
Die Geburt Jesu
Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erliess, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen. Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.
So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heisst; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.
In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine grosse Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.
Und plötzlich war bei dem Engel ein grosses himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens. Und es geschah, als die Engel von ihnen in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Lasst uns nach Betlehem gehen, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr kundgetan hat!
So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde. Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war.
Lukas 2,1–20 aus Einheitsübersetzung 2016 © Katholisches Bibelwerk GmbH, Stuttgart

Dieses Bild ist ein Fresko in einer Kapelle in Padua. Die Auftragsarbeit stammt vom Künstler Giotto di Bondone, der von 1266 bis 1337 lebte. Er ist ein Maler der Frührenaissance und erneuerte die Malerei mit seinen naturalistischen Darstellungen.
Maria mit dem blauen Mantel, der das Geistige, das Jenseitige symbolisiert, wendet sich Jesus zu. Sie ist eine junge Frau, keine thronende Himmelskönigin mit starrem Blick. Ihr Gesicht wirkt ruhig und besonnen. Sie hält das Kind nicht eng umklammert, sondern gibt es der Hebamme. Diese Geste weist darauf hin, dass sie ihren Sohn hergeben muss zum Heil der Menschen. Die Hebamme ist dargestellt, weil hier eine richtige Geburt stattgefunden hat. Jesus ist eben ganz Mensch geworden.
Josef ist von der Gruppe abgewandt. Er ist bei der Zeugung und Geburt unbeteiligt. Er hat insofern eine aktive Rolle, als dass er helfen muss, dass das Licht in die Welt kommt. Dazu muss er nun dieses Kind und seine Mutter beschützen, wie ein Vater dies tut. Sein gelber lichtvoller Mantel ist ein Symbol dafür.
Die Schafe symbolisieren die Kirche, als Gemeinschaft der Gläubigen. Denn in den frühen Darstellungen von Jesus wurde er als Hirte gezeigt.
Die Hirten stehen abgewandt von den Betrachtenden. Es geht nicht um ihre Persönlichkeit. Sie stehen für die Menschheit.
Die Engel sind nach oben gerichtet zu Gottvater und nach unten zu Gottes Sohn.
Unterstand und Krippe sind einfach gehalten und zeigen die Armut der Menschen, die erst reich werden, wenn ihnen Gottessohn geschenkt worden ist. Der Blick geht in die Weite zu den felsigen Bergen. Im Unterschied zu den Darstellungen der byzantinischen Kunst, deren Hintergrund oft golden war und damit abstrakt, zeigt Giotto: diese Geschichte ist nichts Abstraktes, sondern ein Ereignis, das sich auf dieser Erde zugetragen hat. (eme)
