Viel mehr als fromme Bücher
Das Team der Medienverleihstelle der Kirchen Aargau: Judith Spieler studierte Pharmazie, wirkte als Katechetin im Nebenamt, besuchte den Studiengang Theologie am TBI und den RDA-Zertifikatskurs bei Bibliosuisse. Irene Hunziker ist ausgebildete Kauffrau und Bibliothekarin.
Bild: © Roger Wehrli

Viel mehr als fromme Bücher

Die Medienverleihstellen in Basel und Aarau

Die Bücher, Filme und Spiele der kirchlichen Medienverleihstellen in Basel und in Aarau behandeln die grossen Fragen des Lebens. Die Teams vor Ort arbeiten am Puls der Zeit, wissen aber auch, dass Medien zum Anfassen trotz Digitalisierung wichtig sind.

Rita Wepler ste­ht vor einem Regal voller Box­en, Kisten, Taschen und Map­pen. Einige sind so klein, dass sie mit ein­er Hand gehal­ten wer­den kön­nen, andere so gross, dass Span­ngurte sie zusam­men­hal­ten. Sie sind aus Plas­tik, Holz und Tex­tilien, durch­sichtig, gelb, blau oder bunt. Es ist offen­sichtlich, dass Wepler stolz auf die Samm­lung ist. «Das ist unser Anschau­ungs­ma­te­r­i­al», erk­lärt sie. «Es wird wirk­lich sehr viel und gern aus­geliehen, denn es macht Erzäh­lun­gen konkret erfahrbar.» Die Kinder und Jugendlichen kön­nen durch die Mate­ri­alien in das Leben zur Zeit der Bibel ein­tauchen. Oder für einen Moment erfahren, wie es beispiel­weise ist, blind zu sein. So sind sie direkt in die Lage des blind­en Bar­timäus hinein­ver­set­zt, der vor den Toren Jeri­chos sitzt, als Jesus dort ankommt.
In der Medi­en­ver­leih­stelle am Lin­den­berg in Basel kön­nen Reli­gion­slehrerin­nen und Gemein­dekat­e­cht­en diese Anschau­ungs­ma­te­ri­alen auslei­hen – neben Spie­len, Fil­men und Fach­lit­er­atur. Trägerin­nen der Ver­leih­stelle sind die römisch-katholis­chen und die reformierten Kirchen von Basel-Stadt und Basel-Land­schaft.


Up to date bleiben

Ger­ade sind Rita Wepler, die Lei­t­erin der Ver­leih­stelle, und ihre Mitar­bei­t­en­den ein wenig in Auf­bruchsstim­mung. Auf­grund von Umbauar­beit­en am Lin­den­berg wird die Ver­leih­stelle kün­ftig weniger Räume zur Ver­fü­gung haben. Der Bestand muss reduziert wer­den. «Das nutzen wir als Chance, unseren Bestand zu prüfen und Mate­ri­alien auszu­sortieren, für die die Schulen oft sowieso nicht mehr die Tech­nik vor Ort haben, wie beispiel­weise CD-ROMs oder DVDs», erk­lärt Wepler.
Es wird aus­sortiert, aber auch neu angeschafft. Der Blick in die Lehrpläne sei dabei wichtig, aber nicht nur. «Die Kun­den kom­men auf uns zu und fra­gen an, ob wir bes­timmte Lit­er­atur oder Mate­ri­alien anschaf­fen kön­nen. Auch so bleiben wir up to date und bekom­men einen guten Ein­blick, was wirk­lich gefragt ist und genutzt wird», so Wepler, «es ist uns wichtig, am Puls der Zeit zu bleiben.»


Die Lebenswelt der Kinder im Blick

Die Medi­en der Ver­leih­stelle – ob das Mate­r­i­al, mit dem die Schü­lerin­nen und Schüler selb­st arbeit­en, oder die Lit­er­atur, mit der sich die Lehrper­so­n­en vor­bere­it­en – ori­en­tieren sich an dem, was die Kinder und Jugendlichen bewegt. «Da wer­den die grossen Fra­gen behan­delt: Wer bin ich? Für mich selb­st, für meine Fam­i­lie, in der Gesellschaft?», betont Wepler. Auch Fra­gen der Diver­sität gehören für sie in diesen Bere­ich. Die Medi­en helfen, diese Fra­gen besprech­bar zu machen und Tol­er­anz und Akzep­tanz zu ver­mit­teln. «Und natür­lich begeg­nen Kinder irgend­wann dem Wort Gott, selb­st wenn Reli­gion in der Fam­i­lie nicht gross the­ma­tisiert wird», ergänzt sie. Sich über die Bedeu­tung dieses Wortes aus­tauschen, auch im inter­re­ligiösen Dia­log, Berührungsäng­ste abbauen, kri­tisch und wertschätzend mit dem The­ma umge­hen, das soll gefördert wer­den. «Schwere Phasen im Leben kön­nen eben­falls schon für Kinder und Jugendliche exis­ten­zielle The­men sein», so Wepler. Fra­gen wie «Was mache ich, wenn es mir schlecht geht? Wie gehe ich damit um, wenn mir der Tod begeg­net?» find­en sich in den Medi­en.


