Kirche, die für alle ein Safe Space ist

Kirche, die für alle ein Safe Space ist

  • Am ver­gan­genen Fre­itag, 20. Okto­ber, haben rund 40 Per­so­n­en am Aar­gauer FrauenKirchen­Fest in Rhe­in­felden teilgenom­men.
  • Men­tari Bau­mann von der Allianz Gle­ich­würdig Katholisch und die the­ol­o­gis­che Fach­per­son Elisha Schnei­der aus Basel hiel­ten die Tis­chre­den.
  • Auch die Zukun­ft des FrauenKirchen­Fests war ein The­ma.

«Frau sein macht mich stark», ste­ht auf einem der bun­ten Post-it-Zetteln, die an Stell­wän­den im Pfar­reizen­trum der katholis­chen Kirche Rhe­in­felden kleben. Unter dem Titel «Frau-Men­sch-ich» haben die Teil­nehmenden dazu ihre Gedanken auf Papi­er gebracht. «Wir beschäftigen uns heute damit, wer wir sind, wie wir gewor­den sind und immer noch wer­den», sagt Susanne Andrea Birke, Seel­sorg­erin im Tabu­bere­ich im Pas­toral­raum Basel Stadt.

Immer beides, nie gleichzeitig

Wichtiges Ele­ment des FrauenKirchen­Fests sind die Tis­chre­den. Men­tari Bau­mann, Geschäftsführerin der Allianz Gleichwürdig Katholisch, tritt als erste Red­ner­in an. Gut vierzig Frauen hören ihr geban­nt zu. Zum The­ma «Frau-Men­sch-ich» weiss sie Span­nen­des zu erzählen. Sie sei vieles: Indone­sierin und Schweiz­erin. Les­bisch und ver­heiratet. Aber der Rei­he nach: Aufgewach­sen ist Men­tari Bau­mann in Wilerolti­gen im Kan­ton Bern. Ihr zweites Zuhause ist Den­pasar. In der Haupt­stadt von Bali hat ihr Vater ihre Mut­ter ken­nen gel­ernt. Den­pasar sei ihr Zuhause aber: «Wir sind keine Bali­nesin­nen, schon rein äusser­lich nicht. Wir sind aus Flo­res.»

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Über sich sagt Men­tari Bau­mann: «Ich war immer bei­des, aber nie gle­ichzeit­ig.» In der Kirche aber sei das anders. «Katholisch bin ich immer, egal wo ich bin. Wie fest ich heute mit der klas­sis­chen katholis­chen Liturgie auch hadere, es ist immer gle­ich.» Bis sie sich in eine Frau ver­liebt habe. «Dann habe ich gemerkt, dass Sicher­heit und Gebor­gen­heit der Kirche an Bedin­gun­gen geknüpft sind.» Dabei habe die Kirche das Poten­zial, ein sicher­er Safe Space für Men­schen zu sein. Egal, wie sie seien, betont Men­tari Bau­mann.

Leben im Dazwischen

Als zweites ergreift Elisha Schnei­der das Wort. Die the­ol­o­gis­che Fach­per­son beze­ich­net sich als nicht-binäre Transper­son. Ein Teil von ihr habe immer das Gefühl gehabt, dass sie nicht weib­lich sei. «Mit 60 habe ich erfahren, dass ich non-binär bin», erzählt Elisha Schnei­der. «Frau sein müssen», sagt Elisha Schnei­der weit­er, «emp­fand ich als Zwangszuge­hörigkeit, der ich nicht ent­fliehen kon­nte. Es war für mich eine grosse Befreiung, dass es Men­schen gibt, die zwis­chen den Geschlechtern leben.»

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Nicht über­all gebe es eine Ein­teilung in zwei Geschlechter. Als Beispiel nen­nt Elisha Schnei­der Amer­i­can Natives, unter denen Men­schen leben, welche die Geschlechter in sich vere­inen. «Solchen Men­schen wird dort eine hohe spir­ituelle Kom­pe­tenz zugeschrieben.» Elisha Schnei­der betont: «Ein Dazwis­chen muss möglich sein. Son­st geht es auf Kosten von Men­schen wie mir.»

Frauenbewegt-unterwegs

Die römisch-katholis­che Pfar­rei Rhe­in­felden ist Gast­ge­berin des diesjähri­gen FrauenKirchen­Festes. Am Tisch sitzt auch deren Gemein­delei­t­erin Moni­ka Lau­per. Wie alle in diesem Raum, sei sie «Frauen-bewegt» unter­wegs. Moni­ka Lau­per nen­nt als Beispiel die Pro­jek­te «Draussen vor der Kirchen­tür» und «Kirche mit den Frauen.» Sie pil­gerte 2016 mit ein­er Gruppe aus dieser Pfar­rei nach Rom.

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Selb­stver­ständlich sei sie dafür, dass Frauen gle­ich­berechtigt auch am Altar ste­hen kön­nten. Der Priester­beruf müsse aber neu gedacht wer­den. «So wie das Amt heute ist, da hat keine Frau Lust, Pries­terin zu wer­den.»

Eine spezielle Kraft

Die Badener­in San­dra-Anne Göbel­beck­er kommt jedes Jahr ans FrauenKirchen­Fest. Sie begrün­det ihre Teil­nahme so: «Dort, wo sich Frauen tre­f­fen, gibt es eine spezielle Kraft. Ich bin auch hier­hergekom­men für die Frauen, die dieses FrauenKirchen­Fest schon so lange organ­isieren.» Schön find­et sie auch die Möglichkeit, zusam­men zu essen. «Jede Frau ist mit ihrer Eigen­heit willkom­men», sagt San­dra-Anne Göbel­beck­er.

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Auch die Zukun­ft des FrauenKirchen­Festes ist The­ma an diesem Abend. Susanne Birke sagt dazu: «Dieser Anlass kommt aus der Frauenkirche-Bewe­gung. Heute sind die Geschlech­teri­den­ti­fika­tio­nen vielfältiger. Wir müssen uns damit auseinan­der­set­zen, was das für uns bedeutet.» Nicht nur die Geschlechter sind in Bewe­gung ger­at­en, son­dern auch das FrauenKirchen­Fest.

Eva Meienberg
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