«Wir tun Gutes ​und sprechen darüber»
Bischof Felix Gmür, Protektor des Kinderspitals Bethlehem, segnete am 21 Oktober 2025 das entstehende Gebäude der neuen Tageschirurgie im Caritas Baby Hospital.
© Kinderhilfe Bethlehem

«Wir tun Gutes ​und sprechen darüber»

Auch in der Kirche gibt es Unternehmenskommunikation. Je weniger die Menschen über die Kirche wissen, desto klarer, verständlicher und einladender muss die Kirche kommunizieren – besonders in Krisen.

Wen wollen Sie mit Ihrer Kom­mu­nika­tion erre­ichen und wie lautet Ihre Botschaft?

Susanne Salvi: Wir wollen die bre­ite Öffentlichkeit erre­ichen und darüber sprechen, welche unglaubliche Leis­tung die Kirche auch für die ganze Gesellschaft bringt. Ganz nach dem Mot­to: «Wir tun Gutes und sprechen darüber.»

Anne Burgmer: Neben der inter­nen Kom­mu­nika­tion wollen wir uns als Ansprech­part­ner posi­tion­ieren – als eine wichtige Stimme in Basel-Stadt. Wir möcht­en wahrgenom­men wer­den als Kirche für alle: «katholisch basel.alles drin.»

Jonas Spirig: Neben der Kom­mu­nika­tion des Bis­tums mit den Lan­deskirchen, Pas­toral­räu­men und Pfar­reien wollen wir haupt­säch­lich die Gläu­bi­gen der katholis­chen Kirche ansprechen. Wir möcht­en aber auch kirchen­ferne Men­schen erre­ichen und der bre­it­en Öffentlichkeit Rede und Antwort ste­hen.

Jean­nette Häsler Daf­fré: Wir kom­mu­nizieren im Aar­gau mit 92 Kirchge­mein­den und 100 Pfar­reien, die wir in der Kom­mu­nika­tion unter­stützen durch Beratung und Weit­er­bil­dung. Die Öffentlichkeit ist auch für uns eine wichtige Ziel­gruppe. Wir erre­ichen sie durch Medi­en­mit­teilun­gen, über die sozialen Medi­en und etwa durch die Kam­pagne «Kirchen­s­teuer sei Dank». Wir ver­suchen auf allen Kanälen präsent zu sein mit der Botschaft «Kirche wirkt».

Anne Burgmer: Für mich als The­olo­gin hat Kom­mu­nika­tion mehr mit Verkündi­gung zu tun als mit Pub­lic Rela­tions oder Mar­ket­ing. Wir haben im Kan­ton Basel-Stadt 20 000 Mit­glieder in der katholis­chen Kirche.

Jonas Spirig: In der Kom­mu­nika­tion ist es grundle­gend, dass klar ist, was die Botschaft und wer die Ziel­gruppe ist. Und Auf­gabe von Kom­mu­nika­tionsver­ant­wortlichen ist es, bei den Ver­ant­wortlichen auf der pas­toralen Seite in der Kirche dieses Bewusst­sein zu weck­en und zu schär­fen.

Susanne Salvi: Eben­so wichtig ist es, sich zu fra­gen, auf welchem Weg wir welche Ziel­gruppe erre­ichen. Je nach dem braucht es eine andere Sprache.

Jean­nette Häsler Daf­fré: Unseren Claim «Kirche sei Dank» finde ich gut, weil er uns eine Vision und einen Auf­trag gibt. Wir fra­gen uns immer, wer was zu wem sagt und mit welch­er Wirkung. Adres­saten­gerechte Botschaften auf den richti­gen Kanälen sind zen­tral. Darin unter­stützen wir auch die Kirchge­mein­den und Pfar­reien.

«Für mich ist die Kirche ein Anker und ich arbeite gern für ein Tra­di­tion­sun­ternehmen, das es schon seit über 2000 Jahren gibt. Mir gefällt es, in ein­er Insti­tu­tion zu arbeit­en, in der Näch­sten­liebe eine zen­trale Botschaft ist.»

Susanne Salvi ist Lei­t­erin Stab­stelle ­Kom­mu­nika­tion und Öffentlichkeit­sar­beit der Römisch-­katholis­chen Kirche im Kan­ton Basel-­Land­schaft; Bild zVg

Wie wichtig ist in der Kom­mu­nika­tion Über­set­zung und Ver­mit­tlung?

JS: Eine mein­er wichtig­sten Auf­gaben ist die Über­set­zung von Deutsch auf Deutsch. Damit meine ich, dass ich the­ol­o­gis­che Sachver­halte für eine bre­ite Öffentlichkeit ver­ständlich machen muss.

