Gemeinschaft ​braucht Beteiligung
Für kirchliche Dienste, wie etwa Hochzeiten, gibt es bei der RKK BS neu ein Merkblatt mit Preisen für Nichtmitglieder.
Bild: © Suryadhityas auf unsplash

Gemeinschaft ​braucht Beteiligung

Wer in einer katholischen Pfarrei in Basel eine Taufe, Hochzeit oder Beerdigung in Anspruch nehmen möchte, ohne Mitglied zu sein, findet künftig einen Richtwert für die Kosten.

Die Syn­ode hat beschlossen, ein Merk­blatt mit Preisempfehlun­gen für kirch­liche Dien­ste zu erstellen. Verbindliche Gebühren gibt es nicht, die Pfar­reien kön­nen flex­i­bel reagieren und beispiel­sweise Aus­nah­men bei finanzieller Not­lage berück­sichti­gen. Die neue Über­sicht soll sowohl den Pfar­reien als auch den Nutzen­den als Ori­en­tierung dienen und den Umgang mit kirch­lichen Dien­sten trans­par­enter machen. Pfar­rer Ste­fan Kemm­ler, Mit­glied des Kirchen­rates, hat uns ein paar Fra­gen zum The­ma beant­wortet.

Der Beschluss fusst auf dem Gedanken, dass Gläubige ihren Möglichkeiten entsprechend zum Unterhalt der Kirche beitragen sollen. Welche biblischen oder theologischen Prinzipien prägen diese Idee?

Kemm­ler: Es han­delt sich um das bib­lis­che Prinzip vom soge­nan­nten «Zehn­ten», also die Abgabe von einem Zehn­tel des Einkom­mens, um die Gemein­schaft zu unter­stützen. Wir find­en im Alten Tes­ta­ment eben­so die Auf­forderung zur Mith­il­fe beim Tem­pel­bau und im neuen Tes­ta­ment die Auf­forderung des Paulus, der die Gläu­bi­gen ein­lud, Geld zu sam­meln, um die Gemein­den in Jerusalem zu unter­stützen. Solche sol­i­darischen Momente find­en wir über­all in der Bibel. Jede Gemein­schaft braucht materielle Unter­stützung oder Geld, um am Leben gehal­ten zu wer­den.

Das Geben des Zehnten, von Steuern und Spenden sehen Sie als Ausdruck der Verbundenheit mit der Gemeinschaft. Wie erklären Sie diesen Gedanken Nicht-Mitgliedern, die kirchliche Dienstleistungen in Anspruch nehmen wollen?

Glauben leben wir immer in Gemein­schaft. Natür­lich kann ich auch Werke der Näch­sten­liebe für Men­schen tun, die mir nicht so nah­este­hen, wenn ich die Zeit und die Ressourcen habe. Aber die seel­sorg­er­lichen Dien­ste ste­hen immer in einen Bezug zur Gemein­schaft. Es gibt keinen christlichen Glauben ohne Gemein­schaft. Jemand Fremdes kann ich mit einem Werk der Näch­sten­liebe begeg­nen. Aber er kann nicht von mir erwarten, was ich tun soll. Von ein­er Gemein­schaft etwas zu erwarten, ohne sich entsprechend für die Gemein­schaft zu engagieren ist unsozial. Anders sieht es aus, wenn Men­schen an uns her­antreten, die sich in ein­er schwieri­gen Sit­u­a­tion befind­en, wenn sie anfan­gen sich zu reflek­tieren und sich auf den Weg, gemein­sam mit der Gemein­schaft, machen. Da kann man gemein­sam nach Lösun­gen suchen.

Wer sind denn die Menschen, die Angebote in Anspruch nehmen wollen, ohne Mitglied zu sein? Der Anzug kommt aus dem Kontext der anderssprachigen Pfarrei Sacré Cœur. Es scheint nicht nur um Menschen zu gehen, die keinen Bezug zum katholischen Glauben haben.

Hier geht es oft um die Gebühren für die Kirchen­nutzung, zum Beispiel bei Hochzeit­en oder Taufen. Wenn in mein­er Kirche ein­mal im Jahr eine Hochzeit stat­tfind­et, macht das kaum einen Unter­schied. Ob es 300 oder 301 Gottes­di­en­ste im Jahr sind, spielt keine Rolle. Da brauche ich nichts zu ver­lan­gen. Wenn aber Son­der­gottes­di­en­ste einen Grossteil des Betriebes aus­machen und entsprechend Kosten verur­sachen, dann müssen diese auch ver­rech­net wer­den.

Die Kirche betont, dass Sakramente und Seelsorge «unverkaufbare Gaben Gottes» sind. Wie kommunizieren Sie, dass diese Gaben zwar kostenlos sind, aber die Institution dahinter getragen und finanziert werden muss?

Hier liegt der Fokus wieder auf dem Gemein­schafts­bezug. Sakra­mente und Seel­sorge nehmen wir in der Gemein­schaft in Anspruch, in der wir ver­wurzelt sind. Und dadurch wan­delt sich die Ein­stel­lung. Wenn jemand einen Bezug zu ein­er Gemein­schaft hat, ist die erste Frage nicht: «Wie bekomme ich etwas?», son­dern: «Was kann ich dazu beitra­gen, dass die Gemein­schaft lebt?»

Leonie Wollensack
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