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«Wir tun Gutes und sprechen darüber»
Auch in der Kirche gibt es Unternehmenskommunikation. Je weniger die Menschen über die Kirche wissen, desto klarer, verständlicher und einladender muss die Kirche kommunizieren – besonders in Krisen.
Wen wollen Sie mit Ihrer Kommunikation erreichen und wie lautet Ihre Botschaft?
Susanne Salvi: Wir wollen die breite Öffentlichkeit erreichen und darüber sprechen, welche unglaubliche Leistung die Kirche auch für die ganze Gesellschaft bringt. Ganz nach dem Motto: «Wir tun Gutes und sprechen darüber.»
Anne Burgmer: Neben der internen Kommunikation wollen wir uns als Ansprechpartner positionieren – als eine wichtige Stimme in Basel-Stadt. Wir möchten wahrgenommen werden als Kirche für alle: «katholisch basel.alles drin.»
Jonas Spirig: Neben der Kommunikation des Bistums mit den Landeskirchen, Pastoralräumen und Pfarreien wollen wir hauptsächlich die Gläubigen der katholischen Kirche ansprechen. Wir möchten aber auch kirchenferne Menschen erreichen und der breiten Öffentlichkeit Rede und Antwort stehen.
Jeannette Häsler Daffré: Wir kommunizieren im Aargau mit 92 Kirchgemeinden und 100 Pfarreien, die wir in der Kommunikation unterstützen durch Beratung und Weiterbildung. Die Öffentlichkeit ist auch für uns eine wichtige Zielgruppe. Wir erreichen sie durch Medienmitteilungen, über die sozialen Medien und etwa durch die Kampagne «Kirchensteuer sei Dank». Wir versuchen auf allen Kanälen präsent zu sein mit der Botschaft «Kirche wirkt».
Anne Burgmer: Für mich als Theologin hat Kommunikation mehr mit Verkündigung zu tun als mit Public Relations oder Marketing. Wir haben im Kanton Basel-Stadt 20 000 Mitglieder in der katholischen Kirche.
Jonas Spirig: In der Kommunikation ist es grundlegend, dass klar ist, was die Botschaft und wer die Zielgruppe ist. Und Aufgabe von Kommunikationsverantwortlichen ist es, bei den Verantwortlichen auf der pastoralen Seite in der Kirche dieses Bewusstsein zu wecken und zu schärfen.
Susanne Salvi: Ebenso wichtig ist es, sich zu fragen, auf welchem Weg wir welche Zielgruppe erreichen. Je nach dem braucht es eine andere Sprache.
Jeannette Häsler Daffré: Unseren Claim «Kirche sei Dank» finde ich gut, weil er uns eine Vision und einen Auftrag gibt. Wir fragen uns immer, wer was zu wem sagt und mit welcher Wirkung. Adressatengerechte Botschaften auf den richtigen Kanälen sind zentral. Darin unterstützen wir auch die Kirchgemeinden und Pfarreien.

«Für mich ist die Kirche ein Anker und ich arbeite gern für ein Traditionsunternehmen, das es schon seit über 2000 Jahren gibt. Mir gefällt es, in einer Institution zu arbeiten, in der Nächstenliebe eine zentrale Botschaft ist.»
Susanne Salvi ist Leiterin Stabstelle Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Römisch-katholischen Kirche im Kanton Basel-Landschaft; Bild zVg
Wie wichtig ist in der Kommunikation Übersetzung und Vermittlung?
JS: Eine meiner wichtigsten Aufgaben ist die Übersetzung von Deutsch auf Deutsch. Damit meine ich, dass ich theologische Sachverhalte für eine breite Öffentlichkeit verständlich machen muss.
SuS: In der Kommunikation gehört es zum Kernauftrag, Fachsprache in allgemein verständliche Sprache zu übersetzen. Wir müssen so formulieren, dass auch eine uninformierte Person unsere Botschaft versteht.
AB: Seit meinem Studium verstehe ich Theologie als Übersetzungsarbeit ist. Als Theologin will ich komplexe Glaubensinhalte so formulieren können, dass sie alle verstehen. Als ehemalige Journalistin fände ich es gut, wenn in der Ausbildung, zum Beispiel in der Predigtlehre, journalistisches Arbeiten Pflichtstoff wäre, weil das Schreiben einer Predigt viele Gemeinsamkeiten mit dem Schreiben eines Artikels hat. Gerade so wichtig wie die adressatengerechte Kommunikation ist es, dass das Gesagte authentisch ist.

«Friede, Hoffnung und die Bewahrung der Schöpfung finde ich zentrale Botschaften der Kirche»
Jeannette Häsler Daffré ist Kommunikationsbeauftragte der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau; Bild zVg
Hat die Kommunikation in der Kirche den Stellenwert, den sie verdient?
JS: Im Bistum braucht es sicher noch etwas Aufklärungsarbeit, um den Stellenwert der Kommunikation aufzuzeigen. Auf der Stufe der Bischofskonferenz sehe ich, dass der Professionalitätsgrad der Kommunikation sehr unterschiedlich ist. Heute werden zunehmend Kommunikationsspezialisten angestellt, die sich theologisch weiterbilden. Zuvor haben sich Theologinnen oder Theologen für diese Aufgabe Kommunikationswissen angeeignet.
AB: Die Kommunikationsstelle in der Römisch-katholischen Kirche in Basel-Stadt hat in meiner Wahrnehmung einen sehr grossen Rückhalt. In meiner Funktion bin ich in vielen Gremien anwesend und kann dadurch bei Bedarf auch eine Scharnierfunktion wahrnehmen.
JHD: In der Römisch-katholischen Kirche im Kanton Aargau ist der Rückhalt ebenfalls gross. Unsere Umfrage im Zusammenhang mit dem Projekt «Fit für die Zukunft» der Landeskirche hat ergeben, dass Kommunikationsthemen einen hohen Stellenwert geniessen. Die Menschen wollen, dass die Kirche offen, klar, transparent und lösungsorientiert kommuniziert. Trotz dieser Anerkennung gibt es dennoch nicht mehr Ressourcen für die Kommunikation. Die Ressourcenknappheit in der Kirche ist für uns ein Fakt. Mit Blick auf die aktuelle Kampagne der Zürcher Kantonalkirche, die mit Hilfe der Steuergelder der juristischen Personen über viel Ressourcen verfügen, wünsche ich mir, dass solche Projekte überregional wirken könnten. Wir sind eine Kirche.

