
© René Fuchs
Mehr Bewegung wagen
Bischof Felix Gmür wird sechzig
Zum runden Geburtstag spricht Bischof Felix Gmür über die Gefahr des Stillstands, die Rolle von Frauen in der Kirche und warum eine Kirche, in der unterschiedliche Stimmen Platz haben, zwar herausfordert, aber bereichert.
Welches war das beste Geschenk, das Sie jemals zu Ihrem Geburtstag bekommen haben?
Bischof Felix Gmür: Ich kann mich nicht an ein Geburtstagsgeschenk erinnern, was herausragend gewesen wäre gegenüber allen anderen. Am liebsten habe und hatte ich schon immer Geschenke, die man brauchen kann, wie etwa Handschuhe. Das waren und sind aber auch Bücher zum Lesen oder als Kind zum Anschauen, wenn es viele Bilder hatte. Ausserdem durfte ich mir als Kind an meinem Geburtstag immer etwas zum Essen wünschen, das fand ich toll.
Apropos Essen: Wird es zu diesem runden Geburtstag Kuchen geben?
Ich weiss es ehrlich gesagt nicht, weil ich an meinem Geburtstag gar nicht hier sein werde, sondern in Italien. Aber ich bin sicher, dass es da gutes Essen geben wird.
Macht Ihnen das Älterwerden Angst oder Mühe?
Es macht mir keine Angst, ich merke einfach, dass ich jetzt zu einer anderen Generation gehöre. Dadurch bekommt man einen anderen Blick auf Geschehnisse, weil man eben schon manches gesehen hat, was jüngere Menschen nicht gesehen haben, nicht erlebt haben. Und ansonsten wird manches langsamer. Man fährt zum Beispiel langsamer Velo. Man schläft vielleicht mehr und isst weniger.
«Die Aufgabe eines Bischofs sehe ich darin, alle unter dem weiten Dach der Kirche vereint zu wissen, dabei eine
klare Haltung zu haben und dennoch offen für den Dialog zu bleiben.»
Was war rückblickend das Wichtigste in Ihrer Zeit als Bischof des Bistums Basel? Warum?
Das war und ist die Erfahrung der Vielfalt. Damit meine ich die Vielfalt der Menschen, ihrer unterschiedlichen Charaktere, der unterschiedlichen Arten und Weisen, den Glauben zu leben, die unterschiedlichen Arten auf die Kirche und ihren Auftrag zu blicken, die unterschiedlichen Formen, wie Kirche sich organisiert, im Bistum, in der Schweiz und auf der ganzen Welt.
Was immer schön ist, sind die Mitternachtsfeiern in der Kathedrale hier in Solothurn. Als Bischof darf ich die mit den Gläubigen feiern. Das ist wirklich eine sehr schöne Erfahrung, weil ich mitbekomme, wie die Menschen berührt werden.
Auch die Feiern der Firmung gefallen mir. Es ist schön, zu sehen, dass die jungen Menschen engagiert sind und hoffentlich etwas mitnehmen für ihr Leben.
Welche Erwartungen hatten Sie an Ihr Amt? Haben sie sich erfüllt?
Ich hatte nicht direkt Erwartungen, sondern eher Vorstellungen. Die unterschieden sich deutlich von dem, wie es am Ende wirklich ist – und dies, obwohl ich durch mein Amt als Sekretär der Bischofskonferenz, das ich zuvor innehatte, viele Bischöfe kannte.
Was ich wusste und was mir bis heute ein Anliegen ist: Ich möchte so Bischof sein, dass ich gleichzeitig den Glauben leben und trotzdem den kritischen Verstand einbringen kann.
Als Bischof bin ich der Vorgesetzte von Seelsorgerinnen und Seelsorgern. Meine spezielle Verantwortung liegt darin, das Glaubensleben zu fördern, aber wie sehr bringe ich mich selbst ein? Ich finde, der Bischof soll fördern, aber ohne explizite Vorgaben, sondern in dem er die Rahmenbedingungen so offenhält, dass sich etwas entwickeln kann. Und trotzdem bewegen wir uns in einem Rahmen, nämlich in dem der römisch-katholischen Kirche. Hier den Rahmen angemessen zu gestalten, das fordert dem Glauben und dem kritischen Verstand etwas ab.
