Schalter offen, Ohren und Herzen auch
Sonja Striebel-Bänninger​​, Deborah Ehinger, Cäcilia Stutz​ und Matea Tunjic (v.l.n.r.) arbeiten als Pfarreisekretärinnen im Gebiet unseres Pfarrblatts. Wir stellen die vier Frauen und ihre vielfältige Arbeit vor.
Bilder: ©Thomas Rauch

Schalter offen, Ohren und Herzen auch

Vier Pfar­reisekretärin­nen aus dem «Lichtblick»-Gebiet erzählen von ihrer vielfälti­gen Arbeit an der Basis. Sie sind das fre­undliche Gesicht der Pfar­rei.

Vorlage - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz 18

Son­ja Striebel-Bän­ninger​​
Pfar­rei Brud­er Klaus in Liestal​
Pfar­reisekretärin seit fünf Monat­en
© Bild: Thomas Rauch

Mitdenken und Wissen teilen


Organ­i­sa­tion­stal­ent, einen Wis­senss­chatz, viel Feinge­fühl ​und Lebenser­fahrung – diese Eigen­schaften braucht es für Son­ja Striebel-Bän­ninger als Pfar­reisekretärin.

Seit vier Monat­en bin ich eine der bei­den Sekretärin­nen der Pfar­rei Brud­er Klaus in Liestal. Während der Einar­beitung stimmte mich meine Vorgän­gerin ein­mal mit fol­gen­dem Satz auf meine Arbeit ein: «Wenn du das nicht auf dem Schirm hast, dann hat es nie­mand auf dem Schirm.» Ich glaube, das fasst die vielfältige Arbeit gut zusam­men. Als Pfar­reisekretärin­nen müssen wir immer über­all mit­denken. Bei unser­er Arbeit geht es darum, durch die vie­len kleinen Details, die wir täglich im Blick haben, das grosse Ganze am Laufen zu hal­ten.

Unser Beruf ist ein wichtiger Baustein im funk­tion­ieren­den Pfar­reileben, nicht nur, weil wir mit­denken, son­dern auch, weil bei uns beson­deres Wis­sen liegt.

Ich hat­te im Sep­tem­ber meinen let­zten Kurstag der Ein­führung «Neu im Pfar­reisekre­tari­at», einem Ange­bot des Bis­tums. Dort wurde uns, neben vie­len anderen The­men, eben dieses Wis­sen ver­mit­telt. Zum Beispiel zur Eheschlies­sung. Der Fall, das eine Katho­likin und ein Katho­lik aus der eige­nen Gemeinde heirat­en, ist noch recht ein­fach zu hand­haben. Aber wie sieht es aus, wenn das Paar in einem anderen Pfar­rge­bi­et oder im Aus­land heirat­en will? Was, wenn nur ein­er der bei­den katholisch ist? Wer darf trauen, wenn die Trau­ung hier in unser­er Kirche stat­tfind­et, wer in ein­er anderen Kirche im Pfar­rge­bi­et und wer, wenn sie ganz woan­ders stat­tfind­et? Für wen müssen wo welche Bewil­li­gun­gen und For­mu­la­re beantragt wer­den?

Ich habe Freude an dieser organ­isatorischen Seite des Berufs. Ich mag es, wenn ich den Überblick habe, was anste­ht, und so dafür sor­gen kann, dass alles rechtzeit­ig in die Wege geleit­et und abgewick­elt wer­den kann.

Aber ich habe genau­so Freude am Kon­takt mit den Men­schen, die mir täglich bei der Arbeit begeg­nen. Dabei braucht es ein gutes Feinge­fühl, um abschätzen zu kön­nen: Was braucht die Per­son ger­ade von mir? Wie dringlich ist es? Braucht sie konkret Hil­fe oder möchte sie ein­fach ein offenes Ohr oder ein Gespräch? Wie set­ze ich die Pri­or­itäten, und in welch­er Rei­hen­folge widme ich mich den ver­schiede­nen Men­schen und ihren Anliegen? Ich glaube, um solchen Sit­u­a­tio­nen gut zu begeg­nen, hat­te ich mit meinem Alter – ich bin jet­zt Ende 40 – einen Vorteil bei der Beset­zung dieser Stelle. Das Gefühl für die Antworten auf diese Fra­gen kommt mit ein­er gewis­sen Lebenser­fahrung.

