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«Gelder sind kein Gehalt für die Engagierten»
Entlastungspaket und Senkungen bei Jugend und Sport könnten Jubla treffen
Was bedeuten die geplanten Kürzungen bei Jugend und Sport (J+S) für die Jubla? Im Interview spricht Siro Allegria, Co-Präsident der Jubla Kanton Aargau, über mögliche Auswirkungen auf die Arbeit der Freiwilligen und darüber, was er sich von der Politik wünscht.
Was macht der J+S‑Beitrag in Ihrer Jubla konkret möglich?
Allegria: Gerade bin ich als Leiter beim Sommerlager der Jubla dabei. Momentan bekommen wir von J+S pro Tag für jedes Kind einen Lagerbeitrag von 16 Franken. Bei 14 Tagen Lager mit etwa 40 Kindern sind das knapp 9000 Franken. Wenn in Zukunft Kürzungen von 20 Prozent auf uns zukommen, hätten wir 1800 Franken weniger zur Verfügung. Das ist ein grosser Betrag für eine Schar, die vom Ehrenamt lebt, der anderweitig kompensiert werden müsste.
Was würde zuerst gestrichen werden, falls das Budget schrumpft? Und was bliebe unbedingt erhalten?
Unser Ziel ist es, nichts zu streichen. Wir möchten jedem Kind die Möglichkeit geben, die Angebote der Jubla zu nutzen, unabhängig vom Einkommen der Eltern. Für uns wäre das wirklich eine schwierige Situation. Wir können ja nicht einfach sagen: «Okay, dann haben wir halt keine Zelte mehr am Lager.» Schon jetzt sind viele Lager bereits Null- oder sogar Minusrunden, die durch andere Aktivitäten ausgeglichen werden müssen.
Das heisst, vielleicht nur noch eine Woche Zeltlager statt zwei?
Bei einem Lager sind die Initialkosten der grösste Budgetpunkt. Ein zweiwöchiges Lager ist auf den Tag gerechnet günstiger als ein einwöchiges. Der Transport des Materials beispielweise muss stattfinden, egal, wie lange das Lager geht. Mir fällt nichts ein, das man einfach weglassen könnte, höchstens, dass es dann nach dem Essen zum Beispiel kein Dessert mehr gibt.
Welche Folgen hätte das kleinere Budget nach Auffassung der Jubla, für die Kinder aber auch für uns als Gesellschaft?
Unserer Auffassung nach hätte das sehr weitreichende Folgen. Ein kleineres Budget würde bedeuten, dass wir die Lagerbeiträge erhöhen müssten. Sobald wir das machen, wird unser Angebot auf eine gewisse Weise exklusiv. Eine konkrete Folge wäre also, dass sich nicht mehr alle die Jubla leisten können. Das wollen wir verhindern. Die Jugendverbände leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Viele von ihnen, die mal im Leitungsteam aktiv waren, als Schar- oder Lagerleitung, erzählen, dass ihr Engagement ihnen sehr geholfen hat im späteren Leben. Bei Bewerbungsgesprächen erwies sich ihr Jubla-Engagement oft als Vorteil, denn Arbeitgeber wissen: Menschen, die sich in der Jubla engagiert haben, bringen Erfahrungen in Teamleitung und Teamarbeit mit.
Was ist die konkrete Forderung von Jungwacht Blauring?
Bereits im Mai hat die Jubla Schweiz gemeinsam mit anderen Jugendverbänden gefordert, dass das Entlastungspaket 2027 gestrichen werden soll. Das war noch vor der Bekanntgabe der Senkungen bei J+S für das Jahr 2026. Jetzt fordern wir zusätzlich, dass diese Senkungen nicht stattfinden. Wir finden: Es soll nicht bei Kindern und Jugendlichen gespart werden. Es gibt andere Budgetposten in der Bundesverwaltung, bei denen man ansetzen sollte und nicht bei der Kinder- und Jugendförderung.

Siro Allegria möchte, dass die Leistungen freiwillig Engagierter weiterhin anerkannt und unterstützt werden.
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Wie ist die Position der Jubla dazu, mit Blick auf Chancengleichheit, gezielt zu fördern – z. B. arme Familien –, statt pauschal über J+S zu subventionieren?
Es gibt Bestrebungen für Studien und Umfragen zur finanziellen Stabilität der einzelnen Scharen. Dadurch, dass die potenziellen Senkungen aber erst seit kurzem bekannt sind, stehen wir da erst am Anfang.
Welche Verantwortung sieht die Jubla vielleicht auch bei den Kantonen und Gemeinden, wenn der Bund sich aus der Förderung teilweise zurückzieht?
Die Förderung läuft über die Bundesebene, was sehr gut funktioniert. Das sollte unserer Meinung auch so bleiben. Eine Schar meldet ein Angebot, wie beispielsweise ein Lager, an und gibt ein detailliertes Programm ab. Dieses wird dann von Coaches des Bundesamts für Jugend und Sport geprüft. So bekommen die Scharen die Gelder direkt vom Bund. Das Geld fliesst auch nicht über uns als Kantonsleitung, es geht wirklich direkt auf die Konten der Scharen. Sicherlich gibt es auch Jugendförderungsgelder in den Kantonen, aber auch da muss man lange politische Wege gehen, bis man an sie drankommt. Ausserdem können die kantonalen Unterschiede sehr gross sein, sodass es nicht mehr nachhaltig ist für die Scharen, oder allgemein, die Verbände. Es geht ja nicht nur um Jugendverbände. Auch Fussballclubs und Turnvereine bekommen Geld von J+S.
Gibt es Überlegungen, alternative Finanzierungsquellen zu erschliessen?
Aktuell analysieren wir gemeinsam mit den Scharen die Finanzierungsstabilität und mögliche Finanzierungsmöglichkeiten. Einige Scharen nutzen bereits Papiersammelaktionen oder Unterhaltungsabende als Einnahmequelle. Die Scharen haben aber keine professionelle Fundraisingstruktur, was es schwierig macht, längerfristig Gelder zu generieren. Wenn man am Ende die Hälfte des Leitungsteams für das Fundraising einsetzen muss, dann ist das auch nicht Sinn der Sache. Die einzige wirkliche Möglichkeit, die es aktuell gibt und die für alle gleich wäre, ist die Erhöhung der Mitgliederbeiträge. Doch das wollen wir verhindern.
Was wünschen Sie sich vom Bundesrat, aber vielleicht auch von der Gesellschaft in Bezug auf den Wert und auch die Zukunft der Kinder und Jugendförderung?
Das Interesse in der Gesellschaft ist da. Viele Eltern fragen uns, was diese Ankündigungen, von denen sie in den Medien lesen, für ihr Kind bedeuten. Das zeigt auch, wie wichtig die Kinder- und Jugendförderung für die Gesellschaft ist. Von Bundesrat und Parlament wünschen wir uns, dass sie erkennen, dass diese Gelder direkt den Kindern und Jugendlichen zugutekommen und dass sie kein Lohn für unsere Arbeit sind. Unser Engagement ist vollständig ehrenamtlich. Wir nehmen uns Urlaub, um hier im weitesten Sinne auch wieder zu arbeiten. Die Gelder braucht es, um grundlegende Infrastruktur zu stellen, damit solche Angebote stattfinden können. Auch das Sommerlager meiner Schar hat unzählige Stunden auf der Uhr, die niemand aufschreibt. Wir machen das, weil wir Spass daran haben, weil wir früher etwas von der Jubla mitgekriegt haben und das wieder zurückgeben möchten. Wir wünschen uns, dass das wertgeschätzt und weiterhin unterstützt wird – auch monetär.