Die Katze losbinden
In den Laboratorien entwarfen die Teilnehmenden bedürfnisorientierte Angebote. Dabei mussten sie sich von Traditionen befreien und die eine oder andere Katze losbinden.
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Die Katze losbinden

Die angebundene Katze steht für Traditionen, die aus Gewohnheit fortgeführt werden. Auch in der Kirche gibt es solche Muster. Das klassische Pfarreimodell trägt vielerorts nicht mehr. Wie Kirche künftig aussehen könnte, war Thema des ersten Deutschschweizer Forums für Kirchenentwicklung an der Paulus Akademie.

Die Ver­anstal­tung war über­bucht, es mussten Inter­essierte abgewiesen wer­den. «Kirche nach der Pfar­rei», das erste Deutschschweiz­er Forum für Kirch­enen­twick­lung, organ­isiert vom Schweiz­erischen Pas­toral­sozi­ol­o­gis­chen Insti­tut (SPI), dem The­ol­o­gisch-pas­toralen Bil­dungsin­sti­tut (TBI), dem Pas­toralin­sti­tut der The­ol­o­gis­chen Hochschule Chur und allen Deutschschweiz­er Bistümern, stiess auf gross­es Inter­esse.

Rund 140 Teil­nehmende sassen zu Tagungs­be­ginn erwartungsvoll auf ihren Stühlen, welche die Organ­isatorin­nen eigentlich gar nicht hat­ten auf­stellen woll­ten. Denn es gin­ge darum, Räume zu erkun­den und neu zu bespie­len, erk­lärte Chris­tiane Schu­bert vom Pas­toralamt Bis­tum St. Gallen bei der Begrüs­sung.

Am Anfang der Tagung wur­den die Befind­lichkeit­en und Mei­n­un­gen der rund 140 Teil­nehmenden abge­holt © tbi

Wer sass im Saal der Zürcher Paulus Akad­mie? Die Mehrheit der Teil­nehmenden waren kirch­lich Tätige, rund die Hälfte in der Seel­sorge. Die meis­ten auf der pas­toralen, einige von der staatskirchen­rechtlichen Seite der Kirche. Die Jun­gen unter ihnen waren Jahrgänge von 1980 bis 2000, die Mehrheit im Saal war aber älter. Auch ein paar wenige Frei­willige waren vor Ort.

Mit Elan und Ideen

«Der Selb­sterneuerungsmo­tor der Kirche stot­tert», stellte Arnd Bünker, Leit­er des SPI, fest und fasste damit seinen pas­toral­sozi­ol­o­gis­chen Kurz­in­put zum all­seits bekan­nten Mit­glieder­rück­gang und zum Bedeu­tungss­chwund der Kirche zusam­men. Was nun? Wie kön­nte es weit­erge­hen? Diese Fra­gen stell­ten sich alle Anwe­senden sich­er nicht erst an diesem Mor­gen. Viele von ihnen kamen mit Ideen und Erfahrun­gen aus Pro­jek­ten nach Zürich. Mit Schwung und Begeis­terung strömten die Teil­nehmenden in die Ate­liers aus, die als näch­stes auf dem Pro­gramm standen.

Hilde­gard Aepli stellte ihr erfol­gre­ich­es Pro­jekt «Grosse Exerz­i­tien im All­t­ag» vor. © tbi

Kirche auf Zeit

Da ging es zum Beispiel um Glauben­skom­mu­nika­tion jen­seits der Pfar­rei. Hilde­gard Aepli, Mitar­bei­t­erin im Pas­toralamt des Bis­tums St. Gallen, stellte dazu das Pro­jekt «Grosse Exerz­i­tien im All­t­ag» vor. Dieses wurde in der ersten Ver­sion von Novem­ber 2021 bis Juni 2022 in zwölf Grup­pen in der Deutschschweiz durchge­führt. 210 Men­schen nah­men teil. 680 Büch­er mit Impulsen wur­den verkauft, dank ihnen erhiel­ten die Teil­nehmenden tägliche Impulse. Zusät­zlich zum indi­vidu­ellen Pro­gramm trafen sich die Teil­nehmenden in Aus­tauschgrup­pen. Umrahmt wurde das Pro­jekt durch eine Auf­tak­tver­anstal­tung und einen Abschlussgottes­di­enst. Das Pro­jekt war so erfol­gre­ich, dass es ein zweites Mal durchge­führt wurde mit noch mehr Teil­nehmenden. Ein drittes Exerz­i­tien-Pro­jekt ist für 2028 geplant. Die «Grossen Exerz­i­tien im All­t­ag» sind ein Beispiel eines Pro­jek­ts auf Zeit, das sich nach den Bedürfnis­sen ein­er Ziel­gruppe richtet, auf einem Net­zw­erk auf­baut, das mit weni­gen Exper­tin­nen und Experten auskommt. Es lasse Gemein­schaften entste­hen, die blieben oder sich wieder auflösten, erk­lärte die Ini­tiantin.