«Momentan inspirieren mich die Friedensbotschaften und die Botschaften der Hoffnung am meisten. Mich fasziniert gerade der Schlagabtausch zwischen Trump und Papst Leo.»
Jonas Spirig ist Kommunikationsverantwortlicher für das Bistum Basel; Bild: zVg
Warum gibt es nicht mehr Synergien zwischen den Landeskirchen?
AB: Das ist dem dualen System geschuldet. Bei den Kantonalkirchen bildet sich das Gleiche ab, wie in der säkularen Gesellschaft: Föderalismus. Die Körperschaften öffentlichen Rechts sind kantonal. Schon innerhalb eines Bistums ist da die Zusammenarbeit herausfordernd. Ganz zu schweigen von der Zusammenarbeit über die Bistumsgrenzen hinaus. Auf der pastoralen Seite ist es einfacher, weil diese hierarchisch funktioniert. Überspitzt formuliert: Der Bischof kann für sein Bistum Entscheide treffen und die Pfarreien müssen ausführen.
Gibt es dennoch Beispiele für Kooperationen in der Kommunikation?
AB: Die Seelsorge im Tabubereich wird dieses Jahr zehn Jahre alt. Sie wird von der RKLK BL und der RKK BS verantwortet, darum arbeiten wir auch auf der Ebene Kommunikation zusammen. Und wir arbeiten selbstverständlich ökumenisch zusammen, wo es bewährt und angezeigt ist.
JHD: Die Kommunikationsfachleute der Kantonalkirchen im Bistum Basel tauschen sich alle zwei Monate über ihre Kampagnen aus. Über die Bistumsgrenze hinaus gibt es leider nur wenig Austausch. Bei der Kampagne «Kirchensteuer sei Dank» von 2021 aus St. Gallen konnten wir mitmachen. Da sind heute auch die Kantone Schwyz und Luzern dabei. Zusammen bespielen wir die Webseite, die auf die oft gestellte Frage «Was passiert mit den Kirchensteuern?» eine Antwort gibt. Hier Transparenz zu schaffen, ist eine der wichtigsten Aufgaben, die wir in der Kommunikation haben. Ausserdem gibt es eine überregionale Zusammenarbeit in 18 Kantonen bei der «Langen Nacht der Kirchen». Die gemeinsame Planung der Kommunikation im Zusammenhang mit der Pilotstudie zum Missbrauch im kirchlichen Kontext war wertvoll. Ich wünschte mir mehr davon.

«Für mich steht die Kirche dafür, dass es etwas gibt, was grösser ist als alles, dass ich in der Welt bin, aber nicht von der Welt. Das fordert mich auf, mich den Dynamiken der Welt nicht einfach unterzuordnen. So wie das Papst Leo jetzt gerade mit Blick auf Trump und die USA gemacht hat.»
Anne Burgmer leitet die Kommunikation der Römisch-Katholischen Kirche in Basel-Stadt; Bild: Michael Waser
Die Veröffentlichung der Hauptstudie zum Missbrauch wird Anfang nächstes Jahr stattfinden. Wie bereiten Sie sich auf diese Krise vor?
JS: Gemeinsam mit den Kommunikationsverantwortlichen der Bistümer St. Gallen und Chur sowie der Bischofskonferenz besprechen wir das Vorgehen im Zusammenhang mit der Publikation. Denn es ist klar: Die Kommunikation muss besser sein als bei der Pilotstudie.
SuS: Wir sind längst in den Vorbereitungen zu diesem Ereignis. Wir wünschen uns vom Bistum eine gute Zusammenarbeit, eine klare Botschaft und transparente Informationen, damit wir in den Kantonalkirchen in der gleichen Sprache sprechen können. In einer Krise ist das besonders wichtig.
AB: Die Publikation wäre eine gute Gelegenheit für eine bistumsweite gemeinsame Kommunikation, die bis in die Pfarreien hinein verwendet und lokal angepasst werden kann. Da bin ich tatsächlich etwas ungeduldig: Meiner Meinung nach müssten wir in der Vorbereitung schon weiter fortgeschritten sein. Es sollte mittlerweile klar sein, wie wichtig eine gute Kommunikation bei diesem Thema ist.
JS: In der Krise ist es sehr wichtig, dass die Kommunikationsverantwortlichen sich kennen und dass die Kanäle klar sind.
JHD: Es ist zentral, dass die katholische Kirche in der Schweiz bei der Veröffentlichung der Hauptstudie mit einer Stimme und authentisch spricht.