Allein auf weiter Flur
Weitsicht bis in die Gipfel des Jura auf der Schafmatt.
© Marie-Christine Andres

Allein auf weiter Flur

Teil 2 der Sommerserie «Zu den Quellen»

Die Sommerserie führt dieses Jahr zu Orten, wo Quellen entspringen. Auf der Suche nach der Quelle der Ergolz wanderten wir zwischen Kienberg und Oltingen über menschenleere Juraweiden mit Weitblick. Über lange Strecken war die Sonne unsere einzige Begleitung, und statt Quellwasser floss viel Schweiss.


Es gibt viele Gründe, dem Fluss Ergolz einen Teil der «Lichtblick»-Sommerserie zu wid­men. Die Ergolz ist mit rund 30 Kilo­me­tern Länge der Haupt­fluss des Kan­tons Basel-Land­schaft. Auf ihrem Weg von der Quelle bis zur Mün­dung nimmt sie mehrere Neben­flüsse auf und entwässert den gesamten östlichen Teil des Kan­tons. Der römis­chen Stadt Augus­ta Rau­ri­ca diente der Fluss zur Trinkwasserver­sorgung, und noch heute sind Über­reste eines unterirdis­chen Aquä­duk­ts mit Ursprung ober­halb von Liestal vorhan­den. Die Wasserkraft der Ergolz wurde seit dem 14. Jahrhun­dert als Antrieb für Sägereien, Getrei­demühlen, Papier­mühlen und Tex­til­maschi­nen genutzt.

Allein auf weiter Flur - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz 1
Let­zte Stärkung beim Brun­nen vor der Kirche Maria Him­melfahrt in Kien­berg, im äusser­sten Zipfel des Kan­tons Solothurn.

Start am Fuss der Salhöhe

«Zu den Quellen» lautet das Mot­to unser­er Som­merserie. Also machen wir uns auf den Weg zur Quelle der Ergolz, die so viele Geschicht­en zu erzählen hat. Von Gel­terkinden aus fahren wir mit dem Postau­to durch die idyl­lis­che Som­mer­land­schaft ins solothur­nische Kien­berg. Es liegt am Fuss des Passüber­gangs Sal­höhe ins aar­gauis­che Erlins­bach. Mit einem Abstech­er in die küh­le Kirche Maria Him­melfahrt und mit Pro­viant vom Hofladen an der Abzwei­gung zum Wan­der­weg tanken wir noch ein­mal Energie.

Drei Kantone

Dann führt der Weg steil bergauf. Die Ergolz entspringt auf 963 m ü.M. an der Geiss­fluh, auf der Gren­ze der Kan­tone Solothurn und Basel-Land­schaft. Auch der Kan­ton Aar­gau ist nahe, ein Schild mit der Auf­schrift «Drei Kan­tone-Weg» weist darauf hin. Ein Land­wirt, dem wir unser Vorhaben mit­teilen, wiegt bedächtig den Kopf und weist uns darauf hin, dass die Ergolz da oben an den steilen Hän­gen nur ein Rinnsal sei und es wahrschein­lich nicht viel zu sehen gebe.

Wir lassen Kien­berg unter uns. Ein Hofhund, der unsere Trinkpause im Schat­ten der Linde bel­lend überwacht, wird für län­gere Zeit die let­zte Begeg­nung sein. Am Nord­hang der Geiss­flue windet sich der Weg, duf­ten­des Heu liegt auf den Wiesen, kein Men­sch ist zu sehen. Die Sonne ist unsere einzige Begleitung.

Quellgebiet an der Kantonsgrenze

Umso mehr freuen wir uns auf die Quelle. Als wir der Kan­ton­s­gren­ze näherkom­men, hal­ten wir die Ohren offen – wahrschein­lich wird ein Plätsch­ern oder Sprudeln uns den Stan­dort der Quelle ver­rat­en. Doch es bleibt verdächtig ruhig. Beim Über­queren der Kan­ton­s­gren­ze in ein­er Recht­skurve stechen wir nach einem Blick auf die Karte links ins Gebüsch. Ein Graben, ein paar Steine, dicht­es Grün und immer­hin ein wenig feuchter Schlamm markieren den Ort, an dem der wichtig­ste Basel­bi­eter Fluss entspringt. Der trock­ene Juni hat die Quelle vorüberge­hend still­gelegt, das Bach­bett bis hin­unter nach Oltin­gen ist eine staubige Rinne. Schwemm­spuren auf dem Wald­weg ver­rat­en, dass die Ergolz, die auf ihrem Lauf durch den Tafelju­ra einen Höhe­nun­ter­schied von 570 Metern über­windet, je nach Nieder­schlag hier aber auch dur­chaus Kraft entwick­eln kann.

