Fastenopfer kämpft auf den Philippinen gegen das Morden und für das Impfen

Fastenopfer kämpft auf den Philippinen gegen das Morden und für das Impfen

  • Im Aus­land­schw­er­punkt im Nach­gang zur Fas­ten­zeit berichtet Hor­i­zonte über die Sit­u­a­tion auf den Philip­pinen.
  • Fas­tenopfer engagiert sich auf den Philip­pinen gegen Men­schen­rechtsver­let­zun­gen. Hor­i­zonte hat mit der Pro­gram­mver­ant­wortlichen, Hele­na Jeppe­sen, gesprochen.

Der Klimawandel trifft auch die Philippinen

Ein zweites gross­es Prob­lem scheint offen­bar der Kli­mawan­del, respek­tive dessen Fol­gen, zu sein. Wie stark haben Unwet­ter und Naturkatas­tro­phen in den let­zten Jahren zugenom­men?
Hele­na Jeppe­sen:
Die Tai­fu­ne wer­den zweifel­los stärk­er und zer­störerisch­er und wer­fen oft auch die Errun­gen­schaften in einem Pro­jekt wieder zurück. Dies haben fast alle Pro­jek­t­part­ner in den let­zten zehn Jahren schmerzvoll erfahren. Die Fol­gen des Kli­mawan­dels sind im Insel­re­ich Philip­pinen unüberse­hbar. 

Was kann Fas­tenopfer bei diesem The­ma mit seinen Part­neror­gan­i­sa­tio­nen für die Men­schen tun?
Einige unser­er Part­neror­gan­i­sa­tio­nen sind zu Profis des soge­nan­nten «Dis­as­ter Risk-Man­age­ments» gewor­den. Das ist die Katas­tro­phen­vor­bere­itung, die in allen Pro­jek­t­ge­bi­eten zusam­men mit den lokalen Behör­den einge­führt wurde. Wenn die Bevölkerung sich gut auf einen Tai­fun vor­bere­it­et und Schutz sucht in den Evaku­a­tion­szen­tren, kön­nen Todes­fälle ver­mieden und materielle Schä­den ver­min­dert wer­den. Seit dem zer­störerischen Super-Tai­fun Haiyan im Jahr 2013, der über 6’000 Men­schen in den Tod riss, wurde die Katas­tro­phen­vor­sorge in allen Prov­inzen einge­führt und verbessert.

Frau Jeppe­sen, wie stark haben auf den Philip­pinen Men­schen­rechtsver­let­zun­gen unter Rodri­go Duterte in den let­zten Jahren zugenom­men?
Hele­na Jeppe­sen: Men­schen­recht­sor­gan­i­sa­tio­nen bericht­en von ein­er drastis­chen Zunahme. Vor allem die Zahl der soge­nan­nten «ausserg­erichtlichen Tötun­gen» im Zuge des Anti-Dro­genkriegs ist schock­ierend hoch. Seit dem Amt­santritt von Präsi­dent Duterte im Jahr 2016 sind min­destens 30’000 Men­schen, darunter auch Kinder, umge­bracht wor­den. Eine Kul­tur der Straflosigkeit führt dazu, dass es kaum Kon­se­quen­zen für Ver­ant­wortliche solch­er Men­schen­rechtsver­stösse gibt.

Welche Erfolge kann die Part­neror­gan­i­sa­tion von Fas­tenopfer vor Ort mit anwaltschaftlich­er Unter­stützung erre­ichen?
Durch die Medi­en­ar­beit der kirch­lichen und nichtkirch­lichen Men­schen­recht­sor­gan­i­sa­tio­nen kam das Aus­mass der ausserg­erichtlichen Tötun­gen ans Licht und ins Bewusst­sein der nationalen und inter­na­tionalen Öffentlichkeit.

Wird die Arbeit von Fas­tenopfer, beziehungsweise deren Part­neror­gan­i­sa­tio­nen, von der Regierung behin­dert?
Selb­st Bis­chöfe und Ordens­frauen, hohe kirch­liche Vertreterin­nen und Vertreter beka­men Todes­dro­hun­gen, weil sie Gerechtigkeit und die Ein­hal­tung der Men­schen­rechte ein­forderten. Auch einige unser­er Part­neror­gan­i­sa­tio­nen müssen ihre Mitar­bei­t­en­den schützen und vor­sichtig agieren. Auf den Philip­pinen ist die Mei­n­ungs- und Presse­frei­heit eingeschränkt und bedro­ht.

Die aktuelle Pan­demie hat sich­er auch ein­schnei­dende Fol­gen für die Men­schen auf den Philip­pinen. Was erfahren Sie über Ihre Kon­tak­te vor Ort über die Men­schen? Wer ist beson­ders betrof­fen?
In den dicht besiedel­ten Gebi­eten, wo viele Arme leben, haben sich sehr viele Men­schen infiziert. Es ist unmöglich, in einem Slum Abstand zu hal­ten und die Hygien­evorschriften einzuhal­ten, denn die Wohn­ver­hält­nisse sind sehr eng, und es gibt in den Häusern kein fliessendes Wass­er.

In Brasilien wer­den bes­timmte Men­schen­grup­pen im Kampf gegen die Coro­na-Pan­demie offen­sichtlich ver­nach­läs­sigt und benachteiligt. Hat die Duterte-Regierung ähn­liche Missstände zu ver­ant­worten?
Nein, dies ist nicht der Fall. Die Regierung plante den Start der Impfkam­pagne für Feb­ru­ar. Noch ist aber weit und bre­it kein Impf­stoff in Sicht.

Wie ste­ht die Bevölkerung zur Imp­fung?
Die philip­pinis­che Bevölkerung ist sehr impfskep­tisch, unter anderem auch, weil es vor eini­gen Jahren bei der Ein­führung eines Impf­stoffes gegen das Dengue­fieber mehrere Todes­fälle gab. Auf den Philip­pinen sind die wirtschaftlichen Fol­gen der Pan­demie gravieren­der als die gesund­heitlichen. Auch deshalb ist es wichtig, dass die Bevölkerung geimpft wird. Die Armut hat im let­zten Jahr stark zugenom­men.

Andreas C. Müller
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