
© Vera Rüttimann
Eingeladen bei Maria im Stein
Das Kloster Mariastein feiert gleich zwei Jubiläen
Bald jähren sich zwei bedeutende Ereignisse in der Geschichte des Benediktinerklosters Mariastein zum hundertsten Mal: Am 15. August 1926 erhielt die Klosterkirche den päpstlichen Ehrentitel Basilica minor, und das Gnadenbild wurde feierlich gekrönt. Das Kloster feiert unter dem Motto «Eingeladen bei Maria».
Es muss ein grossartiges Fest gewesen sein, damals im August 1926. «Das war ein Erlebnis, ein selten schönes, selten gewaltiges Erlebnis. Strahlender Himmel, in Sonnengold gebadet, leuchtete über dem Festort Mariastein. Wohl noch nie hat der Wallfahrtsort ein solches Fest gesehen. Es mögen an die 30 000 Pilger aus der Schweiz, aus dem Elsass und aus Baden gewesen sein, die zu diesem wunderbaren Doppelfeste Unserer Lieben Frau im Stein herbeigeeilt waren», schrieb der damalige Wallfahrtsleiter und Festorganisator Pater Willibald Beerli in seinem Rückblick auf die «Krönungswoche».
Wallfahrt reaktivieren
Weil in den Kriegsjahren 1914 bis 1918 die Wallfahrt nach Mariastein stark eingeschränkt war, benötigte es viel Aufbauarbeit, um sie danach wiederzubeleben. Da war der im Jahr 1923 zum Wallfahrtsleiter ernannte Pater Willibald Beerli ein Glücksfall. Als begeisterter Netzwerker und begnadeter Organisator verstand er es, die umliegenden Gemeinden, kirchliche Würdenträger, Vereine und Jugendgruppen nach Mariastein zu holen.
Im Jahr 1924 fand in Basel der Katholikentag statt, der in Mariastein seinen feierlichen Abschluss fand. Rund 10 000 Menschen lockte die Veranstaltung ins Kloster, unter ihnen auch den Päpstlichen Nuntius, Signore Luigi Maglione, der als Ehrengast geladen war und das Hochamt zelebrierte. Als er ein Jahr darauf wieder in Mariastein weilte, teilte er dem Wallfahrtsleiter Willibald Beerli mit, er würde gerne etwas für Mariastein tun. Beerli brachte zwei Anliegen vor: die Erhebung der Wallfahrtskirche zur Basilika und die Krönung des Gnadenbildes von Mariastein.
Höhenfeuer, Prozession und Krönung
So kam es, dass rund um das Hochfest Maria Himmelfahrt im August 1926 mehrere Höhenfeuer auf den Hügeln um Mariastein eine grandiose Festwoche eröffneten. Die Klosterkirche erhielt den Titel Basilica minor und in der Festprozession wurden die Zeichen dafür mitgetragen: Das Conopaeum, ein zeltartiger Schirm, und das Tintinnabulum, ein kunstvoll geschmiedetes Gestell mit einer Glocke (mehr darüber erfahren Sie auf der hinteren Umschlagseite dieser Ausgabe). Als Höhepunkt der Feierlichkeiten setzte der Nuntius Luigi Maglione Maria und dem Jesuskind die Kronen auf.
«Beide Begebenheiten prägen den Wallfahrtsort Mariastein bis heute: als Ort des Gebets, der Geborgenheit und der Begegnung, aber auch als Ort, der Trost und Zuversicht schenkt», schreibt das Kloster Mariastein anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums dieser Ereignisse. Der Klostergemeinschaft ist es ein Bedürfnis, an diese Ereignisse zu erinnern – nicht nur im Rückblick, sondern auch mit Blick nach vorn: Was bedeutet uns Maria heute? Und wie kann der Pilgerort Mariastein in die Zukunft geführt werden?
Gebührend empfangen
Unter dem Leitwort «Eingeladen bei Maria» begeht die Klostergemeinschaft zusammen mit allen, die den Weg nach Mariastein finden, vom 14. bis 16. August drei feierliche Tage im Gedenken an die Ereignisse vor hundert Jahren. Gebührend empfangen werden die Mitfeiernden vom neu gestalteten Klosterplatz. Dieses Generationenprojekt wurde im April dieses Jahres eingeweiht. Der neue Platz markiert den Weg vom Profanen zum Sakralen, vom Alltag zum Heiligtum von Mariastein. Neu ist auch der Zugang zur Gnadenkapelle. Er führt über eine stimmige Aussenpassage – mit einem in Stein gehauenen Marienrelief – hinunter in die Felsengrotte. Am Abend taucht ein zurückhaltendes Lichtkonzept die Anlage in eine ruhige, würdevolle Atmosphäre.
