
Bild: © zVg, Kloster Mariastein
Die kulturellen und spirituellen Wurzeln pflegen
Zu Besuch in einer Messe der tamilischen Mission in Basel
Die Anderssprachigenmissionen sind Orte des Glaubens und der Hoffnung, ein Zuhause. Gläubige aus der tamilischen Mission in Basel erklären, was ihnen diese Gemeinschaft bedeutet.
Dienstagabend der Karwoche, 18.45 Uhr in der Kirche St. Antonius in Basel. Die Mitglieder der tamilischen Mission finden sich nach und nach im Seitenschiff des Gotteshauses ein, viele kommen direkt von der Arbeit hier her, manchen sieht man an, dass sie den Arbeitstag noch mit sich tragen. Leise schlüpfen sie durch die Türe und gesellen sich zu einer kleinen Gruppe, die sich bereits um 18.30 Uhr versammelt hat, um gemeinsam den Kreuzweg zu beten.
Kurz vor 19 Uhr, das Gebet ist zu Ende, die Menschen begrüssen sich, unterhalten sich kurz leise, suchen sich einen Platz für die anstehende Messe. Auch ich halte nach einem Platz Ausschau und setze mich, gerade noch rechtzeitig, bevor der Priester hereinkommt und die Messe beginnt. Heute haben sich etwa 30 Gläubige versammelt, die gemeinsam das Einzugslied anstimmen. Ich bin beeindruckt und frage mich kurz, ob ich nicht in einem Konzert gelandet bin. Die Gemeindemitglieder sind alle mit vollem Elan beim Singen dabei. Die Messe findet auf Tamil statt, und obwohl ich die Sprache nicht verstehe, weiss ich meistens, an welcher Stelle wir uns gerade befinden. Ich erkenne an Gesten und Abläufen die Lesungen, das Evangelium, das Vaterunser oder den Friedensgruss.
Während der Predigt, schweifen meine Gedanken ab, und ich reflektiere darüber, wie ich die Messe wahrnehme. Ich bemerke: Da ich aus meiner subjektiven Wahrnehmung nicht herauskann, komme ich ins Vergleichen. Wie kenne ich es aus deutschsprachigen Messen und dem mitteleuropäischen Kulturkreis? Was ist heute anders? Aber auch: Was ist überhaupt «katholisch»? Wie definiere ich es? Wie definieren es andere? Falsch wäre hier ein Bild zu zeichnen, «so sehen es die Menschen in der Schweiz und so in Mission XY.» Auch innerhalb der Sprach- und Kulturgruppen gibt es unterschiedliche Auffassungen. Im Kontakt miteinander gemeinsam Katholischsein gestalten: das ist die Herausforderung. Plötzlich reisst mich der Priester aus meinen Gedanken. Während der Predigt wird an einigen Stellen mit den Gläubigen interagiert. Auch das ist für mich neu.
Am Ende der Messe bitte ich die Anwesenden, mir ihre Gedanken und Meinungen mitzugeben, denn letztlich ist es genau das, was wirklich zählt. Was bedeutet den Menschen ihre Mission? Warum kommen sie in die Messe? Und was wünschen sie sich für die Zukunft?
Stimmen aus der tamilischen Mission
«Bei Feiern wie Hochzeiten, Totenmessen etc. ist die tamilische Mission ein Ort, an dem wir unsere Kultur und unsere Religion vereinen können.»
«Die tamilische Mission ist für mich ein Ort der Gemeinschaft, des Glaubens und der Hoffnung. Sie gibt mir die Möglichkeit, meine kulturellen und spirituellen Wurzeln zu pflegen und gleichzeitig im Glauben zu wachsen. Sie bedeutet für mich Zugehörigkeit, Unterstützung und ein Gefühl von Zuhause.»
«Ich gehe gerne hier in den Gottesdienst, weil ich mich mit den Menschen verbunden fühle und die Atmosphäre sehr herzlich ist. Der Gottesdienst gibt mir Kraft für die Woche, hilft mir zur Ruhe zu kommen und meinen Glauben im Alltag zu leben. Es ist schön, gemeinsam zu beten, zu singen und das Wort Gottes zu hören.»
«Für diejenigen von uns, die in erster Generation hier sind, besteht noch immer eine Sprachbarriere. Die Messen der Mission ermöglichen uns, unseren Glauben trotzdem zu vertiefen. Ausserdem können wir unseren Kindern unsere Kultur, unsere Sprache und unsere Ausübung der Religion näher bringen.»«Wir wohnen in Basel und in der Umgebung und kommen für die Messe in der Antoniuskirche zusammen. Ausserdem ist der heilige Antonius der Schutzpatron für die tamilische Mission im Kanton Basel.»
«Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die tamilische katholische Mission weiterhin wächst, dass wir noch mehr junge Menschen erreichen und dass wir als Gemeinschaft gestärkt werden. Ich hoffe, dass unsere Kirche ein Ort bleibt, an dem sich alle willkommen und getragen fühlen.»
«Für mich als Tamilenseelsorger ist die tamilische katholische Mission nicht nur ein pastoraler Auftrag, sondern ein Herzensanliegen. Sie ist ein Ort, an dem wir unseren Glauben in unserer Muttersprache leben, unsere Kultur bewahren und gleichzeitig offen sind für das Leben hier in der Schweiz. Die tamilische Mission hilft dabei, Brücken zu bauen zwischen Generationen, Kulturen und Lebensrealitäten. Sie gibt vielen Menschen Halt und Hoffnung. Besonders in einer Zeit, in der viele unserer Landsleute mit Herausforderungen wie Migration, Integration oder familiären Belastungen kämpfen, ist die Mission ein wichtiger Anhaltspunkt.» Pfarrer A. Judes Muralitharan