
Mit Herz und Händen
Ohne Freiwilligenarbeit kämen viele kirchliche und gesellschaftliche Projekte zum Erliegen. Drei Beispiele aus unserem Pfarrblattgebiet.
12.15 Uhr im Pfarreizentrum l’Esprit in Basel. Hella Grunwald verkündet den Anwesenden, was es an diesem Mittagtisch zu essen gibt. Hinter ihr haben sich bereits vier der an diesem Tag anwesenden Freiwilligen in Stellung gebracht, um den Gästen Salat auf den Teller zu schöpfen.

Ein günstiges Mittagessen, bei dem Menschen sich – auch über Generationen hinweg – begegnen. Mit diesem Ziel hat Beatrice Inglin gemeinsam mit Hella Grunwald, ihrer Partnerin in der Projektleitung, und Ruth Meier, damals im Team der ansässigen Pfarrei Heiliggeist, den Mittagstisch initiiert. Jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat kommen dort 50 bis 70 Personen zusammen, um gemeinsam zu Mittag zu essen.
Inglin wusste von Anfang an: Ohne freiwillige Helferinnen und Helfer lässt sich diese Vision nicht umsetzen. Bei jedem Mittagstisch helfen je neun Freiwillige: zwei in der Küche, zwei an der Kasse, vier beim Servieren und eine Koordinationsperson. «Die Freiwilligen sind bei uns sehr frei in der Gestaltung ihres Engagements», erklärt Inglin. «Wir arbeiten mit einer App, in der sie sich schon Monate im Voraus eintragen können. Manche tragen sich dabei einmal im Monat ein, andere alle paar Monate, und Peter aus der Küche ist zum Beispiel jedes Mal da.» Andere, so berichten die beiden, planten keine regelmässigen Einsätze, liessen sich aber auf die Springer/innenliste setzen und könnten bei einem Ausfall kontaktiert werden. Der Helfer/innenpool, aus dem die Projektleiterinnen schöpfen können, besteht aus etwa gleich vielen Männern wie Frauen jeden Alters. Je nach Dienst sind die Helferinnen und Helfer von 9 Uhr morgens bis drei Uhr nachmittags vor Ort im Einsatz.
Finanziert wird das Projekt zum einen durch die Einnahmen der Teilnehmenden. Um das Essen günstig anbieten zu können, übernimmt die Genossenschaft der Pfarrei Heiliggeist die Differenz zum Preis, für den das Essen beim Cateringdienst eingekauft wird. Zudem stellt sie Mineralwasser und Kaffee. Die Freiwilligen essen gratis mit als Gegenleistung für ihren Einsatz; die Kosten hierfür übernimmt die Genossenschaft ebenfalls.
Die Wertschätzung zeigt sich jedoch nicht nur auf dem Teller. «Die Anerkennung für dieses Engagement ist uns wichtig», erzählt Grunwald. «Daher veranstalten wir Dankanlässe, bei denen wir die Freiwilligen zum Essen und Trinken einladen und ihnen eine kleine Aufmerksamkeit überreichen.»

Hella Grunwald (li.) und Beatrice Inglin (re.) sind die Projektleiterinnen des Generationenmittagstischs bei dem sich Freiwillige engagieren.
Etwas Sinnstiftendes tun und etwas zurückgeben
Romano Alessio und Axel Schilling sind an diesem Tag die ersten, die sich an den Tisch setzen, an dem das Personal das Mittagessen zu sich nimmt. Sie haben an der Kasse gearbeitet und werden gleich noch Kaffee machen. Auf die Frage, warum er sich hier engagiert, antwortet Alessio: «Ich bin frühpensioniert, habe Zeit und möchte sie nutzen, um etwas Sinnstiftendes zu tun, anderen Meschen einen Dienst zu erweisen.» Auch die Nähe zur Pfarrei spielt für ihn eine Rolle: «Ich bin hier in der Pfarrei aufgewachsen und kenne viele Menschen. Es ist schön, ihnen am Mittagstisch zu begegnen.» Schilling hingegen ist nicht mit der Pfarrei verbunden, er ist durch den persönlichen Kontakt zu Inglin zum Engagement gekommen. Seine Gründe? «Ich sage es jetzt mal ein bisschen pathetisch: Ich hatte so ein schönes Leben, dass ich gerne etwas zurückgeben möchte. Mit den anderen gemeinsam im Team zu arbeiten, macht einfach richtig Spass, ich freue mich immer, wenn ich hierher komme und die anderen sehe.» Wie Alessio ist Alfred Schwager, der heute zum dritten Mal in der Küche mit anpackt, mit der Pfarrei verbunden. «Die Heiliggeistkirche ist der Ort, an dem ich religiös sozialisiert wurde. Ich mache hier mit, weil ich es als schön und sinnvoll erachte, andere zu unterstützen. Ausserdem habe ich Zeit. Meine beiden Töchter brauchen mich inzwischen nicht mehr so sehr», erzählt er mit einem Lachen.
