Eingeladen bei Maria im Stein
Seit wann sich das heutige Mariasteiner Gnadenbild in der Höhlenkapelle befindet, ist ungewiss. Die Kunsthistoriker datieren die Statue auf Mitte des 17. Jahrhunderts, also um 1650.
© Vera Rüttimann

Eingeladen bei Maria im Stein

Das Kloster Mariastein feiert gleich zwei Jubiläen

Bald jähren sich zwei bedeu­tende Ereignisse in der Geschichte des Benedik­tin­erk­losters Mari­astein zum hun­dert­sten Mal: Am 15. August 1926 erhielt die Klosterkirche den päp­stlichen Ehren­ti­tel Basil­i­ca minor, und das Gnaden­bild wurde feier­lich gekrönt. Das Kloster feiert unter dem Mot­to «Ein­ge­laden bei Maria».

Es muss ein grossar­tiges Fest gewe­sen sein, damals im August 1926. «Das war ein Erleb­nis, ein sel­ten schönes, sel­ten gewaltiges Erleb­nis. Strahlen­der Him­mel, in Son­nen­gold gebadet, leuchtete über dem Fes­tort Maria­stein. Wohl noch nie hat der Wall­fahrt­sort ein solch­es Fest gese­hen. Es mögen an die 30 000 Pil­ger aus der Schweiz, aus dem Elsass und aus Baden gewe­sen sein, die zu diesem wun­der­baren Dop­pelfeste Unser­er Lieben Frau im Stein her­beigeeilt waren», schrieb der dama­lige Wall­fahrt­sleit­er und Fes­tor­gan­isator Pater Willibald Beer­li in seinem Rück­blick auf die «Krö­nungswoche».

Wallfahrt reaktivieren

Weil in den Kriegs­jahren 1914 bis 1918 die Wall­fahrt nach Mari­astein stark eingeschränkt war, benötigte es viel Auf­bauar­beit, um sie danach wiederzubeleben. Da war der im Jahr 1923 zum Wall­fahrt­sleit­er ernan­nte Pater Willibald Beer­li ein Glücks­fall. Als begeis­tert­er Net­zw­erk­er und beg­nade­ter Organ­isator ver­stand er es, die umliegen­den Gemein­den, kirch­liche Wür­den­träger, Vere­ine und Jugend­grup­pen nach Mari­astein zu holen.

Im Jahr 1924 fand in Basel der Katho­liken­tag statt, der in Mari­astein seinen feier­lichen Abschluss fand. Rund 10 000 Men­schen lock­te die Ver­anstal­tung ins Kloster, unter ihnen auch den Päp­stlichen Nun­tius, Sig­nore Lui­gi Maglione, der als Ehren­gast geladen war und das Hochamt zele­bri­erte. Als er ein Jahr darauf wieder in Mari­astein weilte, teilte er dem Wall­fahrt­sleit­er Willibald Beer­li mit, er würde gerne etwas für Mari­astein tun. Beer­li brachte zwei Anliegen vor: die Erhe­bung der Wall­fahrt­skirche zur Basi­li­ka und die Krö­nung des Gnaden­bildes von Mari­astein.

Höhenfeuer, Prozession und Krönung

So kam es, dass rund um das Hochfest Maria Him­melfahrt im August 1926 mehrere Höhen­feuer auf den Hügeln um Mari­astein eine grandiose Fest­woche eröffneten. Die Klosterkirche erhielt den Titel Basil­i­ca minor und in der Fest­prozes­sion wur­den die Zeichen dafür mit­ge­tra­gen: Das Conopaeum, ein zeltar­tiger Schirm, und das Tintinnab­u­lum, ein kun­stvoll geschmiedetes Gestell mit ein­er Glocke (mehr darüber erfahren Sie auf der hin­teren Umschlag­seite dieser Aus­gabe). Als Höhep­unkt der Feier­lichkeit­en set­zte der Nun­tius Lui­gi Maglione Maria und dem Jesuskind die Kro­nen auf.

«Bei­de Begeben­heit­en prä­gen den Wall­fahrt­sort Mari­astein bis heute: als Ort des Gebets, der Gebor­gen­heit und der Begeg­nung, aber auch als Ort, der Trost und Zuver­sicht schenkt», schreibt das Kloster Mari­astein anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums dieser Ereignisse. Der Klosterge­mein­schaft ist es ein Bedürf­nis, an diese Ereignisse zu erin­nern – nicht nur im Rück­blick, son­dern auch mit Blick nach vorn: Was bedeutet uns Maria heute? Und wie kann der Pil­gerort Mari­astein in die Zukun­ft geführt wer­den?

Gebührend empfangen

Unter dem Leit­wort «Ein­ge­laden bei Maria» bege­ht die Klosterge­mein­schaft zusam­men mit allen, die den Weg nach Mari­astein find­en, vom 14. bis 16. August drei feier­liche Tage im Gedenken an die Ereignisse vor hun­dert Jahren. Gebührend emp­fan­gen wer­den die Mit­feiern­den vom neu gestal­teten Kloster­platz. Dieses Gen­er­a­tio­nen­pro­jekt wurde im April dieses Jahres eingewei­ht. Der neue Platz markiert den Weg vom Pro­fa­nen zum Sakralen, vom All­t­ag zum Heilig­tum von Mari­astein. Neu ist auch der Zugang zur Gnadenkapelle. Er führt über eine stim­mige Aussen­pas­sage – mit einem in Stein gehaue­nen Marien­re­lief – hin­unter in die Felsen­grotte. Am Abend taucht ein zurück­hal­tendes Lichtkonzept die Anlage in eine ruhige, würde­volle Atmo­sphäre.