Ausserdem habe ich mich gefragt, inwieweit sich der Bischof ständig mitteilt oder nicht. Ich habe dann gemerkt, dass es noch wichtiger ist, dass der Bischof zuhört. Das hat mir der synodale Prozess hier im Bistum, in der Schweiz und weltweit bestätigt. Zuhören bedeutet wahrnehmen, was die Motivation der Menschen ist, auf eine gewisse Weise zu denken und zu handeln.
Ich wusste auch, dass der Bischof hinstehen und Verantwortung übernehmen muss, selbst wenn es unbequem ist.
Ausserdem ist der Bischof da, um Brücken zu bauen. Das heisst für mich, unterschiedliche Forderungen, Wünsche und Ängste ernst zu nehmen, den gemeinsamen Glaubenskern und die christliche Motivation dahinter zu erkennen und zwischen Menschen, Gruppen und Interessen verbindend zu wirken.
Was haben Sie durch die Begegnungen mit den Menschen in den Pfarreien gelernt?
Es gibt sehr viele engagierte Menschen in diesem Bistum, die sich viele Gedanken darüber machen, wie sie Kirche gestalten möchten und können. Ich habe gelernt, dass ich als Bischof da nichts verordnen oder vorschreiben muss, sondern dass die Leute selbst wissen, was es braucht. Und in der Regel kommt das gut.
Manchmal macht ein grosses Engagement aber blind für andere Perspektiven. Und da sehe ich es als Aufgabe der Bistumsleitung, nicht nur vom Bischof allein, denen, die nur noch aus einem Blickwinkel schauen, den Blick zu weiten, den Fächer aufzutun, eine neue Perspektive zu geben, ohne einfache Antworten zu liefern.
Mir ist besonders bewusst, dass wir eine Institution sind, die sich entwickelt, so wie sich auch der persönliche Glauben entwickelt, und die lernt, wie jede und jeder von uns lernt.
Wie gehen Sie mit Krisensituationen um?
Krisen gehen immer vor, da muss Anderes warten. Schlimm sind die Krisen rund um die Missbrauchsfälle, weil es hier um Menschen geht, deren Würde und Integrität verletzt wurden. Hier gibt es Betroffene, Opfer.
In anderen Krisenfällen kann es vorkommen, dass die Lage nicht so eindeutig ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Es geht dann darum, die richtigen Worte zu finden und die richtigen Dinge zu tun und dabei zu versuchen, die Gerechtigkeit im weiteren Sinne im Blick zu behalten und nicht alle Beteiligten in einen Topf zu werfen. Das ist oft schwierig, und ich weiss auch nicht, ob wir als Bistumsleitung wirklich immer alles richtig gemacht haben oder machen.
Was mir sehr nahe geht, sind Konflikte zwischen Menschen in den Pfarreien und Pastoralräumen. Leider sind diese Konflikte manchmal mit Bösartigkeiten verbunden. Vielleicht hindert uns der Anspruch, perfekt sein zu wollen oder zu müssen daran, einen normalen menschlichen Umgang miteinander zu haben. Menschen fühlen sich verletzt, weil zum Beispiel, das, was für sie das Heiligste ist – etwa ein Sakrament oder das, was sie im Glauben trägt –, nicht ernst genommen wird. Andere fühlen sich in ihrer Persönlichkeit nicht ernst- und wahrgenommen, etwa weil sie Frauen sind oder junge Menschen. In diesen Diskussionen geht es um Grundbedürfnisse und ‑überzeugungen. Ich finde es wichtig, diese nicht einfach wegzuwischen, sondern ernst zu nehmen und zugleich zu versuchen, eine sachliche Ebene zu finden. Das ist nicht immer einfach, weil die Erwartungen an Gegenwart und Zukunft der Kirche oft sehr unterschiedlich sind.
Eine zentrale Herausforderung besteht darin, diese Spannungen auszuhalten, ohne vorschnell Partei zu ergreifen. Denn die Aufgabe eines Bischofs sehe ich darin, alle unter dem weiten Dach der Kirche vereint zu wissen, dabei eine klare Haltung zu haben und dennoch offen für den Dialog zu bleiben.