Blick in die Berge und die Sterne

Während die Ergolz der Schw­erkraft fol­gt und den direk­ten Weg hin­unter nach Oltin­gen nimmt, wan­dern wir über die offene Jurawei­de der Schaf­matt. Der Blick reicht zu den Voge­sen und den franzö­sis­chen Juragipfeln. Wer noch viel weit­er in die Ferne schauen möchte, kann zu den Öff­nungszeit­en die Stern­warte Schaf­matt besuchen, die der Astronomis­che Vere­in Aar­gau hier betreibt (siehe Box). Über diese Wei­den wan­derten Men­schen zu Fuss oder mit Pack­tieren während Jahrtausenden hoch zum Schaf­mattpass. In der Römerzeit, beson­ders aber im Mit­te­lal­ter war der Pass eine wichtige Verbindung vom Ergolz­tal ins Mit­tel­land. Wir bleiben jedoch auf der Basel­bi­eter Seite und steigen teil­weise auf der Passstrasse, die aber sehr wenig Verkehr hat, hin­unter nach Oltin­gen.

Auf der Schaf­matt

Die Stern­warte auf der Schaf­matt gewährt Inter­essierten einen Blick in den Him­mel

Die Astronomis­che Vere­ini­gung ­Aarau betreibt die Stern­warte auf der Schaf­matt. Jeden Don­ner­stagabend kann die Stern­warte für Grup­pen­führun­gen reserviert wer­den. Dazu bitte die Onlin­ean­mel­dung benutzen. Jeden Fre­itagabend ist die Stern­warte für Inter­essierte geöffnet: Vom 1. April bis 30. Sep­tem­ber ab 21 Uhr, vom 1. Okto­ber bis 31. März ab 20 Uhr. Info zur Durch­führung jew­eils ab 18 Uhr unter der Tele­fon­num­mer 062 298 05 47. Ohne Anmel­dung. Mit­nehmen: Warme Klei­der (auch im Som­mer) und Taschen­lampe. Der Fuss­weg vom Park­platz her ist aus­geschildert, aber nicht beleuchtet.

Alle Infos und Ver­anstal­tun­gen find­en Sie auf www.sternwarte-schafmatt.ch

Allein auf weiter Flur - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz 6
Die Stern­warte der Astronomis­chen Vere­ini­gung Aarau auf der Schaf­matt.
Allein auf weiter Flur - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz 7
Beim Wasser­fall unter­halb von Oltin­gen fliesst die Ergolz über die Kante des Tafelju­raplateaus. Bild: Beat Ernst

Kirche, Wasserfall und Talweiher

Das Dorf am Ober­lauf der Ergolz besitzt eine sehenswerte Kirche aus dem 13. Jahrhun­dert mit Fresken aus dem 15. Jahrhun­dert. Die reformierte Kirche St. Niko­laus lädt zum Ver­weilen und Betra­cht­en ein. Auch ste­ht in Oltin­gen die let­zte noch voll funk­tion­stüchtige wasser­rad­getriebene Sägemüh­le der Nord­westschweiz. Die Ergolz ist in Oltin­gen grössten­teils eingedolt. Unter­halb des Dorfs stürzt das Wass­er über einen Felsab­bruch. Wie die Web­site regionatur.ch erk­lärt, hat sich der Fluss ab hier tief in die Land­schaft gegraben und eine Tal­sohle gebildet. Der Ein­schnitt teilt den Basel­bi­eter Tafelju­ra in zwei aus­gedehnte Hochflächen. An zahlre­ichen Stellen des Tal­ran­des treten Quellen zutage. Dort, wo die Schlucht sich öffnet, wur­den 1965 die bei­den Tal­wei­her auf dem Boden der Gemein­den Anwil und Rothen­fluh als kan­tonales Naturschutzge­bi­et angelegt.

Vom Rinnsal zum stattlichen Fluss

Von Oltin­gen aus geht unsere Reise mit dem Postau­to weit­er nach Gel­terkinden, wo wir wieder auf die Ergolz tre­f­fen. Noch immer führt sie wegen der Hitzewelle fast kein Wass­er. Doch durch die Ein­mün­dung des Eibachs in Gel­terkinden, des Hom­burg­er­bachs und Diegter­bachs in Sis­sach, der Frenke, des Oris­bachs und des Röseren­bachs in Liestal wird die Ergolz bis zur Mün­dung in den Rhein bei Augst trotz allem zu einem ansehn­lichen Fluss her­anwach­sen.

Allein auf weiter Flur - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz 3


Wan­derung von Kien­berg nach Oltin­gen via Ergolzquelle und Stern­warte Schaf­matt. 8,3 km, 368 hm hin­auf, 348 hm hin­unter. Wan­derzeit ca. 2 h 30 min. Anreise: Ab Basel SBB mit der S3 nach Gel­terkinden, dann Bus 102 Rtg. Kien­berg bis «Kien­berg Hirschen». Rück­reise: Bus von Oltin­gen nach Gel­terkinden, dort Anschluss nach Basel / Zürich / Olten.

Marie-Christine Andres Schürch
mehr zum Autor
nach
soben