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In einem Fischerdorf in Lateinamerika wohnte Marco mit seiner Frau Linda und seinen drei Kindern. Marco war jahrelang Fischer gewesen, doch seit einigen Monaten ist er arbeitslos. Marco muss daher seine Familie verlassen, um in der grossen Stadt, die tausend Kilometer entfernt vom Dorf liegt, eine Arbeit zu finden. Bliebe er im Dorf, so wären die wenigen Ersparnisse bald weg. Alle waren sehr traurig. Als der Abschied kam, dachte Marco den ganzen Tag nach. „Was könnte ich meiner Familie hinterlassen, damit sie immer an mich denken? Und was könnte ich mitnehmen als Erinnerung an meine Lieben?»
Es war Abend geworden, und alle sassen am Tisch. Jeder wusste, dass dies das letzte Mal war, dass sie zusammen assen. Still war es. Nur die kleine Lucia fragte: „Papa, wenn du morgen wegfährst, schlafe ich noch?“ „Ja, denn ich werde sehr früh abreisen. Ich brauche zwei Tage, um in den Norden zu kommen. Aber ich werde bald eine Arbeit finden und eine Wohnung und dann komme ich euch holen. Ich weiss nicht, wie lange es dauern wird. Doch, ich will von euch ein Andenken mitnehmen. Es soll mich daran erinnern, dass ich euch liebhabe. Es soll euch daran erinnern, dass ihr mich liebhabt. Ich habe nichts, was ich euch schenken kann. Trotzdem gibt es etwas. Wenn ihr zusammen seid und an diesem Tisch euer Brot esst, dann denkt an mich. Und wenn ich in der Stadt Brot esse, dann denke ich an euch. Wollen wir das machen?“ „Abgemacht!“, riefen die Kinder, und obwohl es lange gehen wird, bis sie den Vater wiedersehen, waren sie nicht mehr so traurig. Denn sie wussten: Jedes Mal, wenn sie mit der Mutter am Tisch Brot essen, denken sie an den Vater und er an sie.
Seit diesem Tag hat das Brot den Kindern und der Mutter zu Hause und dem Vater in der Ferne anders geschmeckt.