Per­sön­lich nehme ich die Arbeit als Pfar­reisekretärin als sinns­tif­tend wahr. Ich habe davor in ein­er Spedi­tion gear­beit­et. Ich habe mir gewün­scht, dass ich in diesem neuen Lebens­ab­schnitt – der Lebens­mitte – bei mein­er näch­sten Arbeitsstelle Sinnhaftigkeit erleben werde. Die habe ich hier gefun­den, in dieser beson­deren Mis­chung aus struk­turi­ert­er, spon­tan­er und men­schlich­er Arbeit.

Da passt die kleine Anek­dote aus der Zeit mein­er Einar­beitung ganz gut: Mein 11-jähriger Sohn bemerk­te, dass ich jeden Abend recht spät nach Hause kam und sagte zu meinem Mann: «Das Mami hat ja richtig viel Arbeit und muss ganz viel wis­sen! Ich dachte, da muss man ein­fach nur das Tele­fon abnehmen.»

Aufgeze­ich­net von Leonie Wol­len­sack

Vere­in für Pfar­reiad­min­is­tra­tion

Der Vere­in für Pfar­reiad­min­is­tra­tion hat zum Ziel, den Beruf der Pfar­reisekretärin bzw. des Pfar­reisekretärs zu stärken sowie Aus- und Weit­er­bil­dun­gen zu fördern. Er wurde im Jahr 2000 im Bis­tum Basel gegrün­det. Als Arbeit­nehmer­In­­nen-Organ­i­sa­­tion ste­ht der Vere­in auch Inter­essierten aus anderen Bistümern offen.

Jährlich find­en Info­tage, im Zwei-Jahres-Rhyth­­mus Impul­stage und Weit­er­bil­dun­gen statt.

Weit­ere Infor­ma­tio­nen find­en Sie hier: www.pfarreiadmin.ch
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Matthias Mat­ten­berg­er, Kom­mu­nika­tion­sex­perte, hil­ft ein­er Teil­nehmerin beim Exper­i­men­tieren mit KI am Info­tag des Vere­ins für Pfar­reiad­min­is­tra­tion im Pfar­reizen­trum Herz Jesu in Win­terthur im Mai 2025. © Sylvia Stam

Deb­o­rah Ehinger
​Pfar­reien Dor­nach, Gem­pen und Hochwald​
Pfar­reisekretärin seit fünf Monat­en
© Bild: Thomas Rauch

Für andere Menschen da sein


Deb­o­rah Ehinger ist glück­lich über ihre sin­nvolle Arbeit als Pfar­reisekretärin. Denn nach dem Ver­lust zweier Kinder sieht sie das Leben mit anderen Augen.

Am 1. Juni dieses Jahres habe ich meine Arbeit auf dem Pfar­ramt der Pfar­reien Dor­nach, Gem­pen und Hochwald aufgenom­men. Vor mir hat Moni­ka von Wart­burg hier während 25 Jahren gewirkt. Ich durfte sie schon ken­nen­ler­nen, als ich noch Blau­r­inglei­t­erin war. Meine Aus­bil­dung habe ich unter anderem an ein­er Han­delsmit­telschule gemacht und danach in ein­er inter­na­tionalen Treuhand­fir­ma gear­beit­et. Das hat mir Spass gemacht, weil ich zweis­prachig aufgewach­sen bin und so regelmäs­sig auch mein Englisch anwen­den kon­nte. Schon damals habe ich aber gemerkt, dass mir der per­sön­liche Kon­takt zu den Men­schen hin­ter den Zahlen fehlt. Nach eini­gen beru­flichen Sta­tio­nen habe ich vor neun Jahren mit der Erwerb­sar­beit aufge­hört und mich für unser Fam­i­lien­leben entsch­ieden. So durften wir unsere wun­der­bare Tochter emp­fan­gen und sei­ther begleit­en. Vor ihrer Ankun­ft habe ich während mein­er ersten Schwanger­schaft unseren ersten Sohn ver­loren. Als unsere Tochter drei Jahre alt war, ist unser zweite Sohn auf die Welt gekom­men und sechs Wochen später uner­wartet an einem sehr sel­te­nen Herzfehler gestor­ben, der sich erst nach sein­er Geburt gebildet hat­te. Ich habe das Leben immer als Geschenk gese­hen, aber seit diesen Ver­lus­ten gehe ich anders mit dem Leben um.

