Ein Tabuthema ​sichtbar machen
Hinter den Armutsstatistiken stehen Menschen – einige Aktionen wollen die Gesichter zeigen.
Bild: © Römisch-katholische Landeskirche Basel-Landschaft

Ein Tabuthema ​sichtbar machen

Auch in der reichen Schweiz leben Menschen in Armut. Am 17. Oktober, dem Internationalen Tag zur Beseitigung der Armut, machen verschiedene Aktionen dieses Tabu­thema sichtbar.

Foto- und Por­traitausstel­lung

17./18.10., 17–22 Uhr, KRSD Sis­sach, Gel­terkinden und Frenk­en­dorf-Füllins­­dorf, im neuen Begeg­nungszen­trum P1 der reformierten Kirche Sis­sach, Pfar­rgasse 1, Sissach​

Der Armut ein Gesicht geben​

Die Ausstel­lung bildet 30 armuts­be­trof­fene Men­schen aus der Region ab und stellt sie vor. Für die Betrof­fe­nen beste­ht oft eine grosse Scham, daher ist es wichtig, so viele Men­schen wie möglich für das The­ma zu sen­si­bil­isieren und Aufk­lärungsar­beit zu leis­ten. Armut soll für alle sicht­bar gemacht wer­den, und der Tag ist eine Chance, soziale Pro­jek­te in der Region bekan­nt zu machen.

Gabriele Theiss, Sozialar­bei­t­erin, Kirch­lich Regionaler Sozial­dienst (KRSD

Ausstel­lung mit Zahlen, Dat­en und Fak­ten zur Real­ität Armuts­be­trof­fen­er

17.10., 11–17 Uhr, Haupt­sitz der Röm.-kath. Lan­deskirche Basel-Land­schaft, Mun­zach­strasse 2, Liestal

Armut und soziale Ausgrenzung erlebbar machen

Es ist ein Grun­dauf­trag der katholis­chen Kirche, für die Schwäch­sten, Benachteiligten und Men­schen in Not einzuste­hen. Die Ausstel­lung soll Armut und soziale Aus­gren­zung erleb­bar aufzeigen. Die vielschichti­gen Auswirkun­gen sollen sicht­bar gemacht, und den Benachteiligten und den Schwäch­sten in der Gesellschaft eine Stimme gegeben wer­den. Wir möcht­en die Besuchen­den dazu anre­gen, über Armut und ihre Auswirkun­gen nachzu­denken. Es ist wichtig, über soziale Aus­gren­zung und Armut zu sprechen. Es soll kein Tabuthe­ma sein, son­dern zum Han­deln anre­gen.

Michael Frei, Leit­er Fach­bere­ich Diakonie und kirch­liche Sozialar­beit

Sup­pe­nak­tion zugun­sten notlei­den­der Men­schen

17.10., 12–14 Uhr, Pas­toral­raum Allschwil-Schö­­nen­buch, Basler­strasse 49, Allschwil

Essen ist etwas sehr Geselliges

In Allschwil-Schö­­nen­buch ist seit über 30 Jahren die öku­menis­che Arbeits­gruppe «Ver­steck­te Armut Allschwil-Schö­­nen­buch» (VAAS) tätig. Als wir gehört haben, dass im ganzen Kan­ton Aktio­nen zum Tag der Armut durchge­führt wer­den, woll­ten wir die Chance wahrnehmen. Der Tag der Armut fällt auf einen Fre­itag. Dieser Tag ist ein tra­di­tioneller Sup­pen­tag. An den öku­menis­chen Sup­pen­t­a­gen von Novem­ber bis März nehmen wir Kollek­ten für Armuts­be­trof­fene in Entwick­lungslän­dern auf. Wir fan­den es eine gute Idee, an einem Sup­pen­tag für Armuts­be­trof­fene in der Region zu sam­meln.

