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Die meis­ten der geschätzten Leserin­nen und Leser waren natür­lich schon in Sach­seln und Flüeli. Und wenn ich Sie jet­zt in Gedanken noch ein­mal mit diesem Text dahin mit­nehme, fällt Ihnen sich­er auch das eine oder andere wieder ein:

Gehen wir gedanklich zunächst zur Kirche in Sach­seln.  Die heutige Pfar­rkirche ver­dankt ihre Entste­hung der Freude des Obwald­ner Volkes über die Seligsprechung von Brud­er Klaus im Jahre 1649. In dieser Kirche befind­et sich heute auch das Grab des Heili­gen.

Neben dem barock­en Ein­gangsportal befind­en sich zwei grosse Mosaiken. Das eine zeigt Brud­er Klaus bei der Tagsatzung in Stans (wo er tat­säch­lich wahrschein­lich gar nicht kör­per­lich anwe­send war, aber mit seinem Rat). Das zweite Mosaik zeigt seine Vision von der Erschei­n­ung der Gottes­mut­ter.

Bevor wir in die Kirche hineingin­gen, umrun­de­ten wir sie aber erst ein­mal, denn da gibt es auch viel zu ent­deck­en. Hier ste­ht die Skulp­tur von Dorothee und den Kindern. Dorothee stand jahrhun­derte­lang im Schat­ten ihres Mannes. Doch war nicht ger­ade ihr Ja zur Lebensweise ihres Klaus eine Grund­lage für den Segen, der von seinem Leben aus­ging und aus­ge­ht?

Wir ken­nen das grosse und gewiss schmer­zlich errun­gene JA-Wort des Jahres 1467, mit dem sie ihren Mann wegziehen lässt und ihm damit die Brücke baut für einen neuen Lebensweg.

Sie hat aber nicht nur das eine grosse JA gesprochen. Im Laufe ihres Lebens hat sie viele Ja’s gesprochen:

Ja zu seinen Ämtern,

Ja zu seinem Beten und Fas­ten,

Ja zu seinem son­der­baren Gebaren, geprägt von den Visio­nen,

Ja zum Gerede der Leute,

Ja zu seinem Rin­gen um den Willen Gottes,

Ja zu seinem Leben im Ran­ft und

Ja zu einem neuen Miteinan­der: Nach dem Weg­gang hat sie gel­ernt, ihrem Manne neu zu begeg­nen.

Eine grosse Frau, die eben­so heilig genan­nt wer­den kann wie ihr Mann, auch wenn sie noch immer nicht heiligge­sprochen ist. Bei Gott ist sie es mit Gewis­sheit und in den Herzen viel­er Men­schen auch.

Hin­ter der Kirche befind­et sich die Grabkapelle An diesem Ort befand sich zuerst das Grab des Heili­gen, um das dann die Kapelle gebaut wurde. Vom ersten Grab ist noch die Grab­plat­te erhal­ten. Und die vie­len Votivtafeln als Dank zeu­gen von manchen Gebet­ser­hörun­gen.

An der Rück­wand der Kirche ist auch die Beerdi­gungsstätte der Fam­i­lie von Flüe. Vom Wort Felsen (Fluo) leit­en sowohl die Fam­i­lie als auch der Ort Flüeli den Namen her.

Seitlich der Kirche befind­et sich der Stein der Vier Kul­turen. Zur 700-Jahr-Feier der Schweiz im Jahre 1991 wurde er in Auf­trag gegeben, aber wegen Dif­feren­zen nicht aus­geliefert. Er wurde sog­ar gestohlen und im Fluss versenkt. Dann aber tauchte er doch plöt­zlich wieder vor der Kirche auf (es ist wohl nicht bekan­nt, wie genau) – und kann so an das friedliche Zusam­men­leben der vier Sprachkul­turen erin­nern und ermah­nen.

Nun gehen wir in die Kirche hinein. Das Grab des Heili­gen ist unter dem Altar und man kann ihn um seine Für­sprache und vielle­icht auch um manchen Rat anrufen.

