Sozialpreis 2026 für «Ankerplatz Demenz Fricktal»
Das Team von «Ankerplatz Demenz Fricktal» freut sich über den Sozialpreis 2026.
© Fiona Piola, fionaarts.ch

Sozialpreis 2026 für «Ankerplatz Demenz Fricktal»

Der Sozialpreis Aargau 2026 würdigt fünf Projekte, die mit Herz und Engagement das Leben anderer bereichern.

Der erste Preis der Sozialpreisverleihung 2026 geht an «Ankerplatz Demenz Fricktal», gefolgt von der «Computeria Wohlen» und dem «Jugendchor Seetal».

Manch­mal braucht es jeman­den, der ein­fach zuhört. Jeman­den, der geduldig erk­lärt, wie das Smart­phone funk­tion­iert. Hin­ter solchen oft unschein­baren Momenten ste­hen engagierte Frei­willige. Fünf beson­ders ein­drück­liche Pro­jek­te wur­den am Don­ner­stagabend, 15. Okto­ber, im Saal der Katholis­chen Kirche in Lenzburg mit dem Sozial­preis von benevol Aar­gau und den drei Aar­gauer Lan­deskirchen aus­geze­ich­net. Der erste Preis der Sozial­preisver­lei­hung 2026 ging an «Anker­platz Demenz Frick­tal», gefol­gt von der «Com­put­e­ria Wohlen» und dem «Jugend­chor See­tal». Zwei weit­ere Ini­tia­tiv­en erhiel­ten Anerken­nung­spreise.

Sozialpreis 2026 für «Ankerplatz Demenz Fricktal» - Lichtblick Römisch-katholisches Pfarrblatt der Nordwestschweiz 1
Hin­ter den Auftrit­ten des Jugend­chors See­tal ste­ht das grosse Engage­ment der vie­len Frei­willi­gen im Fördervere­in Jugend­chor See­tal, die über 3000 Stun­den dafür ein­set­zen.

Mit dem Sozial­preis würdi­gen benevol Aar­gau und die drei Aar­gauer Lan­deskirchen seit 22 Jahren Men­schen, die ihre Zeit, ihre Fähigkeit­en und ihr Herzblut für andere ein­set­zen. Zur 10. Durch­führung bewar­ben sich 43 Pro­jek­te aus dem ganzen Kan­ton. Wie schon bei der let­zten Aus­tra­gung 2024 mit 47 Pro­jek­ten zeigt auch diese Zahl ein­drück­lich, wie weitver­bre­it­et und vielfältig frei­williges soziales Engage­ment im Aar­gau ist. Bis zum 7. Sep­tem­ber kon­nte die Bevölkerung online mitbes­tim­men: Ihre Stim­men zählten zu einem Drit­tel, das Urteil der Jury zu zwei Drit­teln. Die Jury set­zt sich zusam­men aus Vertre­tun­gen von benevol Aar­gau und von den Aar­gauer Lan­deskirchen sowie aus Per­sön­lichkeit­en aus Poli­tik, Ver­wal­tung, Medi­en und gemein­nützi­gen Pro­jek­ten. Die aus­geze­ich­neten Pro­jek­te ste­hen stel­lvertre­tend für viele Men­schen im Aar­gau, die nicht wegschauen, son­dern anpack­en – und damit ein Vor­bild für andere sind. Drei Siegerpro­jek­te – drei beson­dere For­men der Men­schlichkeit Beim «Anker­platz Demenz Frick­tal» des Vere­ins «teil­haben» zählt nicht zuerst die Diag­nose, son­dern der Men­sch mit seinen Wün­schen, Fähigkeit­en und sein­er Freude am Leben. Jeden Mittwoch schenken Frei­willige jung an Demenz erkrank­ten Men­schen ihre Zeit, begleit­en sie mit Ein­füh­lungsver­mö­gen und Humor und schaf­fen einen Ort, an dem sie sich angenom­men fühlen und selb­st­bes­timmt teil­haben kön­nen. Ein Anker­platz, an dem die Jung­be­trof­fe­nen ihren Tag gemein­sam gestal­ten, an dem sowohl Leichtigkeit herrscht wie auch Raum für tiefe Gespräche geschaf­fen wird. Als Pilot­pro­jekt 2025 ges­tartet, wur­den bere­its über 2500 Stun­den Frei­willi­ge­nar­beit geleis­tet. Für dieses aussergewöhn­lich men­schliche Engage­ment erhält das Pro­jekt den ersten Preis, der mit 5000 Franken dotiert ist.

