
Bild: © Susanne Salvi
Bewährtes und Neues
Die Ehe- und Partnerschaftsberatung der katholischen Kirche Baselland hat ein neues Leitungsteam. Annette und Mathias Jäggi erzählen, an wen sich das Angebot richtet, woran sie festhalten und was unter ihnen Neues ansteht.
Was hat Sie motiviert, die Leitung zu übernehmen?
Mathias Jäggi (MJ): Für mich gibt es zwei Gründe. Zum einen habe ich schon vor einigen Jahren, als ich 2009 in die Region kam, mit der Stelle geliebäugelt, aber es hat sich aus verschiedenen Gründen nicht ergeben. Für mich hat sich jetzt also ein Stück weit ein Traum erfüllt. Zum anderen hatte meine Frau Annette es bedauert, dass ich 2017 aus dem kirchlichen Dienst ausgeschieden und ganz in den Schuldienst gewechselt war.
Annette Jäggi (AJ): In der Zeit davor haben wir nämlich recht eng zusammengearbeitet und das immer als Bereicherung erfahren. Unser jüngstes Kind ist jetzt 12 Jahre alt, und wir haben gemerkt, dass wir als Familie, aber auch als Paar, in eine neue Phase kommen. Für uns ist das der passende Zeitpunkt, wieder beruflich zusammenzuarbeiten und dieses gemeinsame Projekt anzugehen.
An wen richtet sich das Angebot der Fachstelle?
Andrea Gross (AG): An alle Menschen, gleich welcher Nationalität, welchen Geschlechts, welcher Konfession, welchen Alters und welchen Beziehungsstatus’. Daher wurde auch der Name so gewählt: «Ehe- und Partnerschafsberatung». Von Anfang an sollten beispielweise auch gleichgeschlechtliche Paare angesprochen werden. Damit alle Menschen das Angebot wahrnehmen können, legt der Landeskirchenrat wert darauf, dass sie nichts dafür bezahlen müssen. Allerdings freuen wir uns über eine Spende für einen Fonds für Familien in Not. Die Spenden überweisen wir grösstenteils der Caritas beider Basel.
Wo erleben Sie Spannungsfelder zwischen offizieller Lehre der katholischen Kirche und dem, was Paare tatsächlich bewegt?
AG: Ein grosser Teil der Paare, die zu uns kommen, sind nicht verheiratet. Viele sind verheiratet und leben getrennt. Es kommen nicht nur katholische Menschen, sondern auch ausgetretene, konfessionslose, reformierte, muslimische und jüdische Paare. Aber die Kirche nimmt eben auch diese Menschen in den Blick. Das rechne ich dem Landeskirchenrat, der sich bereits in den 1970er Jahren dafür eingesetzt hat, dass dies möglich ist, sehr hoch an.
MJ: Die Kirche nimmt hier eine diakonische Aufgabe wahr. Das Leben ist einfach bunter, als das Lehrbuches wahrhaben will, und wir müssen genau in diesen Situationen präsent sein, im Sinne vom «Dienst am Menschen».
AG: In diesem Zusammenhang kann ich als Quintessenz aus meiner langjährigen Arbeit in der Fachstellesagen: Es gibt bei den Themen nichts, was es nicht gibt. Ich finde es total gut, dass die Menschen mit allen Themen kommen und Dinge verändern wollen. Das ist besser, als zu Hause auf den Fäusten zu sitzen und unglücklich zu werden.
Über die Ehe- und Partnerschaftsberatung
Die Ehe- und Partnerschaftsberatung der römisch-katholischen Kantonalkirche Baselland unterstützt sowohl Paare als auch Einzelpersonen. Die Beratungen sind kostenlos. Neben der persönlichen Beratung bietet die Fachstelle auch Präventionsangebote an und arbeitet eng mit den Pastoralräumen zusammen. Seit 2003 ist die Stelle in eigenen Räumen tätig und folgt einem Konzept, das Beratung, Prävention und Vernetzung miteinander verbindet.
