
© Marie-Christine Andres
Gelungene Premiere von «Keis Wunder – es Wunder»
Die Inszenierung des Freilichttheaters in Beinwil (Freiamt) setzt sich auf überzeugende Weise mit Wundern und Heiligkeit auseinander
Am Freitag, 7. August, fand in Beinwil Freiamt die Premiere des Theaterstücks «Keis Wunder – es Wunder» statt. Die Inszenierung führte die Zuschauenden rund ums Dorf und verband das Leben des mittelalterlichen Heiligen Burkard mit heutigen Fragen. Unter den Theaterbesuchenden waren auch alt Bundesrätin Doris Leuthard und Weihbischof Josef Stübi.
Bissig kann einem richtig leidtun. Da will er der Besuchergruppe doch vom wundertätigen Wirken des heiligen Burkard berichten und sie an die verschiedenen Schauplätze seines Lebens führen. Doch schon nach den ersten Sätzen wird der junge Dorfhistoriker unterbrochen. Schagg, der Dorfnarr, steigt von der alten Linde herunter und mischt sich ein.

Gespür für Zwischentöne
Bissig versucht, beim Thema zu bleiben und die Gruppe zusammenzuhalten. Schagg hinterfragt alles und will diskutieren. Und damit nicht genug. Auch zwei Zuschauerinnen mischen sich ins Geschehen ein und legen ungefragt ihre Sicht der Dinge dar. «Weitergehen!», mahnt Bissig immer wieder, schwankend zwischen Verständnis und zunehmender Verzweiflung. Andreas Bürgisser und Stephan Wottreng verkörpern Bissig und Schagg mit grossem Gespür für Zwischentöne und einer Prise Selbstironie.

Das Organisationskomitee des Freilichttheaters ist aus der Beinwiler Burkard-Kommission heraus entstanden. Im Frühling 2025 wurde aus der Kommission der Verein St. Burkard, der Produzent des Projektes ist. Zusammen mit dem Chor wirken über 50 Menschen mit. Ein Grossteil davon sind Laiendarstellende aus Beinwil und der Umgebung. Sie alle liefern eine überzeugende Leistung — als Chorsängerin in einer Beerdigungsszene, als junge Frau, Glauben und Kirche grundsätzlich hinterfragt oder als mittelalterlicher Patriarch, dessen letztes Stündlein geschlagen hat.
Die Auseinandersetzung mit Wundern und Heiligkeit im Theaterstück ist weit gefächert. Die Figuren im Stück suchen nach Antworten: Was sind Wunder? Was ist der Glaube dahinter? Kann – und muss – alles erklärt werden? Weshalb hoffen wir heute noch auf Wunder, auch wenn uns der Glaube, scheinbar, abhandengekommen ist? Die sorgfältig ausgewählten Spielorte im und ums Dorf, die kunstvoll gestalteten Kostüme und der immer wieder aufblitzende Humor in den Dialogen machen die Inszenierung zu einem sehenswerten Gesamtkunstwerk.
«Keis Wunder – es Wunder»
7. August bis 5. September, in Beinwil/Freiamt, Tickets gibt es online auf www.freilichttheater-beinwil.ch/tickets.
Die Vorstellungen finden jeweils dienstags, freitags und samstags sowie vereinzelt an Sonntagen und nur bei zumutbarem Wetter statt. Der Theaterweg ist ca. 1 km lang und rollstuhlgängig, das Stück dauert ca. 90 min. Parkplätze in 5 bis max. 15 min Gehdistanz vorhanden. Weitere Infos sowie alle Aufführungs- und Ersatzdaten :www.freilichttheater-beinwil.ch

