An Aktualität nicht zu überbieten

Mor­gen Don­ner­stag, 3. Sep­tem­ber begin­nt in Zofin­gen die tra­di­tionelle öku­menis­che Erwach­se­nen­bil­dungsrei­he «Sep­tem­ber-Ver­anstal­tun­gen». Nach der erfol­gre­ichen Rei­he «arm und reich» im let­zten Jahr greifen die Ver­ant­wortlichen dieses Jahr erneut ein kom­plex­es The­ma auf. Die drei Abend­ver­anstal­tun­gen wid­men sich der Grund­satzfrage «Migra­tion und Reli­gion — wie kön­nen die Reli­gio­nen im säku­laren Staat zusam­men­leben?»   Das diesjährige The­ma der Sep­tem­ber-Ver­anstal­tun­gen in Zofin­gen kön­nte aktueller nicht sein. Und so kann Peter Caliv­ers, Sozialar­beit­er im Ressort Diakonie, Frei­willi­ge­nar­beit und Erwach­se­nen­bil­dung bei der katholis­chen Kirchge­meinde Zofin­gen auch get­rost erk­lären: «Um mich auf die Mod­er­a­tion der Abende vorzu­bere­it­en, studiere ich die Tage­spresse und mache mir meine eige­nen Gedanken.» Zeitun­gen, Radio und Fernse­hen sind voll mit Bildern und Bericht­en über die Mil­lio­nen von Men­schen, die auf aben­teuer­lichen und oft tödlichen Wegen nach Europa zu gelan­gen ver­suchen. Als eine mod­erne Art von Völk­er­wan­derung kön­nte man die Ver­schiebung der Bevölkerung aus dem Nahen Osten und Afri­ka nach Europa anse­hen, meint Peter Caliv­ers. Und er fügt auch gle­ich an, dass die Assozi­a­tio­nen, welche der Begriff Völk­er­wan­derung her­vor­ruft, meist keine pos­i­tiv­en sind. Der Text in der Auss­chrei­bung der öku­menis­chen Erwach­se­nen­bil­dungsrei­he verdeut­licht die Prob­lematik: «Die Flüchtlingswellen aus dem Nahen Osten und Afri­ka bewe­gen nicht nur die Schweiz. Europa agiert nicht wirk­lich, weil mit sich sel­ber beschäftigt. Nicht erst seit der Massenein­wan­derungsini­tia­tive wird in der Schweiz heftig gestrit­ten. Fanatis­che Anhänger ein­er engen Islam-Inter­pre­ta­tion bomben sich durch die Welt und prä­gen die Wahrnehmung des Islam. Der Anti­semitismus nimmt eher wieder zu, ver­gan­gen geglaubte Äng­ste kom­men wieder in den Vorder­grund. Chris­ten­ver­fol­gung ist ein Wort, das lei­der für immer mehr Men­schen wieder eine Real­ität ist. Viele fühlen sich in dieser aus den Fugen ger­ate­nen Welt (un)bestimmt unwohl, was ide­ale Pro­jek­tions­flächen oder Gele­gen­heit zur Angst­be­wirtschaf­tung bietet. Kann damit noch sach­lich umge­gan­gen wer­den?»Ein Hin­ter­grunds-Refer­at Die drei Abende in Zofin­gen sollen Gele­gen­heit bieten, jen­seits von Partei-Pro­pa­gan­da und Angst­macherei ganz grund­sät­zlich über Fra­gen der Migra­tion und den Zusam­men­hang Migra­tion — Reli­gion nachzu­denken und zu  disku­tieren. Mit dem Auf­tak­tre­fer­at am Don­ner­stag, 3. Sep­tem­ber sollen zuerst ein­mal Fak­ten zum The­ma zusam­menge­tra­gen wer­den. Das Hin­ter­grunds-Refer­at von Dr. Johan Rochel vom Ethikzen­trum der Uni­ver­sität Zürich beschäftigt sich mit his­torischen und aktuellen Fak­ten: Grosse Völk­er­wan­derun­gen sind keine Erschei­n­ung der Neuzeit. Die Gründe waren und sind meist Gewal­tak­te und Nöte wirtschaftlich­er oder ökol­o­gis­ch­er Art. Weltweit sind heute mehr Men­schen auf der Flucht als nach dem 2. Weltkrieg. Viele Zeitgenossen bekun­den aktuell Mühe mit der Migra­tion und Unbe­ha­gen macht sich bre­it. Auf­grund dieser Tat­sachen stellen sich auch eine Rei­he von ethis­chen und sozialen-poli­tis­chen Fra­gen.Zwei Gesprächsabende Die zweite Ver­anstal­tung am Dien­stag, 8. Sep­tem­ber ist als Gesprächsabend organ­isiert. Peter Caliv­ers freut sich, dass es gelun­gen ist, die Runde mit Men­schen zu beset­zen, die pro­fun­des Wis­sen ein­brin­gen und aus