SuS: In der Kom­mu­nika­tion gehört es zum Ker­nauf­trag, Fach­sprache in all­ge­mein ver­ständliche Sprache zu über­set­zen. Wir müssen so for­mulieren, dass auch eine unin­formierte Per­son unsere Botschaft ver­ste­ht.

AB: Seit meinem Studi­um ver­ste­he ich The­olo­gie als Über­set­zungsar­beit ist. Als The­olo­gin will ich kom­plexe Glaubensin­halte so for­mulieren kön­nen, dass sie alle ver­ste­hen. Als ehe­ma­lige Jour­nal­istin fände ich es gut, wenn in der Aus­bil­dung, zum Beispiel in der Predigtlehre, jour­nal­is­tis­ches Arbeit­en Pflicht­stoff wäre, weil das Schreiben ein­er Predigt viele Gemein­samkeit­en mit dem Schreiben eines Artikels hat. Ger­ade so wichtig wie die adres­saten­gerechte Kom­mu­nika­tion ist es, dass das Gesagte authen­tisch ist.

Jeannette Häsler Daffré - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz

«Friede, Hoff­nung und die Bewahrung der Schöp­fung finde ich zen­trale Botschaften der Kirche»

Jean­nette Häsler Daf­fré ist Kom­mu­nika­tions­beauf­tragte der Römisch-Katholis­chen Kirche im Aar­gau; Bild zVg

Hat die Kom­mu­nika­tion in der Kirche den Stel­len­wert, den sie ver­di­ent?

JS: Im Bis­tum braucht es sich­er noch etwas Aufk­lärungsar­beit, um den Stel­len­wert der Kom­mu­nika­tion aufzuzeigen. Auf der Stufe der Bischof­skon­ferenz sehe ich, dass der Pro­fes­sion­al­itäts­grad der Kom­mu­nika­tion sehr unter­schiedlich ist. Heute wer­den zunehmend Kom­mu­nika­tion­sspezial­is­ten angestellt, die sich the­ol­o­gisch weit­er­bilden. Zuvor haben sich The­ologin­nen oder The­olo­gen für diese Auf­gabe Kom­mu­nika­tion­swis­sen angeeignet.

AB: Die Kom­mu­nika­tion­sstelle in der Römisch-katholis­chen Kirche in Basel-Stadt hat in mein­er Wahrnehmung einen sehr grossen Rück­halt. In mein­er Funk­tion bin ich in vie­len Gremien anwe­send und kann dadurch bei Bedarf auch eine Scharnier­funk­tion wahrnehmen.

JHD: In der Römisch-katholis­chen Kirche im Kan­ton Aar­gau ist der Rück­halt eben­falls gross. Unsere Umfrage im Zusam­men­hang mit dem Pro­jekt «Fit für die Zukun­ft» der Lan­deskirche hat ergeben, dass Kom­mu­nika­tion­s­the­men einen hohen Stel­len­wert geniessen. Die Men­schen wollen, dass die Kirche offen, klar, trans­par­ent und lösung­sori­en­tiert kom­mu­niziert. Trotz dieser Anerken­nung gibt es den­noch nicht mehr Ressourcen für die Kom­mu­nika­tion. Die Ressourcenknap­pheit in der Kirche ist für uns ein Fakt. Mit Blick auf die aktuelle Kam­pagne der Zürcher Kan­ton­alkirche, die mit Hil­fe der Steuergelder der juris­tis­chen Per­so­n­en über viel Ressourcen ver­fü­gen, wün­sche ich mir, dass solche Pro­jek­te über­re­gion­al wirken kön­nten. Wir sind eine Kirche.

«Momen­tan inspiri­eren mich die Friedens­botschaften und die Botschaften der Hoff­nung am meis­ten. Mich fasziniert ger­ade der Schlag­abtausch zwis­chen Trump und Papst Leo.»

Jonas Spirig ist Kom­mu­nika­tionsver­ant­wortlich­er für das Bis­tum Basel; Bild: zVg

Warum gibt es nicht mehr Syn­ergien zwis­chen den Lan­deskirchen?

AB: Das ist dem dualen Sys­tem geschuldet. Bei den Kan­ton­alkirchen bildet sich das Gle­iche ab, wie in der säku­laren Gesellschaft: Föder­al­is­mus. Die Kör­per­schaften öffentlichen Rechts sind kan­ton­al. Schon inner­halb eines Bis­tums ist da die Zusam­me­nar­beit her­aus­fordernd. Ganz zu schweigen von der Zusam­me­nar­beit über die Bis­tums­gren­zen hin­aus. Auf der pas­toralen Seite ist es ein­fach­er, weil diese hier­ar­chisch funk­tion­iert. Über­spitzt for­muliert: Der Bischof kann für sein Bis­tum Entschei­de tre­f­fen und die Pfar­reien müssen aus­führen.

