
Art Basel in der Kirche
Wer an die Art Basel denkt, hat Bilder von Galerien, Ausstellungsräumen und Freiluftinstallationen im Kopf. Doch auch eine Kirche aus unserem Gebiet wurde zum Ort, an dem Menschen Kunst betrachteten.
Während der Art Basel wuseln rund um die Messe eine Menge Kunstinteressierte über das Gelände. Aber auch an anderen Orten der Stadt werden Projekte von Künstlerinnen und Künstlern ausgestellt. Nur ein paar Strassen von der Messe entfernt, in der Clarakirche zum Beispiel.
Dieses Jahr arbeiten die Pfarrei und die Art Basel bereits zum dritten Mal während der Art Basel zusammen.
Aber wie genau wird entschieden, welche Werke ausgestellt werden?
Ariane Beringer, die in der Pfarrei für Verwaltung und Kommunikation zuständig ist, erklärt uns: «Wir bekommen zwei bis drei Künstler von der Art Basel für eine Ausstellung vorgeschlagen. Dabei kam es auch schon vor, dass wir etwas abgelehnt haben. Die endgültige Entscheidung trifft dann die Art Basel.» Sie erzählt weiter, dass bei der Auswahl der Kunstschaffenden und ihren Werken seitens der Art Basel darauf geachtet wird, dass sie thematisch in die Kirche als Ausstellungsort passen.
Beringer sieht in der Ausstellung das Potenzial für einen bereichernden Dialog zwischen dem spirituellen Raum «Kirche» und der Kunst. Die Künstlerinnen und Künstler entwickeln ihr Kunstwerk im Rahmen der Art Basel speziell für die Clarakirche. Die diesjährige Künstlerin Pélagie Gbaguidi beispielweise hat ihre Werke in den Farben der Kirche gehalten und im Stil an ein Mosaik im Kirchenraum angepasst.
Während der Ausstellungszeit treffen in der Kirche Menschen mit verschiedensten Interessen aufeinander, berichtet Beringer. Solche, die die Kirche regelmässig für Kontemplation aufsuchen, treffen auf Menschen, die allein für die Kunst da sind und nicht immer damit vertraut sind, wie man sich in einem Kirchenraum korrekt verhält. «Das ist nicht immer einfach aber es führt – so unsere Hoffnung – zu einer gegenseitigen Befruchtung», meint Beringer. Während der Ausstellung gibt es eine Betreuung durch die Art Basel. Nur dadurch gelinge diese Kooperation.

© Leonie Wollensack
Was wurde in der St. Clarakirche ausgestellt?
Dieses Jahr war das Werk «Fragmentation» der Künstlerin Pélagie Gbaguidi in der Clarakirche zu sehen. Es bestand aus sechzehn Mehlsäcken, die unregelmässig an der Wand aufgehängt wurden. Die Künstlerin hat sie bemalt, mit Darstellungen von Gesichtern, Gliedmassen, Bäumen, Wurzeln und Smartphones. Körper und Beine breiten sich über die Säcke aus, verschmelzen mit anderen Objekten und abstrakten Formen. Die Motive stehen für grundlegende menschliche Bedürfnisse, aber wollen auch auf gesellschaftliche Missstände wie Hunger hinweisen.
Die Mehlsäcke hat die im Senegal geborene und in Brüssel lebende Gbaguidi bei ihrer Stammbäckerei in Brüssel gesammelt. Wie eine «Griot», eine Erzählerin und mündliche Vermittlerin der westafrikanischen Kulturen, nutzt sie die Säcke, um die Gegenwart mit individueller und kollektiver Erinnerung zu verbinden. Wo die «Griots» mit Worten erzählen, tut Gbaguidi dies mit den Bildern auf den Säcken. Mit ihrem Werk arbeitet sie die traumatischen Folgen des Kolonialismus und seine bis heute spürbaren Auswirkungen auf. Das Projekt beschäftigt sich mit den Brüchen und Spannungen zwischen verschiedenen Lebensrealitäten, Glaubensvorstellungen und Weltbildern, die unsere heutige Welt prägen. Die Symbole auf den Säcken helfen, sie zu entwirren, zu bearbeiten und zu verstehen und sollen zur Diskussion und zum Handeln anregen.
Mit der «Fragmentation» reagiert Gbaguidi auf ein historisches Werk, den Apokalypse-Teppich aus dem Frankreich des 14. Jahrhunderts. Er stellt die Geschichte der Apokalypse aus der Offenbarung des Johannes dar. Mit ihrer Neuinterpretation löst die Künstlerin die Erzählung von den biblischen Ursprüngen und gibt ihm eine düstere Sichtweise auf die postkoloniale Welt. Sie möchte mit ihrem Werk übersehene Geschichte sichtbar machen.