Ein sorgenvolles Jahr geht zu Ende

Ein sorgenvolles Jahr geht zu Ende

  • Lange Wochen ohne Gottes­di­en­ste, Reko­rd­hil­fege­suche bei der Car­i­tas: Die Coro­na-Pan­demie hat das Leben im 2020 gehörig auf den Kopf gestellt. Es war nicht ein­fach, immer hoff­nungsvoll zu bleiben.
  • Auch die Gas­tro­branche hat die san­itäre Krise schw­er getrof­fen, wie Hor­i­zonte schon im Früh­jahr auf Tour mit Wirte­seel­sorg­erin Corinne Dobler erfahren musste. Zwei aktuelle Beispiele zeigen, wie nahe Res­ig­na­tion und Hoff­nung beieinan­der liegen.

«Viele Betriebe werden nicht überleben»

Bruno Lus­ten­berg­er, Präsi­dent von Gas­troAar­gau, schaut sor­gen­voll ins neue Jahr

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Welche Fol­gen dürfte der zweite Beizen­lock­down für die Gas­tro­branche im Aar­gau haben?
Bruno Lus­ten­berg­er
: Viele Betriebe wer­den nicht über­leben , da sie vor dem zweit­en Lock­down bere­its ihre Erspar­nisse aufge­braucht hat­ten.

Wen trifft es vor allem, und wer hat die besten Karten, eine solche Krise zu über­ste­hen?
Es trifft alle, am meis­ten die Betriebe in der Stadt, da diese grosse Mieten haben und keine Miet­zin­sre­duk­tion erhal­ten. Unver­schuldete Betriebe, welche vom Betrieb­sin­hab­er sel­ber geführt wer­den, haben wohl die grössten Chan­cen. Es bleibt die Frage, wann wieder auf Nor­mal­be­trieb umgestellt wer­den kann und ob die Moti­va­tion der Wirte dann auch noch vorhan­den ist, nach­dem man einen Grossteil der Erspar­nisse ver­loren hat.

Viele sprechen davon, dass es nach Über­win­dung der Pan­demie eine neue Nor­mal­ität gibt. Wie wird sich diese für die Wirte präsen­tieren?
Wir wis­sen beispiel­sweise nicht, wie sich die Fir­men und die Indus­trie in Zukun­ft organ­isieren wer­den. Gibt es wieder Sem­i­nare oder bleiben die Videokon­feren­zen? Braucht es den Geschäft­s­touris­mus noch? Fra­gen über Fra­gen, welche erst in ein paar Monat­en beant­wortet wer­den kön­nen.

Mitte Dezem­ber ver­schick­te Andreas Fetsch­er einen Brief an seine Gäste. Der Wirt des Erleb­niswirtshaus­es Rüti­hof, ober­halb von Gränichen, informierte darin über die tem­poräre Schlies­sung seines Betriebs bis März 2021. Er benan­nte gegenüber der Aar­gauer Zeitung klar die schwierige Sit­u­a­tion, in der sich Wirte und Per­son­al befind­en.

Zeigen, dass Bundesmassnahmen Konsequenzen haben

Der Entscheid, den Betrieb tem­porär zu schliessen, hat weit­ere Kon­se­quen­zen: Der Wald­seil­gar­ten wird nicht umge­baut, son­dern defin­i­tiv geschlossen. Von den rund 40 Tieren gehen drei Pferde ins Senioren­heim, eines zurück zum Herkun­ftsstall. Die 32 Mitar­beit­er sind in Kurzarbeit.

Nach dem Schlies­sungsentscheid hätte er viele Reak­tio­nen bekom­men, so Andreas Fetsch­er gegenüber Hor­i­zonte. Die Gäste hät­ten Ver­ständ­nis für den Entscheid bekun­det und auch konkrete Hil­f­sange­bote gemacht, sagt Andreas Fetsch­er. Leute hät­ten ange­boten, Tier­paten­schaften zu übernehmen oder gefragt: «Braucht ihr Geld?» Schulden machen will Andreas Fetsch­er aber auf keinen Fall. Der Entscheid zur Schlies­sung soll auch aufzeigen, dass die vom Bund beschlosse­nen Mass­nah­men ganz konkrete Auswirkun­gen auf die Betriebe haben. «Man liest sel­ten über konkrete Fälle, häu­fig äussern sich die Branchen­ver­bände.»