Vor einiger Zeit habe ich begonnen, mich wieder nach ein­er Anstel­lung auss­er Haus umzuschauen. Nach allem, was ich auch schon beru­flich erlebt hat­te, habe ich mir eine Arbeit gewün­scht, in der ich für andere Men­schen da sein kann, mein Wis­sen und Kön­nen mitein­brin­gen kann und das Fam­i­lien­leben nicht darunter lei­det. Vor allem der soziale Aspekt und die Sinnhaftigkeit im Beruf wur­den mir mit den Jahren immer wichtiger. So eine Arbeit habe ich hier auf dem Pfar­ramt gefun­den. Das macht mich sehr glück­lich. Ich arbeite Teilzeit und unter­stütze das Pfar­re­it­eam, den Kirchen­rat und alle Involvierten aus dem Seel­sorge­ver­band mit admin­is­tra­tiv­en und organ­isatorischen Arbeit­en.

Am Mor­gen, wenn ich ankomme, mache ich das Licht an, öffne die Fen­ster und über­prüfe die neuen E‑Mails und Anrufe. Ab diesem Zeit­punkt ist jed­er Tag anders. Heute darf ich beispiel­sweise Taufk­erzen und Tauf­scheine bere­it machen. Es gibt auch Kirchenaus­tritte, die über meinen Tisch gehen. Ich glaube, es gibt ganz ver­schiedene Gründe, warum sich Men­schen dazu entschei­den, nicht mehr in der Kirche zu sein. Jed­er Men­sch geht seinen Weg.

Wenn jemand anruft, um einen Todes­fall zu melden und um die Beerdi­gung zu organ­isieren, hat das erste Pri­or­ität. Jeden Tag kom­men ver­schiedene Men­schen bei mir vor­bei. Sie holen einen Schlüs­sel, wün­schen eine Auskun­ft, oder kom­men ein­fach, um «guten Tag» zu sagen. Uner­wartetes macht mich nicht nervös, son­st wäre das nicht die richtige Arbeit für mich. Zum Glück bin ich flex­i­bel.

Es hil­ft mir sehr, dass ich in Dor­nach gut ver­net­zt bin. Her­aus­forderun­gen meis­tere ich gut, weil ich gel­ernt habe, dass es auf meine Ein­stel­lung ankommt. Schw­er fällt mir manch­mal, mein­er Fam­i­lie, meinem Beruf und mir selb­st gle­icher­massen gerecht zu wer­den. Aber ich habe meine Inseln. Ich mache regelmäs­sig Yoga und pflege meine Beziehun­gen so gut ich kann.

Mit der Kirche verbindet mich mein Glaube, den ich seit mein­er Kind­heit lebe. Glaube, Liebe, Hoff­nung und Ver­trauen begleit­en mich seit Jahren. Mit mein­er jet­zi­gen Arbeit und den Men­schen füh­le ich mich eben­so begleit­et auf meinem Weg. Danke!

Aufgeze­ich­net von Eva Meien­berg


Cäcil­ia Stutz​
Pfar­rei St. Niko­laus in Brem­garten
​Pfar­reisekretärin seit 30 Jahren
© Bild: Thomas Rauch

An einer langen Geschichte fortschreiben


Cäcil­ia Stutz weiss wie kaum jemand, was die Kirche alles leis­tet, und set­zt sich seit bald dreis­sig Jahren für sie ein.

