
Bild: ©Fastenaktion/HEKS
Zukunft säen
Die Zahl der Menschen, die von Hunger oder Mangelernährung betroffen sind, steigt weiter. Für die Ernährung im Globalen Süden spielt Saatgutvielfalt eine zentrale Rolle.
Artenreiches, lokal angepasstes Saatgut hilft, die Folgen des Klimawandels zu bewältigen und eröffnet Zukunftsperspektiven. Die Ökumenische Kampagne 2026 von HEKS und Fastenaktion setzt sich deshalb für das Recht von Bäuerinnen und Bauern ein, Saatgut frei zu teilen, weiterzuentwickeln und zu verkaufen.
Vielfältiges Saatgut bedeutet Ernährungssicherheit – gerecht und krisenfest. Doch ein grosser Teil dieser Vielfalt ist verloren gegangen: Laut der UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) sind in den letzten hundert Jahren über 75 Prozent der Kulturpflanzen verschwunden. Konkret: In Indien gab es in den 1960er-Jahren 110 000 Reissorten, davon sind heute nur noch 6000 übrig. Das ist ein Verlust von 95 Prozent.
Diese Entwicklung ist fatal, denn Saatgutvielfalt ist zentral für eine gesunde und nachhaltige Ernährung. Zudem hat Saatgut für viele Menschen auch eine spirituelle Bedeutung. Es verbindet sie über Generationen hinweg und ist wie die Schöpfung eine Gabe – ein Geschenk für alle Menschen. Diese Grundhaltung versteht Saatgut als Erbe der Vorfahrinnen und Vorfahren. Es soll zum Nutzen aller bewahrt werden.
Fragwürdige Sortenschutzgesetze
Bloss: Weltweit dominieren heute industriell gezüchtete, meist nur einmal keimende Sorten von drei grossen Konzernen den Markt, darunter Syngenta mit Sitz in Basel. Diese grossen Saatgutfirmen sind gleichzeitig auch Pestizidhersteller und verkaufen beides im Paket. Zudem üben sie mit ihrer Marktmacht erheblichen politischen Einfluss aus.
Über Freihandelsabkommen oder direkte politische Einflussnahme drängen Industrieländer wie die Schweiz Regierungen im Globalen Süden dazu, strenge nationale Sortenschutzgesetze zu erlassen – mit verheerenden Folgen für die Saatgutvielfalt und die Menschen. Der Begriff «Sortenschutz» ist in diesem Zusammenhang nämlich irreführend: Dieser dient nicht dem Schutz von Sorten, sondern ist eine Art Patent und hilft Agrarkonzernen wie Syngenta, ihre kommerziellen Sorten und ihren Umsatz abzusichern. Die weltweite Sortenvielfalt hingegen wird dadurch nicht geschützt, sondern gefährdet.
Traditioneller Tausch wird kriminalisiert
Denn diese Sortenschutzgesetze verbieten es den Bäuerinnen und Bauern, Saatgut, das sie aus derart geschützten Sorten gewonnen haben, zu tauschen oder zu verkaufen. Sogar die Selbstverständlichkeit, traditionelles Saatgut aus eigener Ernte für die nächste Aussaat zu verwenden, wird stark eingeschränkt. Der jahrtausendealte Brauch des Tauschens, Weitergebens und Weiterentwickelns von Saatgut in den lokalen Gemeinschaften wird so kriminalisiert.
Doch genau diese bäuerliche Praxis der eigenen Selektion und des Tauschens ist die Grundlage für die ursprüngliche Vielfalt an Kulturpflanzen und Sorten. Und diese Vielfalt ist in vielen Ländern des Globalen Südens das Rückgrat der Ernährungssicherheit: Sie ist die beste Versicherung gegen die Folgen des Klimawandels, Schädlingsbefall und Ernteausfälle. Lokales Saatgut ist an Böden und Wetter angepasst, stärkt die Unabhängigkeit der Gemeinschaften und diversifiziert die Ernährung.
Lokales Saatgut schützen
Die sogenannten Sortenschutzgesetze bedrohen die traditionellen Tauschsysteme. Immer mehr Bäuerinnen und Bauern wehren sich darum gegen den Vormarsch der Saatgutindustrie und ihrer Sortenschutzgesetze. Die Partnerorganisationen von HEKS, Fastenaktion und «Partner sein» unterstützen bäuerliche Gemeinschaften dabei, ihr Saatgut zu schützen und ihre ökologisch nachhaltige Landwirtschaft zu stärken.
In der Schweiz sensibilisiert die Ökumenische Kampagne 2026 Menschen dafür, dass die Kontrolle über das Saatgut in der Hand der Bäuerinnen und Bauern bleiben muss. Dies ist eine zentrale Voraussetzung für das Recht auf Nahrung und eine vielfältige, gesunde und kulturell verankerte Ernährung. Mit ihrer breit abgestützten Expertise sorgen HEKS, Fastenaktion und «Partner sein» zusammen mit ihren Partnerorganisationen dafür, dass die Lösungsansätze für das Recht auf Nahrung langfristig Früchte tragen.
Was kann ich tun?
Wir stehen dem Hunger im Globalen Süden nicht machtlos gegenüber, sondern können aktiv etwas dagegen tun:
- Saisonale, regionale und fair produzierte Lebensmittel konsumieren und so die Macht der Agrarkonzerne eindämmen.
- Lebensmittelverschwendung vermeiden.
- Parteien und politische Kampagnen unterstützen, die sich für ein gerechtes globales Ernährungssystem einsetzen und Agrarkonzerne regulieren.
Über Fastenaktion
Fastenaktion wurde 1961 auf Initiative der katholischen Jugendbewegung gegründet. Das Hilfswerk setzt sich für benachteiligte Menschen im Globalen Süden ein. Dabei stützt es sich auf lokales Wissen. Im Dialog mit den Partnerorganisationen werden Ansätze entwickelt. Im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe begleitet Fastenaktion Menschen und Gemeinschaften dabei, sich zu organisieren, ihre Grundrechte einzufordern und nachhaltig den Hunger zu überwinden. Fastenaktion arbeitet mit Partnerorganisationen in 14 Ländern in Afrika, Asien, Lateinamerika sowie mit Organisationen in der Schweiz zusammen.
Fastenkalender
Die Fastenzeit lädt dazu ein, Gewohnheiten zu hinterfragen. Der Fastenkalender begleitet durch diese Zeit mit Geschichten von Menschen, spirituellen Denkanstössen, praktischen Tipps, Rezepten, Meditationen und Informationen zu Entwicklungsprojekten. Hier finden Sie den Fastenkalender online.