Girls and Gods
Die Theologinnen sind die Autorinnen von «Eine Frauenbibel».
© vincafilm.ch

Girls and Gods

Gehen Fem­i­nis­mus und Reli­gion zusam­men? Nicht für Inna Shevchenko. Die Aktivistin gehört den Femen an, ein­er radikalfem­i­nis­tis­chen Bewe­gung, die gegen Pros­ti­tu­tion, Homo­pho­bie, den Krieg in Rus­s­land und religiösen Fun­da­men­tal­is­mus kämpft. Berühmt gewor­den sind die Femen, weil sie mit ent­blössten Brüsten demon­stri­eren und mit schwarz­er Farbe Slo­gans auf ihren Oberkör­p­er schreiben. In «Girls and Gods» jedoch lässt Inna Shevchenko solche Pro­voka­tion bleiben, set­zt stattdessen auf Dia­log und rollt die Frage nochmals auf. Dafür trifft sie Frauen ver­schieden­er Reli­gion­szuge­hörigkeit aus zahlre­ichen Län­dern.

Bei der Selb­sthil­fe­gruppe «Coun­cil of Ex-Mus­lims» erzählt Nuria aus Dubai, wie sie jahre­lang auf die Ein­willi­gung zur Schei­dung ihres Mannes warten musste. Ihr Schei­dungswun­sch spielte schlicht keine Rolle vor dem religiösen Gesetz, auch wenn ihr Mann sie schlecht behan­delt hat­te.


Inna Shevchenko trifft römisch-katholis­che Pries­terin­nen in Linz an der Donau. Film­bild aus «Girls and Gods» © vincafilm.ch

In Linz trifft Inna Shevchenko katholis­che Pries­terin­nen und fragt die amerikanis­che Pas­torin Shan­non Ster­ringer: «Wie kommt es, dass du deine Reli­gion nicht ver­loren hast?» «Ich trenne meinen Glauben von der Insti­tu­tion», antwortet diese. Die öster­re­ichis­che Bis­chöfin, Chris­tine Mayr-Lumet­zberg­er sagt: «Man darf nicht um Erlaub­nis fra­gen, um eine bessere Welt zu schaf­fen.»

Nicht alle Frauen, die Shevchenko trifft, wen­den sich von der Reli­gion ab oder foutieren sich um deren Regeln. Fri­da Vizel, aufgewach­sen in ein­er chas­sidis­chen Gemeinde in Williams­burg, New York hat diese mit 25 Jahren mit ihrem kleinen Sohn ver­lassen. Sie will die religiösen Regeln dieser Gemein­schaft nicht bew­erten und kom­men­tiert die arrang­ierten ultra­ortho­dox­en Ehen so: «Eine Wahl zu haben, ist ein sehr weltlich­es Konzept.»

In Wash­ing­ton D.C. trifft Shevchenko Fem­i­nistin­nen, die sich gegen Abtrei­bung engagieren. «Catholics for Choice» nen­nt sich die Gruppe und argu­men­tiert damit, dass die Hälfte der abgetriebe­nen Föten schliesslich weib­lich sei.

Immer wieder kon­fron­tiert Shevchenko ihre Gesprächspart­ner­in­nen mit Stellen aus der Bibel oder dem Koran, die frauen­feindlich­er nicht sein kön­nten. Diese rel­a­tivieren den Inhalt und kon­tern mit Textstellen, die von starken Frauen erzählen, an denen sie sich ori­en­tieren. «Ist Geschlechterg­erechtigkeit wirk­lich nur eine Frage der Inter­pre­ta­tion der Texte?», fragt Inna Shevchenko die Autorin­nen der Frauen­bibel.

Der Doku­men­tarfilm wirft span­nende Fra­gen auf und über­rascht mit einem riesi­gen Fäch­er an Antworten. Viele bleibt er zum Glück auch schuldig und über­lässt es dem Pub­likum, darüber zu entschei­den, ob sich ihre Reli­gion mit ihrem Fem­i­nis­mus verträgt.

«Girls and Gods»; Österreich/Schweiz, 2025; Regie: Arash T. Riahi/Verena Soltiz; Beset­zung: Inna Shevchenko; Kinos­tart: 11. Juni

Eva Meienberg
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