
Bilder: ©Thomas Rauch
Schalter offen, Ohren und Herzen auch
Vier Pfarreisekretärinnen aus dem «Lichtblick»-Gebiet erzählen von ihrer vielfältigen Arbeit an der Basis. Sie sind das freundliche Gesicht der Pfarrei.

Sonja Striebel-Bänninger
Pfarrei Bruder Klaus in Liestal
Pfarreisekretärin seit fünf Monaten
© Bild: Thomas Rauch
Mitdenken und Wissen teilen
Organisationstalent, einen Wissensschatz, viel Feingefühl und Lebenserfahrung – diese Eigenschaften braucht es für Sonja Striebel-Bänninger als Pfarreisekretärin.
Seit vier Monaten bin ich eine der beiden Sekretärinnen der Pfarrei Bruder Klaus in Liestal. Während der Einarbeitung stimmte mich meine Vorgängerin einmal mit folgendem Satz auf meine Arbeit ein: «Wenn du das nicht auf dem Schirm hast, dann hat es niemand auf dem Schirm.» Ich glaube, das fasst die vielfältige Arbeit gut zusammen. Als Pfarreisekretärinnen müssen wir immer überall mitdenken. Bei unserer Arbeit geht es darum, durch die vielen kleinen Details, die wir täglich im Blick haben, das grosse Ganze am Laufen zu halten.
Unser Beruf ist ein wichtiger Baustein im funktionierenden Pfarreileben, nicht nur, weil wir mitdenken, sondern auch, weil bei uns besonderes Wissen liegt.
Ich hatte im September meinen letzten Kurstag der Einführung «Neu im Pfarreisekretariat», einem Angebot des Bistums. Dort wurde uns, neben vielen anderen Themen, eben dieses Wissen vermittelt. Zum Beispiel zur Eheschliessung. Der Fall, das eine Katholikin und ein Katholik aus der eigenen Gemeinde heiraten, ist noch recht einfach zu handhaben. Aber wie sieht es aus, wenn das Paar in einem anderen Pfarrgebiet oder im Ausland heiraten will? Was, wenn nur einer der beiden katholisch ist? Wer darf trauen, wenn die Trauung hier in unserer Kirche stattfindet, wer in einer anderen Kirche im Pfarrgebiet und wer, wenn sie ganz woanders stattfindet? Für wen müssen wo welche Bewilligungen und Formulare beantragt werden?
Ich habe Freude an dieser organisatorischen Seite des Berufs. Ich mag es, wenn ich den Überblick habe, was ansteht, und so dafür sorgen kann, dass alles rechtzeitig in die Wege geleitet und abgewickelt werden kann.
Aber ich habe genauso Freude am Kontakt mit den Menschen, die mir täglich bei der Arbeit begegnen. Dabei braucht es ein gutes Feingefühl, um abschätzen zu können: Was braucht die Person gerade von mir? Wie dringlich ist es? Braucht sie konkret Hilfe oder möchte sie einfach ein offenes Ohr oder ein Gespräch? Wie setze ich die Prioritäten, und in welcher Reihenfolge widme ich mich den verschiedenen Menschen und ihren Anliegen? Ich glaube, um solchen Situationen gut zu begegnen, hatte ich mit meinem Alter – ich bin jetzt Ende 40 – einen Vorteil bei der Besetzung dieser Stelle. Das Gefühl für die Antworten auf diese Fragen kommt mit einer gewissen Lebenserfahrung.
Persönlich nehme ich die Arbeit als Pfarreisekretärin als sinnstiftend wahr. Ich habe davor in einer Spedition gearbeitet. Ich habe mir gewünscht, dass ich in diesem neuen Lebensabschnitt – der Lebensmitte – bei meiner nächsten Arbeitsstelle Sinnhaftigkeit erleben werde. Die habe ich hier gefunden, in dieser besonderen Mischung aus strukturierter, spontaner und menschlicher Arbeit.
Da passt die kleine Anekdote aus der Zeit meiner Einarbeitung ganz gut: Mein 11-jähriger Sohn bemerkte, dass ich jeden Abend recht spät nach Hause kam und sagte zu meinem Mann: «Das Mami hat ja richtig viel Arbeit und muss ganz viel wissen! Ich dachte, da muss man einfach nur das Telefon abnehmen.»
