Die kulturellen und ­spirituellen Wurzeln pflegen
Die tamilische Mission feiert regelmässig Gottesdienste in Mariastein. Seit 15 Jahren ­organisiert sie ausserdem am ersten Samstag im August eine Wallfahrt dorthin. ​Bis zu 8000 Tamilinnen und Tamilen nehmen daran teil.
Bild: © zVg, Kloster Mariastein

Die kulturellen und ­spirituellen Wurzeln pflegen

Zu Besuch in einer Messe der tamilischen Mission in Basel

Die Anderssprachigenmissionen sind Orte des Glaubens und der Hoffnung, ein Zuhause. Gläubige aus der tamilischen Mission in Basel erklären, was ihnen diese Gemeinschaft bedeutet.


Dien­stagabend der Kar­woche, 18.45 Uhr in der Kirche St. Anto­nius in Basel. Die Mit­glieder der tamilis­chen Mis­sion find­en sich nach und nach im Seit­en­schiff des Gotte­shaus­es ein, viele kom­men direkt von der Arbeit hier her, manchen sieht man an, dass sie den Arbeit­stag noch mit sich tra­gen. Leise schlüpfen sie durch die Türe und gesellen sich zu ein­er kleinen Gruppe, die sich bere­its um 18.30 Uhr ver­sam­melt hat, um gemein­sam den Kreuzweg zu beten.

Kurz vor 19 Uhr, das Gebet ist zu Ende, die Men­schen begrüssen sich, unter­hal­ten sich kurz leise, suchen sich einen Platz für die anste­hende Messe. Auch ich halte nach einem Platz Auss­chau und set­ze mich, ger­ade noch rechtzeit­ig, bevor der Priester hereinkommt und die Messe begin­nt. Heute haben sich etwa 30 Gläu­bige ver­sam­melt, die gemein­sam das Einzugslied anstim­men. Ich bin beein­druckt und frage mich kurz, ob ich nicht in einem Konz­ert gelandet bin. Die Gemein­demit­glieder sind alle mit vollem Elan beim Sin­gen dabei. Die Messe find­et auf Tamil statt, und obwohl ich die Sprache nicht ver­ste­he, weiss ich meis­tens, an welch­er Stelle wir uns ger­ade ­befind­en. Ich erkenne an Gesten und Abläufen die Lesun­gen, das Evan­geli­um, das Vaterunser oder den Friedens­gruss.

Während der Predigt, schweifen meine Gedanken ab, und ich reflek­tiere darüber, wie ich die Messe wahrnehme. Ich bemerke: Da ich aus mein­er sub­jek­tiv­en Wahrnehmung nicht her­auskann, komme ich ins Ver­gle­ichen. Wie kenne ich es aus deutschsprachi­gen Messen und dem mit­teleu­ropäis­chen Kul­turkreis? Was ist heute anders? Aber auch: Was ist über­haupt «katholisch»? Wie definiere ich es? Wie definieren es andere? Falsch wäre hier ein Bild zu zeich­nen, «so sehen es die Men­schen in der Schweiz und so in Mis­sion XY.» Auch inner­halb der Sprach- und Kul­tur­grup­pen gibt es unter­schiedliche Auf­fas­sun­gen. Im Kon­takt miteinan­der gemein­sam Katholis­ch­sein gestal­ten: das ist die Her­aus­forderung.  Plöt­zlich reisst mich der Priester aus meinen Gedanken. Während der Predigt wird an eini­gen Stellen mit den Gläu­bi­gen inter­agiert. Auch das ist für mich neu.

Am Ende der Messe bitte ich die Anwe­senden, mir ihre Gedanken und Mei­n­un­gen mitzugeben, denn let­ztlich ist es genau das, was wirk­lich zählt. Was bedeutet den Men­schen ihre Mis­sion? Warum kom­men sie in die Messe? Und was wün­schen sie sich für die Zukun­ft?

Stimmen aus der tamilischen Mission

«Bei Feiern wie Hochzeit­en, Toten­messen etc. ist die tamilis­che Mis­sion ein Ort, an dem wir unsere Kul­tur und unsere Reli­gion vere­inen kön­nen.»​​

«Die tamilis­che Mis­sion ist für mich ein Ort der Gemein­schaft, des Glaubens und der Hoff­nung. Sie gibt mir die Möglichkeit, meine kul­turellen und spir­ituellen Wurzeln zu pfle­gen und gle­ichzeit­ig im Glauben zu wach­sen. Sie bedeutet für mich Zuge­hörigkeit, Unter­stützung und ein Gefühl von Zuhause.»​​

«Ich gehe gerne hier in den Gottes­di­enst, weil ich mich mit den Men­schen ver­bun­den füh­le und die Atmo­sphäre sehr her­zlich ist. Der Gottes­di­enst gibt mir Kraft für die Woche, hil­ft mir zur Ruhe zu kom­men und meinen Glauben im All­t­ag zu leben. Es ist schön, gemein­sam zu beten, zu sin­gen und das Wort Gottes zu hören.»​​

«Für diejeni­gen von uns, die in erster Gen­er­a­tion hier sind, beste­ht noch immer eine Sprach­bar­riere. Die Messen der Mis­sion ermöglichen uns, unseren Glauben trotz­dem zu ver­tiefen. Ausser­dem kön­nen wir unseren Kindern unsere Kul­tur, unsere Sprache und unsere Ausübung der Reli­gion näher bringen.»​​«Wir wohnen in Basel und in der Umge­bung und kom­men für die Messe in der ​Anto­niuskirche zusam­men. Ausser­dem ist der heilige Anto­nius der Schutz­pa­tron ​für die tamilis­che Mis­sion im Kan­ton Basel.»​​

«Für die Zukun­ft wün­sche ich mir, dass die tamilis­che katholis­che Mis­sion weit­er­hin wächst, dass wir noch mehr junge Men­schen erre­ichen und dass wir als Gemein­schaft ­gestärkt wer­den. Ich hoffe, dass unsere Kirche ein Ort bleibt, an dem sich alle ­willkom­men und getra­gen fühlen.»

​​«Für mich als Tamilenseel­sorg­er ist die tamilis­che katholis­che Mis­sion nicht nur ein pas­toraler Auf­trag, son­dern ein Herzen­san­liegen. Sie ist ein Ort, an dem wir unseren Glauben in unser­er Mut­ter­sprache leben, unsere Kul­tur bewahren und gle­ichzeit­ig offen sind für das Leben hier in der Schweiz. Die tamilis­che Mis­sion hil­ft dabei, Brück­en zu bauen zwis­chen Gen­er­a­tio­nen, Kul­turen und Leben­sre­al­itäten. Sie gibt vie­len Men­schen Halt und Hoff­nung. Beson­ders in ein­er Zeit, in der viele unser­er Land­sleute mit Her­aus­forderun­gen wie Migra­tion, Inte­gra­tion oder famil­iären Belas­tun­gen kämpfen, ist die Mis­sion ein wichtiger Anhalt­spunkt.» Pfar­rer A. Judes Muralitha­ran

Leonie Wollensack
mehr zum Autor
nach
soben