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Gemeinschaft braucht Beteiligung
Wer in einer katholischen Pfarrei in Basel eine Taufe, Hochzeit oder Beerdigung in Anspruch nehmen möchte, ohne Mitglied zu sein, findet künftig einen Richtwert für die Kosten.
Die Synode hat beschlossen, ein Merkblatt mit Preisempfehlungen für kirchliche Dienste zu erstellen. Verbindliche Gebühren gibt es nicht, die Pfarreien können flexibel reagieren und beispielsweise Ausnahmen bei finanzieller Notlage berücksichtigen. Die neue Übersicht soll sowohl den Pfarreien als auch den Nutzenden als Orientierung dienen und den Umgang mit kirchlichen Diensten transparenter machen. Pfarrer Stefan Kemmler, Mitglied des Kirchenrates, hat uns ein paar Fragen zum Thema beantwortet.
Der Beschluss fusst auf dem Gedanken, dass Gläubige ihren Möglichkeiten entsprechend zum Unterhalt der Kirche beitragen sollen. Welche biblischen oder theologischen Prinzipien prägen diese Idee?
Kemmler: Es handelt sich um das biblische Prinzip vom sogenannten «Zehnten», also die Abgabe von einem Zehntel des Einkommens, um die Gemeinschaft zu unterstützen. Wir finden im Alten Testament ebenso die Aufforderung zur Mithilfe beim Tempelbau und im neuen Testament die Aufforderung des Paulus, der die Gläubigen einlud, Geld zu sammeln, um die Gemeinden in Jerusalem zu unterstützen. Solche solidarischen Momente finden wir überall in der Bibel. Jede Gemeinschaft braucht materielle Unterstützung oder Geld, um am Leben gehalten zu werden.
Das Geben des Zehnten, von Steuern und Spenden sehen Sie als Ausdruck der Verbundenheit mit der Gemeinschaft. Wie erklären Sie diesen Gedanken Nicht-Mitgliedern, die kirchliche Dienstleistungen in Anspruch nehmen wollen?
Glauben leben wir immer in Gemeinschaft. Natürlich kann ich auch Werke der Nächstenliebe für Menschen tun, die mir nicht so nahestehen, wenn ich die Zeit und die Ressourcen habe. Aber die seelsorgerlichen Dienste stehen immer in einen Bezug zur Gemeinschaft. Es gibt keinen christlichen Glauben ohne Gemeinschaft. Jemand Fremdes kann ich mit einem Werk der Nächstenliebe begegnen. Aber er kann nicht von mir erwarten, was ich tun soll. Von einer Gemeinschaft etwas zu erwarten, ohne sich entsprechend für die Gemeinschaft zu engagieren ist unsozial. Anders sieht es aus, wenn Menschen an uns herantreten, die sich in einer schwierigen Situation befinden, wenn sie anfangen sich zu reflektieren und sich auf den Weg, gemeinsam mit der Gemeinschaft, machen. Da kann man gemeinsam nach Lösungen suchen.
Wer sind denn die Menschen, die Angebote in Anspruch nehmen wollen, ohne Mitglied zu sein? Der Anzug kommt aus dem Kontext der anderssprachigen Pfarrei Sacré Cœur. Es scheint nicht nur um Menschen zu gehen, die keinen Bezug zum katholischen Glauben haben.
Hier geht es oft um die Gebühren für die Kirchennutzung, zum Beispiel bei Hochzeiten oder Taufen. Wenn in meiner Kirche einmal im Jahr eine Hochzeit stattfindet, macht das kaum einen Unterschied. Ob es 300 oder 301 Gottesdienste im Jahr sind, spielt keine Rolle. Da brauche ich nichts zu verlangen. Wenn aber Sondergottesdienste einen Grossteil des Betriebes ausmachen und entsprechend Kosten verursachen, dann müssen diese auch verrechnet werden.
Die Kirche betont, dass Sakramente und Seelsorge «unverkaufbare Gaben Gottes» sind. Wie kommunizieren Sie, dass diese Gaben zwar kostenlos sind, aber die Institution dahinter getragen und finanziert werden muss?
Hier liegt der Fokus wieder auf dem Gemeinschaftsbezug. Sakramente und Seelsorge nehmen wir in der Gemeinschaft in Anspruch, in der wir verwurzelt sind. Und dadurch wandelt sich die Einstellung. Wenn jemand einen Bezug zu einer Gemeinschaft hat, ist die erste Frage nicht: «Wie bekomme ich etwas?», sondern: «Was kann ich dazu beitragen, dass die Gemeinschaft lebt?»
