«Wir wollen klären, woran wir als Kirche festhalten»
Anita Berger, Kirchenrätin und Co-Leiterin des Projekts «Fir für die Zukunft»
Bild: © Römisch-Katholische Kirche im Kanton Aargau

«Wir wollen klären, woran wir als Kirche festhalten»

Kirchenrätin Anita Berger leitet das Projekt «Fit für die Zukunft» der Römisch-Katholischen Kirche im Kanton Aargau

Welches ist der Kernauftrag der Kirche? Und wie kann sie diesen auch in zwanzig Jahren noch erfüllen? Das Visions- und Strategieprojekt soll den Weg dorthin aufzeigen.

Was ist der Kern des Pro­jek­ts «Fit für die Zukun­ft»?
Ani­ta Berg­er: Wir wollen wis­sen, was wir ändern müssen, damit die Kirchge­mein­den auch in 20 Jahren ihren Auf­trag erfüllen kön­nen.

Warum haben Sie einen Zeitraum von 20 Jahren gewählt?
Wir ori­en­tieren uns am Zeitrah­men der Studie von Ecoplan zur Zukun­ft der Kirchen­fi­nanzen aus dem Jahr 2022. Sie geht davon aus, dass die römisch-katholis­che Kirche im Jahr 2045 ein Drit­tel weniger Mit­glieder haben wer­den. Ob die Mit­tel im gle­ichen Umfang schwinden, ist unklar. Unbe­strit­ten ist aber, dass die finanziellen Mit­tel und die per­son­ellen Ressourcen zurück­ge­hen und dass diese Entwick­lung nicht rück­gängig zu machen ist.

Den­noch kön­nen wir nie wis­sen, was uns die Zukun­ft alles beschert. Wie gehen Sie mit dieser Unsicher­heit um?
Indem wir agile Struk­turen entwer­fen wollen, die sich rasch anpassen lassen. Etwa so wie Hil­f­swerke dies tun, um schnell auf eine human­itäre Krise reagieren zu kön­nen. Ausser­dem wollen wir, dass das kirch­liche Per­son­al sein Knowhow in ver­schiede­nen Bere­ichen ein­brin­gen kann. Das Stich­wort heisst: Syn­ergien. Und die Akteurin­nen und Akteure in der Kirche sollen gut ver­net­zt sein.

Apro­pos Syn­ergien: welche Rolle spielt die Ökumene in diesem Zukun­ft­spro­jekt?
Gewisse Ange­bote wer­den bere­its heute öku­menisch ange­boten, etwa die Spi­talseel­sorge oder die Kat­e­ch­ese-Aus­bil­dung. In Zukun­ft wer­den es eher mehr Ange­bote sein. Wir lassen uns auch von Ideen etwa der reformierten Kirche inspiri­eren. Diese haben beispiel­sweise eine Immo­bilien­s­tiftung gegrün­det, um wertvolle Gebäude erhal­ten zu kön­nen.

Sie haben acht The­men­felder für die Strate­gie definiert. Sind alle gle­ich wichtig?
Genau das wollen wir her­aus­find­en mit der Online-Umfrage. Zusät­zlich haben wir auch Rück­mel­dun­gen abge­holt an den Kirchenpflege­ta­gun­gen, an der Kon­ferenz der Leitungsper­so­n­en der Pas­toral­räume und bei den Syn­odalen. Die Rück­mel­dun­gen zeigen uns, was den Men­schen am meis­ten am Herzen liegt. Darauf wollen wir einge­hen.

An wen richtet sich die Online-Umfrage?
An kirch­lich inter­essierte Men­schen, die sich auch Gedanken zu Struk­turen machen wollen.

Wann wer­den die Men­schen in den Gemein­den etwas vom Pro­jekt «Fit für die Zukun­ft» merken?
Bis Ende März dieses Jahres läuft die Umfrage, dann werten wir diese aus und for­mulieren die Vision, die wir der Syn­ode im Novem­ber vor­legen. Bis im Som­mer 2027 wer­den wir unsere Strate­gie for­muliert haben und erste Mass­nah­men umset­zen kön­nen.

Bedeuten diese Mass­nah­men vor allem sparen?
Im ver­gan­genen Jahr wurde bekan­nt, dass die Lan­deskirche eine Mil­lion sparen muss. Erste Kürzun­gen wur­den gemacht und betrafen etwa die Darge­botene Hand oder die Car­i­tas Aar­gau. Das kam bei vie­len nicht gut an, weil sie genau dieses Engage­ment der Kirche beson­ders schätzen. Unser Vision­sprozess will klären helfen, woran wir als Kirche fes­thal­ten wollen, wo wir loslassen und was wir anders organ­isieren müssen, damit nicht auf die Schnelle solche Entschei­de getrof­fen wer­den müssen.

«Fit für die Zukun­ft»

Wie kann die Römisch-Katholis­che Kirche im Aar­gau ihre Rolle, Leis­tun­gen und Struk­turen so anpassen, dass sie auch 2045 das kirch­liche Leben und kirch­lich­es Engage­ment über den ganzen Kan­ton fördern und unter­stützen kann?

Mit dem Pro­jekt «Fit für die Zukun­ft» will die Lan­deskirche diese Frage beant­worten und Weichen für die kom­menden Jahrzehnte stellen. Unter der Leitung von Kirchen­rätin Ani­ta Berg­er wer­den in einem zwei­jähri­gen Prozess bis Ende 2027 die Strate­gie, Leis­tun­gen und Struk­turen basierend auf der Vision 2045 definiert, damit die Lan­deskirche auch im Jahr 2045 wirk­sam und glaub­würdig tätig sein kann.

Im Rah­men des ersten Schrittes zur Entwick­lung ein­er Strate­gie für die Römisch-katholis­chen Lan­deskirche im Aar­gau soll eine Vision 2045 entwick­elt wer­den. Diese dient als Ziel­bild und Leit­stern. Gestal­ten Sie die Vision mit, indem Sie an der Umfrage teilmehmen.

Wunschkirche - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz 1
© Römisch-Katholis­che Kirche im Kan­ton Aar­gau
Eva Meienberg
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