Brud­er Klaus hat­te durch seinen klu­gen von Gott erbete­nen Rat der Schweiz den Frieden bewahrt. 1481 gab es vier Stadt- und vier Land­kan­tone mit ständi­gen Auseinan­der­set­zun­gen. Schliesslich stand ein Krieg unmit­tel­bar bevor. Alle Ver­hand­lun­gen scheit­erten. Da ging der Pfar­rer noch ein­mal zu Niko­laus. Wir wis­sen nicht, was er ihm gesagt hat. Als aber am näch­sten Tag die Tagsatzung­sh­er­ren wieder zusam­mengerufen wur­den, kam Friede zus­tande.

Aber es geht nicht um einen faulen Frieden. Niko­laus sagt deut­lich: Friede ist all­we­gen in Gott. Er ist der Urgrund des Friedens, wir aber kön­nen unseren Teil dazu beitra­gen.

1940 nach Beginn des 2. Weltkrieges gin­gen 2’500 Kinder nach Flüeli, um zu beten, dass die Schweiz vom Krieg ver­schont bleibt. Und Niko­laus hat geholfen. 1947 ist Brud­er Klaus heiligge­sprochen wor­den.

Hier in der Kirche Sach­seln befind­et sich auch eines der zwei Gewän­der, die Brud­er Klaus als Ein­siedler trug. Dorothee hat es für ihn gewebt, auch als Zeichen ihres uneingeschränk­ten Ja’s zu sein­er Beru­fung (damit es über die Jahre erhal­ten bleibt, ist es auf ein Trägerge­wand auf­genäht wor­den).

Gehen wir nun nach Flüeli hin­auf:

Als Niko­laus von Flüe 50 Jahre alt war, ver­liess er – nach langem Rin­gen mit Gott und dem erbete­nen Ein­ver­ständ­nis sein­er Frau Dorothee – die Fam­i­lie. Vier Lichter wiesen Niko­laus den Weg in den Ran­ft, wo er schon in sein­er Jugend in ein­er Vision einen Turm hat ste­hen sehen. Der Ort lag noch auf seinem eige­nen Grund und Boden. 1468 baut­en ihm Fre­unde und Nach­barn eine Kapelle und eine Wohnzelle. Die Kapelle wurde 1469 gewei­ht, musste dann 1701 erneuert wer­den wegen des Hang­drucks. Sie entspricht aber nach Form und Mate­r­i­al noch heute weit­ge­hend dem Orig­i­nal.

An die Kapelle angelehnt ist die Zelle, in der Niko­laus gewohnt hat. Eine schmale Bank diente als Bett, ein Stein als Kopfkissen. Er lebte hier als Ein­siedler 20 Jahre lang ohne jede Nahrung mit Aus­nahme der hl. Kom­mu­nion. Das kann man sich nicht selb­st aus­denken oder wün­schen. Gott schenkt diese Gnade.

Beze­ich­nen­der­weise hat die Klause aber zwei Fen­ster. Das eine Fen­ster zeigt in die Kapelle. Mit Blick auf den Altar und in der Mit­feier der hl. Messe hat Niko­laus im Gebet die Weisun­gen Gottes emp­fan­gen. Das andere Fen­ster geht zu den Men­schen und viele kamen, um Rat bei Brud­er Klaus zu bekom­men – damals und heute. Niko­laus gibt das von Gott Emp­fan­gene weit­er. Bei­des gehört immer zusam­men: Auf Gott und auf den Näch­sten zu schauen!

