Unsere Kleidung ist rechtsfreie Zone

Unsere Kleidung ist rechtsfreie Zone

Das kirch­liche Hil­f­swerk Fas­tenopfer lanciert zusam­men mit seinen öku­menis­chen Part­nern die öku­menis­che Kam­pagne 2014 gemäss dem Slo­gan: Die Saat von heute ist das Brot von mor­gen. Im Fokus ste­ht die Gen­er­a­tio­nen­sol­i­dar­ität. Shatil Ara (34) aus Bangladesh ist Mitar­bei­t­erin der Fair Wear Foun­da­tion, zu deren Schweiz­er Grün­dungsmit­gliedern Brot für alle und Fas­tenopfer gehören.Die erwäh­nte Foun­da­tion kämpft uner­schrock­en für die Rechte der Angestell­ten in den Tex­til­fab­riken ihres Lan­des, wie Shatil Ara imInter­view berichtet. Das kirch­liche Hil­f­swerk Fas­tenopfer lanciert zusam­men mit seinen öku­menis­chen Part­nern die öku­menis­che Kam­pagne 2014 gemäss dem Slo­gan: Die Saat von heute ist das Brot von mor­gen. Im Fokus ste­ht die Gen­er­a­tio­nen­sol­i­dar­ität. Shatil Ara (34) aus Bangladesh ist Mitar­bei­t­erin der Fair Wear Foun­da­tion, zu deren Schweiz­er Grün­dungsmit­gliedern Brot für alle und Fas­tenopfer gehören. Die erwäh­nte Foun­da­tion kämpft uner­schrock­en für die Rechte der Angestell­ten in den Tex­til­fab­riken ihres Lan­des, wie Shatil Ara imInter­view berichtet.Frau Ara, Sie kämpfen für die Rechte der Arbei­t­erin­nen und Arbeit­er, die für Hunger­löhne unsere Klei­der in Bangladesh pro­duzieren. Was motiviert Sie dazu? Shatil Ara: Meine Moti­va­tion kommt von meinem Gross­vater. Er war eine wichtige Per­son in der kom­mu­nis­tis­chen Partei. Sein ganzes Leben lang set­zte er sich für Rechte der land­losen Bauern ein. Ich habe die Arbeits­be­din­gun­gen der Men­schen gese­hen, die Klei­der pro­duzieren. Während sechs Monat­en habe ich in ein­er solchen Fab­rik gear­beit­et und das Aus­mass der Aus­beu­tung ken­nen­gel­ernt. Ich habe mich bald ein­mal gefragt, ob unser Land tat­säch­lich von diesem Wirtschaft­szweig prof­i­tiert; welch­es die tat­säch­lichen Kosten der Klei­der­pro­duk­tion für Bangladesh sind, wenn man die Aus­beu­tung von Arbeit­skraft und der Umwelt sowie den Energie­ver­brauch in Betra­cht zieht.Welche sind dabei die grössten Her­aus­forderun­gen Ihrer Arbeit für mehr Gerechtigkeit in der Klei­der­pro­duk­tion? Zu unser­er Arbeit gehören unter anderem die Schu­lung von Man­agern in den Fab­riken und die Aus­bil­dung staatlich­er Indus­triein­spek­toren, die die Ein­hal­tung der Sozial­stan­dards überwachen sollen. Die wichtig­ste Her­aus­forderung beste­ht darin, die Men­tal­ität der Men­schen zu ändern und zugle­ich die Sache der Arbeit­srechte dank der Aus­bil­dung­spro­gramme für Arbeit­er und Arbei­t­erin­nen voranzubrin­gen. Es ist hier seit Jahrzehn­ten üblich, die Rechte der arbei­t­en­den Bevölkerung zu ver­let­zen. Vor allem betrof­fen sind die Grup­pen mit niedrigem Einkom­men. Sie haben am wenig­sten zu sagen. Wenn Diskri­m­inierung und Mis­sach­tung von echt­en Ansprüchen in ein­er bes­timmten Gesellschaft oder in einem bes­timmten Bere­ich über Jahre anhal­ten, dann wer­den diese gle­ich­sam informell insti­tu­tion­al­isiert.Ken­nen die Betrof­fe­nen ihre eige­nen Rechte? In der Öffentlichkeit wer­den die Arbeit­er­rechte kaum wahrgenom­men. Auch wer am Ende der sozialen Leit­er ste­ht, ken­nt sie nicht. Wenn wir aber begin­nen, die Arbei­t­erin­nen zu schulen, sind sie bald frus­tri­ert, weil man ihnen ihre Rechte nicht anerken­nt. Oder sie suchen in ein­er gewalt­täti­gen Reak­tion zu ihren Recht­en zu kom­men. Es kommt aber auch vor, dass sie den Beschluss fassen, die missliche Sit­u­a­tion auf sich zu nehmen, weil sie fürcht­en, ihren Arbeit­splatz zu ver­lieren.Was untern­immt der Staat für die benachteiligten Arbei­t­erin­nen und Arbeit­er? Unser