Lernen mit allen Sinnen

Warum braucht es heute über­haupt noch eine Medi­en­ver­leih­stelle, wenn schein­bar alles online ver­füg­bar ist? Darauf hat Wepler sofort eine Antwort: «Ler­nen geht nicht nur über den Ver­stand. Die Sinne spie­len dabei eine wichtige Rolle.» Ger­ade deswe­gen seien die Anschau­ungs­ge­gen­stände so beliebt. Vor allem für Pri­marschü­lerin­nen und ‑schüler spiele Ler­nen über das Erleben eine wichtige Rolle, da es in diesem Alter schwierig sei, alles über den Ver­stand zu begreifen.
Ihr Lieblingsre­gal ist das mit den grup­pen­dy­namis­chen Spie­len, ver­rät Wepler. «Ich mag die Spiele, weil sie so viel­seit­ig ein­set­zbar sind: zum Ken­nen­ler­nen, aber auch, um zu reflek­tieren, wie beste­hende Grup­pen zusam­me­nar­beit­en.» Bei diesen Spie­len ste­hen Reli­gion und Gott nicht speziell im Mit­telpunkt, aber das ist okay, find­et Wepler: «Man darf auch ein­fach mal nur Spass haben mit den Spie­len.» 


Ort des Austauschs

Die Ver­leih­stelle soll nicht nur ein Ort der Recherche und des Auslei­hens sein, son­dern auch ein Ort des Aus­tauschs. Im Ein­gangs­bere­ich hat das Team der Ver­leih­stelle dafür eine Ecke mit zwei Sofas ein­gerichtet. Hier kön­nen Men­schen, die für die Auslei­he vor­beikom­men, mit anderen ins Gespräch kom­men. «Wenn Leute sich beim Auslei­hen begeg­nen, kom­men auch Gespräche zus­tande. Oft haben sie sich länger nicht mehr gese­hen und hal­ten sich auf dem Laufend­en: Was machst du ger­ade? Ich bin ger­ade an diesem und jen­em The­ma. Wie hast du das gestal­tet?», erzählt Wepler.


Nutzende in der Begleitkommission

Rita Wepler und ihr Team sind für das oper­a­tive Geschäft der Ver­leih­stelle ver­ant­wortlich. Über die strate­gis­che Aus­rich­tung entschei­det eine soge­nan­nte Begleitkom­mis­sion. In ihr find­en sich neben Kirchen­rätin­nen und ‑räten neu auch Vertre­tende der Nutzer­schaft. «Diese Men­schen sind wichtig für die Aus­rich­tung der Ver­leih­stelle, denn sie wis­sen, was diejeni­gen an der Basis, im Reli­gion­sun­ter­richt und in der Kat­e­ch­ese, brauchen», erk­lärt Wepler. Die Hoff­nung: Die Ver­leih­stelle wird dadurch noch bedürfnisori­en­tiert­er.

Eine Frage an Rita Wepler

Welche Rolle spielt die Medienverleihstelle für den Dialog zwischen Religion, Schule und Gesellschaft?

Wir geben Hil­festel­lung, wenn es darum geht, The­men so anzus­prechen, dass beim Gegenüber nicht direkt der Rol­l­laden run­terge­ht, son­dern eine gewisse Offen­heit bleibt. Men­schen, die am Anfang vielle­icht noch gar keine Gesprächspart­ner sind, sollen zunächst ein­mal ein «Sig­nal» emp­fan­gen und merken, dass man in respek­tvollem Umgang über etwas sprechen möchte.
Ausser­dem beteili­gen wir uns auch selb­st an Aktio­nen, die das konkret leben. Vor zwei Jahren hat­ten wir anlässlich der Woche der Reli­gio­nen hier in der Ver­leih­stelle einen Anlass. Dieses Jahr wer­den wir uns an der Anti­ras­­sis­­mus-Woche von Basel-Stadt beteili­gen. Da wer­den wir zum einen eine Ausstel­lung zeigen, zum anderen aber auch Lesun­gen zu dem The­ma haben, beispiel­weise mit der Fragestel­lung: Wie kann man das The­ma Ras­sis­mus mit Kindern auf­greifen?
Bei solchen Ver­anstal­tun­gen oder unseren Weit­er­bil­dun­gen geht es uns auch immer darum, die Teil­nehmenden in einen Aus­tausch zu brin­gen. Oft sind Lehrper­so­n­en auf sich gestellt, daher wird diese Aus­tauschmöglichkeit immer wieder sehr geschätzt.