Ist das eine machbare Aufgabe oder geht das gar nicht?
Was nicht geht, ist zu meinen, man tut einmal etwas und dann ist es erledigt. Es ist ein Prozess und der beginnt immer wieder von Neuem.
«Es ist eine grössere Gefahr für die Kirche, stehen zu bleiben, als zu schnell vorwärtszugehen.»
Sie haben sich immer wieder für eine synodale Kirche starkgemacht – für Zuhören, Mitverantwortung und Dialog. Wo sehen Sie hier Fortschritte, und wo bleibt noch etwas zu tun?
Ich habe von Anfang an Wert darauf gelegt, mit den Seelsorgerinnen und Seelsorgern in regelmässigem Kontakt zu sein. Es gab damals noch andere Gefässe zum Beispiel Begegnungen mit nichtgeweihten Theologinnen und Theologen, Begegnungen mit Priestern und Begegnungen in den Pfarreien. Jetzt gibt es «Im Dialog mit dem Bischof», ausserdem Leitungskonferenzen und verschiedene Räte, bei denen ich mit dabei bin. Das ist für mich eine wichtige Art, Synodalität zu leben. Neu in den Fokus gerückt ist der Dialog mit den Gläubigen.
Insgesamt haben wir bei all den Begegnungen gemerkt, dass es ganz verschiedene Geschwindigkeiten gibt, wie Entwicklungen in der Kirche angegangen werden. Den einen geht es zu schnell, den anderen zu langsam. Immer wieder stelle ich fest, dass beide Seiten etwas für sich haben. Ich persönlich mache mich dennoch eher für Veränderungen stark, denn ich finde, es ist eine grössere Gefahr für die Kirche, stehen zu bleiben, als zu schnell vorwärtszugehen.
Ich finde es wichtig, dass die Teams in unseren Kirchen gemischt sind. Frauen und Männer, Priester und nicht Geweihte, Jüngere und Ältere. Diese vielfältige Mischung an Menschen bildet die Wirklichkeit der Gläubigen ab, bringt neue und mitunter ungewohnte Perspektiven ein und macht Kirche tragfähig, auch wenn es anspruchsvoller ist, als wenn alle gleicher Meinung sind.
Das Thema «Frauen» war für mich dabei von Anfang an ein grosses Anliegen und ist es noch heute. Frauen mit einzubeziehen, finde ich extrem wichtig. Ich sehe nicht ein, warum man nicht zumindest mit der Diakoninnenweihe schnell vorwärts macht. Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit, zumindest für unsere Breitengrade. Hier komme ich wieder zurück zur Langsamkeit. Wenn man Angst vor zu grossen Differenzen hat, tut man am Ende meistens gar nichts. Manchmal kann Abwarten durchaus sinnvoll sein. Aber in diesem Fall warten wir schon so lange, dass es jetzt nicht mehr angebracht ist.
Wo ich ebenfalls noch Potenzial sehe, ist beim Austausch in den Pastoralräumen gemeinsam mit den Kirchgemeinden. Momentan haben wir eher Strukturen, die dies erschweren.
Was wäre hier eine Perspektive?
Grössere und klarere Einheiten schaffen: Kirchgemeinden und Pfarreien, die sich decken. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass kirchliche Präsenz vor Ort erhalten bleibt – in städtischen Quartieren ebenso wie in ländlichen Dörfern. Diese Orte dürfen nicht einfach aufgegeben werden. Allerdings muss dort nicht mehr alles so stattfinden wie früher. Kirchliche Präsenz heisst nicht, dass jedes Angebot überall in gleicher Form vorhanden sein muss. Ich habe den Eindruck – und nehme mich selbst da nicht aus –, dass wir manchmal noch eine Art «Dorfpfarrermentalität» haben. Viele Gläubige denken zurück an alte Zeiten und in ihrem Kopf ergibt sich ein Bild einer heilen Welt. Diese heile Welt gab es aber so nie.
Meine Perspektive sind gemischte Teams, die für grössere Räume verantwortlich sind. Die Teamleitung kann zum Beispiel aus einem Pastoralraumpfarrer und einer Pastoralraumleiterin bestehen. Das hat sich meiner Wahrnehmung nach meistens bewährt.