Hal­tung

Nachge­fragt bei Flavia Nico­lai, Pas­toral­raum­leitung Katholis­che Kirche Region Bern

Mit welch­er Idee von der Tagung gehen Sie nach Hause?

«Mit welch­er inneren Hal­tung machen wir uns syn­odal auf den Weg, um uns für die Prob­leme der Zeit zu öff­nen?» Die Tagung hat mich bestärkt, dass das die zugrun­deliegende Frage ist, mit der wir unsere Kirche entwick­eln soll­ten. Der Schlusssatz der Ref­er­entin: «Der Ball ist aus­ge­wor­fen», hat mich motiviert, bewusst und kri­tisch, sit­u­a­tion­s­gerecht und zielo­ri­en­tiert in den Kirch­enen­twick­lung­sprozess zu gehen. Vielle­icht ist das Ziel dann auch, dass wir nochmals eine Runde drehen müssen.

Ausser­dem gefällt mir die Idee der «Heimat auf Zeit». Heute Nach­mit­tag haben wir uns über­legt, was wir ein­er jun­gen Expat anbi­eten kön­nten. Wir soll­ten dazu überge­hen, es legit­im zu find­en, Men­schen ein Ange­bot auch für eine beschränk­te Zeit zu machen.

Haben Sie ein Bild von der Kirche nach der Pfar­rei vor Ihrem inneren Auge?

Nein, ich habe kein Bild. Ich glaube, dass es das Ter­ri­to­ri­ale vor Ort braucht, das wir heute Pfar­rei nen­nen. Ich bin aber auch überzeugt, dass es in anderen Kat­e­gorien wie etwa in der Spi­talseel­sorge, die sich im Feld der Pal­lia­tive Care und Medi­zin bewegt, noch viele Chan­cen gibt, wo die Kirche hinge­hen und wirken kann. Das gilt auch für andere Sit­u­a­tio­nen, wo sich Men­schen in einem Umbruch befind­en.  Um eine zukun­fts­fähige Kirche zu gestal­ten, müssen wir über­legen, wo die lokale Pfar­reistruk­tur gestärkt wer­den muss und wo neue Mod­elle und For­men erforder­lich sind. Es gibt bere­its bei uns in der Region Bern erste Schritte zur Bil­dung von grösseren Leitung­sein­heit­en, die das Ganze im Blick haben, ohne das Lokale auszublenden. Vielle­icht wer­den wir mit weniger Mit­teln erfind­erisch­er.

Welche Pro­jek­te in Ihrem Pas­toral­raum weisen in diese Zukun­ft?

Eine neue Fach­stelle Spezialseel­sorge und Diakonie der Lan­deskirche Bern arbeit­et daran, dass für Hos­pize mehr Mit­tel freigemacht wer­den. In Bern gibt es seit einiger Zeit das Kinder­hos­piz Allani, vier weit­ere Hos­pize sind in Pla­nung. Das ist eine nach­haltige Entwick­lung, die den Betrof­fe­nen und ihren Ange­höri­gen zugutekommt.

Wir haben im Bern­er Neubauge­bi­et «Hol­liger» das Pro­jekt «Dock8» als einen Erprobungsraum kreiert. Drei Part­ner – die katholis­che und reformierte Kirche und Wohnen Bern schlossen sich mit der Idee zusam­men ein «sozial­rau­mori­en­tiertes Zen­trum einzuricht­en. Dort find­en Pro­jek­te zu ökol­o­gis­ch­er und sozialer Nach­haltigkeit statt: Vorträge über Armut der Car­i­tas, das Phi­lo Café, Sprachkurse für Geflüchtete, Unter­stützung bei admin­is­tra­tiv­en Fra­gen, Lotus – ein offen­er Aus­tausch über psy­chis­che Gesund­heit — und viele weit­ere Ange­bote. An diesem Ort wird erprobt, wie das Wirken der katholis­chen Kirche im über­tra­ge­nen Sinn stat­tfind­et. Es lohnt sich solche Erprobungsräume zu öff­nen. Ich stelle mir vor, dass wir solche Pro­jek­te skalieren und mul­ti­plizieren kön­nen. In Bern West entste­hen Neubaut­en, in Münsin­gen oder auf dem Bern­er Feld, vielle­icht funk­tion­iert solche urbane Diakonie auch dort.