eigen­er Erfahrung bericht­en kön­nen. Im Zen­trum des Abends ste­hen Leben und Befind­lichkeit als Glaubende in der Schweiz. Gespräch und Mod­er­a­tion: Burkhard Kre­mer Die Gäste Samuel Behloul, Pas­cal Gem­per­li, Imam Mustafa Memeti und Raf­fael Guggen­heim äussern sich zum heuti­gen Leben als jüdis­che, mus­lim­is­che oder christliche Mit­glieder der schweiz­erischen Gesellschaft. «Was ist den Einzel­nen vom Glauben her wichtig und ‘heilig’? Wie gelingt der Umgang mit der Vielfalt inner­halb der Glaubens­ge­mein­schaft? Welch­es sind ethis­che Werte, die in das heutige Miteinan­der einge­bracht wer­den kön­nen? Was gehört zu ein­er erfül­len­den und inspiri­eren­den Glauben­sprax­is? Welch­es sind unab­d­ing­bare Zeichen und Rit­uale für Gläu­bige in der Schweiz?», führen als Leit­fra­gen durch den Abend.Stolper­steine Der Gesprächsabend vom Don­ner­stag, 17. Sep­tem­ber wid­met sich der Frage, was es zum friedlichen Zusam­men­leben der Reli­gio­nen in der Schweiz und darüber hin­aus braucht. Die Podi­um­srunde mit Rifa‘at Lenzin, Michel Bol­lag, Pas­cal Gem­per­li und Samuel Behloul disku­tiert, wie Juden, Mus­lime und Chris­ten den extrem­istis­chen Stim­men in ihrer Reli­gion begeg­nen kön­nen.  Welche Stolper­steine behin­dern aktuell das religiöse, freie Zusam­men­leben in der Schweiz? Wie wird Tol­er­anz in der je eige­nen Reli­gion ver­standen und gelebt? Und was kön­nte eine Anerken­nung jüdis­ch­er und mus­lim­is­ch­er Glaubens­ge­mein­schaften in der Schweiz für das Miteinan­der bewirken?  zum Zusam­men­leben und den dafür nöti­gen poli­tis­chen und ethis­chen Notwendigkeit­en und zur Rolle des Staates. Die drei Abende wer­den von Pfar­rer Burkhard Kre­mer, als Vertreter der reformierten Kirchge­meinde und Peter Caliv­ers als Vertreter der katholis­chen Seite mod­eriert. Die Erfahrung zeigt, dass die Sep­tem­ber-Ver­anstal­tun­gen 50 und mehr Besucherin­nen und Besuch­er anziehen, wenn das The­ma einen Nerv trifft. Zahlre­iche inter­essierte Zuhör­er dürften angesichts der Aktu­al­ität und Dringlichkeit des gewählten The­mas den Weg nach Zofin­gen find­en. Ort:         Reformiertes Kirchge­mein­de­haus, Hin­tere Haupt­gasse 19, Zofin­gen Zeit:        19.30 Uhr: Ein­tr­e­f­fen mit Apero, Beginn: 20 Uhr (Dauer: bis 21.45) Pro­gramm Don­ner­stag, 3. Sep­tem­ber Migra­tion: Fak­ten, His­torisches und philosophisch-ethis­che Über­legun­gen. Refer­at von Dr. Johan Rochel, Zürich, mit anschliessender Diskus­sion. Mod­er­a­tion: Peter Caliv­ers.Dien­stag, 8. Sep­tem­ber Leben und Befind­lichkeit als religiöse Min­der­heit oder schwindende Mehrheit in der Schweiz. Inputs und Gespräch mit: Dr. Samuel Behloul, Kath. The­ologe und Islamwis­senschafter, Direk­tor „migra­tio“ der Schweiz­erischen Bischof­skon­ferenz, Pas­cal Gem­per­li, Schweiz­er, Mus­lim und Kämpfer für eine neue Rechtsstel­lung der Mus­lime in der Waadt, Imam Mustafa Memeti, Bern, Mus­lim, Mitar­beit­er im Haus der Reli­gio­nen in Bern, Dr. (med.) Raf­fael Guggen­heim, Mit­glied der jüdis­chen Kul­tus­ge­meinde Zürich. Mod­er­a­tion: Burkhard Kre­mer.Don­ner­stag, 17. Sep­tem­ber Was braucht es für ein friedlich­es Zusam­men­leben der Reli­gio­nen? Podi­um mit: Dr. Samuel Behloul, Pas­cal Gem­per­li, Dr. Rifa‘at Lenzin, Schweiz­erin, Mus­li­ma, u.a. Mitar­bei­t­erin am jüdis­chen Lehrhaus in Zürich, Michel Bol­lag, Lehrhaus Zürich. Mod­er­a­tion: Burkhard Kre­mer und Peter Caliv­ers.Hier find­en Sie Weit­ere Infos  zu den drei Abend­ver­anstal­tun­gen. 
Marie-Christine Andres Schürch
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