Caritas beendet unerwartet sein Care-Projekt

Caritas beendet unerwartet sein Care-Projekt

  • Vor etwas mehr als drei Jahren startete Car­i­tas Schweiz in Suhr und Zürich mit einem roten Wagen ein Pilot­pro­jekt, das gezielt ältere Men­schen zuhause unter­stützen sollte. Damit ist nun Schluss, heisst es völ­lig über­raschend von Seit­en der Zen­trale in Luzern. Das Pro­jekt sei länger­fristig nicht finanzier­bar.
  • Erst noch im März hat­te das Pro­jekt mit neuen Begrif­flichkeit­en sein Pro­fil geschärft. Pro­jek­tleit­er Andy Huwyler zeigte sich mit Blick auf die Zukun­ft opti­mistisch.
  • In der Trägerge­meinde Suhr ist man über­rascht. Der Entscheid sei ein­seit­ig gefall­en, heisst es vom zuständi­gen Gemein­der­at. Es bleiben offene Fra­gen.
 Zwis­chen 15 und 25 Klien­ten betreue man in Suhr, hat­te Andy Huwyler, der Pro­jek­tleit­er des «Roten Wagens» noch im März gegenüber Hor­i­zonte erk­lärt und ergänzt: «Wir haben einen über­schaubaren Kun­den­stamm mit Luft nach oben, der seine Nis­che im stetig wach­senden Betreu­ungs­markt gefun­den hat». Mit Möglichkeit­en, weit­ere Klien­ten aufzunehmen. Man ste­he in Gesprächen mit umliegen­den Gemein­den. Bere­its jet­zt erhalte man Anfra­gen aus Ent­felden, Buchs und Aarau.

Spätestens Ende September ist Schluss

Gestern Don­ner­stag dann der Pauken­schlag: «Car­i­tas Schweiz been­det das Pilot­pro­jekt per Ende Sep­tem­ber. Der Bedarf an nieder­schwelli­gen Betreu­ungsange­boten für armuts­be­trof­fene ältere Men­schen ist zwar vorhan­den. Eine auf län­gere Sicht kos­ten­deck­ende Finanzierung eines solchen Ange­bots lässt sich aber zurzeit nicht sich­er­stellen», heisst es in ein­er Medi­en­mit­teilung. «Trotz der von ver­schieden­er Seite mit­ge­tra­ge­nen Idee, armuts­be­trof­fe­nen, älteren Men­schen gezielt Zugang zu Betreu­ung daheim zu geben, muss Car­i­tas Schweiz fest­stellen, dass sich die langfristige Finanzierung eines solchen Ange­bots nicht sich­er­stellen lässt. Das als Pilot laufende Pro­jekt wird daher Ende Sep­tem­ber 2019 been­det. Die bei­den Stan­dorte Suhr und Zürich wer­den spätestens auf diesen Zeit­punkt hin geschlossen.»Noch im März, als sich das Pro­jekt mit einem neuen Auftritt präsen­tierte (Hor­i­zonte berichtete), sei der Entscheid nicht abse­hbar gewe­sen, erk­lärt Ste­fan Gribi, Leit­er Abteilung Kom­mu­nika­tion, gegenüber Hor­i­zonte. Ist dem­nach der Ver­such, auch Men­schen mit gerin­gen finanziellen Mit­teln eine Betreu­ung zuhause zu ermöglichen, gescheit­ert? Fehlt es an entsprechen­der Sol­i­dar­ität?

Caritas: «Zu wenig finanzielle Unterstützung»

«Ja, wir hat­ten uns speziell auf Men­schen konzen­tri­ert, die vere­in­samt sind, wenig Geld haben und auch kein famil­iäres Netz, das sie unter­stützt», so Ste­fan Gribi. Entsprechend sei man stärk­er von finanzieller Unter­stützung durch Gemein­den und Stiftun­gen angewiesen gewe­sen als Organ­i­sa­tio­nen, die solche Dien­ste bere­its seit län­ger­er Zeit mit kos­ten­deck­enden Preisen anbi­eten. Die Gemein­den hät­ten zwar Inter­esse und Koop­er­a­tions­bere­itschaft in Aus­sicht gestellt – namentlich Suhr und Buchs, doch nicht in dem Masse, um eine Finanzierung länger­fristig gewährleis­ten zu kön­nen.Den in Suhr zuständi­gen Gemein­der­at Daniel Rüetschi traf der Entscheid völ­lig über­raschend. «Dass es finanziell nicht reicht, haben wir gewusst», so Daniel Rüetschi. Man habe aber Hand geboten und sei nun irri­tiert, «dass die das jet­zt ein­fach abbrechen. Da kam vor­ab keine Zwis­chen­mel­dung im Sinne von: Wenn wir jet­zt nicht mehr Geld beschaf­fen kön­nen, müssen wir aufhören».

Suhr: Weiter – Möglicherweise ohne Caritas

In Suhr habe man grund­sät­zlich ein Inter­esse daran, dass auch Men­schen mit finanziell beschränk­ten Mit­teln Unter­stützung und Begleitung zuhause in Anspruch nehmen kön­nen, heisst es von Daniel Rüetschi. «Car­i­tas hat das bis jet­zt ange­boten. Nun fällt das weg und wir müssen jet­zt schauen, wer das neu machen kön­nte, und ob und wie wir das mit­tra­gen kön­nen». Über­haupt werde man jet­zt ein­mal eine Auslege-Ord­nung machen: Die Bedürfnisse, aber auch das Ange­bot im Bere­ich Unter­stützung von älteren Men­schen habe sich in den ver­gan­genen Jahren enorm verän­dert. Vieles sei «ad hoc» gewach­sen. Nun sei der Punkt, an dem man das präzis­er koor­dinieren müsse.
Andreas C. Müller
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