«Der Papst hat mir Mut ​zugesprochen»
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«Der Papst hat mir Mut ​zugesprochen»

Eine Aargauerin bekommt Antwort von Leo XIV.

Die Katechetin Nunzia Izzo aus Laufenburg hat sich mit ihren Sorgen an den Papst gewandt – und eine Antwort vom Kirchenoberhaupt erhalten.

Wie haben Sie davon erfahren, dass der Papst auf Ihren Brief geantwortet hat, und wie haben Sie im ersten Moment reagiert?

Nun­zia Izzo: Ich hat­te meinen Brief vor einem hal­ben Jahr abgeschickt und in der Zwis­chen­zeit tat­säch­lich nicht mehr daran gedacht. Und plöt­zlich bekam ich eine E‑Mail von ein­er Redak­tion, die mich fragte: «Wie fühlen Sie sich, nach­dem der Papst Ihren Brief beant­wortet hat?» Und ich dachte nur: «Wie bitte?» Ich schrieb daraufhin direkt Pater Enzo For­tu­na­to, dem Direk­tor des Presse­büros, mit dem Betr­e­ff: ‹Bitte öff­nen, wichtig!› Er antwortete mir sofort und bestätigte mir, dass Papst Leo meinen Brief beant­wortet hat­te. Bei­de, mein Brief und die Antwort des Pap­stes, wur­den in der Zeitschrift «Piaz­za San Pietro» abge­druckt.

Für mich war es unfass­bar, dass ich wirk­lich Antwort vom Papst bekom­men habe. Es hat sich ange­fühlt, wie ein Traum. Ich meine, der Papst bekommt sicher­lich Tausende von Briefen, und dass er genau meinen aus­ge­sucht hat, damit hätte ich niemals gerech­net. Nach­dem ich es dann langsam real­isiert hat­te, fühlte es sich an wie ein Lot­to­gewinn.

Was war denn der ausschlaggebende Punkt, dass Sie sich sagten: «So, jetzt wende ich mich mit meiner Situation an den Papst?»

Pater Enzo macht jeden Abend einen Live­stream auf Face­book. Im Herb­st 2024 gab er darin bekan­nt, dass der Vatikan ein neues Mag­a­zin veröf­fentlichen werde, in dem der Papst jeden Monat den Brief eines Lesers beant­wortet. Jeden Abend wieder­holte er diese Info in seinem Livestream.

Im August let­zten Jahres hat­ten wir eine Segens­feier zum Schul­start ver­anstal­tet und dazu gezielt Kinder und ihre Eltern ein­ge­laden. Wir haben wirk­lich viel dafür getan, die Ein­ladung sicht­bar zu machen. Wir haben Fly­er an alle Kinder verteilt, zusät­zlich haben wir die Eltern über ver­schiedene Kanäle informiert: über What­sApp, per E‑Mail und über die Schul­cloud. Ins­ge­samt ging die Ein­ladung an rund 120 Kinder und ihre Eltern. Am Ende sind 15 Kinder zur Feier gekom­men. Acht von ihnen kamen ohne ihre Eltern. Das hat mich irgend­wie trau­rig gemacht. Ich wusste nicht, was wir noch mehr hät­ten tun kön­nen, damit die von uns organ­isierten Ange­bote auch bei den Eltern Anklang find­en.

Ich sass also abends wieder ein­mal vor dem Livestream und hörte Pater Enzo sagen: «Schreibt dem Papst, er wird euch Antwort geben. Er liest alle Briefe und sucht dann einen aus.» Da dachte ich mir: «So weisch was, ich schreibe jet­zt einen Brief und bin mal ges­pan­nt, was passiert.»

Jetzt mit etwas Abstand: Wie zufrieden sind Sie mit der Antwort, die Sie bekommen haben?

Sehr. Der Papst hat mir wirk­lich Mut zuge­sprochen. Er hat gesagt, dass die Zahlen zurück­ge­hen und dass das auch beden­klich ist. Gle­ichzeit­ig hat er betont, dass es trotz­dem unsere Auf­gabe ist, das Evan­geli­um fröh­lich weit­erzugeben. Dabei hat er einen Satz von Papst Paul VI. zitiert: Die fro­he Botschaft, das Evan­geli­um, das Freudi­ge soll weit­ergegeben wer­den.

Er hat mir gesagt, ich solle mich nicht ent­muti­gen lassen und weit­er­ma­chen, auch wenn es weniger Kinder sind. Irgend­wann wird etwas auf­blühen. Und bis dahin dür­fen und sollen wir uns über diejeni­gen freuen, die kom­men.

