HEUTE LEBEN – MIT BLICK ZURÜCK UND HOFFNUNG NACH VORN
Die katholische Liturgie schenkt uns Anfang November zwei besondere Tage: ein Hochfest für alle Heiligen und den Gedenktag für alle Verstorbenen.
An Allerheiligen feiern wir das Geheimnis der Gemeinschaft der Heiligen. Diese tiefe Verbindung erinnert uns daran, dass wir nie allein sind: Wir gehören mit all jenen zusammen, die das Ziel bei Gott bereits erreicht haben. Am zweiten November gedenkt die Kirche im Gebet aller Verstorbenen. An diesem Gedenktag bitten wir Gott voll Vertrauen um das ewige Licht für unsere Verstorbenen.
Diese Tage laden uns ein, unser Leben neu zu betrachten. Wir schauen auf die Vergangenheit und erinnern uns dankbar an die Menschen, die vor uns gegangen sind. Gleichzeitig blicken wir in die Zukunft auf die Herrlichkeit der Auferstehung, die Gott uns versprochen hat. Diese Hoffnung prägt auch unsere Gegenwart: Das Evangelium der Seligpreisungen, das an Allerheiligen verkündet wird, lädt uns ein, schon heute Barmherzigkeit und Frieden zu leben. So erfahren wir bereits auf Erden einen Vorgeschmack der auferstandenen Freude.
In der Festliturgie von Allerheiligen hören wir zudem einen Text aus dem Buch der Offenbarung. Dieses letzte Buch der Bibel war keine Fantasiegeschichte. Es wurde Ende des ersten und Anfang des zweiten Jahrhunderts in Kleinasien verfassen, als unter der Herrschaft von Domitian christliche Gläubige bedroht waren. Es nutzte eine symbolische Sprache, blickte auf das Zeugnis der Jünger Jesu zurück, wies auf die zukünftige Herrlichkeit hin und gab den Christen und Christinnen in Bedrängnis Hoffnung.
Genau dadurch spricht es zu uns Frauen und Männern von heute: Mitten in den Schwierigkeiten unserer eigenen Existenz schenkt es uns Trost und Zuversicht.
So werden Allerheiligen und Allerseelen zu Tagen der Hoffnung, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbinden.
Text: Marco Nuzzo, Pfarreiseelsorger. Foto: Pixabay
