
Dem Krieg ein Gesicht geben
Kennen Sie das? Manchmal möchte man die Ohren verschliessen, um nicht ständig Meldungen von Krieg, Katastrophen und Leid zu hören. Einfach keine Nachrichten mehr lesen, um der Fülle von bedrückenden Informationen zu entkommen. Alles ist zu viel, zu gross, zu schnell, zu negativ.
Doch sobald die Berichterstattung den einzelnen Menschen ins Zentrum stellt, verändert sich etwas. Statt von «Hunderttausenden auf der Flucht» zu lesen, erfahren wir die Geschichte von Mariam, Mustafa oder Valentyna. Plötzlich begegnen wir Menschen, deren Leben sich nicht grundsätzlich von unserem unterscheidet. Aber sie sind an einem Ort geboren, wo Krieg herrscht, Gewalt den Alltag prägt oder die Lebensgrundlagen zerstört werden.
Wenn ich Mariam aus dem Sudan, Mustafa aus dem Gazastreifen oder Valentyna aus der Ukraine zuhöre, bekommt das Unfassbare ein Gesicht. Grosse Begriffe wie Krieg oder Klimakrise lassen Leid schnell abstrakt erscheinen, entpersonalisieren die Realität. Die konkrete Geschichte aber holt es in unsere Wirklichkeit zurück. Und: Sie zeigt nicht nur Not, sondern auch Würde, Hoffnung und Sehnsucht!
Vielleicht liegt darin eine leise Gegenbewegung zur Überforderung: nicht alles auf einmal sehen zu müssen, sondern einen Menschen. Nicht das ganze Elend zu begreifen, sondern eine Geschichte auszuhalten. Gegen «den Krieg» haben wir wenig in der Hand – aber für einen Menschen können wir etwas tun.