«Synodalität heisst konkret immer auch Unterschiedlichkeit. Sie ist eine Art, Geschwisterlichkeit zu leben. Das macht das Ganze nicht einfacher, sondern komplexer, aber dafür spannender.»
Was gibt Ihnen Hoffnung?
Meine Hoffnung richtet sich auf Gott, und die Kirche hat den Auftrag, Gott präsent zu halten. Die grosse Hoffnungsgeschichte ist die von Ostern. In der Apostelgeschichte lesen wir, wie es den ersten Christinnen und Christen nach dem Frust des Karfreitags geht. Sie verstehen nicht, was geschehen ist, sind verängstigt und verstecken sich. Doch dann heisst es: Sie kommen zusammen und sie essen miteinander, das heisst, sie teilen Leben miteinander. Deswegen müssen auch wir als synodale Kirche zusammenkommen. Ausserdem beten sie gemeinsam und hielten fest an der Lehre der Apostel. Das heisst, sie drehen sich nicht um sich selbst, und das sollte auch die Kirche nicht tun, sondern sie hatten die Botschaft im Blick. Die Botschaft, dass Mitmenschlichkeit auch durch schlimme Krisen trägt und hilft, selbst Not und Tod zu überwinden. Das gibt Hoffnung.
Zwischen Reformwünschen und Weltkirche entsteht Spannung. Wie gehen Sie damit um?
Wir gehen unseren Weg, aber den gehen andere Länder ebenso. Ich war an den beiden grossen synodalen Versammlungen in Rom dabei. Ein Bischof der Elfenbeinküste hat mir erzählt, es gibt dort die Einrichtung des sogenannten Palavers. Das ist eine Versammlung, in der alle Beteiligten offen ihre Meinung äussern, um Konflikte oder wichtige Angelegenheiten gemeinschaftlich zu klären, wobei nicht die Mehrheit, sondern ein von allen getragener Konsens das Ziel ist – selbst wenn dieser Prozess viel Zeit in Anspruch nimmt. Ja, wir sind speziell, aber an anderen Orten sehen sie die Dinge ebenfalls auf ihre Weise.
Ich sehe, auch aufgrund meiner Erfahrungen in weltkirchlichen Gremien, dass in Ländern, in denen heute Krieg herrscht, andere Fragen im Vordergrund stehen als bei uns. Dort geht es zunächst um das schiere Überleben. In solchen Kontexten hat zum Beispiel die Frage nach der Rolle der Frau nicht oberste Priorität.
Bei uns hingegen ist diese Frage in Gesellschaft und Kirche sehr präsent und wichtig. Deshalb meine ich, dass man im Sinn der von Franziskus angesprochenen «heilsamen Dezentralisierung» hier Türen öffnen sollte. Beim ständigen Diakonat hat man den einzelnen Bischofskonferenzen die Möglichkeit gegeben, dieses Amt einzuführen oder darauf zu verzichten. Manche Länder haben davon Gebrauch gemacht, andere nicht. Ein ähnlicher Weg wäre auch für das Diakonat der Frau denkbar. Ich sehe nicht ein, warum das grundsätzlich nicht möglich sein sollte.
Synodalität heisst konkret immer auch Unterschiedlichkeit. Synodalität ist eine Art, Geschwisterlichkeit zu leben. Das macht das Ganze nicht einfacher, sondern komplexer, aber dafür spannender. Wir müssen für uns selbst die besten Wege finden. Und selbst hier in der Schweiz sind wir uns da nicht immer einig. Wer soll in kirchenrechtlichen Abläufen Entscheidungskompetenz haben und wer nicht? Wir sagen hier bewusst: Auch eine Gemeindeleiterin oder eine Pastoralraumleiterin trägt Verantwortung und verfügt über Entscheidungskompetenz. Dass dies manchmal nicht akzeptiert wird, finde ich sehr schade und stimmt mich traurig. Diese Ablehnung kommt auch von den – in Anführungszeichen – «normalen» Gläubigen.
Genau daran wird deutlich: Synodalität betrifft jede und jeden einzelnen Getauften.
Natürlich dürfen Gläubige aber auch Erwartungen an die Kirche haben. Hier merke ich klar: Wir befinden uns in einem Paradigmenwechsel.
