Kleine Kirche mit vielfältigem Engagement

Kleine Kirche mit vielfältigem Engagement

Die Grün­dung der Evan­ge­lisch-Methodis­tis­chen Kirche geht auf die bei­den anglikanis­chen Pfar­rer John und Charles Wes­ley im 18. Jahrhun­dert in Eng­land zurück. Der Begriff «methodis­tisch» war ursprünglich ein Spot­tname: Er beze­ich­nete die diszi­plin­ierte Lebensweise der Gläu­bi­gen mit täglich­er Bibellek­türe, Gebet, Fas­ten und Wohltätigkeit. Ihnen war die Verän­derung im per­sön­lichen Leben und in der Gesellschaft wichtig, Gen­der-Gle­ich­berech­ti­gung inklu­sive.«Wir bekräfti­gen, dass alle Per­so­n­en in den Augen Gottes den gle­ichen Wert besitzen und wir arbeit­en deshalb auf eine Gemein­schaft hin, in der der Wert eines jeden Men­schen anerkan­nt, erhal­ten und gestärkt wird», heisst es in den Sozialen Grund­sätzen – sie stam­men von 1946! Während die Evan­ge­lisch-Methodis­tis­che Kirche weltweit rund 12 Mil­lio­nen Mit­glieder zählt und sich vielfältig engagiert, zählt sie in der Schweiz zu den kleinen Kirchen.Kirchen verbinden Sylvia Min­der ist zusam­men mit ihrem Mann für das Pfar­ramt der Evan­ge­lisch-Methodis­tis­chen Kirche in Aarau ver­ant­wortlich. Ihre Gemeinde ist eine von elf im Kan­ton. Sie beschreibt ihre Kirche als Brücke: Ein­er­seits sei man mit den Freikirchen in der Allianz ver­bun­den, ander­er­seits aber in Kon­takt mit den Lan­deskirchen. Mit diesen wün­scht sich aber die Pfar­rerin noch mehr gelebte Gemein­schaft. So engagiere man sich in öku­menis­chen Pro­jek­ten wie «Aarau liest die Bibel», Welt­ge­bet­stag, in der Kinder­woche oder gestalte abwech­sel­nd mit anderen Kirchen Gottes­di­en­ste im Alter­szen­trum Herosé. Der näch­ste öku­menis­che Gottes­di­enst ist für 2015 geplant – ein Schritt, über den sich Sylvia Min­der sehr freut.Offen­heit als Auf­trag Kirchen­grün­der John Wes­ley betonte: «In allen Fra­gen, die nicht die Wurzel des Chris­ten­tums tre­f­fen, hal­ten wir es mit der Regel: Denken und denken lassen.» Der weite Hor­i­zont ist auch im The­ol­o­gis­chen wichtig. Die Evan­ge­lisch-Methodis­tis­che Kirche suche «mit gross­er Offen­heit die Zusam­me­nar­beit mit anderen Kirchen», erk­lärt ihr Bischof Patrick Streiff. So ist die Kirche Mit­glied in vie­len kan­tonalen Arbeits­ge­mein­schaften Christlich­er Kirchen und Grün­dungsmit­glied der Arbeits­ge­mein­schaft Christlich­er Kirchen Schweiz. Bere­its 1973 unterze­ich­nete sie die erste gegen­seit­ige Tau­fan­erken­nung der drei Lan­deskirchen mit und war auch bei der neuer­lichen Tau­fan­erken­nung von sechs Schweiz­er Kirchen an Ostern dieses Jahres mit von der Par­tie. Pfar­rerin Min­der set­zt sich eben­falls für Offen­heit ein, gibt aber zu bedenken, dass dies Gemein­demit­glieder auch über­fordern könne. Als Reak­tion zögen manche einen Zaun um sich und «den recht­en Glauben».Nach­folge Christi… Für Methodis­ten sind drei Schritte im Glaubensleben wichtig: Zunächst die Liebe Gottes zu jedem Men­schen per­sön­lich zu erfahren, sich von dieser Liebe bewe­gen und verän­dern zu lassen und dann Gott und die Mit­men­schen wie sich selb­st von ganzem Herzen zu lieben. John Wes­ley habe dies als Merk­mal der Kirchen­mit­glieder benan­nt «und gesagt, es sei nichts anderes als die Kennze­ichen jedes wahren Chris­ten. Ich stimme ihm zu», so Bischof Streiff. Darüber hin­aus pfle­gen Methodis­ten Bibellek­türe und Gebet und engagieren sich mit ihrer Kirche konkret vor Ort. So gibt es in Aarau alle zwei Wochen einen Gottes­di­enst in ara­bis­ch­er Sprache. Dazu kommt ein Café für Asyl­suchende und dem «Tis­chlein deck dich», einem Pro­jekt für Armuts­be­trof­fene, gewährt sie Gas­trecht. Vor 200 Jahren set­zte sie sich mass­ge­blich für die Abschaf­fung der Sklaverei in Eng­land ein und stand damit von Beginn an auf der Seite der Armen.Chris­tiane Faschon/aj
Anne Burgmer
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