Aufgezeichnet von Leonie Wollensack
Verein für Pfarreiadministration
Der Verein für Pfarreiadministration hat zum Ziel, den Beruf der Pfarreisekretärin bzw. des Pfarreisekretärs zu stärken sowie Aus- und Weiterbildungen zu fördern. Er wurde im Jahr 2000 im Bistum Basel gegründet. Als ArbeitnehmerInnen-Organisation steht der Verein auch Interessierten aus anderen Bistümern offen.
Jährlich finden Infotage, im Zwei-Jahres-Rhythmus Impulstage und Weiterbildungen statt.
Weitere Informationen finden Sie hier: www.pfarreiadmin.ch
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Deborah Ehinger
Pfarreien Dornach, Gempen und Hochwald
Pfarreisekretärin seit fünf Monaten
© Bild: Thomas Rauch
Für andere Menschen da sein
Deborah Ehinger ist glücklich über ihre sinnvolle Arbeit als Pfarreisekretärin. Denn nach dem Verlust zweier Kinder sieht sie das Leben mit anderen Augen.
Am 1. Juni dieses Jahres habe ich meine Arbeit auf dem Pfarramt der Pfarreien Dornach, Gempen und Hochwald aufgenommen. Vor mir hat Monika von Wartburg hier während 25 Jahren gewirkt. Ich durfte sie schon kennenlernen, als ich noch Blauringleiterin war. Meine Ausbildung habe ich unter anderem an einer Handelsmittelschule gemacht und danach in einer internationalen Treuhandfirma gearbeitet. Das hat mir Spass gemacht, weil ich zweisprachig aufgewachsen bin und so regelmässig auch mein Englisch anwenden konnte. Schon damals habe ich aber gemerkt, dass mir der persönliche Kontakt zu den Menschen hinter den Zahlen fehlt. Nach einigen beruflichen Stationen habe ich vor neun Jahren mit der Erwerbsarbeit aufgehört und mich für unser Familienleben entschieden. So durften wir unsere wunderbare Tochter empfangen und seither begleiten. Vor ihrer Ankunft habe ich während meiner ersten Schwangerschaft unseren ersten Sohn verloren. Als unsere Tochter drei Jahre alt war, ist unser zweite Sohn auf die Welt gekommen und sechs Wochen später unerwartet an einem sehr seltenen Herzfehler gestorben, der sich erst nach seiner Geburt gebildet hatte. Ich habe das Leben immer als Geschenk gesehen, aber seit diesen Verlusten gehe ich anders mit dem Leben um.
Vor einiger Zeit habe ich begonnen, mich wieder nach einer Anstellung ausser Haus umzuschauen. Nach allem, was ich auch schon beruflich erlebt hatte, habe ich mir eine Arbeit gewünscht, in der ich für andere Menschen da sein kann, mein Wissen und Können miteinbringen kann und das Familienleben nicht darunter leidet. Vor allem der soziale Aspekt und die Sinnhaftigkeit im Beruf wurden mir mit den Jahren immer wichtiger. So eine Arbeit habe ich hier auf dem Pfarramt gefunden. Das macht mich sehr glücklich. Ich arbeite Teilzeit und unterstütze das Pfarreiteam, den Kirchenrat und alle Involvierten aus dem Seelsorgeverband mit administrativen und organisatorischen Arbeiten.
Am Morgen, wenn ich ankomme, mache ich das Licht an, öffne die Fenster und überprüfe die neuen E‑Mails und Anrufe. Ab diesem Zeitpunkt ist jeder Tag anders. Heute darf ich beispielsweise Taufkerzen und Taufscheine bereit machen. Es gibt auch Kirchenaustritte, die über meinen Tisch gehen. Ich glaube, es gibt ganz verschiedene Gründe, warum sich Menschen dazu entscheiden, nicht mehr in der Kirche zu sein. Jeder Mensch geht seinen Weg.
Wenn jemand anruft, um einen Todesfall zu melden und um die Beerdigung zu organisieren, hat das erste Priorität. Jeden Tag kommen verschiedene Menschen bei mir vorbei. Sie holen einen Schlüssel, wünschen eine Auskunft, oder kommen einfach, um «guten Tag» zu sagen. Unerwartetes macht mich nicht nervös, sonst wäre das nicht die richtige Arbeit für mich. Zum Glück bin ich flexibel.
Es hilft mir sehr, dass ich in Dornach gut vernetzt bin. Herausforderungen meistere ich gut, weil ich gelernt habe, dass es auf meine Einstellung ankommt. Schwer fällt mir manchmal, meiner Familie, meinem Beruf und mir selbst gleichermassen gerecht zu werden. Aber ich habe meine Inseln. Ich mache regelmässig Yoga und pflege meine Beziehungen so gut ich kann.