Was für viele selb­stver­ständlich ist, kann andere vor grosse Hür­den stellen: eine Nachricht ver­schick­en, ein Online-For­mu­lar aus­füllen oder das Smart­phone bedi­enen. In der «Com­put­e­ria Wohlen» nehmen sich Frei­willige Zeit, hören zu und erk­lären geduldig – ohne Zeit­druck und auf Augen­höhe. So geben sie Men­schen mit gerin­gen dig­i­tal­en Ken­nt­nis­sen oder begren­zten finanziellen Mit­teln ein Stück Selb­st­ständigkeit und Sicher­heit zurück. Sie ler­nen, das Halb­tax-Abon­nement auf das Smart­phone zu laden, die Steuer­rech­nung online auszufüllen oder die Mul­ti­fak­tor-Authen­tifizierung einzuricht­en. Das Pro­jekt des Kirch­lichen Regionalen Sozial­dien­stes (KRSD) Wohlen und Umge­bung der Car­i­tas Aar­gau wird mit dem zweit­en Preis und 3500 Franken aus­geze­ich­net. Gemein­sam sin­gen, über sich hin­auswach­sen und erleben, was möglich wird, wenn alle ihren Teil beitra­gen: Der «Jugend­chor See­tal» ist weit mehr als ein Chor. Junge Men­schen find­en hier einen Ort, an dem ihre Ideen und Tal­ente Platz haben und aus vie­len Einzel­nen eine Gemein­schaft entste­ht. Mit Gesang, Tanz, The­ater, Büh­nen­tech­nik und Live­band brin­gen sie unter pro­fes­sioneller Leitung ein­drück­liche Auf­führun­gen auf die Bühne. Hin­ter diesem Erleb­nis ste­ht das grosse Engage­ment der vie­len Frei­willi­gen im Fördervere­in Jugend­chor See­tal, die über 3000 Stun­den dafür ein­set­zen. Dafür erhält das Pro­jekt den drit­ten Preis und 2500 Franken.

Zwei Anerkennungspreise für Nähe und Begegnung

Wenn Jung und Alt voneinan­der ler­nen, gewin­nen bei­de Seit­en. Beim Pro­jekt «Gen­er­a­tio­nen im Klassen­z­im­mer» von Pro Senec­tute Aar­gau brin­gen rund 430 Senior­in­nen und Senioren Woche für Woche ihre Lebenser­fahrung, Geduld und Zeit in über 80 Aar­gauer Schulz­im­mer ein. Sie begleit­en Kinder im Schu­lall­t­ag, unter­stützen Lehrper­so­n­en und erleben selb­st, wie bere­ich­ernd der Kon­takt zwis­chen den Gen­er­a­tio­nen ist. Dieses Miteinan­der wird mit einem Anerken­nung­spreis von 1000 Franken gewürdigt. Ein Gespräch kann einen ein­samen Tag verän­dern. Genau darauf baut das Ange­bot «malre­den» des Vere­ins Sil­ber­netz Schweiz, das ger­ade für seine Nieder­schwelligkeit geschätzt wird: Geschulte Frei­willige sind am Tele­fon für ältere Men­schen da, hören aufmerk­sam zu und schenken ihnen kost­bare Zeit und echt­es Inter­esse. Die Gespräche sind kosten­los und anonym. Für diesen leisen, aber wichti­gen Beitrag gegen Ein­samkeit erhält «malre­den» eben­falls einen Anerken­nung­spreis von 1000 Franken.

Ein Abend des Dankes

Die Feier im Saal der Katholis­chen Kirche in Lenzburg rück­te die Men­schen in den Mit­telpunkt, die sich mit Aus­dauer, Kreativ­ität und Mit­ge­fühl für andere ein­set­zen. Rund 100 Vertreterin­nen und Vertreter der nominierten Pro­jek­te, der Jury und der Trägeror­gan­i­sa­tio­nen würdigten die aus­geze­ich­neten Ini­tia­tiv­en. Gross­rat­spräsi­dent Urs Plüss über­brachte das Gruss­wort des Aar­gauer Par­la­ments voller Demut, Dankbarkeit und Hoff­nung. Musikalisch umrahmt wurde die feier­liche Preisver­lei­hung durch ein Ensem­ble der Kan­tor­ei Lenzburg. Der Apéro zum Abschluss bot Gele­gen­heit für den Aus­tausch und die Ver­net­zung untere­inan­der. Ins­ge­samt wur­den Preis­gelder von 13’000 Franken vergeben. Was die Frei­willi­gen darüber hin­aus an Engage­ment investieren und den Men­schen Zeit schenken, lässt sich nicht in Franken messen: Zuge­hörigkeit, Zuver­sicht und das gute Gefühl, nicht allein zu sein.

Die Jury des Sozial­preis­es 2026

Weit­ere Infor­ma­tio­nen: www.sozialpreis-ag.ch

Die Jury
Christoph Weber-Berg, Kirchen­rat­spräsi­dent der Reformierten Lan­deskirche Aar­gau; Jürg Hag­mann, Vizepräsi­dent des Kirchen­rats der Christkatholis­chen Lan­deskirche Aar­gau; Moni­ka Imbo­den, Vor­standsmit­glied von benevol Aar­gau; Christi­na Roth, Vize-Stadt­präsi­dentin von Lenzburg sowie Präsi­dentin der Mitte Frauen Schweiz; Loranne Méril­lat, Lei­t­erin des Kan­tonalen Sozial­dien­stes Aar­gau; Anne-Käthi Kre­mer, TV-Mod­er­a­torin und Mit­glied des Stiftungsrats der Heimgärten Aar­gau; und Sev­erin Fren­zel, Leit­er der Fach­stelle Diakonie der Römisch-Katholis­chen Kirche im Aar­gau.

Jeannette Häsler
mehr zum Autor
nach
soben