Schlagabtausch und Schlangenbrot

Schlagabtausch und Schlangenbrot

Kaf­fee­duft und beschwingte Klänge begrüssten am Sam­stag die Besuch­er in der Zofin­ger Alt­stadt. Zum zweit­en Mal engagierten sich der Kan­ton Aar­gau, die Aar­gauer Lan­deskirchen, die kirch­lichen Hil­f­swerke HEKS und Car­i­tas Aar­gau sowie das Net­zw­erk Asyl gemein­sam am nationalen Flüchtlingstag. Während draussen in der Junisonne der multi­na­tionale Chor «Njoy2sing» das Pub­likum zum Tanzen brachte, nah­men in der Stadtkirche die Poli­tik­er ihre Plätze ein. Der Pfar­rer der reformierten Stadtkirche Zofin­gen, Lukas Stuck, wies zu Beginn des Podi­ums­ge­sprächs auf die Kanzel: «Das Dis­putieren gehört tra­di­tionell in die Kirche und war früher gang und gäbe.» Die illus­tre Runde, beste­hend aus dem Zofin­ger Stad­trat Dominik Gresch, den Nation­al­räten Thomas Burgherr und Cédric Wer­muth sowie Regierungsrat Urs Hof­mann, zeigte sich von Beginn weg engagiert und dur­chaus angriff­s­lustig. In einem Punkt waren sich die vier Politvertreter einig: Asylver­fahren dauern momen­tan zu lange und müssen rasch­er abgewick­elt wer­den. Man könne Asyl­suchende nicht jahre­lang im Ungewis­sen lassen. Diese Forderung unter­stützte auch die Flüchtlings­frau Mah­peri Elma aus eigen­er Erfahrung vehe­ment. Ein, zwei Monate nach der Ankun­ft müssten Inte­gra­tions­mass­nah­men wie Sprachkurse, Beschäf­ti­gung oder Aus­bil­dung begin­nen, forderte sie. So kön­nten die Betrof­fe­nen nach einem pos­i­tiv­en Entscheid bess­er vor­bere­it­et starten und eher auf eige­nen Beinen ste­hen.

Frage des politischen Willens

Dass diese Inte­gra­tions­be­mühun­gen viel Geld kosten, bestritt SP-Nation­al­rat Cédric Wer­muth nicht. Doch, so betonte er, gebe der Staat dieses Geld sowieso aus: «Entwed­er heute für die Inte­gra­tion — oder Jahre später, wenn die Flüchtlinge von der Sozial­hil­fe abhängig wer­den.» Während SVP-Nation­al­rat Thomas Burgherr den Flüchtlin­gen «den Weg nach Hause nicht ver­bauen» wollte mit vie­len Inte­gra­tions­mass­nah­men, plädierte Cédric Wer­muth ener­gisch für mehr Mit­tel im Asyl­bere­ich. Im reich­sten Land der Welt sei effek­tive Inte­gra­tionshil­fe keine Frage der Ressourcen, son­dern des poli­tis­chen Wil­lens.

Dank an die Hilfswerke

Fast kamen beim Schlagab­tausch zwis­chen links und rechts die gemäs­sigten Stim­men zu kurz. Doch ver­sucht­en Regierungsrat Urs Hof­mann sowie Stad­trat Dominik Gresch, die Erken­nt­nisse aus ihrem poli­tis­chen All­t­ag einzubrin­gen. Regierungsrat Urs Hof­mann unter­nahm es, die Tück­en des Sta­tus’ «vor­läu­fig aufgenom­men» zu erk­lären und nutzte die Gele­gen­heit, den kirch­lichen und zivilge­sellschaftlichen Organ­i­sa­tio­nen zu danken, die sich für die Inte­gra­tion der Flüchtlinge ein­set­zen. Ohne dieses Engage­ment kön­nte die öffentliche Hand die anste­hen­den Prob­leme nicht lösen. Für einen her­zlichen Lach­er des Pub­likums sorgte Mod­er­a­tor Philippe Pfis­ter, Chefredak­tor des Zofin­ger Tag­blatts, als er eine Frage an den reformierten Kirchen­rat­spräsi­den­ten Christoph Weber-Berg mit der For­mulierung ein­leit­ete: «Die Kirche hat ja soviel Geld …».

Weizenkörner unter Glasglocken

Die Ausstel­lung der Car­i­tas «Stell dir vor, jed­er Men­sch wäre ein Weizenko­rn» auf dem Alten Post­platz ver­an­schaulichte die Asylzahlen des Kan­tons. Von den 662 224 Bewohn­ern des Aar­gaus sind 4698 Men­schen im Asyl­prozess. Dies entspricht 0,71 Prozent der Aar­gauer Bevölkerung. Im Ver­hält­nis zur Gesamt­bevölkerung ist das ein ziem­lich mick­riges Häufchen Weizenkörn­er. Die ver­schieden grossen Häufchen unter den Glas­glock­en sorgten für Aha-Erleb­nisse bei den Besucherin­nen und Besuch­ern.

Gemeinsam ums Feuer

Neben den Weizenkörn­ern trug aber auch das Schlangen­brot zum Abbau von Vorurteilen bei. Die Organ­i­sa­tion «Offni Pfa­di Aar­gau» verteilte an ihrem Stand grosszügig Teigk­lumpen und Brä­tel­steck­en. Um den Stock gewick­elt brätel­ten Kinder und Eltern ihren Teig über der Feuer­wanne zum Schlangen­brot. Dabei zeigte sich, dass Kinder aller Natio­nen das Bräteln und Teigessen lieben. Infos­tände, Spi­elecke, Spezial­itäten aus ver­schiede­nen Län­dern und Musik von «Clau­dia Masi­ka and Friends» gaben dem Fest den passenden Rah­men.Das Sam­stagspro­gramm endete sportlich auf der Gemein­de­schul­wiese mit dem Fuss­ball­spiel von Zofin­gen Unit­ed gegen eine Auswahl des FC Gross­rat Aar­gau. Es endete mit 6:4 für die jun­gen Spiel­er von Zofin­gen Unit­ed.

App «I‑need» für Flüchtlinge vorgestellt

Im Rah­men des Flüchtlingstages wurde in Zofin­gen zum ersten Mal im Aar­gau die Smart­phone-App «I‑need» vorgestellt. Mith­il­fe der App, die in ver­schiede­nen Sprachen ver­füg­bar ist, oder auf der Web­site www.i‑need.ch erhal­ten Flüchtlinge auf ein­fache Weise Infor­ma­tio­nen. Aus­ge­hend von der  Frage «Was brauchst Du?» zeigt die App, wo und bei welch­er Insti­tu­tion für ver­schiedene Bedürfnisse Hil­fe ange­boten wird: Essen, Nahrung, Unterkun­ft, ärztliche Hil­fe, all­ge­meine Beratung, Sprachkurse oder Tre­ff­punk­te. Google-Maps führt dann den User an den richti­gen Ort. Die Inhalte der App wer­den jew­eils von regionalen Insti­tu­tio­nen wie Anlauf­stelle Inte­gra­tion Aar­gau, HEKS, Car­i­tas, Kirchge­mein­den und Pfar­reien eingegeben. Hier die neue App I‑need ken­nen­ler­nen    
Marie-Christine Andres Schürch
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