Die Katze losbinden - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz 2
Flavia Nico­lai Bild © zVg

Kirche in Zwischenräumen

In einem anderen Ate­lier ging es um Diakonie in Koop­er­a­tion mit dem Gesund­heitswe­sen, und zwar am Beispiel des Pal­lia­tiv-Care-Net­zw­erks im Kan­ton Aar­gau. Ste­fan Her­trampf, Heim- und Spi­talseel­sorg­er, berichtete vom Dienst der Kirche in einem Zwis­chen­raum, wobei sie sich in einem säku­laren Umfeld behaupten muss, das nach wirtschaftlichen Kri­te­rien funk­tion­iert. Die Spi­talseel­sor­gen­den sind dabei Teil eines diversen Behand­lung­steams jedoch mit einem gemein­samen Anliegen: Ein gutes Leben bis zum Ende.

Kirche als Partnerin

«Hier muss sich die Kirche ein­lassen, ohne sich aber selb­st aufzugeben», sagt Ste­fan Her­trampf. Sie könne im besten Fall Part­ner­in sein und ihre Werte anbi­eten. Der Erfolg dieses Dien­stes im Zwis­chen­raum hänge von der Ver­net­zung der Seel­sor­gen­den ab: Kon­tak­te zu den Pfle­gen­den, den Ärztin­nen und Ther­a­peuten, zur Spi­tex. Die Seel­sor­gen­den müssten sich ins Spiel ein­brin­gen, dann wür­den sie neben der Seel­sorge bei den Pati­entin­nen und Patien­ten manch­mal auch beige­zo­gen zu ethis­chen Entschei­dungs­find­un­gen, zur Weit­er­bil­dung der Pfle­gen­den oder für die Gestal­tung von Feiern. Das Beispiel zeigt ein kirch­lich­es Ange­bot mit ein­er soge­nan­nten «Geh-Struk­tur», in der die Kirche aus den Kirchen­räu­men hin­aus geht, sich ver­net­zt und sich als Part­ner­in anbi­etet, nicht als Chefin.

Bekannte Methoden

Weit­ere Ate­liers hat­ten Dig­i­tal­ität, Erprobungsräume, «Art of Host­ing» und «Effec­tu­a­tion» zum The­ma. In der Mit­tagspause war eine gewisse Ernüchterung zu spüren. Die The­men waren nicht neu, die Meth­o­d­en vie­len schon bekan­nt. Am Nach­mit­tag zeigten sich Lück­en in den vorher gut beset­zten Sitzrei­hen.

Bedürfnisorientierte Angebote

In den Lab­o­ra­to­rien am Nach­mit­tag wur­den schliesslich fik­tive Per­so­n­en als Aus­gangspunk­te genom­men, um basierend auf ihren spez­i­fis­chen Bedürfnis­sen, ver­schiedene Ange­bote zu entwick­eln. Als Beispiel diente etwa Pas­cal Wan­ner, 42 Jahre alt, ver­heiratet und kinder­los, Diplom-Math­e­matik­er in ein­er Ver­sicherung. In sein­er Kind­heit und Jugend war Pas­cal in der Jubla aktiv und liebte vor allem die Aktiv­itäten in der Natur. Heute ist Pas­cal zwar noch Kirchen­mit­glied, besucht aber kaum mehr einen Gottes­di­enst und fühlt sich von den Ange­boten der Pfar­rei nicht ange­sprochen. Er ver­spürt aber eine Sehn­sucht, sich spir­ituell zu ver­ankern.

Net­zw­erke

Roman Rieger, Leit­er Pas­toralamt Bis­tum St. Gallen

Welche Ideen nehmen Sie von dieser Tagung mit für die Kirche nach der Pfar­rei?