Nachdem Kassen- und Küchenteam etwas gegessen haben, kann auch das Servierteam kurz durchschnaufen und etwas essen. Unter ihnen ist an diesem Tag Marlies Christen. «Ich bin Marlies und ich bin 85 Jahre alt», stellt sie sich vor. Sie kommt für jeden Einsatz aus Birsfelden (BL) zum Mittagstisch. Sie ist Teil der Kolpingfamilie, einer katholischen Gemeinschaft, die sich für Verantwortung und Fürsorge für ihre Mitmenschen einsetzt. Menschen, die überlegen, sich freiwillig zu engagieren aber noch zögern, möchte sie sagen: «Es ist eine schöne Erfahrung und macht vor allem im Team Spass!» Marina Vasquez ist heute zum ersten Mal mit dabei. Ihre Freundin Arminda Mercado, die schon von Anfang an mit im Einsatz ist, hat sie motiviert. Vasquez war zunächst einige Male als Gast da, und hat sich dann entschlossen, mitzuhelfen. In Gesellschaft sein, den Menschen helfen, das sind die Gründe, warum sie sich hier engagieren möchte.
Die drei Frauen stehen auf. Sie folgen dem Kaffeeduft, der aus dem vorderen Bereich des l’Esprit herüberweht, um den Gästen den Kaffee zu servieren, den Alessio und Schilling bereits vorbereitet haben.

Axel Schilling und Romano Alessio bereiten den Kaffee vor, mit dem Marlies Christen anschliessend an die Tische geht.
Sie möchten sich ehrenamtlich beim Generationenmittagstisch engagieren?
Nehmen Sie Kontakt zu Hella Grunwald oder Beatrice Inglin auf.
Tel: 061 204 40 06 (Hella Grunwald)

Zeit zu verschenken
Ursula Theurillat hat vor Jahren im lokalen Wochenblatt die Anzeige der Ökumenischen Wegbegleitung gesehen. «Wenn ich pensioniert bin, habe ich dafür Zeit», habe sie sich damals gedacht. Aber als die Pensionierung kam, brauchte die ehemalige Leiterin eines Altersheimes mehr Zeit, um sich an die neue Freiheit zu gewöhnen, als sie gedacht hatte. Darum verging ein weiteres Jahr, bis sich die heute 66-Jährige bei der Stellenleiterin der Ökumenischen Wegbegleitung mit den Worten meldete: «Ich habe Zeit zu verschenken.»

Ursula Theurillat macht seit einem Jahr Wegbegleitung und fühlt sich beschenkt.
Vermittlung mit Feingefühl
Franziska Amrein ist seit vierzehn Jahren Stellenleiterin der Ökumenischen Wegbegleitung. Der ehemaligen Pflegefachfrau, die sich auf Menschen in der Psychiatrie spezialisiert hatte, kommt die wichtige Aufgabe zu, Klienten und Wegbegleitende zusammenzubringen. Das brauche Feingefühl und sei manchmal ein kleines Wunder, sagt Franziska Amrein, die die Stelle auch nach ihrer Pension mit Herzblut weiterleitet. Sie versucht jeweils nicht nur bei den Klientinnen und Klienten die Bedürfnisse zu klären, sondern auch bei den Wegbegleitenden. Männer wollen oft lieber Männer als Begleiter. Manche begleiten lieber eine Mutter mit Kindern, andere eine betagte Person. Nicht immer gelingt die Vermittlung auf Anhieb. Bei Ursula Theurillat hat es beim dritten Versuch funktioniert. Seit über einem Jahr besucht sie nun eine Klientin alle zwei Wochen für rund zwei Stunden. Die Abmachung ist in einer Vereinbarung festgehalten, die Franziska Amrein für alle aufsetzt und im Bedarfsfall auch wieder löst. Denn die Vereinbarung muss für beide Parteien passen. Es gibt Wegbegleitungen, die dauern einige Wochen. Die längste besteht seit zehn Jahren.