Ich hat­te ihn in meinem Brief auch um ein Gebet gebeten. Dass wir den Mut nicht ver­lieren, dass wir weit­er­ma­chen kön­nen und dass vielle­icht auch bei den Eltern etwas inner­lich in Bewe­gung kommt.

Der Papst hat meine Schü­lerin­nen und Schüler erwäh­nt und mich gebeten, sie von ihm zu grüssen. Er hat zuge­sagt, für mich zu beten, für meine Kol­le­gin, für die Kinder, für ihre Eltern und auch für meine Fam­i­lie. Das hat mich sehr berührt.

Hat die Antwort des Papstes etwas an Ihrer Arbeit oder Ihrem Selbstverständnis als Katechetin verändert?

Es hat eigentlich nur bestätigt, was ich bere­its seit Jahren meinen Töchtern, meinen Enkelkindern und auch meinen Schülern sage: «Wenn ihr euch etwas wün­scht, müsst ihr fest daran glauben. Bei Gott ist alles möglich.» Der Brief hat das für mich bestätigt.

Würden Sie anderen Menschen, die auf Probleme aufmerksam werden, raten, ebenfalls den Papst oder Bischof zu schreiben?

Ja, warum nicht. Irgend­wann kommt eine Antwort. Und selb­st, wenn keine Antwort kommt, kann man so sein Leid oder seine Sor­gen loswer­den. Schon dadurch kann es bergauf gehen, und vielle­icht kommt irgend­wann, wenn man nicht mehr damit rech­net, doch noch eine Antwort, so wie bei mir.

Briefauszüge

Brief von Nunzia Izzo an den Papst

Lieber Papst Leo,

Mein Name ist Nun­zia und ich schreibe Ihnen aus Laufen­burg (Schweiz). Ich bin hier geboren und aufgewach­sen, Tochter von Ein­wan­der­erel­tern. Mit 50 Jahren habe ich studiert, um Kat­e­chetin zu wer­den und jet­zt erteile ich seit zehn Jahren Kat­e­ch­ese von der ersten bis zur neun­ten Klasse, zur Vor­bere­itung auf die Sakra­mente der Erstkom­mu­nion und der Fir­mung. Es erfüllt mich, unseren Glauben zu erzählen und weit­erzugeben. […] Allerd­ings leben [wir] in ein­er Zeit, in der die einge­wan­derten Grossel­tern grössten­teils ver­stor­ben sind, die Kinder von allem ein­genom­men sind […] und Schwierigkeit­en [haben], Zeit für die Reli­gion zu find­en. […] Ich ver­suche zu säen, aber die Pflänzchen haben Mühe zu wach­sen. Der Boden ist bei uns sehr steinig.Die Jugendlichen ver­brin­gen lieber Stun­den mit Sport und am Handy […] Doch sollte der Glaube nicht auch einen Platz in unserem All­t­ag haben und eben­falls Freude brin­gen? […]

Antwort von Papst Leo XIV.

Liebe Nun­zia,

die Schwierigkeit­en, denen Sie begeg­nen, sind nor­mal für einen Chris­ten, der den Glauben auf authen­tis­che Weise bezeu­gen möchte. […] Ich danke Ihnen für das, was Sie tun, und sage Ihnen, dass die Stun­den, die Sie für die Vor­bere­itung der Kat­e­ch­ese­tr­e­f­fen der Erstkom­mu­nion und Fir­mung für die Kinder und Jugendlichen aufwen­den, niemals ver­lorene, ver­schwen­dete oder nahezu nut­zlose Stun­den sind, auch wenn nur sehr wenige Teil­nehmer dabei sind. […] «In dieser Gemein­schaft», wie ich beim Jubiläum der Kat­e­cheten am 28. Sep­tem­ber gesagt habe, «ist der Kat­e­chis­mus das ‹Reisew­erkzeug›, das uns vor Indi­vid­u­al­is­mus und Spal­tun­gen schützt, weil er den Glauben der ganzen katholis­chen Kirche bezeugt.» […] Ich wün­sche Ihnen, dass Sie Ihr Zeug­nis fort­set­zen. Und sagen Sie Ihren Kindern, Ihren Jugendlichen und deren Eltern, dass der Papst für sie betet.

Quelle: Piazza San Pietro, Ausgabe 1, Januar 2026, S. 4f
Leonie Wollensack
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