Über viele Jahrhunderte hinweg taten die Gläubigen im Wesentlichen das, was ihnen gesagt wurde. Das war das Ergebnis eines langen historischen Prozesses. Heute sagen wir: Die Gläubigen sind selbst aktive Subjekte kirchlichen Lebens. Streng genommen waren sie das schon immer. Aber zwischen dieser Einsicht und ihrer konkreten Umsetzung liegt ein weiter Weg, der Zeit braucht.
Subjekt zu sein und sich zugleich in die Ordnung der Kirche einzufügen, ist nicht einfach. Das ist eine Herausforderung für Seelsorgerinnen und Seelsorger, für Bischöfe und genauso für jede und jeden einzelnen Getauften. Hier ändert sich etwas. Es geht langsamer, als ich das manchmal möchte. Aber dafür ist es dann vielleicht nachhaltiger. Hoffentlich.
Was wissen nur wenige über Ihren Alltag als Bischof?
Ich stehe immer sehr früh auf, zwischen fünf und halb sechs. Da habe ich eine ruhige Zeit. Ausserdem bin ich selten hier im bischöflichen Ordinariat sondern fast jeden Tag an einem anderen Ort. Oft bin ich an Konferenzen, Treffen oder Meetings.
Was wünschen Sie sich von jungen Menschen, und was kann die Kirche Ihrer Meinung nach von den Jungen lernen?
Zuerst einmal wünsche ich den jungen Menschen etwas, nämlich ein gutes Leben. Ich wünsche ihnen Gottes Segen und Glück und dass sie gute Entscheidungen treffen.
Die Kirche kann von ihnen lernen, frisch und fokussiert zu sein. Sie stellen die richtigen Fragen, so wie zum Beispiel die Firmlinge: Was ist der Sinn des Lebens? Was bedeutet Liebe? Was kann ich von Gott erwarten? Was will Gott von mir? Was habe ich davon, wenn ich mich firmen lasse? Das finde ich toll, denn sie befinden sich ausserhalb der eingefahrenen Strukturen und geben uns so neuen Input.
Wir haben mitbekommen, dass Sie gerne jassen. Machen Sie das auch als Bischof noch regelmässig?
Ja, aber ich jasse nicht als Bischof, sondern als Spieler. Wann immer es möglich ist, mache ich das, in verschiedenen Konstellationen. Jassen ist etwas, das mir sehr grosse Freude bereitet. Das Tolle dabei ist: Es geht ohne grossen Aufwand. Klar, man braucht Zeit, aber ansonsten nur Jasskarten und etwas zum Aufschreiben. Manchmal gewinne ich und manchmal verliere ich. Aber es ist immer sehr lustig.
Sind Sie ein guter Verlierer?
Das müssen Sie die Leute fragen, mit denen ich spiele. Aber ich möchte natürlich gewinnen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass die Gläubigen nicht verhärten. Ich stelle da und dort Verhärtungen fest und eben auch Bösartigkeiten, und das finde ich wirklich schlimm. Friede fängt bei mir selbst an. Jede und jeder sollte zu sich sagen: Schluss mit den Widerwärtigkeiten in meinem Herzen! Ich wünsche mir Frieden, darauf hoffe ich und dafür bete ich.
Gerade wenn wir auf die Welt schauen, wird deutlich, wie sehr wir Frieden brauchen. Iran, Libanon, Gaza, Syrien, die Ukraine. Aber auch Sudan, Venezuela, Nicaragua, Thailand, Kambodscha, Indien und Pakistan. Bischöfe aus diesen Regionen kommen zu Besuch, und was sie berichten, geht mir sehr nahe. Es ist für mich immer wieder erschütternd zu hören, dass Menschen dort ums nackte Überleben kämpfen. Ich wünsche mir Frieden und Solidarität. Die Menschen in der Schweiz sind solidarisch, das erlebe ich sehr deutlich. Sie sind grosszügig und spendabel. Und ich finde, das dürfen wir nicht verlieren. Solidarität ist eine christliche Tugend, eine grundlegende Weise, den Glauben zu leben. Das wir das nicht verlieren, das wünsche ich mir.