Denke an das Aufhören!

Denke an das Aufhören!

Deuteronomi­um 5,12–15So spricht der Herr: Achte auf den Sab­bat: Halte ihn heilig, wie es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht hat. Sechs Tage darf­st du schaf­fen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Her­rn, deinem Gott, gewei­ht. An ihm darf­st du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Rind, dein Esel und dein ganzes Vieh und der Fremde, der in deinen Stadt­bere­ichen Wohn­recht hat. Dein Sklave und deine Sklavin sollen sich aus­ruhen wie du. Denk daran: Als du in Ägypten Sklave warst, hat dich der Herr, dein Gott, mit stark­er Hand und hoch erhoben­em Arm dort her­aus­ge­führt. Darum hat es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht, den Sab­bat zu hal­ten.Ein­heit­süber­set­zung 

Denke an das Aufhören!

Es ist Fre­ita­gnach­mit­tag. Langsam wan­dert der Uhrzeiger gegen 16.00 Uhr. In vie­len Büros wer­den die Com­put­er herun­terge­fahren, die Fen­ster geschlossen, die Taschen gepackt und die Schuhe geschnürt. Zum Schluss fol­gen zwei der schön­sten Worte in der (west­lichen) Arbeitswelt: «Schönes Woch­enende!» Man wün­scht es sich am Fre­itag auf der Arbeit, beim Ver­ab­schieden, an der Ladenkasse … Ja, da hört die strenge Arbeitswoche auf. Der Son­ntag kommt. Ein Tag, an dem die Mehrheit der Men­schen – zumin­d­est in unserem Kul­turkreis – nicht arbeit­et. Per Gesetz, notabene.Als das Volk Israel in Ägypten weilte, als es noch in der Knechtschaft lebte, da kon­nte man von so etwas nur träu­men! Doch Gott hat sein Volk befre­it. Er hat ihm die Möglichkeit geschenkt, zu ruhen – etwas, was in der Antike anson­sten nur den Göt­tern und den Her­ren vor­be­hal­ten war. Deshalb war der Sab­bat für Israel auch zuallererst ein Zeichen der Befreiung, ein Zeichen der Frei­heit, ein Zeichen dafür, dass Israel zu einem freien Volk gewor­den war.Freizeit für alle, für den Her­rn und die Her­rin, für Sohn und Tochter, für Sklave und Sklavin, ja selb­st für den Frem­den, der sich im Ort aufhielt. Nicht ein­mal Rind und Esel waren davon ausgenom­men. Das war ein absolutes Novum: Ein Tag, an dem jed­er, ohne Unter­schied aus­ruhen und Kraft schöpfen kon­nte. Was für eine unge­heure Bedeu­tung dieser Tag für die Men­schen damals gehabt haben musste, das ist für viele heute wohl nur noch schw­er zu ver­ste­hen.Während für Israel der Sab­bat das Zeichen der Frei­heit und seines Aufge­hoben­seins im Gottes­bund war (und ist), so ist für uns Chris­ten Chris­tus selb­st das Zeichen dafür, dass Gott uns frei gemacht hat. Wir feiern nicht mehr den jüdis­chen Sab­bat, son­dern den Son­ntag, den Tag der Aufer­ste­hung des Her­rn.Unser Son­ntag: auch ein Tag für die Fam­i­lie. Endlich hat man Zeit für- und miteinan­der, Zeit zum Auss­pan­nen, zum Aus­ruhen, zum Frei­haben und Frei­sein, zum Geniessen und Erleben.Doch manch­mal frage ich mich, ob das über­haupt noch stimmt. Ist der Son­ntag tat­säch­lich noch der unhin­ter­fragte Tag der Ruhe?Die einen haben auch am Son­ntag ihre Ter­mine: Sie nutzen ihn zur Arbeit, welche die Woche über liegenge­blieben ist. Die anderen machen sich Freizeit­stress mit einem stra­paz­iösen Woch­enendtrip. Der Son­ntag ist unter Druck ger­at­en.Und nicht weni­gen in unserem Land ist der geschützte Son­ntag ein Dorn im Auge. Unternehmen, die ihre Maschi­nen­laufzeit­en ausweit­en wollen, Dis­coun­ter­ket­ten, die rund um die Uhr verkaufen und Gewinne erzie­len wollen, aber auch Kun­den, die den Son­ntag zum Woch­eneinkauf nutzen wollen – all jenen ist der kon­sum- und pro­duk­tions­freie Son­ntag ein ver­loren­er Tag, dessen Zeit man effek­tiv­er nutzen sollte. Das hebräis­che Wort «sab­bat» heisst wörtlich über­set­zt «aufhören». «Achte auf den Sab­bat» ganz direkt wiedergegeben heisst dann: «Denke an das Aufhören. Halte es heilig!» Der Son­ntag als Unter­brechung zur Frei­heit – Frei­heit von der Sklaverei durch Arbeit, Leis­tung und Het­ze. Ein Tag, der uns geschenkt ist, damit er uns gut tut. Hal­ten wir ihn heilig! Nehmen wir dieses Geschenk der Frei­heit an und lassen wir uns nicht von neuen Mächt­en ver­sklaven!Nadia Miri­am Keller, The­olo­gin, ursprünglich Pflege­fach­frau, arbeit­et in der Pfar­rei St. Odil­ia, Arlesheim
Redaktion Lichtblick
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