Erfrischende Entdeckung
Erfrischung für Körper und Geist auf der Wanderung durch das Chaltbrunnetal.
© Marie-Christine Andres

Erfrischende Entdeckung

An einem heissen Sommertag lockt das Kaltbrunnental mit Höhlen, Quellen und Wasserfällen

Diese abwechslungsreiche Wanderung führte uns vom Laufental über ein bewaldetes Hochplateau ins Kaltbrunnental zwischen Zwingen und Grellingen. Dem Motto der Sommerserie «Zu den Quellen» wird die Entdeckungstour im wilden Tal mehr als gerecht.


Der Ibach entspringt auf fast 900 m. ü. M. am Zin­glen­berg in Zull­wil, fliesst durch das Chalt­brun­netal und mün­det beim Ches­siloch in die Birs. Bild: Marie-Chris­tine Andres


An heis­sen Tagen, wie wir sie im Juni und Juli zuhauf erlebten, klingt nur schon der Name unser­er Des­ti­na­tion wie eine Ver­heis­sung: Kalt­brun­nen­tal, oder im Dialekt Chalt­brun­netal. Die Erfrischung müssen wir uns allerd­ings erst ver­di­enen. Am Bahn­hof Zwin­gen staut sich die Hitze, zwis­chen den Häusern flim­mert die Luft. Dann führt der Weg ent­lang der Birs, deren Wellen in uns die Vor­freude aufs küh­le Tal weck­en. Auf einem Park­platz nach etwa einem Kilo­me­ter begin­nt der Karstlehrp­fad. Unsere Wan­derung fol­gt von nun an diesem Pfad mit den weis­sen Weg­weis­ern und den Infotafeln. Wir zweigen rechts ab in ein Seit­en­tal und nehmen im Schutz des Waldes die rund hun­dert Höhen­meter auf das Hoch­plateau in Angriff. Jedes Mal, wenn sich die Bäume etwas licht­en, bren­nt die Sonne auf Haut und Haar.

Verschluckter Bach

Ein munteres Bäch­lein fliesst uns ent­ge­gen. Es hat seinen Ursprung beim Bät­tler­loch. Bald stossen wir auf die Quelle, die sich links des Weges unter einem über­hän­gen­den Felsen befind­et. Hin­ter dem schmalen Felss­chlitz ver­birgt sich ein weitläu­figes Höh­len­sys­tem, ent­standen durch die kalk­lösende Wirkung des Wassers (siehe Box). Das Höh­len­sys­tem ist jedoch nur für Höh­len­forschende zugänglich, wie die Hin­weistafel betont. Auf dem weit­eren Weg gibt es aber noch einige Höhlen, die auch Wan­dernde gefahr­los erkun­den kön­nen.

Auf dem Weg über das Plateau macht uns eine Tafel auf eine weit­eres Karst-Phänomen aufmerk­sam. Das von Süden her­an­fliessende Schäll­bäch­li, welch­es trotz der Trock­en­pe­ri­ode noch Wass­er führt, ver­schwindet nahe beim Wan­der­weg spur­los. Es wird von soge­nan­nten Schluck­löch­ern vom Boden buch­stäblich ver­schluckt. Fär­bev­er­suche haben ergeben, dass das ver­schluck­te Wass­er im unteren Chalt­brun­netal wieder zum Vorschein kommt.


Karst­ge­bi­ete — Kar­ren, Höhlen und Dolinen
Wass­er, das Kohlen­diox­id aus der Luft aufn­immt und Kohlen­säure bildet, ver­mag die Gesteine Kalk, Dolomit und Gips bis zu einem gewis­sen Grad aufzulösen. Die Beze­ich­nung «Karst» beze­ich­net alle For­men, die durch diese Lösungsver­wit­terung in Kalk- und Gipsstein entste­hen: Kar­ren­felder, Dolinen und Höh­len­sys­teme. Karst­ge­bi­ete machen rund einen Fün­f­tel der Schweiz­er Lan­des­fläche aus. Die bedeu­tend­sten Karst­land­schaften sind das Gebi­et der Sil­beren und der Glat­talp im Kan­ton Schwyz, die Schrat­ten­fluh im Kan­ton Luzern, die Sieben­heng­ste-Hohgant-Höh­le im Kan­ton Bern, die Region des Tsan­fleu­ron­gletsch­ers im Wal­lis und der gesamte Jurabo­gen.

Mehr Infos gibt es auf den Web­sites der Schweiz­erischen Gesellschaft für Höh­len­forschung www.speleo.ch sowie des Schweiz­erischen Insti­tut für Speläolo­gie und Karstolo­gie www.isska.ch
Die Wan­derung durch das Chalt­brun­netal ist unter anderem gut doku­men­tiert im Buch «Wasser­wan­derun­gen. 17 Routen durch das Wasser­schloss Schweiz» von Jürg Alean und Paul Fel­ber, erschienen 2023 im Haupt Ver­lag.

Wir aber gehen oberirdisch auf dem Wan­der­weg ins Chalt­brun­netal. Wir haben die Wahl zwis­chen ein­er steilen Abkürzung links vom Weg direkt hin­unter ins Tal oder einem weit­en Bogen auf dem Wald­weg, der scharf nach links abzweigt und dann eben­falls hin­unter ins Chalt­brun­netal führt.


Von Zwin­gen nach Grellin­gen durchs Chalt­brun­netal auf dem Karstlehrp­fad. 8 Kilo­me­ter, 100 m Auf­stieg, 130 m Abstieg. Start am Bahn­hof Zwin­gen, Ziel am Bahn­hof Grellin­gen. Wan­derzeit ca. 2 h 30 min. Das Chalt­brun­netal ist, auss­er bei Vereisung im Win­ter, ganzjährig ein lohnen­des Aus­flugsziel.

Wohltat für Körper, Geist und Seele

Beim Hin­un­terge­hen hören wir bere­its das Plätsch­ern. Der Ibach ruft uns und ver­spricht Abküh­lung. Es über­rascht uns, dass der Bach in der aussergewöhn­lichen Hitze- und Trock­en­phase soviel Wass­er führt. Wohin wir blick­en, find­en wir wild wuch­ern­des Grün. Was für eine Wohltat und Freude! Wir tauchen Hände, Arme und Kopf ins küh­le Wass­er.

Weit­er unten hat jemand eine Hänge­mat­te am Ufer mon­tiert, Kinder stapeln Steine im Bach­bett. Das Chalt­brun­netal ist ein Ort zum Ver­weilen. Die Ibach­höh­le, die Kastell­höh­le, die Höh­le Hei­denküche und mehrere Wasser­fälle laden zum Ent­deck­en ein.

Wir fol­gen weit­er dem Karstlehrp­fad und erre­ichen schliesslich beim Ches­siloch die Ein­mün­dung des Chalt­brun­netals ins Tal der Birs. Auf dem heis­sen Teer, der ent­lang der Schienen zum Bahn­hof Grellin­gen führt, denken wir an das erfrischende Tal zurück wie an einen an schö­nen Traum.

Marie-Christine Andres Schürch
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