In mein­er Funk­tion als Pfar­reisekretärin bin ich Bindeglied zwis­chen dem kirch­lichen Per­son­al, der Öffentlichkeit und den Pfar­reiange­höri­gen. Bei mein­er Arbeit komme ich mit sehr vie­len Men­schen in Kon­takt. Mit Seel­sor­gen­den, Eltern, Eheleuten, Trauern­den, Jugendlichen, mit kirch­lichem Per­son­al, Musik­ern, Behör­den und katholis­chen Wür­den­trägern.
Oft bin ich die erste Ansprech­per­son, entwed­er an der Tür oder am Tele­fon. Dafür ist eine pos­i­tive christliche Grund­hal­tung eine gute Voraus­set­zung.
Ich bear­beite E‑Mails, aktu­al­isiere die Pfar­rei­web­site, ver­schicke Ein­ladun­gen. Ende Okto­ber feiern wir in Brem­garten das Patrozini­um unseres Stadtheili­gen Syne­sius. Ger­ade suche ich jeman­den, der das Syne­sius­bei­zli an diesem Fest führen will.
Alle zwei Wochen küm­mere ich mich um das Pfar­rblatt. Da hole ich Texte ein von Grup­pen und Vere­inen, oder es gibt etwas zu recher­chieren zu einem Konz­ert, das in der Kirche stat­tfind­et. Wenn meine Pfar­rei­seite fer­tig ist, mache ich die Endredak­tion für alle Seit­en des Pas­toral­raums Brem­garten-Reusstal.
Die Schwierigkeit ist, sich nach Ablenkun­gen immer wieder frisch zu konzen­tri­eren, sich nicht zu verzetteln. Es gibt Arbeit­en, die ich deshalb nur am Mor­gen früh mache, zum Beispiel die Ein­träge in die Pfar­reibüch­er. Dafür brauche ich Ruhe. Die Büch­er wer­den immer noch von Hand geschrieben. Ich schreibe fort an ein­er Geschichte, die lange vor mein­er Zeit begann.
Die anstren­gend­sten Phasen auf dem Pfar­ramt sind, wenn das neue Schul­jahr anfängt mit all den Lis­ten und Abklärun­gen, welche Kinder den Reli­gion­sun­ter­richt besuchen. Dann kommt jet­zt die Zeit der Kirchenge­mein­de­v­er­samm­lun­gen, da muss man Zahlen parat machen.
Schwierig finde ich die Pas­san­ten­hil­fe. Wenn Men­schen an der Pfar­rhaustür klin­geln, ist es schwierig einzuschätzen, ob sie wirk­lich in Not sind oder ob es sich um organ­isierte Grup­pen han­delt. Ich habe jew­eils das Gefühl, dass es nicht genügt, was ich tue, egal, ob ich jeman­dem einen Gutschein mit­gebe oder lange zuhöre. Für manche Prob­leme bin ich die falsche Anlauf­stelle. Da ist es eine Ent­las­tung, dass der Kirch­lich Regionale Sozial­dienst (KRSD) sich pro­fes­sionell um Men­schen küm­mert, die Hil­fe brauchen.
Näch­stes Jahr feiere ich mein 30-Jahre-­Ju­biläum als Pfar­reisekretärin. Ich habe mit zwei Stun­den in der Woche in Her­metschwil ange­fan­gen. Als Mit­glied im Aushil­fe­pool der Pfar­reisekretärin­nen habe ich tem­porär schon in Nieder­wil, Aris­tau, Spre­it­en­bach und Brem­garten gear­beit­et. Zu Spitzen­zeit­en war ich in vier Pfar­rämtern gle­ichzeit­ig tätig. An jedem Ort habe ich dazu gel­ernt. Ich prof­i­tiere heute noch von diesen Erfahrun­gen, wenn ich meine Arbeit organ­isiere.
Ich bin in ein­er katholis­chen Gross­fam­i­lie aufgewach­sen, wo es nor­mal gewe­sen ist, dass man miteinan­der in der Stube sitzt und betet und dass man am Son­ntag in die Kirche geht. Wenn ich irgend­wo in den Ferien bin und die Kirchen­glock­en läuten, finde ich das etwas Wun­der­bares. Der Glaube gibt mir Ori­en­tierung fürs Leben.
Das schön­ste Kom­pli­ment kam von ein­er Kol­le­gin, von der ich eigentlich dachte, sie sei aus der Kirche aus­ge­treten. Sie sagte im Fre­un­deskreis zu jeman­dem: «Ich sage dir, wenn du aus der Kirche aus­treten willst, dann sprich ein­mal mit Cäcil­ia, was die Kirche alles macht. Dann hörst du auf, vom Aus­treten zu reden.» Es hat mich wahnsin­nig berührt, dass wahrgenom­men wird, wie die Kirche sich für die Men­schen ein­set­zt.

Aufgeze­ich­net von Marie-Chris­tine Andres


Matea Tun­jic
Pfar­reien St. Marien und Aller­heili­gen in Basel​
Pfar­reisekretärin seit einem Jahr
© Bild: Thomas Rauch

Die Fäden zusammeführen


Matea Tun­jic ist als Pfar­reisekretärin mit den ver­schieden­sten Men­schen in Kon­takt. Sie ist gern tätig für eine Kirche, die Men­schen auf ihrem Lebensweg begleit­et.


