Wer hätte das gedacht!?
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Wer hätte das gedacht!?

Markus 4,30–32Jesus sagte:  Wom­it sollen wir das Reich Gottes ver­gle­ichen, mit welchem Gle­ich­nis sollen wir es beschreiben?  Es gle­icht einem Sen­fko­rn. Dieses ist das kle­in­ste von allen Samenkörn­ern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt grosse Zweige, sodass in seinem Schat­ten die Vögel des Him­mels nis­ten kön­nen.Ein­heit­süber­set­zung 2016

Wer hätte das gedacht!?

Vor gut einem Monat hat die Kirche das Pfin­gst­fest gefeiert — neben Wei­h­nacht­en und Ostern eines der «Haupt­feste» der Chris­ten­heit. Heute hat uns längst der All­t­ag wieder, denn Pfin­g­sten hat es deut­lich schw­er­er, sich im Jahresablauf der Men­schen nach­haltig ins Bewusst­sein zu rück­en. Der Geist ist ja bekan­ntlich nur schlecht greif­bar. So gibt es in den Verkauf­s­re­galen der Grossverteil­er vor, an und nach Pfin­g­sten wed­er Schoko­tauben noch Zuck­er­flam­men, die in ein­er vielfach säku­lar­isierten Gesellschaft an diesem Kirchen­fest die Sinne von Gross und Klein berühren kön­nten. Dank dem freien Pfin­gst­mon­tag gab es jedoch wenig­stens ein ver­längertes Woch­enende und Gele­gen­heit für Aus­flüge, Pfin­gst­lager und Töff­touren mit den lang ersehn­ten ersten Som­merge­fühlen. Das ver­mag aber die Pop­u­lar­ität von Wei­h­nachts­guet­zli und Schog­gi­hasen nicht wirk­lich aufzuwiegen.Vielle­icht wis­sen viele mit diesem Fest wenig anz­u­fan­gen, weil Pfin­g­sten – anders als die anderen grossen Kirchen­feste — nicht davon berichtet, was mit Jesus passiert ist, son­dern was mit uns passiert. Wir kön­nen nicht Beobachter bleiben, weil mit «emp­fangt den Heili­gen Geist» wir gemeint sind. Und dieser Geist hat Wirkung: Die so «Be-geis­terten» brechen aus und auf, und das, was kein­er je gedacht hätte, wird Wirk­lichkeit. Wer hätte gedacht, dass die Ängstlichen plöt­zlich alle Türen öff­nen? Wer hätte gedacht, dass die Ent­mutigten, die alles von ihm erwartet hat­ten, plöt­zlich hin­aus­treten und selb­st aktiv wer­den? Wer hätte gedacht, dass die Ent­täuscht­en auf ein­mal begeis­tert von ihrem Ver­trauen reden, nicht hin­ter vorge­hal­tener Hand im Pri­vat­en, son­dern mit­ten unter den Men­schen, und zwar so, dass es alle ver­ste­hen. Wer hätte das gedacht…?!Ja, der Geist macht das möglich, mit Langzeitwirkung. Er bewegt Men­schen, ihren Glauben aus der Ver­schlossen­heit des Pri­vat­en und aus der Enge der Sakris­tei hin­auszu­tra­gen, mit­ten ins Leben. Die, die sich vom Heili­gen Geist berühren lassen, reden zu den Men­schen von der Liebe, nicht als eine abstrak­te, dog­ma­tis­che Wahrheit, son­dern als eine befreiende Wirk­lichkeit. Und diese «Sprache» ver­ste­hen alle, woher sie auch kom­men. Dass Jesus diese Sprache spricht, das trauen wir ihm natür­lich jed­erzeit zu. Wenn auch ganz nor­male Men­schen diese Sprache sprechen, macht das Ein­druck, und sie wer­den – mit Recht – verehrt, wie z.B. Maria There­sia Scher­er. Aber dass der Geist auch mein Leben in neu Bah­nen lenken kön­nte, das wage ich kaum zu denken, denn die Leute kön­nten ja meinen, ich sei betrunk­en oder sog­ar ein from­mer Spin­ner. Das möchte ich ja dann doch nicht … und vielle­icht find­et sich ja noch ein vergessen­er Schog­gi­has oder ein trock­en­er Zimt­stern, um mich dankbar und genussvoll und ganz pri­vat an Gottes grosse Tage zu erin­nern.
Felix Ter­ri­er, Leit­er Bere­ich Kirche im Kloster Dor­nach
Felix Terrier
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