Mit der Kirche verbindet mich mein Glaube, den ich seit meiner Kindheit lebe. Glaube, Liebe, Hoffnung und Vertrauen begleiten mich seit Jahren. Mit meiner jetzigen Arbeit und den Menschen fühle ich mich ebenso begleitet auf meinem Weg. Danke!
Aufgezeichnet von Eva Meienberg

Cäcilia Stutz
Pfarrei St. Nikolaus in Bremgarten
Pfarreisekretärin seit 30 Jahren
© Bild: Thomas Rauch
An einer langen Geschichte fortschreiben
Cäcilia Stutz weiss wie kaum jemand, was die Kirche alles leistet, und setzt sich seit bald dreissig Jahren für sie ein.
In meiner Funktion als Pfarreisekretärin bin ich Bindeglied zwischen dem kirchlichen Personal, der Öffentlichkeit und den Pfarreiangehörigen. Bei meiner Arbeit komme ich mit sehr vielen Menschen in Kontakt. Mit Seelsorgenden, Eltern, Eheleuten, Trauernden, Jugendlichen, mit kirchlichem Personal, Musikern, Behörden und katholischen Würdenträgern.
Oft bin ich die erste Ansprechperson, entweder an der Tür oder am Telefon. Dafür ist eine positive christliche Grundhaltung eine gute Voraussetzung.
Ich bearbeite E‑Mails, aktualisiere die Pfarreiwebsite, verschicke Einladungen. Ende Oktober feiern wir in Bremgarten das Patrozinium unseres Stadtheiligen Synesius. Gerade suche ich jemanden, der das Synesiusbeizli an diesem Fest führen will.
Alle zwei Wochen kümmere ich mich um das Pfarrblatt. Da hole ich Texte ein von Gruppen und Vereinen, oder es gibt etwas zu recherchieren zu einem Konzert, das in der Kirche stattfindet. Wenn meine Pfarreiseite fertig ist, mache ich die Endredaktion für alle Seiten des Pastoralraums Bremgarten-Reusstal.
Die Schwierigkeit ist, sich nach Ablenkungen immer wieder frisch zu konzentrieren, sich nicht zu verzetteln. Es gibt Arbeiten, die ich deshalb nur am Morgen früh mache, zum Beispiel die Einträge in die Pfarreibücher. Dafür brauche ich Ruhe. Die Bücher werden immer noch von Hand geschrieben. Ich schreibe fort an einer Geschichte, die lange vor meiner Zeit begann.
Die anstrengendsten Phasen auf dem Pfarramt sind, wenn das neue Schuljahr anfängt mit all den Listen und Abklärungen, welche Kinder den Religionsunterricht besuchen. Dann kommt jetzt die Zeit der Kirchengemeindeversammlungen, da muss man Zahlen parat machen.
Schwierig finde ich die Passantenhilfe. Wenn Menschen an der Pfarrhaustür klingeln, ist es schwierig einzuschätzen, ob sie wirklich in Not sind oder ob es sich um organisierte Gruppen handelt. Ich habe jeweils das Gefühl, dass es nicht genügt, was ich tue, egal, ob ich jemandem einen Gutschein mitgebe oder lange zuhöre. Für manche Probleme bin ich die falsche Anlaufstelle. Da ist es eine Entlastung, dass der Kirchlich Regionale Sozialdienst (KRSD) sich professionell um Menschen kümmert, die Hilfe brauchen.
Nächstes Jahr feiere ich mein 30-Jahre-Jubiläum als Pfarreisekretärin. Ich habe mit zwei Stunden in der Woche in Hermetschwil angefangen. Als Mitglied im Aushilfepool der Pfarreisekretärinnen habe ich temporär schon in Niederwil, Aristau, Spreitenbach und Bremgarten gearbeitet. Zu Spitzenzeiten war ich in vier Pfarrämtern gleichzeitig tätig. An jedem Ort habe ich dazu gelernt. Ich profitiere heute noch von diesen Erfahrungen, wenn ich meine Arbeit organisiere.
Ich bin in einer katholischen Grossfamilie aufgewachsen, wo es normal gewesen ist, dass man miteinander in der Stube sitzt und betet und dass man am Sonntag in die Kirche geht. Wenn ich irgendwo in den Ferien bin und die Kirchenglocken läuten, finde ich das etwas Wunderbares. Der Glaube gibt mir Orientierung fürs Leben.