Viele Men­schen bewe­gen sich im dig­i­tal­en Raum. Dieser Raum ist im Moment stark von evan­ge­likalen oder radikalen christlichen Grup­pen dominiert. Wir haben die grosse Auf­gabe, im dig­i­tal­en Raum viel stärk­er und pro­fes­sioneller mit konkreten Gesichtern präsent zu sein. Weit­er haben wir heute in einem Lab­o­ra­to­ri­um ver­sucht, von den Bedürfnis­sen ein­er Ziel­­grup­pen-Per­­son aus zu entwick­eln – jen­seits von Pfar­reigrösse und organ­i­sa­tionalen Gren­zen – das war inspiri­erend.

Wie gross ist die Chance, dass die Ideen der Tagung in Ihrem Wirkungs­feld umge­set­zt wer­den kön­nen?

Ich arbeite auf ein­er strate­gis­chen Ebene im Pas­toralamt des Bis­tums St. Gallen. Mich hat die Tagung bestärkt, die Mitar­bei­t­en­den in der Kirche zu ermuti­gen, Beste­hen­des loszu­lassen und Exper­i­mente, neue Arten von Kirche, aktiv auszupro­bieren. Wir von der Bis­tum­sleitung kön­nen dazu beitra­gen, indem wir einen Net­zw­erk-Raum schaf­fen, in dem sich Men­schen aus der Pas­toral, die Energie, Freude und Mut für Exper­i­mente haben, find­en kön­nen. Ich habe die Vision, dass wir vom Bis­tum her auch die Möglichkeit haben, Geld zu sprechen für inno­v­a­tive Pro­jek­te. Dafür brauchen wir die Zusam­me­nar­beit mit dem dualen Part­ner, der staatskirchen­rechtlichen Seite.

Wie haben Sie die Atmo­sphäre der Tagung erlebt?

Die Teil­nehmenden anerken­nen die her­aus­fordernde Real­ität der Kirche: schwindende Mit­glieder, abbrechende Finanzen, Rück­gang des Per­son­als. Gle­ichzeit­ig nehme ich wahr, dass diese Men­schen auch opti­mistisch sind und darauf ver­trauen, dass uns Gottes Geist begleit­et. Die Kirche hat in den ver­gan­genen 2000 Jahren schon viele Trans­for­ma­tion­sprozesse durchgemacht. Das nachkonzil­iare Kirchen­mod­ell der «Pfar­reifam­i­lie» ist am Ende und jet­zt kommt etwas Neues. Ich spüre Opti­mis­mus trotz aller Her­aus­forderun­gen.

Was ist das grösste Risiko für die Men­schen, die nun Neues aus­pro­bieren wollen?

Die vie­len Wider­stände auf allen Ebe­nen kön­nen Men­schen mit Feuer läh­men. Das kön­nen Kol­legin­nen und Kol­le­gen in Seel­sor­geteams sein, das kön­nen die Ver­ant­wortlichen in den Kirchge­mein­den sein, welche die Finanzen ver­wal­ten, das kann Wider­stand aus der Bis­tum­sleitung oder aus der Kernge­meinde sein. Wir müssen den noch weni­gen, treuen Kirchgän­gerin­nen und Kirchgängern zumuten, sich an andere Kirchenorte zu bewe­gen. So wird es möglich in grösseren Räu­men Kirche zu sein und eine grössere Vielfalt von Kirchen- und Glauben­szugän­gen zu schaf­fen. Wenn wir das nicht machen, dann ver­wal­ten wir den Unter­gang. Wir müssen die Kräfte bün­deln für Neues und darum das Beste­hende reduzieren.

Wo hat in Ihrem Bis­tum die Kirche nach der Pfar­rei schon begonnen?

In der «Kirche Kun­ter­bunt». Das ist ein For­mat, in dem Kinder vom Babyal­ter an bis etwa zwölf Jahre mit ihren Eltern oder Grossel­tern teil­nehmen. Inner­halb von zwei, drei Jahren sind im Bis­tums St.Gallen gut 20 solch­er Kirchen ent­standen. Nach meinem Ver­ständ­nis grün­den wir damit Gemein­den, in denen auch Men­schen mit dabei sind, die son­st oft keinen kirch­lichen Bezug haben. Ein weit­eres Beispiel für die Kirche nach der Pfar­rei ist das Ange­bot «Joy». Das ist ein neues junges Gottes­di­en­st­for­mat in Wil SG, das mit pro­fes­sioneller Band, Licht­show, dial­o­gis­ch­er «Predigt» und vier Sta­tio­nen, um sich sel­ber einzubrin­gen, immer zwis­chen 100 und 140 Per­so­n­en aus der Region anzieht. Daraus wächst nun eine «Youth Acad­e­my», in der sich eine Gruppe von jun­gen Men­schen über die Inhalte weit­er aus­tauscht. Auch das ist für mich eine Gemein­de­grün­dung.

