
Innere Werte
«Händ Sie scho Gold gfunde?» Das ist wohl die häufigste Frage, die Archäologinnen und Archäologen bei Ausgrabungen vom Publikum zu hören bekommen. Meist müssen wir verneinen: Gold war auch in der Vergangenheit zu wertvoll, um es einfach liegenzulassen respektive bei Verlust nicht zu suchen. Wenn wir goldene Objekte finden, dann wurden diese eher bewusst versteckt oder – fast noch häufiger – als Weihegaben an Gottheiten geopfert.
Die Frage zeigt, welches Bild die meisten Leute im Kopf haben, wenn sie an Archäologie denken. Hier haben Film und Literatur ganze Arbeit geleistet: Schatzsucher und Abenteuerinnen wie Indiana Jones oder Lara Croft reisen um die Welt und jagen Kostbarkeiten. Dagegen wirkt unser Alltag recht langweilig.
Aber eben: Auch in der Archäologie zählen die inneren Werte. Natürlich haben wir Freude an schönen, glänzenden Objekten. Noch viel mehr begeistern uns jedoch Funde, die eine Geschichte erzählen. Auf den ersten Blick unscheinbare Scherben entpuppen sich als weitgereiste Transportbehälter für Luxuswaren, ein Puppenärmchen aus Knochen zeugt von Kinderglück vergangener Zeiten. Solche Dinge zaubern uns ein Lächeln ins Gesicht. Denn letztlich wollen wir keine Reichtümer anhäufen, sondern suchen die Menschen hinter den Objekten. Was haben sie erlebt? Wie gingen sie mit ihrer Umwelt um? Und vor allem: Was können wir daraus für unsere Gegenwart und Zukunft lernen? Dieses Wissen ist nicht mit Gold zu kaufen, sondern oft im wahrsten Sinn des Wortes nur mit Knochenarbeit.