Das schönste Kompliment kam von einer Kollegin, von der ich eigentlich dachte, sie sei aus der Kirche ausgetreten. Sie sagte im Freundeskreis zu jemandem: «Ich sage dir, wenn du aus der Kirche austreten willst, dann sprich einmal mit Cäcilia, was die Kirche alles macht. Dann hörst du auf, vom Austreten zu reden.» Es hat mich wahnsinnig berührt, dass wahrgenommen wird, wie die Kirche sich für die Menschen einsetzt.
Aufgezeichnet von Marie-Christine Andres

Matea Tunjic
Pfarreien St. Marien und Allerheiligen in Basel
Pfarreisekretärin seit einem Jahr
© Bild: Thomas Rauch
Die Fäden zusammeführen
Matea Tunjic ist als Pfarreisekretärin mit den verschiedensten Menschen in Kontakt. Sie ist gern tätig für eine Kirche, die Menschen auf ihrem Lebensweg begleitet.
Seit einem Jahr arbeite ich als Pfarreisekretärin für die Basler Pfarreien Sankt Marien und Allerheiligen. Im Pfarreibüro trifft man mich immer montags, mittwochs und donnerstags am Vormittag an. «Man», das sind die unterschiedlichsten Menschen.
Persönlich und vor Ort sind das die Teamkolleginnen aus dem Pfarreisekretariat, die Sozialarbeiterin, der Priester, die Sakristanin und der Hauswart der Pfarrei. Ausserdem bin ich – meist über Telefon oder E‑Mail – in Kontakt mit dem Pfarreirat, der Verwaltung der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt und den anderen Pfarreien.
Thematisch ist im Kontakt mit den verschiedenen Menschen alles dabei: buchhalterische Dinge wie Rechnungen, organisatorische Aufgaben wie die Planung von Trauerfeiern, Taufen, Firmungen und die regelmässigen Messen, oder kommunikative Tätigkeiten wie der Kontakt zu meinen Pfarreisekretariatskolleginnen. Hier in Basel-Stadt sind wir untereinander super vernetzt, begegnen uns als Kolleginnen. Wir helfen uns bei Fragen und Aufgaben oder schaffen Synergien bei Veranstaltungen.
Aber es gibt auch unvorhersehbare Begegnungen. Nicht selten klopfen bei uns bedürftige Menschen an die Tür. Hier im Haus arbeitet eine Sozialarbeiterin, aber die erste Person, der die Menschen begegnen, die ihnen die Türe öffnet, bin meist ich. Es kann auch vorkommen, dass die Sozialarbeiterin nicht da ist oder gerade kein Priester im Haus ist, dann bin ich für die Hilfesuchenden da und sorge dafür, dass sie die Unterstützung bekommen, die sie brauchen.
Meine Arbeit hier macht mir viel Spass. Ich freue mich, Teil einer Kirche zu sein, die die Menschen in ihrem Leben begleitet. Ob ich dabei soziale Hilfe vermitteln oder an der Organisation bereichernder Veranstaltungen mitwirken kann – ich bemerke den Zusammenhalt der Menschen, die seitens der Kirche mitwirken, und die Freude der Menschen, die an den Veranstaltungen teilnehmen.
Als Pfarreisekretärin arbeite ich oft im Hintergrund. Dass immer ein Priester am Altar steht, auch wenn der eigentliche krank ist, dass es immer genug Platz im Buch hat, in dem Gottesdienstbesucher ihre Gedanken festhalten können, dass die Termine rechtzeitig im Pfarrblatt veröffentlicht werden, dass am Samichlaustag ein Kerzenziehen stattfinden kann und danach wieder alles sauber ist – dafür sorgen wir Pfarreisekretärinnen mit unserem Team. Ich würde sagen, bei uns laufen die Fäden zusammen.
Und gleichzeitig nehmen wir uns Zeit für die Menschen. Wie an dem Tag, als eine ältere Dame anrief. Nachdem ich ihre bürokratische Anfrage weitergeleitet hatte, antwortete sie auf meine Frage, wie ich ihr sonst noch helfen könne, mit: «Mir geht es zurzeit nicht gut, ich fühle mich einsam.» Natürlich hängte ich dann nicht auf. Ich kam mit ihr ins Gespräch, hörte ihr zu, erzählte ihr ein bisschen, wie es am Morgen war, als ich meinen Sohn in den Chindsgi gebracht habe. Allein das hat sie schon glücklich gemacht. Ob Rechnungen visieren oder ein offenes Ohr haben – als Pfarreisekretärin ist beides wichtig.
Aufgezeichnet von Leonie Wollensack
