Stand der Präventionsarbeit in der RKK BS
Es geht für die Kirche in Basel bei den Massnahmen darum, «die systemischen Ursachen zu verhindern, die dazu geführt haben, dass sich Missbrauch wie eine Kettenreaktion durch Jahrzehnte fortsetzen konnte.» (Quelle: RKK BS)
Bild: © Oleksandr Pidvalnyi auf Pixabay

Stand der Präventionsarbeit in der RKK BS

Die Römisch-Katholische Kirche Basel-Stadt präsentiert ihre Präventionsmassnahmen gegen Missbrauch, die sie seit der Vorstudie von 2023 erarbeitet hat.

2023 wurde die Vorstudie zum sex­uellen Miss­brauch im Umfeld der katholis­chen Kirche in der Schweiz veröf­fentlicht. Das Bis­tum Basel entwick­elte daraufhin ein Schutzkonzept. Die Römisch-Katholis­che Kirche Basel-Stadt (RKK BS) nahm dieses zur Grund­lage und hat im sel­ben Jahr ver­schiedene Präven­tion­s­mass­nah­men erar­beit­et, um Miss­brauch zukün­ftig zu ver­hin­dern. Am 10. Feb­ru­ar lud sie zur Medi­enkon­ferenz, um über den aktuellen Stand der Präven­tion­sar­beit im Pas­toral­raum zu informieren. Der Kirchen­rat­spräsi­dent Chris­t­ian Griss, die Co-Lei­t­erin des Pas­toral­raums Sarah Biot­ti, die Präven­tions­beauf­trage Anouk Bat­te­feld und die Kom­mu­nika­tionsver­ant­wortliche Anne Burgmer berichteten über den Stand der Präven­tion­sar­beit­en in ihren jew­eili­gen Ver­ant­wor­tungs­bere­ichen.

Als Arbeit­ge­berin set­ze die RKK BS beste­hende Weisun­gen kon­se­quent durch und über­prüfe regelmäs­sig deren Ein­hal­tung, so Chris­t­ian Griss. Ein beson­deres Augen­merk liege dabei auf den Anstel­lungsver­fahren. 2025 hat die römisch-katholis­che Kirche psy­chol­o­gis­che Eig­nung­stests für ange­hende Seel­sor­gende einge­führt. Prob­lema­tisch bleibe jedoch, dass das Bis­tum eigen­ständig über den Umgang mit den Ergeb­nis­sen entschei­det. Als Anstel­lungs­be­hörde sei man auf voll­ständi­ge Trans­parenz des Bis­tums angewiesen. Die Hal­tung sei klar: Im Zweifels­fall erfolge eine Absage, wenn die nötige Trans­parenz fehle.

Sarah Biot­ti ist es ein Anliegen, dass der Pas­toral­raum mit seinen Pflegezen­tren, Pfar­reien oder Anlässen für Kinder und Jugendliche, ein sicher­er Ort für alle ist. Man pflege daher eine Kul­tur der Besprech­barkeit: ein Kli­ma, in dem Schwieriges ange­sprochen, auf kri­tis­che Sit­u­a­tio­nen aufmerk­sam gemacht und Feed­back gegeben wer­den kann. Macht­struk­turen sollen hin­ter­fragt, Beziehun­gen auf Augen­höhe angestrebt wer­den.

Das The­ma «Nähe und Dis­tanz» ste­he kon­tinuier­lich auf der Tage­sor­d­nung – in Leitungssitzun­gen, als fix­er Punkt in jährlichen Mitar­beit­erge­sprächen und auch in Vorstel­lungs­ge­sprächen. «Es fühlt sich an, als würde es sich immer mehr in unsere DNA ein­prä­gen, über Schutzkonzepte zu sprechen», so Biot­ti.

Die Präven­tions­beauf­tragte Anouk Bat­te­feld hat ein Einord­nungsraster für Gren­zver­let­zun­gen erar­beit­et, mit dem die RKK BS arbeit­et. Es unter­schei­det drei Stufen: nor­males All­t­agsver­hal­ten, bei dem Risiken gem­anagt wer­den müssen, leichte Gren­zver­let­zun­gen mit nicht akzept­ablem Fehlver­hal­ten und schliesslich straf­bares Ver­hal­ten mit mas­siv­en Gren­zver­let­zun­gen und strafrechtlichen Kon­se­quen­zen. Der Kern der Mass­nah­men sind ver­schiedene Weit­er­bil­dungskurse, um Mitar­bei­t­ende und Frei­willige zu sen­si­bil­isieren. Neue Mitar­bei­t­ende absolvieren einen verpflich­t­en­den Ein­führungskurs, der gemein­sam mit der Opfer­hil­fe ange­boten wird, für Mitar­bei­t­ende und Frei­willige gibt es Sen­si­bil­isierungskurse. Ger­ade in Machtver­hält­nis­sen brauche es klare Regeln und frühe Inter­ven­tion, betont Bat­te­feld. Das Mot­to: Risiken erken­nen, Struk­turen klären und Ver­ant­wor­tung verbindlich regeln – ver­bun­den mit Feed­back­kul­tur und Eigen­re­flex­ion.

Bere­its beim nor­malen All­t­agsver­hal­ten anzuset­zen sei wichtig, betonte Anne Burgmer. Kleine Dinge schon im All­t­agsver­hal­ten zu ändern, habe sys­temis­che Auswirkun­gen und das könne dazu beitra­gen, dass Dinge besprech­bar wür­den und so Nähe-Dis­tanz-Ver­let­zun­gen ver­hin­dert wer­den kön­nten – und damit let­ztlich hof­fentlich Miss­brauch. Der RKK BS sei es ein Anliegen, trans­par­ent und kon­struk­tiv zum The­ma zu kom­mu­nizieren.

Leonie Wollensack
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