Essen ist etwas sehr Gesel­liges, hier kommt es zum Aus­tausch über Ver­gan­ge­nes und Zukün­ftiges. Bei unserem Essen am 17. Okto­ber sind alle ein­ge­laden, die einen Teller warmer Suppe in Gesellschaft geniessen möcht­en. Die Mahlzeit ist kosten­los, es wird eine Kollek­te zugun­sten der VAAS aufgenom­men. Mit­glieder der Mit­­tagstisch-Kochgrup­pen der RKK wer­den das Essen zubere­it­en und servieren.

Eve­line Beroud, Sozialar­bei­t­erin BSc HSLU

Podi­ums­ge­spräch, Aktio­nen zugun­sten notlei­den­der Men­schen und Bericht aus der Prax­is der Sozial­ber­atung Car­i­tas bei­der Basel

21.10., 17.30 Uhr, Pfar­rei Brud­er Klaus Birs­felden, Hard­strasse 28, Birs­felden

Nicht nur von aussen beobachten

Wir wollen Armut und andere soziale The­men nicht nur von aussen beobacht­en. Ger­ade wir als Kirche haben grosse Ressourcen und tra­gen eine Mitver­ant­wor­tung. Wir wollen mit unserem Anlass zeigen, wie Machtver­hält­nisse und Struk­turen unsere sozialen Posi­tio­nen prä­gen, denn die Lebens­be­din­gun­gen der Men­schen unter­schei­den sich. Lukas Löf­fler beleuchtet die sozialpoli­tis­chen Mass­nah­men in Zürich, Bern und Basel beim The­ma «Sozial­hil­fe für Einwohner/innen aus Drittstaat­en». Er wird darüber informieren, welche Argu­mente und Entschei­dun­gen es gab und ob es bere­its Antworten vom Bun­desrat gibt. Wir hof­fen, dass die Men­schen eine andere Per­spek­tive ein­nehmen und erken­nen, welche Kon­se­quen­zen solche Geset­ze für Armuts­be­trof­fene haben.

Ich selb­st habe Sehn­sucht nach ein­er Welt, in der Gerechtigkeit und Mit­ge­fühl einen fes­ten Platz in der Gesellschaft haben. Ich finde, wir soll­ten unsere Zunei­gung nicht nur auf die uns nah­este­hen­den Men­schen beschränken, son­dern unsere Herzen im glob­alen Miteinan­der und Füreinan­der öff­nen.

Ursi­na Mazenauer, Sozialar­bei­t­erin FHNW

Verkauf von Kuchen und handgemacht­en Strick­waren

17.10., 14–17 Uhr, Pfar­rei St. Anton Prat­teln-Augst, Stand vor dem Coop, Bahn­hof­s­trasse 18, Prat­teln

Menschen fallen durch die Maschen

Armut ist oft unsicht­bar. Wir möcht­en dieses The­ma sicht­bar wer­den lassen, indem wir an einem öffentlichen Ort Men­schen ansprechen und auch Betrof­fene zu Wort kom­men lassen. Zu diesem Anlass hat die Strick- und Häkel­gruppe der Pfar­rei St. Anton entsch­ieden, nicht nur Selb­st­gestrick­tes zu verkaufen, son­dern auch Kuchen für diese Aktion zu backen.​Wir wollen am Armut­stag darauf hin­weisen, dass Men­schen durch die Maschen fall­en kön­nen. Unser Slo­gan ist daher «Durch die Maschen gefall­en, helfen Sie Men­schen in Not». Wir verkaufen zu diesem Anlass selb­st­ge­häkelte Einkaufs‑, Obst- und Gemüsenet­ze, die das Mot­to sinnbildlich darstellen.

Wir sind auf Spenden angewiesen, um den Men­schen in Prat­teln bei finanziellen Eng­pässen unter die Arme greifen zu kön­nen. Die Spenden erhalte ich teil­weise durch Pri­vat­per­so­n­en, aus den Kollek­ten der Gottes­di­en­ste und von Vere­inen, die der Kirche ange­hören.

Isabel Minck, Sozial­ber­atung und Diakonie


Alle Infos zu den Aktio­nen find­en Sie hier.

Hier geht’s zu ein­er Aktion​in Basel-Stadt.

Leonie Wollensack
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