«Ich schenke Zeit und werde damit beschenkt, dass ich Einblick in ein anderes Leben bekomme», sagt Ursula Theurillat. Sie lerne, wie andere Menschen schwierige Situationen bei der Arbeit, in der Familie, im Alter bewältigen. Oft gehe sie nach Hause und denke über die Situationen und über ihr eigenes Leben nach. «Das erweitert meinen Horizont.» Ursula Theurillat beschreibt ihre Besuche so: «Ich bin da und höre aufmerksam zu.» Weil sie eine sehr kommunikative Persönlichkeit sei, habe sie sich dazu einige Tricks angeeignet. Zum Beispiel innerlich auf fünf zu zählen, bevor sie sich zu etwas äussere. Oder Fragen zu stellen, statt zu kommentieren. «Mein Sohn hat mich schon lange nicht mehr besucht», quittiert sie etwa mit der Frage: «Haben Sie sich überlegt, ihn mal anzurufen?» Manchmal regt Ursula Theurillat einen Spaziergang an, manchmal leert sie das Postfach oder begleitet die Klientin in die Apotheke. Hilfe beim Bezahlen der Rechnungen oder beim Ausfüllen der Steuererklärung gehören nicht zum Auftrag der Wegbegleitenden. Für solche Aufgaben kennt Franziska Amrein andere Stellen, die sie vermitteln kann.
Die Wegbegleitenden bekommen Unterstützung
Bei einer Wegbegleitung können schwierige Situationen entstehen. «Als Wegbegleitende sind wir nicht allein auf dem Weg, wir sind eine Gruppe und tauschen uns aus. Das ist wichtig», sagt Ursula Theurillat. Die Gruppe hat am Anfang ihres Engagements gemeinsam einen Einführungskurs besucht. Vier Module zu den Themen Selbsterfahrung, Umgang mit Nähe und Distanz sowie Alter und Erkrankungen im Alter. Aber auch darüber hinaus wird die Gruppe begleitet. Viermal im Jahr besuchen die Wegbegleitenden gemeinsam eine Supervision. Sie dient dazu, über belastende Erfahrungen zu sprechen und gemeinsam Lösungen für Konflikte zu suchen. Ursula Theurillat besucht die Supervision ebenfalls, obwohl sie ein Profi ist. Vor ihrer Pensionierung hat die Pflegefachfrau während 15 Jahren ein Altersheim geleitet. Zuvor hatte sie neben ihrer Arbeit in der Pflege fünf Kinder allein grossgezogen. Neben der Supervision gibt es zusätzlich eine Weiterbildung, die Franziska Amrein auf die Bedürfnisse der Gruppen abstimmt.
Um Unterstützung bitten
Die Grundfrage «Wie möchte ich, dass Menschen mit mir umgehen, wenn ich betagt bin» ist eine grosse Motivation für Ursula Theurillat. Sie kann sich gut vorstellen, dass auch sie später einmal um Unterstützung bitten wird. Dass das nicht einfach ist, weiss sie aus vielen Erfahrungen im Beruf und in der Sorge um ihre Eltern und Schwiegereltern.
Franziska Amrein bedauert, dass bei steigender Nachfrage sich immer weniger Menschen als Wegbegleitende zur Verfügung stellen. Das Projekt wird von rund 30 reformierten und katholischen Kirchgemeinden finanziert und ermöglicht ein Netzwerk im Gebiet Laufental-Dorneck-Thierstein. Um Unterstützung bitten dürfen Menschen aller Konfessionen und Religionen.
Etwas zurück geben
Ursula Theurillat blickt auf ihr bisheriges Leben dankbar zurück und hat seit ihrer Pensionierung das eine oder andere Herzensprojekt in Angriff genommen: Sie spielt wieder Flöte, hat einen kreativen Schreibkurs besucht, hütet als Ersatzgrossmutter Kinder. Sie weiss, dass sie zu sich schauen muss. Für das viele Glück, das sie erlebt habe, möchte sie etwas zurückgeben, sagt Ursula Theurillat. Ihr Grundvertrauen mache es ihr leicht, für andere Menschen da zu sein und sie zu unterstützen, oft mit einer guten Portion Humor und der Gewissheit: Alles kommt gut.
Wegbegleitung in ihrer Nähe
Melden Sie sich im Gebiet Laufental-Dorneck-Thierstein bei Franziska Amrein: Tel. 061 765 92 05 oder E‑Mail
In Basel-Stadt nimmt Maja Studer ihre Anfrage entgegen unter Tel. 061 481 24 01
Im Kanton Aargau gibt es die Wegbegleitung in acht verschiedenen Regionen. Einen Überblick finden Sie unter www.wegbegleitung-ag.ch/vermittlungsstellen Informationen zur Wegbegleitung im Kanton Solothurn finden Sie hier: www.fadiso.ch/projekte/wegbegleitung

Bevor die Papierflut zur Belastung wird
«Von der Wiege bis zur Bahre schreibt der Schweizer Formulare», lautet eine Redewendung, die kritisch-humorvoll die hiesige Bürokratie ins Visier nimmt. Für viele Menschen stellt das korrekte Ausfüllen eines Formulars eine hohe Hürde dar. Sie haben Schwierigkeiten mit der Sprache oder sind überfordert mit dem Zusammentragen zusätzlicher Dokumente. Werden Formulare zu spät, fehlerhaft oder unvollständig eingereicht, kann das ernsthafte Konsequenzen haben: Die Arbeitslosenkasse verhängt womöglich Einstelltage, die Wohnungsbewerbung wird abgelehnt oder die Kinderzulage plötzlich gestoppt.