«Es trifft alle gleichermassen hart»

Schon nach der Wieder­eröff­nung der Beizen nach dem ersten Lock­down hat­ten die Wirte zu kämpfen. Hor­i­zonte hat­te sich damals mit Gas­troseel­sorg­erin Corinne Dobler im Kan­ton umge­se­hen. «Wer schon 20 bis 30 Jahre im Geschäft ist, hat Erfahrung und weiss Krisen zu meis­tern», erk­lärte Corinne Dobler damals. «Aber jene, die noch nicht so lang im Geschäft sind, die trifft es schon hart, denn schon vor der Krise waren 65 Prozent der Aar­gauer Gas­tro­be­triebe nicht rentabel.»

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Mit­tler­weile zeich­net der Aar­gauer Branchen­ver­band­spräsi­dent Bruno Lus­ten­berg­er ein noch düster­eres Bild: «Es trifft alle gle­icher­massen hart», so sein Schluss. Seit Monat­en kämpfen er und sein Ver­band gegen die Krise: «Wir ori­en­tieren unsere Mit­glieder darüber, was zu tun ist. Wir machen das wöchentlich bis täglich mit Newslet­tern. Darin zeigen wir auf, wie unsere Wirte zu Geld kom­men kön­nen.» Aber vielfach kann Geld allein nicht helfen. «Mit Cor­rine Dobler haben wir aber die beste Seel­sorg­erin, welche wir jed­erzeit anrufen kön­nen, wenn wir nicht mehr weit­er­helfen kön­nen», so Bruno Lus­ten­berg­er. «Sie hil­ft dort, wo es nicht mehr um Geld geht, und dafür sind wir und unsere 1’200 Mit­glieder sehr dankbar.»

Aufbruch in der Krise

Es gibt aber auch solche, die ger­ade in der Krise den Auf­bruch wagen. Hor­i­zonte erre­ichte die Küchenchefin der «Burestube» in Buchs kurz vor Wei­h­nacht­en im Restau­rant. «Ich mache den Fin­ish, räume auf und putze, dann heisst es Schlüs­sel drehen», erk­lärt Rita Camen­zind.

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Knapp einen Monat war die «Burestube» nach der Wieder­eröff­nung Ende Novem­ber in Betrieb, bevor der jüng­ste Teil­lock­down das Team aus­brem­ste. Die Küchenchefin ver­hehlt ihre Ent­täuschung nicht: «Wir hat­ten einen guten Start – und jet­zt diese Zwangspause.» Wie viele andere Gas­tronomen ver­ste­he sie nicht, warum auf den Restau­rants herumge­hackt werde. Viele hät­ten einiges Geld in Schutz­mass­nah­men investiert, die gut funk­tion­iert hät­ten. Das Burestube-Team sei aber weit­er­hin pos­i­tiv eingestellt und hoffe, dass der Betrieb am 22. Jan­u­ar weit­erge­hen könne. Bis dahin werde sie im «Kas­tanien­baum», dem zweit­en Restau­rant von Wirt Andy Zaugg, beim Take-away mithelfen: «So fällt mir die Decke nicht ganz auf den Kopf.»

«Es dauert Jahre bis zurück zur Normalität»

Auch Andreas Fetsch­er will im neuen Jahren wieder anpack­en: «Ich arbeite weit­er, zum Beispiel ste­ht der Früh­lingsputz bei den Gästez­im­mern an. Lang­weilig wird mir bes­timmt nicht.»

Auf die Zukun­ft ange­sprochen, äussert sich Branchen­präsi­dent Bruno Lus­ten­berg­er vor­sichtig: «Es wird lei­der noch Jahre dauern, bis unsere Betriebe wieder den Nor­malall­t­ag leben kön­nen.»

Andreas C. Müller
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