Seit einem Jahr arbeite ich als Pfar­reisekretärin für die Basler Pfar­reien Sankt Marien und Aller­heili­gen. Im Pfar­reibüro trifft man mich immer mon­tags, mittwochs und don­ner­stags am Vor­mit­tag an. «Man», das sind die unter­schiedlich­sten Men­schen.
Per­sön­lich und vor Ort sind das die Teamkol­legin­nen aus dem Pfar­reisekre­tari­at, die Sozialar­bei­t­erin, der Priester, die Sakris­tanin und der Hauswart der Pfar­rei. Ausser­dem bin ich – meist über Tele­fon oder E‑Mail – in Kon­takt mit dem Pfar­reirat, der Ver­wal­tung der Römisch-Katholis­chen Kirche Basel-Stadt und den anderen Pfar­reien.

The­ma­tisch ist im Kon­takt mit den ver­schiede­nen Men­schen alles dabei: buch­hal­ter­ische Dinge wie Rech­nun­gen, organ­isatorische Auf­gaben wie die Pla­nung von Trauer­feiern, Taufen, Fir­mungen und die regelmäs­si­gen Messen, oder kom­mu­nika­tive Tätigkeit­en wie der Kon­takt zu meinen Pfar­reisekre­tari­atskol­legin­nen. Hier in Basel-Stadt sind wir untere­inan­der super ver­net­zt, begeg­nen uns als Kol­legin­nen. Wir helfen uns bei Fra­gen und Auf­gaben oder schaf­fen Syn­ergien bei Ver­anstal­tun­gen.
Aber es gibt auch unvorherse­hbare Begeg­nun­gen. Nicht sel­ten klopfen bei uns bedürftige Men­schen an die Tür. Hier im Haus arbeit­et eine Sozialar­bei­t­erin, aber die erste Per­son, der die Men­schen begeg­nen, die ihnen die Türe öffnet, bin meist ich. Es kann auch vorkom­men, dass die Sozialar­bei­t­erin nicht da ist oder ger­ade kein Priester im Haus ist, dann bin ich für die Hil­fe­suchen­den da und sorge dafür, dass sie die Unter­stützung bekom­men, die sie brauchen.

Meine Arbeit hier macht mir viel Spass. Ich freue mich, Teil ein­er Kirche zu sein, die die Men­schen in ihrem Leben begleit­et. Ob ich dabei soziale Hil­fe ver­mit­teln oder an der Organ­i­sa­tion bere­ich­ern­der Ver­anstal­tun­gen mitwirken kann – ich bemerke den Zusam­men­halt der Men­schen, die seit­ens der Kirche mitwirken, und die Freude der Men­schen, die an den Ver­anstal­tun­gen teil­nehmen.

Als Pfar­reisekretärin arbeite ich oft im Hin­ter­grund. Dass immer ein Priester am Altar ste­ht, auch wenn der eigentliche krank ist, dass es immer genug Platz im Buch hat, in dem Gottes­di­en­st­be­such­er ihre Gedanken fes­thal­ten kön­nen, dass die Ter­mine rechtzeit­ig im Pfar­rblatt veröf­fentlicht wer­den, dass am Samich­laustag ein Kerzen­ziehen stat­tfind­en kann und danach wieder alles sauber ist – dafür sor­gen wir Pfar­reisekretärin­nen mit unserem Team. Ich würde sagen, bei uns laufen die Fäden zusam­men.

Und gle­ichzeit­ig nehmen wir uns Zeit für die Men­schen. Wie an dem Tag, als eine ältere Dame anrief. Nach­dem ich ihre bürokratis­che Anfrage weit­ergeleit­et hat­te, antwortete sie auf meine Frage, wie ich ihr son­st noch helfen könne, mit: «Mir geht es zurzeit nicht gut, ich füh­le mich ein­sam.» Natür­lich hängte ich dann nicht auf. Ich kam mit ihr ins Gespräch, hörte ihr zu, erzählte ihr ein biss­chen, wie es am Mor­gen war, als ich meinen Sohn in den Chinds­gi gebracht habe. Allein das hat sie schon glück­lich gemacht. Ob Rech­nun­gen visieren oder ein offenes Ohr haben – als Pfar­reisekretärin ist bei­des wichtig.

Aufgeze­ich­net von Leonie Wol­len­sack

Redaktion Lichtblick
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