Sie sind uns lieb und teuer

Sie sind uns lieb und teuer

Tiere: Wir stre­icheln und essen sie. Ein­er­seits ver­ar­beit­en wir Tiere in Schlacht­fab­riken zu Nahrungsmit­teln, ander­er­seits ver­hätscheln wir unsere Haustiere. Rund 1,35 Mil­lio­nen Katzen und eine halbe Mil­lion Hunde leben als Haustiere in der Schweiz. Was bedeuten uns diese Tiere? Anne Friedrich ist Kranken­schwest­er und Hun­debe­sitzerin; Donat Inauen ist Tier­arzt. Ein Inter­view.Frau Friedrich, warum haben Sie einen Hund? Anne Friedrich: Ich wollte schon immer einen Hund. Zum Gern­hab­en, zum Spazieren gehen und als Gesellschaft. Ein Hund ist gesund für mich. Zwei- bis dreimal täglich gehe ich mit ihm spazieren. Son­st käme ich viel weniger an die frische Luft. Zudem lernst du mit einem Hund oft andere Men­schen ken­nen, man kommt immer wieder ins Gespräch. Ich habe so neue Fre­unde ken­nen gel­ernt. Manche dieser Fre­und­schaften hal­ten schon über zwanzig JahreHerr Inauen, Sie haben eine Tier­arzt­prax­is. Stimmt es, dass wir heutzu­tage unsere Haustiere immer stärk­er «ver­men­schlichen»? Donat Inauen: Das sehe ich schon als prob­lema­tisch an. Hinzu kommt ihre Nahrung aus Büch­sen. Und dann die Tier­hal­tung. Das Tier­schutzge­setz sieht vor, dass Katzen, Ham­ster und Pferde nicht alleine gehal­ten wer­den dür­fen. Ist es aber sin­nvoll, zwei Katzen in ein­er Woh­nung zu hal­ten?Frau Friedrich, was bedeutet Ihnen Ihr Hund? Anne Friedrich: In ein­er gewis­sen Art ist er ein Part­ner. Aber er ist ein Tier und muss auch eines bleiben dür­fen. Mein Hund ist sehr wichtig für mich. Ich spreche mit ihm und habe das Gefühl, dass er mich ver­ste­ht. Trix­ie merkt, wenn es mir nicht gut geht. Sie tröstet mich und bringt mich oft zum Lachen. Ausser­dem passt sie auf mich auf — sie würde mich im Not­fall vertei­di­gen, da bin ich sich­er.Herr Inauen, diese enge Beziehung der Men­schen zu ihren Haustieren. Wie erleben sie die in Ihrem Prax­isall­t­ag? Donat Inauen: Die Klein­tier­medi­zin hat sich in den let­zten Jahrzehn­ten sehr stark entwick­elt. Die Behand­lungsmeth­o­d­en und chirur­gis­chen Ein­griffe sind heute ähn­lich wie in der Human­medi­zin. Viele Tierbe­sitzer fordern aber ger­ade diese Möglichkeit­en, die ihnen sel­ber geboten wer­den, auch für ihre Tiere. Also beispiel­sweise Chirurgie bei Kreuzban­driss, Tumorther­a­pie, Behand­lung von Dia­betes, Phys­io­ther­a­pie und Kom­ple­men­tärmedi­zin. Allerd­ings kann nicht die Lebenser­hal­tung um jeden Preis das Ziel sein, son­dern die Erhal­tung der Leben­squal­ität.Sind unsere Tier­schutza­u­fla­gen aus­re­ichend? Donat Inauen: Der Tier­schutz in der Schweiz ist gesellschaftlich und poli­tisch bre­it akzep­tiert. Den­noch müssten Tier­schut­zor­gan­i­sa­tio­nen pointiert auftreten, um weit­ere Verbesserun­gen zu erzie­len. Ger­ade im häus­lichen Bere­ich kön­nen Missstände auftreten. Auf dem Nutztiersek­tor gibt es Fortschritte dank der teil­weise grossen finanziellen Aufwen­dun­gen der Land­wirte. Die Kon­sumentin­nen und Kon­sumenten sehen aber oft zuerst auf den Preis. Das ist ver­heerend für diese Bemühun­gen. Eine gute Tier­hal­tung kostet aber, das lässt sich nicht ändern.Chris­tiane Faschon/acm/aj
Redaktion Lichtblick
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