss nicht, ob es ihnen so bewusst ist, dass man mit ihnen nicht so umge­hen darf. Aber sehr wahrschein­lich sind sie ein­fach ganz froh, wenn sie ein­mal nicht mehr arbeit­en müssen. Ein Junge, der in einem Infor­ma­tions­film von Mis­sio inter­viewt wird und selb­st zu diesem Zeit­punkt noch arbeit­et, sagt, dass er es sich so schön vorstellt, in die Schule gehen zu dür­fen und dass er dann auch ganz fleis­sig sein wird. Er nimmt sich für später vor, eine Schule bauen zu lassen, die für alle kosten­los ist.

Vie­len Dank für deine Gedanken zu diesem The­ma, Dave! Ich wün­sche den Sternsingern in diesem Jahr und auch in den kom­menden Jahren ganz viel Unter­stützung, damit diese tolle Tra­di­tion weit­er­leben kann!

Änna Tegethoff
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