Gibt es den­noch Beispiele für Koop­er­a­tio­nen in der Kom­mu­nika­tion?

AB: Die Seel­sorge im Tabu­bere­ich wird dieses Jahr zehn Jahre alt. Sie wird von der RKLK BL und der RKK BS ver­ant­wortet, darum arbeit­en wir auch auf der Ebene Kom­mu­nika­tion zusam­men. Und wir arbeit­en selb­stver­ständlich öku­menisch zusam­men, wo es bewährt und angezeigt ist.

JHD: Die Kom­mu­nika­tions­fach­leute der Kan­ton­alkirchen im Bis­tum Basel tauschen sich alle zwei Monate über ihre Kam­pag­nen aus. Über die Bis­tums­gren­ze hin­aus gibt es lei­der nur wenig Aus­tausch. Bei der Kam­pagne «Kirchen­s­teuer sei Dank» von 2021 aus St. Gallen kon­nten wir mit­machen. Da sind heute auch die Kan­tone Schwyz und Luzern dabei. Zusam­men bespie­len wir die Web­seite, die auf die oft gestellte Frage «Was passiert mit den Kirchen­s­teuern?» eine Antwort gibt. Hier Trans­parenz zu schaf­fen, ist eine der wichtig­sten Auf­gaben, die wir in der Kom­mu­nika­tion haben. Ausser­dem gibt es eine über­re­gionale Zusam­me­nar­beit in 18 Kan­to­nen bei der «Lan­gen Nacht der Kirchen». Die gemein­same Pla­nung der Kom­mu­nika­tion im Zusam­men­hang mit der Pilot­studie zum Miss­brauch im kirch­lichen Kon­text war wertvoll. Ich wün­schte mir mehr davon.

«Für mich ste­ht die Kirche dafür, dass es etwas gibt, was gröss­er ist als alles, dass ich in der Welt bin, aber nicht von der Welt. Das fordert mich auf, mich den Dynamiken der Welt nicht ein­fach unterzuord­nen. So wie das Papst Leo jet­zt ger­ade mit Blick auf Trump und die USA gemacht hat.»

Anne Burgmer leit­et die Kom­mu­nika­tion der Römisch-Katholis­chen Kirche in Basel-Stadt; Bild: Michael Was­er

Die Veröf­fentlichung der Haupt­studie zum Miss­brauch wird Anfang näch­stes Jahr stat­tfind­en. Wie bere­it­en Sie sich auf diese Krise vor?

JS: Gemein­sam mit den Kom­mu­nika­tionsver­ant­wortlichen der Bistümer St. Gallen und Chur sowie der Bischof­skon­ferenz besprechen wir das Vorge­hen im Zusam­men­hang mit der Pub­lika­tion. Denn es ist klar: Die Kom­mu­nika­tion muss bess­er sein als bei der Pilot­studie.

SuS: Wir sind längst in den Vor­bere­itun­gen zu diesem Ereig­nis. Wir wün­schen uns vom Bis­tum eine gute Zusam­me­nar­beit, eine klare Botschaft und trans­par­ente Infor­ma­tio­nen, damit wir in den Kan­ton­alkirchen in der gle­ichen Sprache sprechen kön­nen. In ein­er Krise ist das beson­ders wichtig.

AB: Die Pub­lika­tion wäre eine gute Gele­gen­heit für eine bis­tum­sweite gemein­same Kom­mu­nika­tion, die bis in die Pfar­reien hinein ver­wen­det und lokal angepasst wer­den kann. Da bin ich tat­säch­lich etwas ungeduldig: Mein­er Mei­n­ung nach müssten wir in der Vor­bere­itung schon weit­er fort­geschrit­ten sein. Es sollte mit­tler­weile klar sein, wie wichtig eine gute Kom­mu­nika­tion bei diesem The­ma ist.

JS: In der Krise ist es sehr wichtig, dass die Kom­mu­nika­tionsver­ant­wortlichen sich ken­nen und dass die Kanäle klar sind.

JHD: Es ist zen­tral, dass die katholis­che Kirche in der Schweiz bei der Veröf­fentlichung der Haupt­studie mit ein­er Stimme und authen­tisch spricht.

Eva Meienberg
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