Die Katze losbinden - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz 3
Roman Rieger Bild © zVg

Gemeinsam Kirche gestalten

Eine Per­son mit diesem Hin­ter­grund und ähn­lichen Bedürfnis­sen kon­nten sich alle in diesem Lab­o­ra­to­ri­um gut vorstellen, und bald war ein Ver­sprechen an Pas­cal for­muliert. Dieses Ver­sprechen ist der Kern der Can­vas-Meth­ode, mit der in der Wirtschaft Pro­jek­te entwick­elt wer­den, und die nicht weni­gen Teil­nehmenden bere­its bekan­nt war. «Wir machen mit dir zusam­men den Weg des Find­ens» ver­sprachen sie Pas­cal. «Miteinan­der – füreinan­der.»

Bedürfnisori­en­tierte Ange­bote kreieren © tbi

Prozesse statt Produkte

Die Diskus­sio­nen über die Umset­zung wur­den engagiert und auch kon­tro­vers geführt. Einigkeit herrschte aber darüber, dass die Kirche zu den Men­schen gehen und mit ihnen zusam­men her­aus­find­en muss, was sie brauchen – Prozesse statt Pro­duk­te, lautete eine gefun­dene Formel. Pas­cal schliesslich ren­ovierte im bear­beit­eten Fall­beispiel mit ein­er Gruppe von Gle­ich­gesin­nten ein in der Natur gele­genes, leer­ste­hen­des Gäste­haus der Kirche. Ein Mann ein­er nahen Ordens­ge­mein­schaft wurde zu einem Mit­glied der Gruppe, die sich gern ums Feuer traf. Bei den Gesprächen am Feuer brachte er immer wieder spir­ituelle Impulse ein, welche die Gruppe dankbar auf­nahm. Mit der Zeit gesell­ten sich Fam­i­lien­mit­glieder zur Gruppe, die schliesslich eine Waldge­meinde grün­dete. In dieser Art, da waren sich die Teil­nehmenden einig, kön­nten sie sich die Kirche nach der Pfar­rei vorstellen.

Die Katze losbinden

Den Abschluss der Tagung bildete das Refer­at von Klara Anto­nia Csiszar. Die Linz­er Pas­toralthe­olo­gin ist Exper­tin im von Papst Franziskus angestosse­nen syn­odalen Prozess und war als Beobach­terin an der Tagung in der Paulus Akademie dabei. Sie bestärk­te die Anwe­senden darin, sich vor allem darüber klar zu wer­den, aus welch­er inneren Hal­tung Kirche gestal­tet wer­den solle, und ermutigte das Pub­likum, hoff­nungsvoll und in men­schlich­er Ver­bun­den­heit an der Zukun­ft der Kirche zu arbeit­en. Sie entliess das inter­essierte Pub­likum mit den Worten: «Vergessen Sie alles, was ich gesagt habe, aber nehmen Sie diese Geschichte mit.

Vor langer Zeit medi­tierten jeden Abend ein alter und ein junger Mönch zusam­men in ihrem kleinen Kloster. Jeden Abend kam eine Katze in die Kirche spaziert und störte die Med­i­ta­tion. Der alte Mönch befahl, die Katze vor dem Kloster anzu­binden. Dies geschah über Jahre. Als der alte Mönch starb, führte der inzwis­chen älter gewor­dene Mönch die Tra­di­tion weit­er. Als die Katze starb, wurde eine andere Katze an den Pfahl gebun­den. The­olo­gen ver­fassten zwei Bände über die Heil­snotwendigkeit des Katzenan­bindens. Selb­st als sich nie­mand mehr für die Med­i­ta­tion inter­essierte, wurde die Katze weit­er ange­bun­den, um der Tra­di­tion Genüge zu tun.»

Eva Meienberg
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