Flüeli-Ran­ft ist eher ein stiller Wall­fahrt­sort. Keine riesi­gen Buskolon­nen, keine grossen Pil­gerkathe­dralen, keine Strassen­stände wie ander­swo. Aber das macht den Ort auch so dicht: Hier kann man Ruhe find­en und spürt die Kraft des Gebetes …

In Flüeli gehört es sich­er für jeden dazu, das Wohn­haus von Brud­er Klaus zu besichti­gen. Hier hat er mit Dorothee und den zehn Kindern gewohnt. Niko­laus war Bauer, Richter und Rat­sherr. Er war nicht arm und die Fam­i­lie hat­te auch bei seinem Weg­gang ihr Auskom­men. Einige der Kinder waren zu diesem Zeit­punkt auch schon erwach­sen und küm­merten sich um das Anwe­sen.

Man kann sich bei der Besich­ti­gung aber ein biss­chen in die Zeit zurück­ver­set­zen, wie man damals gelebt und auch beispiel­sweise gekocht hat. Und hier ste­ht die Wiege, wo der Jüng­ste, Klein-Kläusi, noch lag, als Niko­laus in den Ran­ft ging. Er ist übri­gens später Priester gewor­den. In der Wohn­stube betete Niko­laus nächte­lang um Klarheit für seinen Weg. Zunächst dachte er, er müsse in den Elsass gehen. Aber auf dem Weg – bei Liestal – wurde ihm klar, das ist nicht sein Weg und er kehrte um. Gott zeigte ihm den Ran­ft.

Der Ort Flüeli beste­ht aus ein­er Hochebene mit einem Felsen in der Mitte. Darauf wurde 1618 eine Kapelle gebaut, die dem hl. Karl Bor­romäus gewid­met ist und weit sicht­bar ist. Auch sie ist im Innern schön aus­gestal­tet. Auf dem Altar­tisch sieht man das Bild, das Niko­laus als «sein Buch» beze­ich­nete: Das Rad, dessen Mitte, die Nabe, die uner­gründliche Got­theit mit allen Heili­gen im Him­mel beze­ich­net. Von dieser Mitte geht der dreifaltige Gott (drei Spe­ichen, die nach aussen bre­it­er wer­den) aus und umgreift Him­mel und Erde, Dinge und Men­schen. Und wie sie vom inner­sten Geheim­nis aus­ge­hen, kehren sie wieder dor­thin zurück – in die unteil­bare Macht.

Nach dieser Beschrei­bung vom Brud­er Klaus ent­stand dann das bekan­nte far­bige Med­i­ta­tions­bild: mit den Sym­bol­en der vier Evan­ge­lis­ten an den Eck­en, Medail­lons mit Szenen aus dem Leben Jesu – aber gle­ichzeit­ig in jedem Medail­lon auch ein Sym­bol der sieben Werke der Barmherzigkeit: Hun­grige speisen, Durstige tränken, Gefan­gene befreien, Nack­te bek­lei­den, Tote begraben, Kranke besuchen, Fremde beherber­gen. – Wieder Gott und Men­sch im Blick!

Weit hin über den Ran­ft sieht man den Kirch­turm von St. Niklausen. Es ist wun­der­schön­er Ort. Die Kirche ist dem hl. Niko­laus von Myra, den bekan­nten Heili­gen vom 6. Dezem­ber, gewei­ht. Die Eltern von Brud­er Klaus hat­ten diesen Turm von ihrem Wohnort (das Eltern­haus ist auch noch in Flüeli zu besichti­gen) vor Augen und benan­nten deshalb ihren Sohn nach diesem Heili­gen. Aber in der Decke sind ganz viele Heilige dargestellt. Es lohnt sich, hier auch mal nach dem eige­nen Namenspa­tron zu suchen.

Heilige sind Weg­weis­er auf Gott hin. Wir dür­fen sie nicht «nachäf­fen», denn jed­er und jede hat die eigene spez­i­fis­che Beru­fung. Aber wir kön­nen ihrer Weg­weisung fol­gen und wir dür­fen selb­st auch Weg­weis­er für andere sein, wie es Brud­er Klaus und Dorothee es uns vorgemacht haben.

Das Ziel ist Jesus Chris­tus selb­st, aber er ist auch selb­st der Weg, den wir gemein­sam gehen dür­fen. Wie schön! Cor­du­la Napier­aj

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