Wenn ein schwieriger Satz Hoffnung schenkt
Vor der Heiligen Kommunion sprechen wir gemeinsam ein Gebet, das vielen von uns vertraut ist: «Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach.» Dieser Satz gehört seit langer Zeit zur Feier der Eucharistie. Und doch löst er bei manchen Menschen Fragen aus. Wie passt dieses Wort zur Botschaft, dass Gott die Liebe ist? Eine Frau sagte einmal: «Diesen Satz kann ich nicht mitbeten. Gott ist doch Liebe. Wie können wir da sagen, wir seien nicht würdig?» Diese Frage ist ehrlich, und sie verdient eine ehrliche Antwort. Wenn wir sagen: «Ich bin nicht würdig», bedeutet das nicht, dass wir wertlos wären, ungeliebt oder von Gott abgelehnt. Es bedeutet vielmehr, dass wir erkennen: Gottes Nähe ist kein Verdienst und keine Belohnung für ein perfektes Leben. Sie ist ein Geschenk. Der Satz stammt aus dem Evangelium und erinnert an die Begegnung Jesu mit dem römischen Hauptmann. Dieser Mann weiss, dass er keinen Anspruch auf Jesu Hilfe erheben kann. Gleichzeitig vertraut er fest auf Jesu Güte und Macht. Gerade diesen Glauben würdigt Jesus. Auch wir sprechen dieses Gebet nicht aus einem Gefühl der Minderwertigkeit heraus. Wir bekennen damit unsere Offenheit für das Geschenk Gottes. Seine Liebe lässt sich nicht verdienen, nicht erzwingen und nicht festhalten. Sie kann nur angenommen werden. Wie bei jeder echten Beziehung gilt: Liebe entsteht nicht durch Leistung. Wir können die Zuneigung eines Menschen nicht kaufen oder einfordern. Sie wird uns geschenkt. So begegnet uns auch Gott nicht, weil wir vollkommen sind, sondern weil er uns liebt. Dieses Gebet erinnert uns daran, wer Gott ist und wer wir sind. Gott ist der Heilige, der Grössere, der uns immer wieder neu entgegenkommt. Wir Menschen dagegen leben mit unseren Grenzen, unseren Fehlern und unseren offenen Fragen. Doch genau in diese Wirklichkeit hinein möchte Gott kommen. Er kommt uns entgegen wie Menschen, die uns trotz unserer Schwächen annehmen: wie eine Mutter oder ein Vater, die ihr Kind weiterhin lieben, auch wenn es einen falschen Weg gegangen ist; wie ein Kollege, der hilft, obwohl Fehler passiert sind; wie ein Freund, der zuhört, auch wenn wir selbst gerade nicht weiterwissen. Darum ist dieses Gebet kein Ausdruck von Angst, sondern von Vertrauen. Es macht den Menschen nicht klein, sondern öffnet den Blick für die Grösse und Barmherzigkeit Gottes. Und dann folgt der entscheidende zweite Teil: «Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.» Diese Worte sind ein Ausdruck der Hoffnung. Sie erinnern daran, dass Heilung und neues Leben möglich sind. Sie sind das Vertrauen eines Menschen, der trotz eigener Schwäche darauf baut, dass Gott einen Weg eröffnet. Wir kommen nicht zum Altar, weil wir alles richtig gemacht haben. Wir kommen, weil Gott uns entgegenkommt. Nicht unsere Leistung trägt uns, sondern seine Gnade. So dürfen wir dieses Gebet sprechen: mit Demut, aber ohne Angst; mit Ehrfurcht, aber mit Vertrauen. Nicht vollkommen, und doch angenommen. Nicht stark aus eigener Kraft, und doch getragen von Gottes Liebe.
Franz Feng
