
Der Geist der Wahrheit und der Liebe
Mit Pfingsten findet die 50-tägige österliche Festzeit ihren Abschluss. Bereiten Sie sich auf dieses Fest vor oder freuen Sie sich nur auf das verlängerte Wochenende? Während Weihnachten von vielen Erwartungen, Vorbereitungen und auch mancher Unruhe begleitet ist, kommt Pfingsten viel stiller daher. Anders als zu Weihnachten sorgt sich bei diesem Fest kaum jemand darum, ob alles gelingt – weil es uns scheinbar nichts abverlangt?
Doch so einfach ist es nicht. Der Bericht von der Geistsendung an die um Maria versammelten Jünger (Apostelgeschichte 1,14 und 2,1–11) erinnert daran, dass der Geist zwar Geschenk ist, aber kein Geschenk, das untätig lässt. Die Jünger konnten nichts dazu beitragen, dass der Geist über sie kam. Aber als er sie erfüllte, geschah etwas Entscheidendes: Sie wurden mutig. Petrus tritt vor die Menschen und beginnt zu sprechen. Der Geist Gottes bewegt zum Handeln. Der Heilige Geist ist also nicht nur Trost und innerer Zuspruch. Er ist Kraftquelle. Er ermutigt, den Glauben nicht für sich zu behalten, sondern Zeugnis zu geben – im Wort und im Leben.
Vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung von Pfingsten darin, dem Geist Gottes wirklich Raum zu geben – nicht nur im Gebet, sondern im konkreten Leben. Die Kirche hat dafür seit Jahrhunderten einfache, eindringliche Worte gefunden. In einer Nachdichtung des alten Hymnus Veni Creator Spiritus singen wir: «Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein, besuch das Herz der Kinder dein.» Diese Bitte bleibt aktuell. Denn wo wir sie ernst nehmen, dort beginnt Gottes Geist zu wirken. Leise, aber kraftvoll.