Ein Tag voller Lebensfreude
Die Seifenblasenshow war nur eine von vielen Attraktionen für die Ministrantinnen und Ministranten.
Bild: © Mauro Callegari

Ein Tag voller Lebensfreude

5000 Ministrantinnen und Ministranten trafen sich am Minifest in St. Gallen

«Silent Disco», Selfies mit der Schweizergarde und Kerzen­ziehen: Über 5000 glückliche «Minis» erlebten beim Schweizerischen Minifest in St. Gallen einen Tag voller Spass, Abenteuer und Spiritualität.


Nach acht Jahren Pause endlich wieder Minifest! 270 Mini-Scharen aus der ganzen Deutschschweiz pil­gern am Son­ntag­mor­gen auf das Olma-Gelände in St. Gallen.


Viele Fragen an den Bischof

Self­ies machen mit einem Schweiz­er­gardis­ten, ein DJ-Grund­kurs mit jun­gen St.Galler DJs oder in der «Silent Dis­co» tanzen. Über 100 Ate­liers ste­hen den Min­is zur Ver­fü­gung. Schnell wird es laut in den Olma-Hallen, über­all lautes Lachen und strahlende Gesichter, und man fühlt sich wie auf ein­er Chilbi. Mit dabei sind zahlre­iche kirch­liche Insti­tu­tio­nen wie Fas­te­nak­tion, Jubla oder Ordens­ge­mein­schaften. Beson­ders lange Schlangen bilden sich neben action­ge­lade­nen Ange­boten unter anderem auch beim Kerzen­ziehen. Auch Seli­na (10) aus dem Kan­ton Solothurn nimmt mit ein­er Kol­le­gin die Wartezeit in Kauf. «Aber das Anste­hen hat sich gelohnt», sagt sie und zeigt stolz die Kerze, die sie sel­ber hergestellt hat. Draussen vor der Halle sitzt der neue St. Galler Bischof Beat Grögli mit eini­gen Jugendlichen im Kreis. Auch er trägt ein far­biges Minifest-T-Shirt. Die Min­is stellen ihm viele Fra­gen: «Was hat Sie auf die Idee gebracht, Bischof zu wer­den?», «Haben Sie auch min­istri­ert?», «Wie viele Sprachen sprechen Sie?». Der Bischof geht auf alles ein. Beson­ders erstaunt sind die Jugendlichen über eine Antwort: Beat Grögli hat erst im Gym­na­si­um mit Min­istri­eren begonnen.


Neu mit Awareness-Team

Zum ersten Mal beim Minifest ist ein Aware­­ness-Team im Ein­satz. Sie sind erkennbar an ihrer rosa Weste, Hin­weise auf den Info­bild­schir­men machen auf sie aufmerk­sam. «Unsere Haup­tauf­gabe ist, Präsenz zu zeigen und damit ein Bewusst­sein zu schaf­fen», sagt Bar­bara Walser, St. Galler Seel­sorg­erin und eine von fünf Aware­ness-Fach­per­so­n­en. Konkret haben sie heute vor allem mit Auf­gaben zu tun, die sich schnell lösen lassen: Ein Mini hat seine Gruppe ver­loren, ein ander­er braucht ein Pfläster­li und muss zum San­ität­sposten gebracht wer­den.


«Es braucht alle»

Über­raschend gross ist das Inter­esse an der Eucharistiefeier, die in einem Saal im Obergeschoss der Olma-Halle ange­boten wird. Die fünfhun­dert Sitz­plätze sind im Nu belegt, einige Kinder und Jugendliche müssen abgewiesen wer­den – anstatt zweimal wird die Messe spon­tan ein drittes Mal ange­boten. Die Botschaft des Gottes­di­en­stes: Gott hat alle als Orig­i­nal erschaf­fen, das macht die Welt bunt und vielfältig. «Es braucht jeden einzel­nen von uns», sagt der St. Galler Pater Raf­fael Rieger in sein­er Predigt.


Aus Rom angereist

Und wie kommt das Fest bei den Kindern und Jugendlichen an? «Es ist wirk­lich cool, das Essen an den Stän­den ist sehr fein!», schwärmt Celeste (10) aus dem Kan­ton Aar­gau. Car­lo (12) ist von einem Ate­lier beson­ders beein­druckt: «Cool, dass der Schweiz­er­gardist extra aus Rom angereist ist!». Julia (17) aus Basel will an diesem Tag eine Menge «Action» erleben. Jet­zt ste­ht sie aber erst ein­mal bei einem Essens­stand an: «Die Konz­erte waren super. Aber am meis­ten gefällt mir, dass so viele andere Min­is hier sind. Es ist krass, dass in der Schweiz so viele Kinder und Jugendliche min­istri­eren». Und dann bestellt sie eine St. Galler Bratwurst – natür­lich ohne Senf.

Friedliche Stimmung

Das Minifest wird von der Deutschsprachi­gen Arbeitsstelle für Ministrant*innen-Pastoral (DAMP) organ­isiert. Das OK arbeit­ete ehre­namtlich, am Fest sind 230 frei­willige Helfer/innen im Ein­satz. Das Fest ist ein Dankeschön für alle, die das ganze Jahr über min­istri­eren. Murielle Egloff, Präsi­dentin der DAMP: «So viele Men­schen sind auf dem Gelände. Alle gehen respek­tvoll miteinan­der um, anstatt beim Warten zu drän­geln, kommt man miteinan­der ins Gespräch. Die Stim­mung ist total friedlich, das beein­druckt mich. Dieser Tag stiftet Gemein­schaft und schafft bleibende Erin­nerun­gen.» Wann das näch­ste Fest stat­tfind­en wird, ist noch offen. «Aber sich­er ist: Die Min­is müssen nicht mehr acht Jahre auf die näch­ste Aus­gabe warten.»


Stephan Sigg, ​Pfarrei Forum, St. Gallen

In einem Saal im Obergeschoss der Olma-Halle wird die Eucharistiefeier dreimal abge­hal­ten, damit alle inter­essierten Kinder teil­nehmen kön­nen.

Stephan Sigg
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