Staat gehört zu jenen, die keine Garantie dafür übernehmen, dass das offizielle insti­tu­tionelle Sys­tem auch funk­tion­iert. Es gibt zum Beispiel kein Arbeits­gericht, an das sich die Arbeit­er wen­den kön­nten. Die Gew­erkschaften sind schwach. So gibt es für die Arbeit­er keinen Weg, um zu ihrem Recht zu kom­men. In den Fab­riken, die Klei­der her­stellen, ist das Klagerecht nicht entwick­elt. Die Angestell­ten sehen sich gezwun­gen, den Weg des gewalt­täti­gen Kon­flik­ts zu wählen und auf soziale Mobil­i­sa­tion zu set­zen. Immer wieder ver­lieren sie ihre Anstel­lung oder wer­den zu Opfern von Beläs­ti­gun­gen und Über­grif­f­en. Und das einzig darum, weil sie ihre legit­i­men Rechte ein­fordern.Sie führen Aus­bil­dun­gen durch, damit die Arbei­t­erin­nen und Arbeit­er ihre Rechte ken­nen­ler­nen. Wie sehen diese aus? Unsere Sen­si­bil­isierungs- und Aus­bil­dung­spro­gramme umfassen drei Bere­iche. Zunächst arbeit­en wir mit den Eigen­tümern und der Leitung der Tex­til­be­triebe. Dann schulen wir gle­ichzeit­ig die Arbeit­er und die mit­tleren Kad­er. Schliesslich helfen wir den Fab­riken, Mech­a­nis­men zu schaf­fen, die den Umgang mit Kla­gen effizient gestal­ten. Dieses Sys­tem engagiert die Arbeit­er ganz direkt im Rah­men der «Vertre­tun­gen der Angestell­ten». So kann Trans­parenz hergestellt wer­den und die Arbeit­er erhal­ten eine Stimme. Zu guter Let­zt stellt Fair Wear Foun­da­tion den Arbeit­ern ein Sicher­heit­snetz zur Ver­fü­gung. Sie erhal­ten eine Tele­fon­num­mer, die sie anrufen kön­nen, falls ihre Rechte ver­let­zt wer­den.Welche direk­ten Kon­tak­te haben Sie zu den Unternehmen? Wir laden die Besitzer und die Leitun­gen der Fab­riken ein, an Ate­liers und an Aus­bil­dun­gen teilzunehmen. Dann verpflicht­en sich die Klei­der­fir­men mit einem Ver­trag, das Aus­bil­dung­spro­gramm in ihren Fab­riken durchzuführen. Die Par­la­mentsab­ge­ord­neten sind den Unternehmungen gut gesin­nt. Etwa 60% sind direkt oder indi­rekt an Klei­der­fab­riken beteiligt. Von ihrer Seite gibt es einige Vorstösse zur Verbesserung der Arbeits­be­din­gun­gen auf dem Gebi­et der Klei­der­pro­duk­tion für den Export. Doch genü­gen diese Vorstösse bei weit­em nicht. Die kür­zliche Abän­derung des Arbeit­srechts in Bangladesh war heiss umstrit­ten. Die Gew­erkschaften und die Grup­pen für die Vertei­di­gung der Men­schen­rechte empfind­en das neue Gesetz als gegen die Gew­erkschaften gerichtet. Es ste­he allein im Dienst der Unternehmen.In der Schweiz dreht sich die Diskus­sion um bes­timmte Marken. Wis­sen die ben­galis­chen Arbeit­er über­haupt, für welche Klei­der­marke sie arbeit­en? Meis­tens ist das nicht der Fall. Die Arbeit­er kön­nen nur die Etikette wahrnehmen. Viele Klei­der­marken schick­en bloss die Etiket­ten, die dann auf­genäht wer­den müssen. Beson­ders für die Frauen, die meist nur über wenig Bil­dung ver­fü­gen, ist es unmöglich, sich an die hun­derte Etiket­ten und Klei­der­marken zu erin­nern. Wer für H&M arbeit­et, kann sich vielle­icht an diese Marke erin­nern. Die Pro­duk­te der Fir­ma C&A aber laufen unter ver­schieden­sten Marken.Johan­na Mon­ney und Thomas Morus HuberFair Wear Foun­da­tion Die Fair Wear Foun­da­tion (kurz FWF, «Organ­i­sa­tion für faire Klei­dung») ist eine Ini­tia­tive ver­schieden­er Akteure, welche die Verbesserung der Arbeits­be­din­gun­gen in der Klei­dungs- und Tex­tilin­dus­trie zum Ziel hat. Auf der Web­seite find­en sich bei uns erhältliche Tex­til­marken, welche die seit­ens der Foun­da­tion vorgegebe­nen arbeit­srechtlichen Vor­gaben in den Pro­duk­tion­slän­dern umset­zen. www.fairwear.org
Redaktion Lichtblick
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