 

Sie möcht­en mehr über die Lei­t­erin der Medi­en­ver­leih­stelle Rita Wepler erfahren? Dann lesen Sie hier weit­er.

Alle Infos zur Medi­en­ver­leih­stelle find­en Sie auf deren Web­site.

Vorlage (kurz) - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz 1
Bild: © zVg
Vorlage (kurz) - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz 3

Das Lege- und Anschau­ungs­ma­te­r­i­al ist beliebt bei den Lehrkräften und Katecheten/innen.

Bilder: © Leonie Wol­len­sack

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Wie ist das Leben als blind­er Men­sch? Mit den Mate­ri­alien aus dem Anschau­ungskof­fer kön­nen die Schü­lerin­nen und Schüler es für einen Moment nachempfind­en.

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Neben Büch­ern kön­nen in der Oeku­menis­chen Medi­en­ver­leih­stelle bei­der Basel auch Spiele, Anschau­ungs­ma­te­ri­alien und sog­ar Kostüme aus­geliehen wer­den.

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Medienverleihstelle Aargau

Eine Fund­grube, eine Schatztruhe! Die Räume der Medi­en­ver­leih­stelle der Kirchen im Aar­gau bieten nicht nur eine Fülle an Text, Bild und Ton, son­dern auch Spiele, Fig­uren und vielfältige Hil­f­s­mit­tel zum Unter­richt­en an. Die Medi­en­ver­leih­stelle ist Teil der Fach­stelle Kat­e­ch­ese-Medi­en und hat ihren Sitz an der Hohl­gasse 30 in Aarau.


Kostenlose Ausleihe für alle im Aargau

Jährlich besuchen über 1000 Men­schen die Fach­stelle. Das Team des Medi­en­ver­leihs sorgt dafür, dass sich die Besucherin­nen und Besuch­er in der Fülle des Ange­bots nicht ver­lieren. Irene Hun­zik­er und Judith Spiel­er teilen sich die Auf­gaben des Ver­leihs und der Beratung. Sie haben den Überblick über den Bestand und präsen­tieren die Medi­en anre­gend und benutzer­fre­undlich. Vor allem kat­e­chetisch Tätige sowie Lehrper­so­n­en nutzen das Ange­bot des Medi­en­ver­leihs. Jedoch kön­nen alle im Kan­ton Aar­gau wohn­haften Per­so­n­en das Ange­bot kosten­los nutzen – alles, was es dafür braucht, ist ein Kun­denkon­to (siehe Box auf Seite 8). Neben Büch­ern, Spie­len, DVDs und Unter­richts­ma­te­r­i­al umfasst das Ange­bot auch Filme und Zeitschriften zum Down­load­en.

Mit offenen Augen durch den Alltag

Ver­ant­wortlich für den Medi­eneinkauf und das Kat­a­l­o­gisieren ist Judith Spiel­er. Um bei der Anschaf­fung neuer Medi­en am Puls der Zeit zu bleiben, hat sie diverse Newslet­ter abon­niert und durch­sucht regelmäs­sig die Web­sites der Ver­lage nach Neuer­schei­n­un­gen. «Zudem gehe ich mit offe­nen Augen durch den All­t­ag und ent­decke ab und zu einen inter­es­san­ten Medi­en­tipp in ein­er Zeitung oder Zeitschrift», ver­rät sie. Wichtig für die Weit­er­en­twick­lung des Bestands sei auch die Zusam­me­nar­beit mit anderen Medi­en­ver­leih­stellen, erk­lärt Spiel­er. Dreimal im Jahr tre­f­fen sich Mitar­bei­t­ende ver­schieden­er Ver­leih­stellen zur Filmvi­sion­ierung mit Aus­tausch, ein­mal jährlich find­et eine Tagung statt, an der Medi­en­fach­stellen ihre aktuelle Arbeit präsen­tieren.