Das Festprogramm
Eingeladen bei Maria
Freitag, 14. August
16 Uhr, Klosterhotel Kreuz: Vortrag von Prof. Dr. Ursula Schumacher, Universität Luzern, «Wie Maria am Heilswerk mitwirkt» mit anschliessender Podiumsdiskussion.
Samstag, 15. August
Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel
11 Uhr, Basilika, mit Kardinal Kurt Koch, Rom. Feierlicher Gottesdienst 100 Jahre nach der Krönung des Gnadenbildes und der Erhebung der Klosterkirche zur Basilica minor. Mit musikalischer Gestaltung: Werke von Johann Melchior Gletle zum 400. Geburtstag, mit Il Fuoco eterno, Christoph Anzböck (Orgel und Leitung). Empfang auf dem Klosterplatz für alle.
16 Uhr, Basilika, Festvesper mit musikalischer Gestaltung: Johann Melchior Gletle «Marienvesper» mit Il Fuoco eterno, Christoph Anzböck (Orgel und Leitung).
Sonntag, 16. August
16 Uhr, Basilika, Stabat Mater von Giovanni B. Pergolesi, mit dem Sinfonieorchester Biel Solothurn (TOBS!), Tania Lorenzo Castro (Sopran) und Josy Santos (Mezzosopran). Leitung: Riccardo Fiscato.
Gelöbniswallfahrt zur Maria im Stein
Am Samstag, 5. September, findet die 87. Gelöbniswallfahrt zur Maria im Stein statt. Die Friedenswallfahrt, die seit 1940 im Schwarzbubenland fest verankert ist, wird in diesem Jahr erstmals von der neu gegründeten Trägerschaft des Vereins «Gelöbniswallfahrt Schwarzbubenland-Laufental-Birstal zur Maria im Stein» organisiert.
Der Verein wurde am 27. März ins Leben gerufen. Mit der neuen Trägerschaft wird die bisherige Tradition weitergeführt und regional breiter abgestützt: Neben dem Schwarzbubenland haben sich das Laufental und das Birstal angeschlossen. Damit wird die Wallfahrt künftig von einer erweiterten Region getragen. Wie zur Zeit der ersten Wallfahrt steht die Welt auch heute vor grossen Herausforderungen. Kriege, Unsicherheit und Leid prägen das Leben vieler Menschen in verschiedenen Teilen der Welt. Gerade deshalb bleiben die Anliegen der Gelöbniswallfahrt aktuell: gemeinsam für den Frieden einzustehen, Hoffnung zu schenken und den Zusammenhalt in der Region zu stärken. Die Friedenswallfahrt wurde 1940 von den Thiersteinern ins Leben gerufen und entwickelte sich dank des Engagements vieler Menschen zu einer lebendigen Tradition, die Generationen verbindet. Sie bringt den Wunsch nach Frieden, Gemeinschaft und Verantwortung zum Ausdruck.
Die 87. Gelöbniswallfahrt steht unter dem Leitgedanken «Zusammenhalt». Die Schwarzbubenjodler Dornach und der Jodelclub Reinach werden die Feier mit einer Jodelmesse musikalisch gestalten. Als Zelebrant des Gottesdienstes wirkt Alexander Pasalidi, Pfarrer von Arlesheim, und Diakon Wolfgang Müller aus Dornach wird in seiner Predigt zum Thema «Zusammenhalt» zu den Pilgerinnen und Pilgern sprechen. Die Verantwortlichen des neuen Vereins «Gelöbniswallfahrt Schwarzbubenland- Laufental-Birstal zur Maria im Stein», die Seelsorgerinnen und Seelsorger der ganzen Region sowie die Klostergemeinschaft freuen sich darauf, am ersten Samstag im September eine grosse Schar von Gläubigen in der Basilika des Klosters Mariastein begrüssen zu dürfen.
Willy Bracher, Vorstandsmitglied des Vereins «Gelöbniswallfahrt Schwarzbubenland-Laufental-Birstal zur Maria im Stein»