«Ich gebe gerne etwas zurück»

«Ich gebe gerne etwas zurück»

Eri­ka Albert ist seit viere­in­halb Jahren als frei­willige Mitar­bei­t­erin für das Ange­bot «Weg­be­gleitung» in Brugg tätig. Im Inter­view gibt sie Auskun­ft über ihre vielfälti­gen Auf­gaben und ver­rät, wie sie schwierige Erfahrun­gen ver­ar­beit­et. Eri­ka Albert, Sie begleit­en als frei­willige Weg­be­glei­t­erin Men­schen in schwieri­gen Lebenssi­t­u­a­tio­nen. Wie viele Begleitun­gen haben Sie schon durchge­führt? Eri­ka Albert: Drei län­gere Begleitun­gen, davon eine mit einem Unter­bruch. Ins­ge­samt dauerte jede Begleitung etwa ein Jahr, mit durch­schnit­tlich einem Tre­f­fen von ein­er bis drei Stun­den pro Woche.Was war Ihre Auf­gabe bei diesen Weg­be­gleitungs-Tre­f­fen? Herr A. brauchte Hil­fe, um Ter­mine einzuhal­ten: es ging um eine IV-Anmel­dung und Arztbe­suche. Dank der Weg­be­gleitung kon­nten die nöti­gen Ter­mine einge­hal­ten wer­den, was zum defin­i­tiv­en Entscheid der IV führte. Frau B. wurde arbeit­s­los und brauchte Unter­stützung beim Organ­isieren der Amts­be­suche, beim Schreiben von Bewer­bun­gen und Ein­hal­ten von Ter­mi­nen. Sie fand nach Abschluss der Weg­be­gleitung eine Stelle. Herr C. suchte eine Woh­nung und ich unter­stützte ihn bei der Suche. Bald stellte sich her­aus, dass seine Deutschken­nt­nisse zu lück­en­haft waren. Gemein­sam mit ihm füllte ich For­mu­la­re aus und schrieb Briefe. Lei­der fand er trotz­dem keine Woh­nung. Der Klient prof­i­tierte den­noch von der Begleitung, da sie ihm Sicher­heit in ein­er schwieri­gen Zeit gab.Wird den Klien­ten Weg­be­gleitung verord­net oder kom­men sie frei­willig? Alle Per­so­n­en kom­men frei­willig und wün­schen Weg­be­gleitung. Eine Weg­be­gleitung kann jed­erzeit durch jede Partei aufge­hoben wer­den, also durch die Kli­entin, den Weg­be­gleit­er oder die Ver­mit­tlungsstelle.Sie sel­ber engagieren sich ehre­namtlich für andere Men­schen und wer­den nicht für Ihre investierte Zeit entschädigt. Weshalb tun Sie das? Mir sel­ber geht es gut, dafür bin ich sehr dankbar. Deshalb gebe ich den Men­schen, die nicht auf der Son­nen­seite des Lebens ste­hen, und der Gesellschaft gerne etwas zurück.Was tun Sie, wenn Sie sel­ber in ein­er Begleit-Sit­u­a­tion vor Schwierigkeit­en ste­hen? Ich über­lege mir: «Was genau ist mein Auf­trag? Habe ich oder mein Klient den Auf­trag aus den Augen ver­loren?» Meis­tens komme ich durch die Beant­wor­tung dieser Frage zur Lösung. Wenn die Frage nicht so ein­fach zu beant­worten ist, brauche ich Zeit, um der Antwort nachzuge­hen. Meis­tens schaffe ich das sel­ber. Wenn nicht, suche ich Rat bei der Stel­len­leitung. Ausser­dem nehme ich am regelmäs­si­gen Erfahrungsaus­tausch mit den anderen Weg­be­glei­t­erin­nen und Weg­be­gleit­ern teil. Auch der hil­ft mir, Antworten zu find­en.Was tut Ihnen nach einem Tre­f­fen mit einem Klien­ten gut? Ich medi­tiere die Sit­u­a­tion im Gebet. Auch schwierige Sit­u­a­tio­nen kann ich so bess­er akzep­tieren.Haben Sie Kon­takt mit anderen Weg­be­glei­t­erin­nen oder Weg­be­gleit­ern? Ausser­halb des Erfahrungsaus­tauschs habe ich keinen Kon­takt. Ich kann aber die Ver­mit­tlungsstelle jed­erzeit kon­tak­tieren.Wie lange haben Sie sich verpflichtet, Weg­be­glei­t­erin zu sein? Ich habe mich nicht verpflichtet und bin jed­erzeit fei, nach ein­er Begleitung eine Pause einzule­gen. Das ist und bleibt offen.Lassen sich solche Begleitun­gen über­haupt im Rah­men von frei­willigem Engage­ment durch­führen — zeitlich und inhaltlich? Es ist eine Her­aus­forderung, diese Tre­f­fen neben meinen anderen Ter­mi­nen einzu­pla­nen. Ich muss mir Zeit­fen­ster ein­richt­en, um Begleitun­gen durchzuführen, denn ich bin nicht sieben Tage pro Woche für meine Klien­ten da. Wir haben eine Vere­in­barung, wann und woran wir arbeit­en – an die halte ich mich. Stelle ich fest, dass ein anderes The­ma bear­beit­et wer­den muss, bespreche ich das mit der Kli­entin und der Ver­mit­tlungsstelle. Dann wird entwed­er ein neuer Auf­trag definiert oder der Klient wird mit dieser Frage an eine andere Organ­i­sa­tion ver­wiesen. Der Stel­len­ver­mit­t­lerin und mir ist wichtig, dass ich nur an einem Auf­trag mit meinem Klien­ten arbeite.Wenn Sie einen Wun­sch hät­ten, was wür­den Sie sich für das Pro­jekt Weg­be­gleitung wün­schen? Es wäre schön, wenn Weg­be­gleitung zu ein­er fes­ten Insti­tu­tion wird, ein­er fes­ten, bekan­nten Grösse im Aar­gau. So wie zum Beispiel die Schulden­ber­atung oder andere soziale Insti­tu­tio­nen.www.wegbegleitung-ag.ch 
Marie-Christine Andres Schürch
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