Der leise ​Beginn von ​neuem Leben
© Fabienne Bühler

Der leise ​Beginn von ​neuem Leben


Fas­ten­zeit, Palm­son­ntag, Hoher Don­ner­stag, Kar­fre­itag, Oster­nacht: Die bib­lis­chen Texte rund um Ostern stellen mich immer wieder vor die Erfahrung, dass Gottes Heil nicht in einem gross insze­nierten Spek­takel begin­nt, son­dern im Kleinen, Unschein­baren, Ver­bor­ge­nen. Der Aufer­standene entzieht sich zunächst: Die Frauen erschreck­en am leeren Grab (Joh 20,1–2), Maria Mag­dale­na erken­nt ihn nicht (Joh 20,14–15), die Jünger von Emmaus ver­ste­hen erst, «als er das Brot brach» (Lk 24,30–31). Aufer­ste­hung ist nach diesen Erzäh­lun­gen kein abruptes Erken­nen, son­dern ein Prozess geistlich­er Wahrnehmung. Die Tra­di­tion nen­nt dies epiphanis­ches Erken­nen – ein Sehen, das aus der Begeg­nung entste­ht.

Auch bei uns begin­nt neues Leben oft unauf­fäl­lig: in einem Wort der Ver­söh­nung, das plöt­zlich möglich wird; in einem Men­schen, der mit­ten in Krankheit oder Erschöp­fung einen uner­warteten inneren Halt spürt; in ein­er Beziehung, die sich langsam öffnet, obwohl sie lange block­iert war. Solche Momente tra­gen den Charak­ter des Öster­lichen in sich. Es ist ein Anbruch von Leben, das nicht aus eigen­er Kraft her­vorge­bracht ist.

Ostern sagt uns, dass neues Leben möglich ist – weil Gott es schenkt. Und oft begin­nt es leis­er, unschein­bar­er und später, als wir es gewün­scht oder geplant hät­ten. Aber es begin­nt.

Fro­he Ostern!

Felix Gmür
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