Mühsam, aber wichtig
Das richtige Ausfüllen von Formularen entscheidet mit über finanzielle und soziale Sicherheit. Umso wichtiger ist es, dass Menschen bei dieser alltäglichen aber nicht unbedingt trivialen Aufgabe Unterstützung erhalten.
Der Kirchlich Regionale Sozialdienst KRSD der Caritas Aargau in Wohlen unterstützt Menschen bei administrativen Herausforderungen – diskret, kostenlos und ohne Anmeldung. Jeweils am Mittwochnachmittag zwischen 15 und 17.30 Uhr bieten Freiwillige im Emanuel-Isler-Haus am Kirchplatz in Wohlen Hilfe bei administrativen Arbeiten an. Während die Angestellten des KRSD die Koordination im Hintergrund erledigen, setzt sich ein Team von aktuell vier Freiwilligen mit den Besuchenden an den Tisch und nimmt die Bürokratie-Arbeit in Angriff.
Ein bewährtes Team von Freiwilligen
Karen Hug, Standortleiterin des KRSD Wohlen, weiss es zu schätzen, dass sie auf ein bewährtes Team von Freiwilligen zählen kann, die auch in anderen Projekten engagiert sind: «Die Freiwilligen gehen mit grosser Offenheit und viel Flexibilität ans Werk», sagt Karen Hug. Gute Deutschkenntnisse sind bei dieser spezifischen Tätigkeit wichtig.
Die freiwilligen Mitarbeitenden unterstützen die Besucherinnen und Besucher zum Beispiel beim Ausfüllen von Formularen der Arbeitslosenkasse oder dem Sozialdienst und helfen ihnen beim Verfassen von Briefen und Anträgen an Behörden oder Vermieter. Auch das Zusammenstellen von Unterlagen für eine Wohnungsbewerbung oder die Formulierung von Beschwerden, zum Beispiel an einen Telefonanbieter, gehört zu ihrem Repertoire. Das freiwillige Team greift, falls nötig, auch zum Telefon und hilft beim Führen von Telefonaten mit Ämtern oder Behörden. Ebenfalls froh sind junge Eltern, wenn sie beim Beantragen der sogenannten Kinderzulage nach der Geburt eines Kindes unterstützt werden.
Schweigepflicht
Die Administrative Unterstützung des KRSD Wohlen richtet sich an alle, die im Alltag mit administrativen Tätigkeiten überfordert sind. Das freiwillige Team arbeitet vertraulich und verantwortungsvoll. Beispielsweise werden gemeinsam verfasste Briefe nach dem Versand umgehend gelöscht – so verbleiben keine sensiblen Daten beim KRSD und alle Freiwilligen unterliegen der Schweigepflicht.
Ohne Anmeldung
Das Angebot ist angelaufen und im Durchschnitt kommen jede Woche ein bis zwei Leute vorbei, die Unterstützung in Anspruch nehmen. Die Freiwilligen haben jedoch noch Kapazität und freuen sich, wenn das Angebot bekannter würde.
Der KRSD bietet keine Unterstützung bei Verfügungen, negativen Asylbescheiden, Strafbefehlen oder rechtlichen Stellungnahmen, Begleitungen zu Wohnungsbesichtigungen sowie Steuererklärungen. Für alle anderen kleinen und grossen Fragen rund um den administrativen Alltag ist das Team da – ohne Voranmeldung.
Hier finden Sie Hilfe
Das Angebot «Administrative Unterstützung» findet jeden Mittwochnachmittag von 15 bis 17.30 Uhr im Emanuel-Isler-Haus am Kirchenplatz 2 in Wohlen statt (3. Stock). Es braucht keine Anmeldung, wer Hilfe braucht, kann einfach vorbeikommen.
Wer sich gerne freiwillig in einem Projekt des Kirchlichen-Regionalen Sozialdienstes Wohlen engagieren möchte, kann sich melden beim KRSD Wohlen, Tel :056 611 90 47, E‑Mail:



