Kirche als blühender Garten

Kirche als blühender Garten

  • Die Katholis­che Kirche am Mutschellen will mit ihrem Pro­jekt «Laven­del» das Beste aus dem dualen Sys­tem her­aus­holen. Für eine Kirche «von unten».
  • Pfar­reiseel­sorg­er Michael Jablonows­ki gibt erste Ein­blicke in ein Pro­jekt, das den Geist des Neuan­fangs atmet.
  • Alles hängt nun davon ab, wie begeis­terungs­fähig und engagiert sich die Gläu­bi­gen auf dem Mutschellen zeigen.


Auch am Mutschellen gilt das duale Sys­tem, so wie es beina­he in der ganzen Schweiz prak­tiziert wird. Dieses Sys­tem verbindet zwei an sich unvere­in­bare Staats­for­men: Monar­chie und Demokratie. Die katholis­che Kirche ist klar hier­ar­chisch aufge­baut. Vom Papst, der die höch­ste Posi­tion ein­nimmt, nach unten zum Kirchen­volk.

Die Schweiz funk­tion­iert genau ander­srum. Das Volk, die Basis, wählt seine Regierung und bes­timmt die Regeln. Im dualen Sys­tem mit sein­er kirchen­rechtlichen und staatskirchen­rechtlichen Seite wer­den diese bei­den Regierungs­for­men qua­si zwangsver­heiratet.

Fruchtbare Zusammenarbeit

Was ander­norts zu Kon­flik­ten und schi­er unüber­wind­baren Kluften führt, hat die Mit­glieder der Seel­sorge und des Kirchge­mein­de­ver­ban­des am Mutschellen dazu ver­an­lasst, ihre Bemühun­gen um eine frucht­bare Zusam­me­nar­beit noch zu ver­stärken. Im gemein­samen Pro­jekt «Laven­del» wollen sie das umset­zen. Dabei hal­ten sie sich an das Zitat von Papst Johannes XXIII., das auf der Home­page der Katholis­chen Kirche am Mutschellen zur Ein­leitung ste­ht: «Wir sind nicht auf der Erde, um ein Muse­um zu hüten, son­dern um einen Garten zu pfle­gen, der von blühen­dem Leben strotzt und für eine schönere Zukun­ft bes­timmt ist.»

«Keine Diktatur von oben»

[esf_wordpressimage id=“30941” width=“half” float=“right”][/esf_wordpressimage]Pfarreiseelsorger Michael Jablonows­ki ist im Laven­del­pro­jekt zuständig für die Kom­mu­nika­tion. Er betont im Inter­view mit Hor­i­zonte, dass das ganze Pro­jekt noch in den Kinder­schuhen stecke, die Stoss­rich­tung aber klar sei: «Es geht um die Wün­sche und Ideen der Gläu­bi­gen, um eine Pas­toral von unten, gegen eine Dik­tatur von oben. Wir wollen die Kirche vor Ort lebendig machen. Es gibt nicht nur eine Kirche mit ein­er Lin­ie. Wir wollen die ganze Band­bre­ite an Möglichkeit­en berück­sichti­gen. Wobei uns immer bewusst ist: Man muss auch den Mut haben zu scheit­ern.»

Die nächsten Schritte

Momen­tan hält eine Steuer­gruppe, beste­hend aus je einem Mit­glied der vier Pas­toral­raump­far­reien am Mutschellen und zwei Mit­gliedern des Seel­sor­geteams, die Fäden des Pro­jek­ts in der Hand. Als näch­stes soll eine Res­o­nanz­gruppe zusam­mengestellt wer­den, der neben Rita Brem vom Vor­stand des Kirchege­mein­de­ver­ban­des und Pas­toral­raum­leit­er Robert Wein­buch noch zwei bis drei Pfar­reiange­hörige aus jed­er Pfar­rei des Pas­toral­raums ange­hören sollen.

Dieses Gremi­um hat die Auf­gabe, die Ideen und Teil­pro­jek­te, die ein­gere­icht wer­den auf allfäl­lige Stolper­steine und die Nähe zum Zielpub­likum zu über­prüfen. «Die Aus­ge­wogen­heit ist dabei wichtig», sagt Michael Jablonows­ki. «Darum sollen in diese Gruppe Begeis­terte, Gle­ichgültige und Skep­tik­er reinkom­men.»

Symbol neuen Lebens

Die Augen des Pfar­reiseel­sorg­ers leucht­en, wenn er über das Pro­jekt «Laven­del» spricht. Auch wenn es noch einige offene Fra­gen gibt. Zum Beispiel: «In welch­er Radikalität lässt sich dieses Pro­jekt anset­zen? Und wie erre­iche ich möglichst viele Leute?» Er habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass er eine Ver­anstal­tung auf sechs ver­schiede­nen medi­alen Wegen bewor­ben habe und nach­her Leute zu ihm gekom­men seien, die sagten: «Oh, davon habe ich ja gar nichts gewusst…»

Seine Strate­gie beruhe darum auf ein­er nieder­schwelli­gen Zwei­wegkom­mu­nika­tion, erk­lärt Michael Jablonows­ki. So soll der Weg geeb­net wer­den für Ideen und Vorschläge aus dem Kirchen­volk, die den Auf­bruch bewirken in ein neues Kirchen­leben. Genau so, wie der Laven­del im Früh­som­mer das neue Leben sym­bol­isiert und behei­matet.

Christian Breitschmid
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