Ansprechen
Sabrina Corvini-Mohn, Präsidentin Caritas beider Basel
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Ansprechen

«Über Geld spricht man nicht.» So mah­nt eine ungeschriebene Regel. Doch Schweigen schützt nicht, es belastet. Vor allem jene, die ohne­hin schon kämpfen.

Auch in unser­er Region ger­at­en Men­schen durch Krankheit, Tren­nung, Job­ver­lust oder andere Schick­salss­chläge in finanzielle Not. Rech­nun­gen, die zum All­t­ag gehören, wer­den schnell zur stillen Bedro­hung: die Zah­narztrech­nung nach ein­er notwendi­gen Behand­lung; die Nebenkosten­abrechnung, die Monate später ins Haus flat­tert; der Lap­top für die Aus­bil­dung der Kinder. Schulden sind sel­ten das Resul­tat von Leichtsinn, oft entste­hen sie schle­ichend aus Sit­u­a­tio­nen, die man sich nicht aus­ge­sucht hat.

Trotz­dem liegt über diesen Erfahrun­gen ein hart­näck­iges Schweigen. Scham und die Angst, bew­ertet zu wer­den, sind gross. Wer gibt schon gern zu, dass Arzt- oder Nebenkosten kaum mehr zu bewälti­gen sind? Prob­leme, über die nicht gesprochen wird, lösen sich nicht. Sie wach­sen. Rech­nun­gen stapeln sich, Nächte bleiben schlaf­los, der Blick verengt sich.

Wer nicht über finanzielle Sor­gen spricht, bleibt allein. Hil­fe­holen ist deshalb zen­tral. Eine nieder­schwellige Beratung begin­nt mit Zuhören, ohne zu urteilen. Wer die Prob­leme anspricht, öffnet eine Tür.

So wird eine Ent­las­tung erst möglich. Es entste­hen neue Per­spek­tiv­en und Hand­lungsspiel­räume kehren zurück. Sich berat­en lassen ist kein ­Zeichen von Schwäche. Es ist der erste Schritt zurück in die Hand­lungs­fähigkeit. Die regionale Car­i­tas-Organ­i­sa­tion unter­stützt dabei.

Sabrina Corvini-Mohn
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