Umfassender Service

Die Medi­en­ver­leih­stelle ist öku­menisch ver­ant­wortet. Es han­delt sich um eine Fach­bib­lio­thek mit vielfälti­gen Medi­en aus den Bere­ichen Reli­gion­späd­a­gogik, The­olo­gie, Ethik, Chris­ten­tum und den anderen Wel­tre­li­gio­nen. Weil es sich um eine prax­isori­en­tierte Fach­bib­lio­thek han­delt, ist die Ver­schlag­wor­tung im Kat­a­log detail­liert­er als in anderen Bib­lio­theken. «Unsere Ver­schlag­wor­tung ist kun­den­fre­undlich», sagt Judith Spiel­er. Beim Kat­a­l­o­gisieren achtet sie darauf, ein neues Medi­um mit bere­its vorhan­de­nen Medi­en zu ver­linken, um den Nutzerin­nen und Nutzern einen möglichst guten Überblick zu bieten. Zu den Fil­men sind im Kat­a­log die Trail­er ver­linkt, zu den Büch­ern gibt es Zusam­men­fas­sun­gen und die Möglichkeit zum «Blick ins Buch».

Koffer und Boxen besonders beliebt

Im Jahr 2024 führte die Fach­stelle eine Umfrage durch. Viele der damals erhobe­nen Kun­den­wün­sche wur­den bere­its in die Tat umge­set­zt: «Unser Ange­bot hat sich in den let­zten Jahren näher zum Pub­likum bewegt», sagt Judith Spiel­er. Kof­fer und Box­en mit Mate­r­i­al zum Anfassen und Spie­len sind beim Pub­likum beson­ders beliebt. Sie böten keineswegs nur «fromme Büch­er» an, son­dern ein bre­ites Spek­trum an aktuellen Medi­en zu Ethik, Philoso­phie, Chris­ten­tum und weit­eren Wel­tre­li­gio­nen. Ein­er, der gerne zu Kapellen wan­dert, find­et eben­so die passende Lit­er­atur wie eine, die sich für Heilkräuter im Kloster­garten inter­essiert.

Religion zum Anfassen

Der Demen­zsim­u­la­tor – ein inter­ak­tiv­er Weg, Demenz nachzuempfind­en – ist sehr gefragt. Eben­so wer­den die Mate­ri­alienkof­fer zu den grossen Reli­gio­nen wie Juden­tum, Chris­ten­tum, Islam, Bud­dhis­mus und Hin­duis­mus häu­fig von Lehrper­so­n­en aus­geliehen. Die Kof­fer enthal­ten Gegen­stände zum Anfassen, die unter anderem zeigen, welche ähn­lichen Bedürfnisse die Men­schen ver­schieden­er Reli­gio­nen haben. Viele Reli­gio­nen ver­wen­den Gegen­stände fürs Gebet – die bud­dhis­tis­che Gebetsmüh­le, die Gebets­kette im Islam und der Rosenkranz der Katho­liken haben ähn­liche Funk­tio­nen. Solche Aha-Erleb­nisse lassen sich mit diesen Mate­ri­alien sehr gut ver­mit­teln. Judith Spiel­er betont: «Erleb­nisse und Emo­tio­nen sind die Chan­cen des Reli­gion­sun­ter­richts. Er spricht andere Kom­pe­ten­zen an als der Regelun­ter­richt. Das tut vie­len Kindern gut.» Ein weit­er­er Plus­punkt: Medi­en­ver­leih sowie Aus- und Weit­er­bil­dung der Kat­e­chetinnen und Kat­e­cheten sind unter einem Dach vere­int: «Wir arbeit­en eng zusam­men. Die näch­ste gemein­same öku­menis­che Fach­ta­gung wid­met sich dem The­ma ‹Stark fürs Leben› – wie wir Kinder begleit­en und stärken kön­nen.»

Überraschendes und viel Inspiration

Einige Medi­en stellt die Fach­stelle Kat­e­ch­ese-Medi­en eigen­händig her, zum Beispiel die über­raschen­den «Sto­ry­bags» aus Stoff, die speziell zusam­men­genäht sind, sich sieben­mal umstülpen lassen und dabei eine bib­lis­che Geschichte erzählen. Auch Bilder­büch­er, Holz­fig­uren und Erzählschienen mit Papier­fig­uren find­en sich in den drei Räu­men. Das Team der Ver­leih­stelle hat mit den Fig­uren einige Szenen sorgfältig arrang­iert, so dass sich die Besucherin­nen und Besuch­er inspiri­eren lassen kön­nen.

Vorlage (kurz) - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz 8


Anschaulich dargestellt: Jesus hält seinen Jüngern die Berg­predigt.
Bild: © Roger Wehrli

Redaktion Lichtblick
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