Dem Krieg ein Gesicht geben
© Alexandra Wey

Dem Krieg ein Gesicht geben

Ken­nen Sie das? Manch­mal möchte man die Ohren ver­schliessen, um nicht ständig Mel­dun­gen von Krieg, Katas­tro­phen und Leid zu hören. Ein­fach keine Nachricht­en mehr lesen, um der Fülle von bedrück­enden Infor­ma­tio­nen zu entkom­men. Alles ist zu viel, zu gross, zu schnell, zu neg­a­tiv.

Doch sobald die Berichter­stat­tung den einzel­nen Men­schen ins Zen­trum stellt, verän­dert sich etwas. Statt von «Hun­dert­tausenden auf der Flucht» zu lesen, erfahren wir die Geschichte von Mari­am, Mustafa oder Valen­ty­na. Plöt­zlich begeg­nen wir Men­schen, deren Leben sich nicht grund­sät­zlich von unserem unter­schei­det. Aber sie sind an einem Ort geboren, wo Krieg herrscht, Gewalt den All­t­ag prägt oder die Lebens­grund­la­gen zer­stört wer­den.

Wenn ich Mari­am aus dem Sudan, Mustafa aus dem Gaza­s­treifen oder Valen­ty­na aus der Ukraine zuhöre, bekommt das Unfass­bare ein Gesicht. Grosse Begriffe wie Krieg oder Kli­makrise lassen Leid schnell abstrakt erscheinen, ent­per­son­al­isieren die Real­ität. Die konkrete Geschichte aber holt es in unsere Wirk­lichkeit zurück. Und: Sie zeigt nicht nur Not, son­dern auch Würde, Hoff­nung und Sehn­sucht!

Vielle­icht liegt darin eine leise Gegen­be­we­gung zur Über­forderung: nicht alles auf ein­mal sehen zu müssen, son­dern einen Men­schen. Nicht das ganze Elend zu begreifen, son­dern eine Geschichte auszuhal­ten. Gegen «den Krieg» haben wir wenig in der Hand – aber für einen Men­schen kön­nen wir etwas tun.

Livia Leykauf
mehr zum Autor
nach
soben