Welche neuen Projekte stehen unter Ihnen an?
AJ: Gerade sind wir dabei, eine Halbjahresplanung zu entwickeln und uns überlegen, welche Veranstaltungen wir durchführen möchten. Es gibt eine Menge organisatorischer Arbeit zu machen und Abklärungen zu treffen.
Zusätzlich zu den traditionellen Angeboten, wie beispielsweise der Ehevorbereitung, den Kommunikationskursen und so weiter, möchten wir einen neuen Bereich schaffen.
Neben Bildung und Beratung ist es uns ein Anliegen, mehr bestärkende Angebote für Paare anzubieten. Die Angebote der Bistümer Freiburg im Breisgau und Sankt Gallen finden wir sehr inspirierend. Eine Idee ist zum Beispiel eine Kanufahrt auf dem Doubs mit begleitenden Impulsen wie: Wie geht ihr miteinander um? Wer rudert wie wild und wer lässt sich eher mittreiben? Wie geht es euch, wenn ihr die Rollen tauscht? So können wir die Paare auf spielerische Weise ins Gespräch bringen. Mir ist es wichtig, dass die Veranstaltungen von Spass begleitet werden. So können Paare sich wieder in Erinnerung rufen, was in ihrer Beziehung gut funktioniert und was sie auch weiterhin tragen könnte, zum Beispiel ein gemeinsames Hobby. Solche positiven Anknüpfungspunkte lassen sich mit niederschwelligen Bildungsangeboten verbinden und können die Beziehung stärken. Darin sehe ich grosses Potenzial.
MJ: Die Beratungsarbeit ist das Fundament für die Bildungsthemen und die erlebnisorientierten Veranstaltungen. In der Beratung zeigt sich, wo der Schuh drückt, und daraus können und sollen anschliessend die Veranstaltungen entwickelt werden.
Ich schaue mit grossem Respekt auf die traditionsreiche Geschichte dieser Stelle und bin mir der Verantwortung bewusst, die wir als neues Leitungsteam haben. Meine Ambition ist es, sie gut weiterzuführen. Es ist von Andrea Gross viel Vorarbeit geleistet worden, und wir möchten das auf eine gute, konstruktive Art weitertragen.
AG: Ich wünsche der Beratungsstelle, dass sie weiterhin unter so einem guten Segen steht wie bisher. Ich bin der Überzeugung: Sie ist ein Herzkernpunkt der katholischen Kirche. Sie muss es sein. Das ist kein «Nice to have» (Nett-zu-haben, optional, Anm. d. Red.), sondern ein «must have» (ein Muss, Anm. d. Red.). Daher habe ich auch sehr gerne in den letzten Jahren für diese Stelle gearbeitet.
Die neue Leitung
Annette und Mathias Jäggi treten die Nachfolge von Andrea Gross an, die nach acht Jahren als Leiterin in Pension geht.
Annette Jäggi hat in Innsbruck und in Freiburg im Breisgau – wo sie auch ihren Mann kennenlernte – Theologie studiert. Sie hat ihren Schwerpunkt in der Familienpastoral und setzt sich seit Beginn ihrer beruflichen Laufbahn für Familien ein. Besonders wichtig ist ihr die Beziehungsarbeit: Sie vernetzt Familien untereinander und entwickelt generationsübergreifende Angebote. Ab April 2026 wird sie einen systemischen Grundkurs für Paar- und Familientherapie absolvieren.
Mathias Jäggi ist Theologe, Caritaswissenschaftler und kirchlicher Sozialarbeiter. Nach seinem Studium baute er in Cham einen kirchlichen Sozialdienst auf und ab 2009 leitete er jenen der Pfarrei in Binningen. Er hat ausserdem eine beraterische Ausbildung im personenzentrierten Ansatz mit einer Weiterbildung im systemischen Ansatz. Als Sozialarbeiter fiel bereits über die Hälfte seiner Tätigkeit auf die Beratungsarbeit.