Das Fest­pro­gramm
Ein­ge­laden bei Maria

Freitag, 14. August

16 Uhr, Kloster­ho­tel Kreuz: Vor­trag von Prof. Dr. Ursu­la ­Schu­mach­er, Uni­ver­sität Luzern, «Wie Maria am Heil­swerk mitwirkt» mit anschliessender Podi­ums­diskus­sion.

Samstag, 15. August

Hochfest der Auf­nahme Marias in den Him­mel

11 Uhr, Basi­li­ka, mit Kar­di­nal Kurt Koch, Rom. Feier­lich­er Gottes­di­enst 100 Jahre nach der Krö­nung des Gnaden­bildes und der Erhe­bung der Klosterkirche zur Basil­i­ca minor. Mit musikalis­ch­er Gestal­tung: Werke von Johann Mel­chior Gle­tle zum 400. Geburt­stag, mit Il Fuo­co eter­no, Christoph Anzböck (Orgel und Leitung). Emp­fang auf dem Kloster­platz für alle.

16 Uhr, Basi­li­ka, Festves­per mit musikalis­ch­er Gestal­tung: Johann Mel­chior Gle­tle «Marien­ves­per» mit Il Fuo­co eter­no, Christoph Anzböck (Orgel und Leitung).

Sonntag, 16. August

16 Uhr, Basi­li­ka, Sta­bat Mater von Gio­van­ni B. Per­gole­si, mit dem Sin­fonieorch­ester Biel Solothurn (TOBS!), Tania Loren­zo Cas­tro (Sopran) und Josy San­tos (Mez­zoso­pran). Leitung: Ric­car­do ­Fis­ca­to.

Gelöb­niswall­fahrt ​zur Maria im Stein

Am Sam­stag, 5. Sep­tem­ber, find­et die 87. Gelöb­niswall­fahrt zur Maria im Stein statt. Die Friedenswall­fahrt, die seit 1940 im Schwarzbuben­land fest ver­ankert ist, wird in diesem Jahr erst­mals von der neu gegrün­de­ten Träger­schaft des Vere­ins «Gelöb­niswall­fahrt Schwarzbuben­­land-Laufen­­tal-Birstal zur Maria im Stein» organ­isiert.

Der Vere­in wurde am 27. März ins Leben gerufen. Mit der neuen Träger­schaft wird die bish­erige Tra­di­tion weit­erge­führt und region­al bre­it­er abgestützt: Neben dem Schwarzbuben­land haben sich das Laufen­tal und das Birstal angeschlossen. Damit wird die Wall­fahrt kün­ftig von ein­er erweit­erten Region getra­gen. Wie zur Zeit der ersten Wall­fahrt ste­ht die Welt auch heute vor grossen Her­aus­forderun­gen. Kriege, Unsicher­heit und Leid prä­gen das Leben viel­er Men­schen in ver­schiede­nen Teilen der Welt. Ger­ade deshalb bleiben die Anliegen der Gelöb­niswall­fahrt aktuell: gemein­sam für den Frieden einzuste­hen, Hoff­nung zu schenken und den Zusam­men­halt in der Region zu stärken. Die Friedenswall­fahrt wurde 1940 von den Thier­stein­ern ins Leben gerufen und entwick­elte sich dank des Engage­ments viel­er Men­schen zu ein­er lebendi­gen Tra­di­tion, die Gen­er­a­tio­nen verbindet. Sie bringt den Wun­sch nach Frieden, Gemein­schaft und Ver­ant­wor­tung zum Aus­druck.

Die 87. Gelöb­niswall­fahrt ste­ht unter dem Leitgedanken «Zusam­men­halt». Die Schwarzbuben­jodler Dor­nach und der Jodel­club Reinach wer­den die Feier mit ein­er Jodelmesse musikalisch gestal­ten. Als Zel­e­brant des Gottes­di­en­stes wirkt Alexan­der Pasa­li­di, Pfar­rer von Arlesheim, und Diakon Wolf­gang Müller aus Dor­nach wird in sein­er Predigt zum The­ma «Zusam­men­halt» zu den Pil­gerin­nen und Pil­gern sprechen. Die Ver­ant­wortlichen des neuen Vere­ins «Gelöb­niswall­fahrt Schwarzbuben­­land- Laufen­­tal-Birstal zur Maria im Stein», die Seel­sorg­erin­nen und Seel­sorg­er der ganzen Region sowie die Klosterge­mein­schaft freuen sich darauf, am ersten Sam­stag im Sep­tem­ber eine grosse Schar von Gläu­bi­gen in der Basi­li­ka des Klosters Mari­astein begrüssen zu dür­fen.

Willy Bracher, Vor­standsmit­glied des ­Vere­ins «Gelöb­niswall­fahrt Schwarzbuben­­land-­Laufen­­tal-­Birstal zur Maria im Stein»

Marie-Christine Andres Schürch
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