
Wer hätte das gedacht!?
Wer hätte das gedacht!?
Vor gut einem Monat hat die Kirche das Pfingstfest gefeiert — neben Weihnachten und Ostern eines der «Hauptfeste» der Christenheit. Heute hat uns längst der Alltag wieder, denn Pfingsten hat es deutlich schwerer, sich im Jahresablauf der Menschen nachhaltig ins Bewusstsein zu rücken. Der Geist ist ja bekanntlich nur schlecht greifbar. So gibt es in den Verkaufsregalen der Grossverteiler vor, an und nach Pfingsten weder Schokotauben noch Zuckerflammen, die in einer vielfach säkularisierten Gesellschaft an diesem Kirchenfest die Sinne von Gross und Klein berühren könnten. Dank dem freien Pfingstmontag gab es jedoch wenigstens ein verlängertes Wochenende und Gelegenheit für Ausflüge, Pfingstlager und Töfftouren mit den lang ersehnten ersten Sommergefühlen. Das vermag aber die Popularität von Weihnachtsguetzli und Schoggihasen nicht wirklich aufzuwiegen.Vielleicht wissen viele mit diesem Fest wenig anzufangen, weil Pfingsten – anders als die anderen grossen Kirchenfeste — nicht davon berichtet, was mit Jesus passiert ist, sondern was mit uns passiert. Wir können nicht Beobachter bleiben, weil mit «empfangt den Heiligen Geist» wir gemeint sind. Und dieser Geist hat Wirkung: Die so «Be-geisterten» brechen aus und auf, und das, was keiner je gedacht hätte, wird Wirklichkeit. Wer hätte gedacht, dass die Ängstlichen plötzlich alle Türen öffnen? Wer hätte gedacht, dass die Entmutigten, die alles von ihm erwartet hatten, plötzlich hinaustreten und selbst aktiv werden? Wer hätte gedacht, dass die Enttäuschten auf einmal begeistert von ihrem Vertrauen reden, nicht hinter vorgehaltener Hand im Privaten, sondern mitten unter den Menschen, und zwar so, dass es alle verstehen. Wer hätte das gedacht…?!Ja, der Geist macht das möglich, mit Langzeitwirkung. Er bewegt Menschen, ihren Glauben aus der Verschlossenheit des Privaten und aus der Enge der Sakristei hinauszutragen, mitten ins Leben. Die, die sich vom Heiligen Geist berühren lassen, reden zu den Menschen von der Liebe, nicht als eine abstrakte, dogmatische Wahrheit, sondern als eine befreiende Wirklichkeit. Und diese «Sprache» verstehen alle, woher sie auch kommen. Dass Jesus diese Sprache spricht, das trauen wir ihm natürlich jederzeit zu. Wenn auch ganz normale Menschen diese Sprache sprechen, macht das Eindruck, und sie werden – mit Recht – verehrt, wie z.B. Maria Theresia Scherer. Aber dass der Geist auch mein Leben in neu Bahnen lenken könnte, das wage ich kaum zu denken, denn die Leute könnten ja meinen, ich sei betrunken oder sogar ein frommer Spinner. Das möchte ich ja dann doch nicht … und vielleicht findet sich ja noch ein vergessener Schoggihas oder ein trockener Zimtstern, um mich dankbar und genussvoll und ganz privat an Gottes grosse Tage zu erinnern.Felix Terrier, Leiter Bereich Kirche im Kloster Dornach